Fleming James Bond 13 - Der Mann mit dem goldenen Colt
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-86425-095-8
Verlag: Cross Cult Entertainment
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 13, 300 Seiten
Reihe: James Bond
ISBN: 978-3-86425-095-8
Verlag: Cross Cult Entertainment
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Schöpfer von James Bond, geboren 1908 in London, wurde mit Beginn des Zweiten Weltkriegs selbst zum Geheimdienstler der britischen Krone. Wenn also auch vieles von dem, was man in der James-Bond-Romanreihe - die 1953 mit Casino Royale begann und bereits vor dem ersten Film 'James Bond jagt Dr. No' (1962) begeistert rezipiert wurde - liest, eindeutig in den Bereich der Fiktion gehört, kann das doch nicht über den wahren Kern mancher Episoden und Verweise hinwegtäuschen. Überhaupt lassen sich nicht nur zahlreiche Anspielungen auf das weltpolitische Konfliktpanorama der ersten Nachkriegsjahrzehnte, sondern auch deutliche Parallelen zwischen dem Schriftsteller und seiner Figur feststellen: So flog Fleming schon in jungen Jahren zweimal aufgrund von 'Mädchengeschichten' von der Schule, und auch Flemings Reisen durch ganz Europa als Korrespondent für diverse Zeitungen spiegeln sich in der kosmopolitischen Ader des stets mit neuester Spionagetechnik und ebenso schlagfertigen Sprüchen ausgestatteten Globetrotters wider, der seinen Lieblingsdrink geschüttelt und nicht gerührt wünscht. Bevor Fleming 1964 verstarb, veröffentlichte er neben diversen anderen Büchern zwölf Romane und zwei Kurzgeschichten-Sammlungen mit dem Titelhelden James Bond und konnte noch die Premieren und den Erfolg der beiden ersten Filme genießen, in denen Sean Connery als erste Personifikation des Kultagenten seinen ultimativen Karrieredurchbruch erlebte.
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Der Stabschef stand vor Ms Schreibtisch und sagte nachdrücklich: »Ich würde das wirklich nicht tun, Sir. Ich oder jemand anders kann ihn doch stattdessen empfangen. Mir gefällt diese Sache überhaupt nicht. Ich glaube, 007 hat den Verstand verloren. Es besteht kein Zweifel daran, dass er es ist. Die Fingerabdrücke wurden soeben vom Leiter der Sicherheit bestätigt. Und die Fotos sind auch in Ordnung – ebenso wie die Stimmaufnahme. Aber es gibt einfach zu viel, das keinen Sinn ergibt. Zum Beispiel dieser gefälschte Pass, den wir in seinem Zimmer im Ritz gefunden haben. Er wollte also unauffällig ins Land zurückkehren. Aber die Fälschung ist einfach zu gut. Eine typische Arbeit des KGB. Und der letzte Eintrag ist Westdeutschland und stammt von vorgestern. Warum hat er sich nicht bei Station B oder W gemeldet? Beide Stationsleiter sind mit ihm befreundet, besonders 016 in Berlin. Und warum ist er nicht zu seiner Wohnung gefahren, um dort nach dem Rechten zu sehen? Er hat dort eine Art Haushälterin, eine Schottin namens May, die stets geschworen hat, dass er noch lebt, und die Miete für die Wohnung von ihrem Ersparten weiterbezahlt hat. Das im Ritz ist eine Art ›Bühnen-Bond‹. Und diese neue Kleidung. Warum musste er sich die Mühe machen? Es spielt doch keine Rolle, was er trug, als er in Dover an Land ging. Das normale Verhalten wäre gewesen, mich anzurufen, falls er nur noch Lumpen am Leib hatte, damit ich ihm was Neues besorge – er hatte für solche Fälle meine Privatnummer. Dann wären wir etwas trinken gegangen und er hätte mir seine Geschichte erzählt und sich dann hier gemeldet. Stattdessen haben wir es nun mit diesem typischen Infiltrationsversuch zu tun und die Sicherheitsabteilung ist in höchster Alarmbereitschaft.«
Der Stabschef hielt inne. Er wusste, dass es aussichtslos war. Sobald er seine Argumentation begonnen hatte, hatte M seinen Sessel zur Seite gedreht, die ganze Zeit über mürrisch aus dem Fenster auf die gezackte Londoner Skyline gestarrt und dabei hin und wieder an seiner nicht angezündeten Pfeife gezogen. Dennoch kam der Stabschef nun stur zum Ende, indem er fragte: »Denken Sie, dass Sie mir diese Angelegenheit überlassen könnten, Sir? Ich kann mich innerhalb kürzester Zeit mit Sir James Molony in Verbindung setzen und 007 zur Beobachtung und Behandlung im The Park unterbringen. Das Ganze wird sehr behutsam ablaufen. Eine Sonderbehandlung und so weiter. Ich könnte behaupten, dass Sie zum Kabinett gebeten wurden oder so. Laut der Sicherheitsabteilung sieht 007 ein wenig dünn aus. Wir päppeln ihn wieder auf. Genesungszeit und das alles. Das könnte der Vorwand sein. Wenn er die Beherrschung verliert, können wir ihm immer noch Medikamente geben. Er ist ein guter Freund von mir. Er wird es uns nicht übel nehmen. Er muss offensichtlich wieder zurück in die Spur kommen – wenn wir ihm dabei helfen können, sollten wir das tun.«
M drehte langsam seinen Sessel herum. Er schaute in das erschöpfte Gesicht auf, in dem sich die Anspannung zeigte, die es mit sich brachte, seit über zehn Jahren die Nummer zwei beim Secret Service zu sein. M lächelte. »Danke, Stabschef. Aber ich fürchte, so einfach ist das nicht. Ich habe 007 auf seine letzte Mission geschickt, um ihn von seinen privaten Sorgen loszureißen. Sie erinnern sich sicher noch, wie es dazu kam. Tja, wir hatten keine Ahnung, dass diese relativ harmlos wirkende Mission mit einem Kampf auf Leben und Tod gegen Blofeld enden würde. Oder dass 007 für ein Jahr spurlos verschwinden würde. Nun müssen wir herausfinden, was während dieser Zeit passiert ist. Und 007 hat vollkommen recht. Ich habe ihn auf diese Mission geschickt und er hat jedes Recht, sich persönlich bei mir zurückzumelden, um Bericht zu erstatten. Ich kenne 007. Er ist ein sturer Bursche. Wenn er sagt, dass er mit niemandem sonst reden wird, dann ist das so. Natürlich will ich hören, was mit ihm passiert ist. Sie werden mithören. Besorgen Sie sich eine Handvoll guter Männer. Wenn er aggressiv wird, können Sie reinkommen und ihn sich schnappen. Was seine Waffe angeht« – M deutete vage in Richtung Decke – »darum kann ich mich kümmern. Haben Sie das verdammte Ding getestet?«
»Ja, Sir. Es funktioniert einwandfrei. Aber …«
M hob eine Hand. »Tut mir leid, Stabschef. Das ist ein Befehl.« Ein Licht blinkte an der Gegensprechanlage auf. »Das wird er sein. Schicken Sie ihn sofort rein, ja?«
»Wie Sie wollen, Sir.« Der Stabschef ging hinaus und schloss die Tür.
James Bond stand da und lächelte leicht auf Miss Moneypenny hinab. Sie wirkte bestürzt. Als James Bond den Blick hob und »Hallo, Bill« sagte, trug er immer noch dasselbe entrückte Lächeln zur Schau. Seine Hand streckte er nicht aus. Mit einer Herzlichkeit, die in seinen Ohren schrecklich falsch klang, erwiderte Bill Tanner: »Hallo, James. Lange nicht gesehen.« Gleichzeitig sah er aus dem Augenwinkel, wie Miss Moneypenny schnell und heftig den Kopf schüttelte. Er sah ihr direkt in die Augen. »M möchte 007 umgehend sehen.«
»Sie wissen doch, dass M in fünf Minuten ein Treffen im Kabinettsbüro hat, oder?«, log Miss Moneypenny verzweifelt.
»Ja. Er sagt, Sie müssen ihn dort entschuldigen.« Der Stabschef wandte sich an James Bond. »In Ordnung, James. Gehen Sie rein. Schade, dass Sie keine Zeit zum Mittagessen haben. Aber lassen Sie uns ein wenig Klatsch austauschen, sobald M mit Ihnen fertig ist.«
»Das dürfte gehen«, erwiderte Bond. Er straffte seine Schultern und trat durch die Tür, über der das rote Licht bereits brannte.
Miss Moneypenny vergrub ihr Gesicht in den Händen. »Oh, Bill!«, stieß sie verzweifelt hervor. »Irgendetwas stimmt nicht mit ihm. Ich habe Angst.«
»Ganz ruhig, Penny«, erwiderte Bill Tanner. »Ich werde tun, was ich kann.« Schnell ging er in sein Büro und schloss die Tür. Dann eilte er zu seinem Schreibtisch und betätigte einen Schalter. Ms Stimme ertönte im Raum. »Hallo, James. Schön, Sie zurückzuhaben. Nehmen Sie Platz und erzählen Sie mir alles.«
Bill Tanner griff nach dem Bürotelefon und verlangte nach dem Leiter der Sicherheit.
James Bond nahm seinen üblichen Platz vor dem Schreibtisch gegenüber M ein. Ein Sturm aus Erinnerungen wirbelte durch sein Bewusstsein wie ein schlecht geschnittener Film auf einem verrückt gewordenen Projektor. Bond verschloss seinen Verstand vor diesem Sturm. Er musste sich auf das konzentrieren, was er zu sagen und zu tun hatte, und sonst nichts.
»Ich fürchte, es gibt immer noch eine Menge Dinge, an die ich mich nicht erinnern kann, Sir. Ich habe irgendwann einen Schlag auf den Kopf bekommen« (er berührte seine rechte Schläfe) »als ich diesen Auftrag in Japan ausführte, den Sie mir erteilt hatten. Dann weiß ich nichts mehr, bis ich von der Polizei am Hafen von Wladiwostok aufgelesen wurde. Ich habe keine Ahnung, wie ich dort gelandet bin. Sie haben mich ein wenig aufgemischt und dabei muss ich wohl einen weiteren Schlag auf den Kopf bekommen haben, denn plötzlich erinnerte ich mich wieder daran, wer ich war und dass ich kein japanischer Fischer war, wie ich bis zu diesem Moment gedacht hatte. Danach übergab mich die Polizei natürlich der örtlichen Abteilung des KGB – es handelt sich übrigens um ein großes graues Gebäude in der Morskaja Ulitsa mit Blick auf den Hafen in der Nähe des Bahnhofs –, und nachdem sie meine Fingerabdrücke nach Moskau geschickt hatten, gab es jede Menge Aufregung und sie flogen mich von einem Militärflughafen nördlich der Stadt bei Vtoraja Rechka dorthin und verbrachten Wochen damit, mich zu befragen – oder besser gesagt, sie versuchten es, denn ich konnte mich immer nur dann an etwas erinnern, wenn sie mir etwas erzählten, dass sie selbst wussten. Dann konnte ich ihnen ein paar verschwommene Einzelheiten nennen und damit zu ihrem Wissen beitragen. Das war sehr frustrierend für sie.«
»Sehr«, kommentierte M. Zwischen seinen Augen deutete sich ein kleines Stirnrunzeln an. »Und Sie erzählten denen alles, was Sie konnten? War das nicht recht, ähm, großzügig von Ihnen?«
»Sie waren in jeder Hinsicht sehr freundlich zu mir, Sir. Es schien das Mindeste zu sein, das ich tun konnte. Es gab da dieses Institut in Leningrad. Sie haben mich dort hervorragend behandelt. Die besten Gehirnspezialisten und all das. Sie schienen es mir nicht vorzuwerfen, dass ich den Großteil meines Lebens gegen sie gearbeitet hatte. Und es kamen auch noch andere Leute und sprachen sehr vernünftig mit mir über die politische Situation und so weiter. Die Notwendigkeit, dass Osten und Westen zusammenarbeiten, um den Weltfrieden zu erreichen. Sie machten mir eine Menge Dinge klar, die mir vorher gar nicht bewusst gewesen waren. Sie haben mich wirklich überzeugt.« Bond starrte stur über den Tisch hinweg in die klaren blauen Seemannsaugen, in denen nun ein roter...




