E-Book, Deutsch, Band 1, 380 Seiten
Reihe: MRH
Flörken Monumenta Rhenaniae Historica
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7583-8848-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Texte und Bilder zur Geschichte des Rheinlandes, Band 1
E-Book, Deutsch, Band 1, 380 Seiten
Reihe: MRH
ISBN: 978-3-7583-8848-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bilder und Texte zur Geschichte Bonns, Kölns oder des Rheinlandes von der Römerzeit bis in die Gegenwart. Texte auch in Latein oder Französisch, überwiegend ins Deutsche übersetzt. Dies ist der erste Band, weitere sollen in Zukunft folgen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Grabstein des Marcus Caelius1
Kenotaph für einen in der Varusschlacht
gefallenen Offizier
bald nach 9 n.Chr., gefunden 1620 bei Xanten, BHT 108/137/- M CAELIO T F LEM BON
... O LEG XIIX ANN LIII S
... CIDIT BELLO VARIANO OSSA
... NFERRE LICEBIT P CAELIVS T F LEM FRATER FECIT M[arco] Caelio T[iti] f[ilio] Lem[onia tribu] Bon[onia]
[I] ordini leg[ionis] 18 ann[orum] 53 s[emissis]
[ce]cidit bello Variano. Ossa [libertorum i]nferre licebit.
P[ublius] Caelivs T[iti] f[ilius]
Lem[onia tribu] frater fecit. Dem Marcus Caelius, dem Sohn des Titus, aus dem Stimmbezirk Lemonia, gebürtig aus Bononia [=Bologna], Centurio der 18. Legion, 53 ½ Jahre alt. Er fiel im Varus-Krieg. Die Gebeine der Freigelassenen dürfen [hier ebenfalls] bestattet werden. Sein Bruder Publius Caelius, Sohn des Titus, aus dem Stimmbezirk Lemonia, hat [den Grabstein] errichten lassen. Material: lothringischer Kalkstein Caelius ist in der Varusschlacht im »Teutoburger Wald« im Jahre 9 n.Chr. gefallen, mit ihm drei Legionen römischer Soldaten, Hilfstruppen und Troß, zusammen 15 bis 20 Tausend Menschen. Nur eine Hand voll Soldaten rettete sich nach Castra Vetera (=Xanten) und konnte dort von der Katastrophe berichten. Das Grab blieb leer. – Sehr wahrscheinlich hat die mehrtägige Schlacht in der Nähe des kleinen Ortes Kalkriese stattgefunden: https://www.kalkriese-varus-schlacht.de/index.html. Grabstein des Lucius Poblicius2
Ein Grabstein für einen reichen Veteranen
um 40 n. Chr., gefunden 1967 Jahren in Köln, Chlodwigplatz 24, BHT -/1470/- L POBLICII L F TERE
VETERA LEG V ALAVDA EX TES- TAMENTO
ET P VLLAE F ET VIVIS
O MODESTO L P H M L[ucio] Poblicio L[uci] f[ilio] Tere[tina tribu]
vetera[no] leg[ionis] 5 Alavda ex testamento
et P[a]vllae f[iliae] et vivis
[- - - coniugi]
[et L[ucio]? Poblicio - - - f[ilio]]
[et libertis]
[L[ucio] Poblici]o Modesto L[ucio] P[oblicio - - -].
[H[oc]] m[onumentum] h[eredem] [n[on] s[equetur]] Dem Lucius Poblicius, des Lucius Sohn, aus dem Bürgerbezirk Teretina Veteran der 5. Legion, [genannt:] Lerchenlegion, nach dem Testament und für Paulla, seine Tochter, und die Lebenden dem ...us Modestus, dem Lucius P... Dieses Denkmal wird den Erben nicht zuteil werden. Pobilicius aus Kampanien hat den 20jährigen Militärdienst in unruhiger Zeit überlebt und anschliessend – offensichtlich - so viel Geld verdient, dass er sich dieses monumentale Grabmal leisten konnte, das im Kölner Süden an der Strasse nach Bonn stand; genau: am Chlodwigplatz. Der Text ist in der unteren Hälfte sehr unsicher. Beschreibung3 „Zweigeschossiger Grabbau mit pyramidalem Dach. Das erste Geschoß, das sich über einem niedrigen Sockel erhebt, ist durch Eckpilaster gegliedert. Auf der Vorderseite war die Inschrift angebracht. Darüber befindet sich eine über die gesamte Breite verlaufende Girlande. Das Untergeschoß wird oben durch eine Gebälkzone abgeschlossen. Der Fries ist mit einem Rankenornament verziert. Darüber, von letzteren durch ein plinthenähnliches Zwischenglied getrennt, erhebt sich das zweite Geschoß, an das Vorbild einer 4-säuligen Tempelfront angelehnt. Zwischen den Säulen stehen die Statuen des Poblicius und seiner Familie. Über der Gebälkzone, deren Fries Waffendekor zeigt, befindet sich das Schuppendach, dessen Eckakrotere Tritonen bilden. Das Dach wurde beim Wiederaufbau mit einer Aeneasgruppe versehen, deren Zugehörigkeit zum Grabmal unwahrscheinlich ist.“ Grabstein des Q. Petilius Secundus4
Im Dienst jung verstorben
um 70 n. Chr., gefunden 1755 beim (Erweitertungs-)Bau des Residenzschlosses in Bonn; BHT 61/163/15 Q PETILIUS Q F OFEN
SECVNDVS DOMO
MEDIO MILES LEG
XV PRIM ANN XXV
STiP V H EX T F C Q[uintus] Petilius Q[uinti] f[ilius] O[u]fen[tina]
secundus domo
Medio[lano] miles leg[ionis]
15 prim[igeniae] ann[orum] 25
stip[endiorum] 5 h[eres] ex t[estamento] f[aciendum] c[uravit] Quintus Petilius, Sohn des Quintus, aus dem Stimmbezirk Oufentina, der zweite aus der Familie, aus Mailand, Soldat der 15. Legion („der Ursprünglichen“), 25 Jahre alt, 5 Dienstjahre. Der Erbe hat es aus dem Testament anfertigen lassen. In Bogennische stehende Ganzfigur eines Soldaten mit Waffen. Schuhe, Paenula und kurze Tunica mit zwei Gürteln, am oberen rechts Schwert (gladius), am unteren links Dolch. Vom oberen Gürtel hängen in der Mitte vier Riemenzungen mit Lunulae. In der Rechten Speer (pilum). In den Zwickeln über dem Bogen Akanthusblätter, am Bogenrand tordiertes Band. Grabstein des M. Valerius Celerinus5
Ein Grabstein für einen spanischen Veteranen
der Agrippina-Stadt
um 100 n. Chr., gefunden 1885 in Köln, Richard-Wagner-Straße; BHT 96/196/29 M VAL CELERINVS
PAPIRIA ASTIGI
CIVES AGRIPPINE
VETER LEG X G P F
VIVOS FECIT SIBI
ET MARCIAE PRO
CVL VXORI M[arcus] Val[erius] Celerinvs
Papiria Astigi
cives [=civis] Agrippine[nsis]
veter[anus] leg[ionis] 10
g[eminae] p[iae] f[idelis]
vivos [=vivus] fecit sibi
et Marciae Pro
cvl[ae] vxori Marcus Valerius Celerinus aus dem Bürgerbezirk Papiria, geboren in Astigi (heute: Ecija, Spanien), war Bürger der Agrippinenserstadt, ein Veteran der 10. Legion, der Zwillingslegion, der ergebenen, der treuen. Er liess den Stein zu Lebzeiten anfertigen für sich und für Marcia Procula, seine Frau. Ikonographie: Totenmahl unter Muschelnische. Mann in Tunica und Toga auf Kline, am Fußende Frau auf Lehnsessel, auf den Knien Korb mit Früchten, neben dem Sessel Korb mit Rocken. Vor der Kline Tischchen mit Gefäßen und große Kanne, rechts stehender Diener. Auch Celerinus, der Spanier, hat – wie Poblicius – den Militärdienst überlebt und irgendwann geheiratet. Noch zu Lebzeiten hat er dem Steinmetz den Auftrag für diesen Grabstein erteilt; dieser oder der Auftraggeber selbst waren allerdings im Lateinischen nicht so firm: er schreibt CIVES statt CIVIS und VIVOS statt VIVUS. – Der offizielle Name Kölns war damals CCAA: »Colonia Claudia ara Agrippinensium«, übersetzt etwa Claudische Stadt mit dem Altar der Agrippina-Familie. Kaiserin Agrippina die Jüngere setzte nämlich im Jahre 50 n. Chr. bei ihrem Ehemann, dem Kaiser Claudius, durch, dass ihre Geburtstadt den Rang einer COLONIA, einer Stadt römischen Rechts, erhielt. Im Alltag musste man nun mit dem sperrigen Namen umgehen, und da entschied sich zumindest Celerinus für »Agrippina-Stadt«, denn COLONIA hiess ja nur »Stadt«, und das konnte ja für die Römer kein Name sein. – siehe 921 Nov 07 Freundschaftsvertrag von Bonn, hier Seite 33. Weihestein des Vettius Severus für die Aufanischen Matronen6
Ein Beamter aus Köln stiftet diesen Stein zu
Ehren der einheimischen Matronen
164 n. Chr., gefunden 1928 unter dem Bonner Münster; BHT -/132/-. MATRONIS
AVFANIABVS
Q VETTIVS SEVERVS
QVAESTOR CCAA
VOTVM SOLVIT L M
MACRINO ET CELSO COS Matronis
Avfaniabvs
Q[uintus] Vettivs Severvs
qvaestor CCAA
votvm solvit l[ibens] m[erito]
Macrino et Celso con[sulibus] Den Aufanischen Matronen weiht [diesen Stein] Quintus Vettius Severus, Quaestor in Köln, er löste das Gelübde froh gern und nach Gebühr ein, im Konsulat des Macrinus und Celsius Ikonographie: Über dem Sockel mit der Votivinschrift drei thronende Matronen mit Fruchtschalen auf den Knien, wobei die äusseren Frauen durch ein Haube als verheiratet dargestellt werden, die mittlere ohne Haube und oft kleiner als unverheiratet. Über der Rückenlehne der Sitzbank Büste von drei Personen. Seitlich links Diener, rechts Dienerin. Auf den Nebenseiten je eine Frau mit Fruchtschale und Girlande in den Händen. Einer der über 800 Weihesteine zu Ehren der MATRONAE im Rheinland. Der Matronenkult war ein lokal verwurzelter gallo-römischer Kult von Muttergottheiten, unter den germanischen oder keltischen Legionären weit verbreitet; aber die größte Anhängerschaft hatten die Matronenkulte »in der romanisierten bodenständigen Bevölkerung«7. »Neben sogenannten Fruchtkörben (Apfel, Granatapfel, Birne, Pinienzapfen), die die Matronen auf ihrem Schoß tragen, hin und wieder auch ein Schatzkästchen, finden sich auch Darstellungen von Opferszenen, Weihrauch und Tieropfern wie Eber und...




