E-Book, Deutsch, Band 15, 464 Seiten
Reihe: Mitch Rapp
Flynn / Mills ORDER TO KILL – Tod auf Bestellung
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-86552-690-8
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 15, 464 Seiten
Reihe: Mitch Rapp
ISBN: 978-3-86552-690-8
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ein Mann zwischen den Fronten der Weltpolitik
Mitch Rapp, Amerikas kompromisslosester Agent, stößt bei einer Auseinandersetzung mit dem pakistanischen Geheimdienst an seine Grenzen. Von falschen Spuren in die Irre geführt, hetzt er mit seinem Partner Scott Coleman von Kontinent zu Kontinent, um zu verhindern, dass das Atomwaffenarsenal des iranischen Nachbarstaats in die Hände von Terroristen gelangt.
Bald wird klar, dass die russische Regierung ihre Finger im Spiel hat und darauf hinwirkt, den Nahen Osten in völliges Chaos zu stürzen. Rapp lässt sich bei einer Gruppe irakischer IS-Kämpfer einschleusen, um die Gefahr direkt an der Quelle zu stoppen und katastrophale Konsequenzen für die ganze Welt abzuwenden.
Mitch Rapp, der Hollywood-Held aus
Booklist: »Die Serie gehört immer noch zum Besten vom Besten unter den Action-Thrillern.«
Lazy Day Books: »Atemlose Spannung und Action, die für Herzrasen sorgt. Mitch Rapps neuestes Abenteuer ist wieder absolut zeitgemäß und provokant.«
Publishers Weekly : »Genauso fesselnd wie aus Flynns Feder. Zufriedene Fans dürfen darauf hoffen, dass Mills ihr Bedürfnis nach mehr Mitch Rapp auch in Zukunft stillen wird.«
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1
In der Nähe von Franschhoek, Südafrika
Mitch Rapp lenkte den Mietwagen auf eine abgelegene Landstraße und fuhr den geschlungenen Pfad zwischen den Weinbergen hinauf. Die Sonne war gerade über dem Horizont aufgetaucht und hüllte die zerklüfteten Hügel vor dem wolkenlosen Himmel in ein orangefarbenes Licht.
Was für ein Kontrast zu den verqualmten pakistanischen Städten, die am Verkehr fast erstickten, in denen er die letzten zwei Monate verbracht hatte. Den Gestank nach Diesel und Schweiß gegen die idyllische Landschaft südafrikanischer Weinanbaugebiete einzutauschen, hätte er unter normalen Umständen als willkommene Abwechslung empfunden. Für den Moment verstärkte diese Umgebung die Beklemmung in seiner Brust aber eher noch.
Nach der Tötung des fundamentalistischen Leiters des pakistanischen Geheimdienstapparats vor einigen Wochen hatten sie sich mit den erwarteten diplomatischen Konsequenzen herumschlagen müssen. Allerdings übertraf die Entwicklung inzwischen selbst die schlimmsten Befürchtungen von ihm und Irene Kennedy.
Für ihn stand außer Frage, dass die Eliminierung von Ahmed Taj nötig gewesen war, um zu verhindern, dass das Atomwaffenarsenal Pakistans in die Hände islamistischer Hardliner geriet. Dummerweise hatte sein Tod ein Machtvakuum hinterlassen, das die instabilen Verhältnisse des Landes aufs Äußerste strapazierte. Umar Shirani, der Stabschef der Armee, nutzte das wachsende Chaos für seine Zwecke und setzte Tajs Bemühungen fort, den relativ moderaten Präsidenten des Landes auszubooten.
Zu den Schlüsselelementen seines Vorgehens gehörte es, die nuklearen Sprengköpfe Pakistans unter seine Kontrolle zu bringen. Er verließ sich darauf, dass die restliche Welt keinen Konflikt mit jemandem riskierte, der über Mittel und Wege verfügte, einen Großteil der Region in eine atomare Wüste zu verwandeln. Zumindest würde es niemand auf eine direkte Konfrontation ankommen lassen.
Deshalb hatte General Shirani die Waffen aus ihren sicheren Verstecken holen und quer durchs Land transportieren lassen, damit die zivilen Kräfte der Regierung keine Möglichkeit bekamen, Einfluss auf ihren Einsatz zu nehmen. Natürlich tat er das unter dem Vorwand, die Sprengkörper aus einer politisch zunehmend instabilen Umgebung in Sicherheit zu bringen, doch niemand kaufte ihm diese Begründung ab. Alles lief auf eine Konfrontation hinaus, bei der sich Pakistans Politiker und die Machtelite früher oder später entscheiden mussten, auf wessen Seite sie sich schlugen.
Rapp und seine Teams waren damit beauftragt worden, den Transport der Waffen zu überwachen und dafür zu sorgen, dass sie keiner terroristischen Vereinigung in die Hände fielen. Eine quasi unmögliche Aufgabe. Man verlangte ernsthaft von ihnen, dass sie das siebtgrößte Atomwaffenarsenal der Welt im Blick behielten, das sich ständig in Bewegung befand, während ihnen die sechstgrößte Armee als Gegner gegenüberstand. Ähnlich aussichtslos, wie ein Hütchenspiel zu gewinnen, bei dem man 100 Bälle gleichzeitig im Auge behalten musste – mit der zusätzlichen Komplikation, dass jeder dieser Bälle über das Potenzial verfügte, beim Explodieren eine Großstadt auszulöschen.
Rapp kurbelte die Scheibe auf der Fahrerseite herunter und beschleunigte. Er fuhr rein aus dem Gedächtnis. Die Karte hatte er sich vor Monaten kurz eingeprägt. Bisher war er nie selbst vor Ort gewesen, sondern hatte sich auf die Arbeit eines CIA-Teams verlassen, dass darauf spezialisiert war, geeignete Locations ausfindig zu machen.
Und genau das hätte er, wenn es nach Irene Kennedy gegangen wäre, auch weiterhin tun sollen: sich auf Spezialisten verlassen. Trotz allem, was gerade in Pakistan vor sich ging, brachte er es jedoch nicht übers Herz, diesen Job zu delegieren. Also übertrug er kurzerhand Scott Coleman die Führung und war in eine Gulfstream G550 der Agency gestiegen, um nach Südafrika zu fliegen.
Ein Fehler? Gut möglich. Eine Vernachlässigung seiner Pflichten? Mit ziemlicher Sicherheit. Aber er hielt es für besser, die Sache innerhalb der nächsten 24 Stunden persönlich zu regeln, statt die komplette nächste Woche damit zu verbringen, von Islamabad aus detaillierte Anweisungen zu erteilen.
Das Handy auf dem Beifahrersitz vibrierte. Er verzog das Gesicht, als er feststellte, dass es sich um eine weitere SMS von Monica Estridge handelte. Es ging um dasselbe Thema wie in den letzten 20 Nachrichten, die er ignoriert hatte. Um Granit.
Er hatte der auffallend hartnäckigen Innenarchitektin die komplette Entscheidungsgewalt für die Fertigstellung des Hauses übertragen, dessen Bau er vor der Ermordung seiner Frau in Angriff genommen hatte. Bedauerlicherweise schien sie das simple Konzept der ›kompletten Entscheidungsgewalt‹ nicht zu begreifen. Er hatte keine Ahnung, wie viele Materialmuster, Farbschattierungen und Holzlackierungen es auf der Erde gab, aber er wurde das Gefühl nicht los, dass diese Frau erst lockerließ, wenn er sich mit allen persönlich beschäftigt hatte.
Die unbefestigte Lehmpiste schwang sich zu einer Anhöhe mit Klippenstreifen empor. Rapp achtete darauf, nicht so schnell zu fahren, dass er unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Als er die Spitze der ersten Kuppe erreichte, erhaschte er einen ersten Blick auf das grau gedeckte Dach des Hauses, nach dem er suchte.
Eine drei Meter hohe Mauer mit farbenfrohen Spitzen aus Glassplittern umgab das Grundstück. Die Bäume waren fast auf Höhe der Rebstöcke eines Nachbarn zurechtgestutzt worden, wodurch sich ein Teil des Areals von hier aus einsehen ließ.
Der Anblick entsprach in etwa dem, der sich auf einem Pferderücken am Ende des letzten Jahrtausends geboten hätte, doch der Schein trog. Hinter der Oberfläche lauerte ein hochmodernes Sicherheitssystem, das bei Alarm nicht nur die örtliche Polizei und einen privaten Wachschutz informierte, sondern auch die führenden CIA-Leute in Südafrika.
Er hatte dafür gesorgt, dass Claudia Gould – inzwischen Dufort – und ihre Tochter kürzlich hier eingezogen waren. Trotz einer langen, schmerzvollen Vorgeschichte und der Tötung ihres Ehemanns durch Stan Hurley ging sie Rapp nicht aus dem Kopf. Ihre Schicksale schienen auf besondere Weise miteinander verbunden zu sein und ließen sich auch durch größte Anstrengungen nicht voneinander trennen.
Ließ er seine Beziehungen mit Frauen Revue passieren, kamen ihm unweigerlich die Begriffe ›Desaster‹ und ›Katastrophe‹ in den Sinn. An besonders miesen Tagen gesellte sich noch ›Super-GAU‹ hinzu. Seine erste große Liebe war bei dem von Terroristen herbeigeführten Absturz von Pan-Am-Flug 103 ums Leben gekommen. Damals hatte er noch an der Syracuse University studiert. Jahre später nahm ihm dann Louis Gould seine Frau und ihr ungeborenes Kind – der inzwischen unter der Erde liegende Gemahl ebenjener Frau, die in dem wunderschönen Cape-Dutch-House lebte, dem er sich gerade näherte.
Seit diesen Tragödien hatte er erfolglos nach jemandem gesucht, der diese Lücke in seinem Leben schließen konnte. Seine Frau Anna war Idealistin gewesen. Einer der Gründe, weshalb er sich in sie verliebt hatte. Während ihn die Finsternis der Welt zu übermannen drohte, begegnete sie allem mit unermüdlichem Optimismus und Hoffnung. Durch die gemeinsam verbrachte Zeit hatte er einen Teil seiner Menschlichkeit wiedergefunden, die er schon verloren wähnte.
Rückblickend war ihre Beziehung kein Zuckerschlecken gewesen. Anna tat sich schwer damit, seinen Job zu akzeptieren. Ihr Verstand machte ihr zwar klar, dass es Männer wie ihn geben musste, aber tief im Inneren schien sie ihn für einen Teil des Problems zu halten. Einen von vielen gewalttätigen Männern auf der Welt, der verhinderte, dass sich ihr persönliches Ideal von Frieden und Harmonie erfüllte.
Eine weitere Frau wie Anna Reilly schied damit als potenzielle Partnerin aus.
Er versuchte es mit dem exakten charakterlichen Gegenteil und ließ sich mit einer italienischen Auftragskillerin ein, doch ihre Liaison war von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Für sie sprachen ihre Schönheit, ihr aufregendes Leben und die Tatsache, dass es sie überhaupt nicht störte, wenn er zu einer Mission aufbrach. Dafür wurde er das Gefühl nicht los, dass sie ihm für einen entsprechenden Preis jederzeit, ohne mit der Wimper zu zucken, im Schlaf einen Eispickel in den Rücken gerammt hätte.
Nach Donatella beschränkte er sich auf kurze Techtelmechtel, die kaum über den Status von One-Night-Stands hinausgingen. Eine frühere Agentin vom Secret Service. Eine Hedgefonds-Managerin, die ihm sein Bruder mal vorgestellt hatte. Eine rothaarige Air-Force-Pilotin, die bei einigen seiner Operationen den Support übernahm.
Bei Claudia fühlte es sich irgendwie anders an. Sie waren sich vor Jahren zum ersten Mal begegnet. Damals hatte er eine offene Rechnung mit ihrem Mann begleichen wollen und ihr eine Pistole an die Schläfe gehalten. Zu behaupten, dass der Blick in ihren Augen ihn seitdem verfolgte, wäre eine Übertreibung. Trotzdem hatte er sie nie vergessen.
Claudias Vergangenheit war nicht so makellos wie die von Anna, aber bei Weitem nicht so blutig wie Donatellas. Sie hatte eine reizende Tochter und eine Seele, die immerhin so stark angekratzt war, dass sie sich mit dem Gedanken anfreunden konnte, jemanden wie ihn in ihr Leben zu lassen.
Die Perspektive einer gemeinsamen Zukunft hatte ihn dazu veranlasst, sich persönlich darum zu kümmern, dass Claudia in einem anderen Land mit einer unbefleckten Identität ein neues Leben anfangen konnte. Zumindest mit einer Identität, von der man...




