E-Book, Deutsch, 123 Seiten
Reihe: beTHRILLED
Fölck Stumme Geliebte
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7325-4285-7
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
+ XXL-Leseprobe "Totenweg"
E-Book, Deutsch, 123 Seiten
Reihe: beTHRILLED
ISBN: 978-3-7325-4285-7
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Was machst du, wenn Geld das Einzige ist, auf das du dich verlassen willst, du aber keins mehr hast? Was machst du, wenn jemand anderes der bessere Sohn ist? Und was machst du, wenn du eine verlorene Liebe finden sollst und jemand mit allen Mitteln verhindern will, dass du sie findest?
Der junge Hamburger Anwalt Lars Kaufmann wird mit einem ungewöhnlichen Anliegen konfrontiert: Für seinen Mandanten Albert Callsen, einen vermögenden Reedereibesitzer, soll er Irene Sundermann finden. In den 1950er Jahren hatte Callsen eine Liaison mit der jungen Frau und wollte sie gegen den erbitterten Widerstand seiner Familie heiraten. Doch eines Tages verschwand Irene spurlos und für immer ...
Auf der Suche nach Callsens großer Liebe verstrickt sich Lars immer tiefer in die Geheimnisse der Reederfamilie. Er muss am eigenen Leib erfahren, dass es jemanden gibt, der verhindern möchte, dass Lars weitersucht und der auch vor Gewalt nicht zurückschreckt ...
Enthält eine XXL-Leseprobe aus Romy Fölcks 'Totenweg'.
eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!
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1
Der junge Anwalt erwachte, als er die Bewegung neben sich spürte.
»Herr Kaufmann?« Jemand beugte sich über ihn.
Er roch ein widerlich süßes Parfüm, öffnete die Augen und sah ins Gesicht der Sekretärin seines Vaters, das vor seinem schwebte. Hatte er tatsächlich die Nacht mit dieser alten Schachtel verbracht? Oh Gott, was hatte er gestern Abend alles eingeworfen?
Die Sekretärin richtete sich auf und sah auf ihn herunter. »Herr Kaufmann, alles in Ordnung mit Ihnen? Brauchen Sie ein Aspirin?«
Lars streckte seinen Rücken durch und sah sich um. Zu seiner Erleichterung saß er an seinem Schreibtisch. Er musste im Büro eingenickt sein.
»Ja, danke, Frau Strade.«
Sie lächelte ihr Reptilien-Lächeln. »Bringe ich Ihnen. Und Ihr Vater will Sie sehen.«
»Okay. Ich gehe später bei ihm vorbei.«
»Er will Sie sofort sehen!« Sie betonte ihre Worte, als gehe es um Leben und Tod.
Lars stöhnte leise und drückte seine Schultern durch. Auch das noch. Sein Kopf fühlte sich an, als habe er ihn beim Sparring schutzlos seinem Gegner überlassen. Gin Tonic, dachte er. Nur zwei oder drei. Und ein paar Nasen Koks. Wieso fühlte er sich dann heute so elend?
Auf der Toilette schöpfte er sich kaltes Wasser ins Gesicht. Er sah in den Spiegel. Blasse Haut, rote Äderchen in den Augen, dunkle Schatten darunter. Das Aspirin lag schon auf seinem Schreibtisch, als er sein Jackett holte. Ein Treffen mit seinem Vater brauchte er jetzt so sehr wie eine Kugel im Kopf. Aber dem Alten widersprach man nicht. Schon gar nicht, wenn man diesen Laden irgendwann übernehmen wollte.
Lars klopfte an und trat erst nach der Aufforderung ein. Es saß noch eine andere Person im Büro. Felix, der Speichellecker! Sein Cousin hatte erst ein Praktikum während seines Jurastudiums und schließlich auch die Wahlstation seines Referendariats hier in der Kanzlei absolviert. Nach seinem Examen hatte der Alte ihn eingestellt, und mittlerweile hatte Felix sich bei seinem Vater so eingezeckt, dass er für ihn fast unabkömmlich geworden war. Dabei war er noch nicht mal der leibliche Sohn seines Onkels. Er war mit acht Jahren adoptiert worden. Eine kleine Made, die sich am Kuchen seiner, Lars´ Familie fett fraß. Lars hatte ihn schon nicht leiden können, als ihm der dünne Brillenheini damals vorgestellt worden war. Ein Vorzeigeschüler, Klassenbester, der nebenbei noch ein paar Sportabzeichen mit nach Hause brachte. Er selbst hatte einige Nachhilfelehrer kommen und gehen sehen, war zu faul gewesen, um Sport zu treiben. Er hatte diesem kleinen Streber während ihrer Kindheit die eine oder andere Abreibung verpasst. Statt Felix´ Einser-Zeugnissen hatte er Freunde gehabt. Er war beliebt gewesen in der Schule, nicht nur, weil er schon immer dieses strahlende Brad-Pitt-Lachen gehabt hatte – ein Türöffner in so mancher Lebenslage. Andere hatte sein Vater für ihn aufgestoßen. Zum Beispiel an der Universität, um einen der begehrten Assistenzjobs bei renommierten Professoren zu bekommen. Alles war gut gelaufen, bis sich diese Made mit ihren hervorragenden Noten auch hier in der Kanzlei breitgemacht hatte. Was hatten die beiden so vertraulich miteinander geredet, bevor er hereingekommen war?
»Lars, setz dich!«, sagte Eduard Kaufmann. Sein Gesichtsausdruck war undurchdringlich. »Wie weit bist du mit der Landmann-Fusion?«
Verdammt! Landmann & Söhne waren ein mittelständisches Unternehmen, was zum Jahresende mit einem Geschäftspartner fusionieren wollte. Er hatte vor einigen Wochen den Auftrag bekommen, die Fusion mit beiden Parteien zu verhandeln und die Verträge aufzusetzen. Nachdem er einige Tage einem der Geschäftsführer erfolglos hinterhertelefoniert hatte, hatte er sich den Fall auf Termin gelegt. Oder hatte er das vergessen? Er konnte sich beileibe nicht erinnern.
»Ich saß gerade dran, als du mich gerufen hast.«
Sein Vater hob eine Augenbraue und sah ihn länger als nötig an. Die Strade musste geplaudert haben, wie sie ihn vorgefunden hatte.
»Heb dir deine Ausflüchte für deine Weiber auf! Du wirst den Fall an Felix übergeben und ihn dazu umfassend briefen. Er wird ab jetzt die Verträge aufsetzen und die Fusion begleiten.«
Lars brauchte einen Moment. »Du nimmst mir den Landmann-Fall weg?« Er schluckte trocken. Das war ein ganz mieser Tag!
Sein Vater lehnte sich in seinem Chefsessel zurück. »Ich habe eine andere Aufgabe für dich. Einer unserer ältesten Mandanten braucht unsere Hilfe.« Sein Vater schob eine Akte an die Tischkante. »Du hast um drei Uhr einen Termin mit Albert Callsen.«
»Callsen, der Reeder?«
»Genau der.«
»Lebt der noch? Der muss um die neunzig sein.«
Ein strenger Blick. »Versau es nicht!«
Lars blätterte die Unterlagen durch. Obenauf lag ein vergilbtes Testament. Ausgerechnet Erbrecht, dachte er. Ein staubtrockener Fall, juristischer Totentanz!
»Du wirst mit Herrn Callsen dieses Testament überarbeiten. Er wünscht einige Änderungen.«
In Felix´ Augen lag ein überlegenes Blitzen. Die Ohrfeige saß. Sein Cousin hatte ihn ausgebootet, hatte sich den komplexen Gesellschafts- und Fusionsvertrag an Land gezogen. Er, Lars Kaufmann, Sohn des Kanzeleiinhabers und einziger Erbe, bekam stattdessen eine Aufgabe, die ein Praktikant im ersten Semester übernehmen konnte. Wann hatte Felix ihn auf das Abstellgleis manövriert?
»Und zieh dir ein frisches Hemd an! Du siehst aus, als hättest du heute Nacht in deinen Klamotten übernachtet.«
Lars spürte nackte Wut in sich aufsteigen. Aber er entgegnete nichts, nahm die Akte und ging aus dem Büro, so wie ein Geprügelter den Ring verließ. Felix warf er einen letzten Blick zu, bevor er die Tür hinter sich schloss. Der Kampf um die Kanzlei hatte begonnen. Das, was sich sein Vater und dessen Vorfahren hier geschaffen hatten, war sein Erbe! Und er würde es bekommen, koste es, was es wolle.
Zwei Stunden später stand Lars in einem holzgetäfelten Büro, in dem ein schmaler, weißhaariger Mann aus dem Fenster auf den Hamburger Hafen blickte. Seine Schultern waren leicht nach vorn gebeugt, und er stützte sich auf einen Gehstock. Seine Stimme war trotz seines Alters rau und kräftig. Der Mandant wies Lars mit dem Stock einen Stuhl vor dem Schreibtisch zu.
»Wo ist Ihr Vater?«, fragte Albert Callsen.
Lars Kaufmann hatte diese Frage erwartet. »Leider ist mein Vater in der Kanzlei unabkömmlich und bat mich, diesen Termin als sein Vertreter wahrzunehmen.«
»Unabkömmlich«, echote Albert Callsen missmutig. »Die Kanzlei Ihres Vaters hat schon meinen Vater vertreten, aber Kaufmann senior fühlt sich unabkömmlich für einen Termin mit einem seiner ältesten Mandanten!« Er griff in eine Schublade und zog eine Pfeife heraus, die er schweigend stopfte.
»Mein Vater sagte, der Termin mit Ihnen sei so wichtig, dass er nicht verschoben werden könne. Deshalb hat er mich gebeten, ihn wahrzunehmen.«
Der Reeder nickte kurz und schien besänftigt.
Er sah dem jungen Anwalt eindringlich ins Gesicht. »Wie alt sind Sie, Herr Kaufmann. Dreißig, zweiunddreißig?«
»Neunundzwanzig, Herr Callsen.«
»Hm.« Der alte Mann entzündete ein Streichholz und paffte einige Male an der Pfeife, bis der Tabak sich entzündet hatte. »Sie wollen also einmal die Kanzlei Ihres Vaters übernehmen.«
Lars nickte, obwohl ihm seit heute erste Zweifel daran kamen, dass er als Nachfolger gehandelt wurde.
»Ich habe keine Kinder, Herr Kaufmann. Ich habe mein Leben lang hart gearbeitet, und wenn sich der Sargdeckel über mir schließt, werden sich meine Nichten und Neffen um das Erbe streiten.« Er paffte nachdenklich. »Die jungen Leute werden die Reederei zerschlagen und verkaufen. Nichts wird mehr vom Namen Callsen übrig bleiben. Nur ein verwitterter Grabstein.«
»Sie erfreuen sich doch bester Gesundheit, wenn ich nicht irre!« Ein kläglicher Versuch, aber der Reeder nickte.
Die wässrigen Augen seines Gegenübers ruhten eine Weile auf Lars. »Ich habe in den letzten Wochen viel nachgedacht. So will und werde ich nicht abtreten. Ich habe einen Auftrag für Sie.«
»Ein neues Testament?«
»Unterbrechen Sie mich nicht ständig«, fiel ihm der Reeder ins Wort. »Ich sagte, ich habe einen Auftrag für Sie. Darüber hinaus möchte ich, dass diese Sache unter uns bleibt. Kein Wort zu Ihrem Vater, verstanden?«
»Geht es denn nicht um Ihr Testament?«
Albert Callsen paffte ein paar Momente gedankenverloren an der Pfeife. »Ich möchte, dass Sie eine Frau für mich finden.«
Lars öffnete überrascht den Mund. Doch der Alte unterband weitere Fragen mit einer strikten Handbewegung. Er zog aus seinem Jackett ein Amulett, das er statt einer Taschenuhr an einer Kette trug, und legte es auf den Tisch. Vorsichtig klappte er den goldenen Deckel auf. Die vergilbte Fotografie einer jungen Frau unter Glas kam zum Vorschein. Dunkle Augen, hohe Wangenknochen, ein unergründliches Lächeln. »Ihr Name ist Irene Sundermann. Jedenfalls war er das vor über sechzig Jahren.«
Lars verließ das Büro seines neuen Mandanten mit gemischten Gefühlen. Der alte Reeder hatte ihm zehntausend Euro in Aussicht gestellt, sollte er die gesuchte Frau ausfindig machen, weitere zehntausend, wenn er ein Treffen mit ihr arrangieren konnte, sollte sie noch leben. Der junge Anwalt war im ersten Moment perplex gewesen und hatte angeboten, eine renommierte Detektei damit zu beauftragen, denn mit Personensuche beschäftigten sie sich nun wirklich nicht. Aber Callsen hatte darauf bestanden, dass dieser Auftrag unter die anwaltliche Schweigepflicht fiel. Er wollte, dass die Suche höchst diskret behandelt wurde, und Lars fragte sich, was es mit dieser ominösen Irene Sundermann auf...




