Foody | WilderReich (Band 1) - Eine schicksalhafte Prüfung | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 320 Seiten

Foody WilderReich (Band 1) - Eine schicksalhafte Prüfung

Bist du bereit für dieses magisch-abenteuerliche Fantasy-Kinderbuch ab 10 Jahren?
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7320-1719-5
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Bist du bereit für dieses magisch-abenteuerliche Fantasy-Kinderbuch ab 10 Jahren?

E-Book, Deutsch, 320 Seiten

ISBN: 978-3-7320-1719-5
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wilde Kreaturen und ungezähmte Magie ... Barclay hasst Abenteuer. Viel lieber möchte er sein Leben als gewöhnlicher Pilzsammler in Biederford verbringen. Bis er eines Tages versehentlich die oberste Regel des Dorfes bricht: Gehe nie zu tief in den Wald, denn dort lauern gefährliche Kreaturen! Prompt wird Barclay von einem solchen Geschöpf angegriffen. Von nun an trägt er ein goldenes Mal auf seiner Haut und besitzt außergewöhnliche Kräfte. Jetzt gilt Barclay als Wilderweise - als einer jener Menschen, die ihr Leben den wilden Biestern verschrieben haben und die in Biederford geächtet werden ... Der mitreißende Auftakt einer fesselnden Fantasyreihe! Der Auftakt einer mitreißenden Fantasyreihe für Kinder ab 10 Jahren, die Abenteuer, Spannung und Wildnis miteinander verbindet. Freundschaft und Identität treffen auf Wald und Tiere - die packend erzählte Geschichte sorgt mit kreativen Wortfindungen für spannende Unterhaltung. Fantasyfans von Woodwalkers, Animox und Endling werden großen Spaß am Lesen haben! Der Titel ist bei Antolin gelistet.

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Barclay Torn wusste so gut wie alles, was es über Pilze zu wissen gab, und das war viel.

Er wusste, dass die giftigen nie auf Bäumen wuchsen. Er wusste, dass die roten mit weißen Punkten Warzen zwischen den Zehen verursachten, die weißen mit roten Punkten hingegen Furunkel, Schwellungen und alle möglichen Arten von Pusteln heilten. Er wusste, welche Pilze einen schläfrig oder wahnsinnig machten oder gar völlig außer Gefecht setzen konnten, wenn man nicht vorsichtig war.

»Du sollst doch Notizen machen«, fauchte Barclay Selby an. Beide Jungen waren bei dem äußerst angesehenen Pilzbauern der Stadt, Meister Fungus, in der Lehre, und weil Barclay älter und klüger war, hatte er das Sagen. Er nahm seine Rolle sehr ernst.

»Ich k…kann nicht gleichzeitig schreiben und gehen«, jammerte Selby, der seinen Federkiel mit der Faust umklammerte. Selby war ein sehr rosiger Junge. Er hatte eine rosige Nase und rosige Wangen, was ihn wie ein gerupftes Huhn aussehen ließ, und sein kurz geschorenes Haar und der stämmige Körperbau verstärkten diese Ähnlichkeit nur noch.

Barclay war in fast jeder Hinsicht das genaue Gegenteil. Obwohl er drei Jahre älter war, war er so klein und dürr, dass Selby vermutlich noch vor dem nächsten Frühjahr einen Kopf größer sein würde. Seine dunklen Augen hoben sich wie Tintenkleckse von seiner pergamentweißen Haut ab und sein schulterlanges schwarzes Haar war zu beiden Seiten des Scheitels streng gekämmt. Es triefte vor Öl, damit es flach am Kopf anlag.

Was daran so schwer sein sollte, im Gehen zu schreiben, war ihm unbegreiflich. Es konnte kaum schwerer sein, als im Gehen zu lesen, und Barclay war selten ohne ein offenes Buch in der Hand unterwegs.

Den beiden Lehrlingen war der äußerst wichtige Auftrag erteilt worden, einen seltenen Pilz namens Trauermorchel zu finden, und zu diesem Zweck hatten sie sich ganz an den Rand des Düsteren Waldes gewagt.

Der Düstere Wald war kein gewöhnlicher Wald. Er war so riesig, dass er auf keine Karte passte, und so gefährlich, dass kein Abenteurer es wagte, ihn zu erkunden. Wie ein großer Schatten ragte er bedrohlich im Westen ihrer Stadt auf.

Die Bäume entlang des Waldrands waren grau und unheimlich, ihre Stämme gezwirbelt, als hätte sie jemand ausgewrungen, und ihre Äste streckten sich wie Krallen zum wolkenverhangenen Himmel hinauf. Außer dem Rascheln des verwelkten Laubs und dem Knacken und Knirschen brüchiger Zweige unter ihren Stiefeln war es völlig still. Es war die einzige Zeit des Jahres, in der man die Trauermorchel finden konnte: die düstere Übergangszeit, nachdem die Bäume all ihre Blätter abgeworfen hatten, aber der erste Schnee noch auf sich warten ließ.

Selby stolperte über eine Baumwurzel und stieß mit Barclays Rücken zusammen.

»Es wäre leichter, im Gehen zu schreiben, wenn du nicht ständig über deine Schulter blicken würdest«, murrte Barclay.

»Aber wir sind so nah am Düsteren Wald! Du weißt, was Meister Fungus über den Wald gesagt hat …«

»Wir sind nicht reingegangen. Und die Stadt ist gleich da drüben.« Barclay zeigte hinter sich auf Biederford. Ihre kleine Stadt lag auf einem höckerartigen Hügel und war von einer Steinmauer umgeben, aus der Speere ragten – wie ein riesiger Dornenstrauch. Auch die Bewohner waren nicht viel freundlicher als Dornensträucher. Sie konnten Faulheit nicht ausstehen, Nickerchen waren ausdrücklich verboten und Besucher waren ihnen zuwider – ganz gleich, ob es sich um Steuereintreiber, Zirkusdarstellerinnen oder, noch schlimmer, Wilderweisen handelte.

Vorschriften waren das Einzige, was die Einwohner von Biederford liebten. Aber für den Düsteren Wald hatten sie nur eine einzige Regel.

Gehe nie und nimmer hinein.

Denn wenn man nicht aufpasste, geriet man so tief hinein, dass man den Weg zurück nicht mehr fand.

Und tief im Düsteren Wald lauerten die Wilderbiester.

Doch als pflichtbewusster Lehrling wäre es Barclay im Traum nicht eingefallen, gegen Biederfords wichtigste Regel zu verstoßen – vor allem, weil er ständig Ärger dafür bekam, dass er versehentlich viele unwichtigere Regeln brach. Er würde genau das tun, wofür er hierhergekommen war: die Trauermorchel finden. Mit oder ohne Selbys Hilfe.

Barclay verstand nicht, warum Meister Fungus darauf bestanden hatte, dass Selby ihn begleitete. Oder warum er überhaupt einen zweiten Lehrling eingestellt hatte. Biederford brauchte nicht zwei Pilzbauern. Und wenn Meister Fungus in Rente ging, würde Barclay – nicht Selby – den Hof von ihm übernehmen.

Schließlich gab sich Barclay größte Mühe, der perfekte Lehrling zu sein. Seine Notizen waren ausführlich und in ordentlicher Schreibschrift geschrieben. Er hatte jede Pilzart im Filosophen-Feldführer zum Auffinden von Fungi Band eins bis neun auswendig gelernt. Meister Fungus hatte höchstpersönlich erklärt, dass Barclay der fleißigste Junge sei, den Biederford je gesehen hatte.

Und genau das war auch der Grund, warum Barclay sich weigerte, mit leeren Händen nach Hause zu gehen. Er musste Meister Fungus beweisen, dass er nur einen Lehrling brauchte.

»Ich gehe nicht. Noch nicht«, erklärte Barclay und marschierte weiter am Waldrand entlang.

Selby folgte ihm, hörte aber nicht auf zu jammern.

Als der ältere Lehrling war es Barclays Verantwortung, Selby zu trösten – und nicht einfach nur, ihm Dinge beizubringen. Selby war noch nie in der Nähe des Düsteren Waldes gewesen, und obwohl Barclay der erfahrenere von beiden war, fand sogar er die knorrigen Bäume noch immer Furcht einflößend.

Aber Barclay fiel es sehr schwer, nett zu Selby zu sein. Zu Hause hatte der jüngere Lehrling viele Brüder und Schwestern, die ihn gernhatten. Eltern, die ihn umsorgten. Ein eigenes Zimmer. Barclay besaß nichts von alldem. Er hatte zwar ein eigenes Zimmer gehabt, aber nur, bis Meister Fungus Selby bei sich aufnahm.

In Biederford gab es kein Waisenhaus. Wenn man Abendbrot und ein Bett für die Nacht wollte, musste man dafür arbeiten. Und so hatte Barclay seit seiner frühesten Kindheit verschiedene Aufgaben übernommen. In der Bibliothek hatte er Bücher aufgestapelt, neue Regeln für den Stadtrat notiert und den Wachposten Speere gebracht. Doch obwohl Barclay stets sein Bestes gegeben und alle seine Aufgaben ausgezeichnet ausgeführt hatte, hatte ihm niemand in Biederford eine Stellung angeboten, als es an der Zeit war, sich für eine Lehre zu entscheiden. Alle waren zu sehr um die Zukunft ihrer eigenen Kinder besorgt und wollten sich nicht auch noch um einen rauflustigen, regelbrechenden Waisenjungen kümmern.

Und so hatte Barclay an der Tür des alten Meister Fungus geklopft und um die Lehrstelle, die sonst niemand bei ihm wollte, gebettelt. Meister Fungus hatte ihn immer wieder und wieder weggeschickt. Aber Barclay ließ nicht locker, bis der Pilzbauer schließlich zustimmte.

Zwei Jahre lang war alles wunderbar gelaufen, bis zu dem Tag, als Selby aufkreuzte. Obwohl er nach wie vor weinte und bei jeder Gelegenheit nach Hause flüchtete, hatte Meister Fungus ihn nicht weggeschickt. Kein einziges Mal.

»Es wird bald dunkel«, jammerte Selby Barclay die Ohren voll.

»Bis dahin sind es noch Stunden«, gab Barclay zurück.

»Es ist eiskalt.«

»Es ist Winter. Was hast du erwartet?«

»Ich habe Hunger.«

»Hast du dein Mittagessen nicht gegessen?«

»Ich hab’s an Gustav verfüttert.«

Gustav war Meister Fungus’ Hausschwein, das im Boden verborgene, wertvolle Trüffel erschnüffelte. Normalerweise begleitete Gustav die Jungen bei allen Suchen wie dieser, doch das Schwein hatte im vergangenen Jahr unerklärlicherweise stark zugenommen und das sogar so sehr, dass selbst Watscheln es ermüdete. Es verbrachte den ganzen Tag damit, neben der Feuerstelle zu dösen.

»Du hast Gustav die ganze Zeit gefüttert?« Barclay vergrub das Gesicht in den Händen. Das Rätsel der Schweinemast war gelöst und wieder einmal erwies sich, dass Barclays Probleme Selbys Schuld waren.

»Ich mag keine Pilze!«, beschwerte sich Selby. »Sie sind schleimig und schmecken nach Erde!«

Barclay wollte seinen Ohren nicht trauen. »Warum bist du dann hier?«, schrie er. Genau diese Frage hatte ihn schon seit Ewigkeiten geplagt. Auch empfand er es als persönliche Beleidigung – ihm schmeckten Pilze sehr.

Selbys rosiges Gesicht lief mehrere Schattierungen rosiger an und er brach in Tränen aus. »Meine Mama hat gesagt, es wäre eine gute Zukunft für mich.«

Das erschien Barclay als ein bisschen zu viel Druck für einen Achtjährigen und er bekam ein schlechtes Gewissen.

Aber Barclay durfte sich nicht ablenken lassen. Wenn er seine Lehrstelle behalten wollte, hatte er keine Zeit, für irgendjemand anderen als sich selbst Mitleid zu haben. Nur diese Arbeit stellte sicher, dass Barclay in Biederford wirklich dazugehörte. Und Biederford, ganz gleich, wie klein, ländlich und regelbesessen es auch sein mochte, war Barclays Zuhause. Er würde es nie verlassen.

Als Barclay sehr klein gewesen war, noch vor dem Tod seiner Eltern, hatte er immer von Abenteuern geträumt. Er verbrachte Stunden damit, sich die Welt außerhalb von Biederfords dornigen Mauern vorzustellen, andere Orte, Städte und Königreiche in weit entfernten Gefilden jenseits des Düsteren Waldes.

Doch seine Eltern hatten Biederford geliebt – ein Leben voller Ungewissheit und Gefahren hätten sie sich nicht für ihr einziges Kind gewünscht. Und Barclay wollte ihre Wünsche respektieren. Er bemühte sich, sein Verlangen nach Abenteuern zu vergessen...



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