E-Book, Deutsch, Band 252022, 144 Seiten
Reihe: Julia
Forbes Mit dir unter den Sternen des Südens
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7515-1015-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 252022, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-1015-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Für einen Neuanfang nach ihrer Scheidung entschließt Luci sich spontan zu einem Wohnungstausch. Dumm nur, dass das elegante Apartment am Hafen von Sydney auch noch vom sexy Bruder ihres Tauschpartners bewohnt wird. Doch als es heiß zwischen Seb und ihr knistert und er sie unter den Sternen des Südens verlangend küsst, beschließt sie: Eine Affäre mit dem freiheitsliebenden Einzelgänger ist genau das Richtige, um die Vergangenheit endgültig hinter sich zu lassen! Sie darf nur nicht ihr Herz an Seb verlieren ...
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1. KAPITEL
„Oh mein Gott, Flick, ich wünschte, du könntest das hier mit eigenen Augen sehen.“
Luci hatte heute zwar schon mehrmals mit ihrer besten Freundin telefoniert, aber ihre neue Bleibe hatte sie so begeistert, dass sie einfach noch einmal anrufen musste.
„Das Apartment scheint dir also zu gefallen.“ Flick klang amüsiert.
„‚Gefallen‘ ist gar kein Ausdruck. Ich liebe einfach alles hier!“ Luci spazierte durch die verschiedenen Räume, während sie sprach. „Es liegt direkt am Hafen. Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich das Meer, und zum Strand sind es nur ein paar Meter. Ich kann sogar das Rauschen der Wellen hören. Ich frage mich nur gerade, wie Callum die Umstellung wohl verkraften wird.“
Die Idee, mit einem Unbekannten die Wohnungen zu tauschen, war so spontan entstanden, dass sie keine Zeit gehabt hatte, genauer darüber nachzudenken. Jetzt fühlte es sich allerdings merkwürdig an, durch ein fremdes Apartment zu laufen. Schließlich hatte Luci fast ihr ganzes bisheriges Leben in der vertrauten Umgebung ihrer Heimatstadt verbracht.
Callum Hollingsworths Wohnung am Hafen von Sydney war elegant, modern und mit wenigen, erlesenen Designermöbeln ausgestattet. Sie wirkte betont maskulin. Ihr eigenes kleines Cottage in Vickers Hill hingegen war im romantisch-verspielten Landhausstil eingerichtet und wirkte auf charmante Art ein wenig altmodisch. Was für ein Kontrast! Es war klar, dass sich ihre Vorstellungen von geschmackvollem Ambiente völlig unterschieden. Was er wohl von mir denkt, wenn er mein Haus sieht? Wahrscheinlich, dass ich ein Landei mit einer fragwürdigen Vorliebe für Kitsch bin. Egal, sie würde ihn ohnehin nicht treffen.
Ein durchdringendes Pfeifen drang aus dem Hörer. Es klang wie ein Zugsignal.
„Bist du schon am Bahnhof?“, fragte Luci ihre Freundin.
Sie hatte sich mit Felicity, die von allen nur Flick genannt wurde, eine Auszeit am Bondi Beach gegönnt, bevor morgen ihre Fortbildung am North Sydney Hospital beginnen würde.
„Der Zug kommt gleich. Ich hab mir noch einen Kaffee geholt und warte darauf, dass ich endlich einsteigen kann.“
„Ruf mich an, wenn du angekommen bist“, bat Luci.
„Na klar. Was hast du denn heute noch Schönes vor?“, fragte Flick unternehmungslustig.
„Ich glaube, ich probiere schon mal aus, wie lange ich zu Fuß zum Krankenhaus brauche. Ich will nicht schon am ersten Tag zu spät kommen.“ Luci hatte sich für einen zweimonatigen Kurs in Kinder- und Familiengesundheitspflege eingeschrieben und nahm ihre Verpflichtung sehr ernst. „Hab bitte ein Auge auf Mum und Dad für mich.“
Das war ihre große Sorge. Sie hatte keine Geschwister, und sie fragte sich, ob ihre Eltern, die beide schon um die siebzig waren, allein zurechtkommen würden. Ihr Vater führte immer noch seine kleine Landarztpraxis, und es war ein Segen, dass ihre Freundin Flick als Sprechstundenhilfe bei ihm arbeitete.
„Versprochen. Ich wünsch dir viel Spaß.“
Luci legte auf und setzte die Erkundungstour durch das Apartment fort. Sie bewunderte die gekonnte Raumaufteilung. Die offen geplante Wohnküche wirkte funktional und dennoch edel. Vom kombinierten Wohn- und Esszimmer führte eine Glastür auf einen großen Balkon mit Blick auf den Strand. Es gab ein Schlafzimmer, zwei Badezimmer und einen kleinen Hauswirtschaftsraum. Es war perfekt. Luci bezog das Gästeschlafzimmer – in Callums Bett zu schlafen, schien ihr zu gewagt.
Nachdem sie ihre Koffer ausgepackt hatte, ging sie zurück ins Esszimmer und trat von dort auf den Balkon, um für einen Moment die Aussicht zu genießen. Gleißende Sonnenstrahlen zauberten faszinierende Lichtreflexe auf das kristallklare Wasser des Hafens. Sie verfolgte die kleinen, weißen Boote, die sich geschickt zwischen den größeren Jachten hindurchmanövrierten. In der Ferne konnte man an den Uferhängen stattliche Villen erahnen, die zwischen mächtigen Eukalyptusbäumen hervorlugten. Es war einfach traumhaft.
Luci war in einer Kleinstadt im Süden Australiens aufgewachsen und hatte noch nicht viel von der Welt gesehen. Zwar hatte sie mit ihrer Familie ein paar Ausflüge an die Küste unternommen, doch große Reisen waren nie drin gewesen.
Später, als sie mit nur einundzwanzig Jahren ihre Jugendliebe geheiratet hatte, hatten andere Dinge Priorität gehabt. Doch nun war sie fünfundzwanzig, geschieden und allein.
Über ein Jahr hatte sie daran zu knapsen gehabt, dass ihr Mann sie verlassen hatte. Er hatte ihren Traum von einer eigenen Familie zerstört, aber deswegen war ihr Leben noch lange nicht vorbei. Es war an der Zeit, endlich etwas von der Welt zu sehen. Ihr Aufenthalt in Sydney bot ihr die Chance, noch mal komplett von vorn anzufangen. Sich neu zu erfinden. Hier kannte sie niemand, also konnte man sie auch nicht auf ihre Rolle als Tochter, Lebensgefährtin oder Ehefrau festlegen. Hier war sie einfach nur Luci.
Luci trat aus der Dusche und wickelte sich in eines der flauschigen Badetücher, die sie in einem kleinen Regal neben dem Waschbecken aufgestapelt vorgefunden hatte. Sie hatte ihr Haar vor dem Duschen zu einem lockeren Dutt hochgebunden, damit es nicht nass wurde. Jetzt löste sie das bunte Gummiband und fuhr sich mit der Hand durch die schulterlangen blonden Wellen, um sie zu glätten. Schnell trocknete sie sich ab. Es war ein langer Tag gewesen, und sie wollte endlich ins Bett. Ihr Fortbildungskurs war anstrengender, als sie es sich vorgestellt hatte. Ihre übliche Arbeit als Krankenschwester auf Station war zwar körperlich fordernder, aber die Vorlesungen waren auch kein Zuckerschlecken.
Immerhin, die erste Woche war fast geschafft. Vielleicht konnte sie am Wochenende endlich ein wenig die Stadt erkunden.
Bisher kannte sie lediglich die Strecke von Callums Apartment zum Krankenhaus, die sie jeden Tag zurücklegte. Es war ungewohnt, unterwegs nur fremde Gesichter zu sehen. Zu Hause in Vickers Hill konnte man keine zwei Schritte tun, ohne einem Bekannten über den Weg zu laufen. Aber gerade das war ja auch das Aufregende hier: Es gab so viel Neues zu entdecken, dass keine Zeit für Heimweh blieb.
Sie wusste inzwischen, wo die Fähre in Richtung Stadt abfuhr, und einen kleinen Strandspaziergang hatte sie auch schon absolviert. Einer der nächsten Punkte auf ihrer To-do-Liste war ein Bad im Gezeitenpool, der in die Felsen am Hafen eingelassen war. Sie hatte noch so viel vor, und sie wusste, dass die zwei Monate in Sydney wie im Flug vergehen würden. So wenig Zeit und so viel zu tun! Aber erst brauchte sie Schlaf.
Sie hängte das feuchte Badetuch über den elektrischen Handtuchtrockner, ging in ihr Schlafzimmer und schlüpfte nackt unter die kühlen Laken des Doppelbetts. Durch das gekippte Fenster drang die warme Frühlingsluft ins Zimmer. Das sanfte Rauschen des nahen Ozeans war so beruhigend, dass sie schon nach wenigen Minuten eindöste.
Es schien nur ein Augenblick vergangen zu sein, als Luci plötzlich durch ein lautes Geräusch aus dem Schlaf aufgeschreckt wurde.
Sie konnte nicht direkt zuordnen, woher der Lärm kam. Luci kannte die Geräusche einer ländlichen Kleinstadt. Krähende Hähne und ratternde Traktoren brachten sie nicht um den Schlaf. Aber die Symphonie der Großstadt mit dem scheppernden Klang der Müllabfuhr, den durchdringenden Signalhörnern der Fähren und den lauten, bierseligen Gesängen der nächtlichen Pubbesucher war gewöhnungsbedürftig. Diese Geräusche drangen normalerweise von weit her durch das offene Fenster bis zu ihr heran. Aber dieses Geräusch war viel näher. Es klang, als wäre die Wohnungstür ins Schloss gefallen. Sofort dachte sie an all die Filme, die sie gesehen hatte, in denen wehrlose Frauen von finsteren Gestalten überfallen wurden. Vielleicht habe ich das Geräusch auch nur geträumt?
Sie zuckte zusammen, als plötzlich ein Lichtschein durch den Spalt unter ihrer Schlafzimmertür fiel. Jemand hatte das Deckenlicht im Flur eingeschaltet. Dann hörte sie Schritte auf den Holzdielen, die langsam näher kamen.
Oh Gott, es ist wirklich jemand im Haus!
Ihr stockte der Atem.
Was mache ich denn jetzt?
Um Hilfe rufen?
Nein, dann findet er mich ja sofort.
Mich bewaffnen? Ja, das war eine prima Idee. Sie hatte irgendwo in der Wohnung eine Golftasche gesehen. Soweit sie wusste, hatten Golfschläger einen Kopf aus Metall. Damit konnte man sich sicher gut verteidigen. Dann fiel es ihr wieder ein. Verdammt noch mal! Die Tasche mit den Schlägern befand sich in einem Schrank in einer Nische neben der Wohnungstür. Da komme ich nicht ran. Sie verfluchte Callums Vorliebe für spärlich eingerichtete Räumlichkeiten. Im Gästezimmer gab es nicht mal eine Vase, die man dem Einbrecher über den Kopf hätte ziehen können.
Sie musste die Polizei rufen. Aber wie schnell konnten die Beamten vor Ort sein? Wohl nicht schnell genug.
Luci war ratlos. Kritische Situationen hatte sie früher immer ihrem Ehemann überlassen. Und die Tatsache, dass sie nicht nur wehrlos, sondern dazu auch noch nackt war, machte sie umso verletzlicher.
Sie setzte sich im Bett auf und tastete panisch nach ihrem Handy. Sie wagte es nicht, das Licht einzuschalten, aus Angst, die Aufmerksamkeit des Fremden auf sich zu ziehen. Die dünne Decke, die ihre Blöße bedeckte, verrutschte ständig. Ich brauche was zum Anziehen! Sie wollte nicht am nächsten Tag mit der Schlagzeile „Junge nackte Frau schlägt Einbrecher in die Flucht“ in der Zeitung...




