Forbes | Nur eine einzige sündige Nacht? | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 112022, 144 Seiten

Reihe: Julia

Forbes Nur eine einzige sündige Nacht?


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7515-0973-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 112022, 144 Seiten

Reihe: Julia

ISBN: 978-3-7515-0973-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Beim Junggesellinnenabschied ihrer Freundin lässt die eher zurückhaltende Ärztin Scarlett spontan alle Hemmungen fallen. Ohne an morgen zu denken, flirtet sie mit dem sexy Stripper Jake. Überzeugt davon, ihn nie wiederzusehen, lässt sie sich zu einem sündhaft heißen One-Night-Stand verführen. Doch schon am nächsten Tag bei der Arbeit stockt ihr der Atem: Ihr neuer Kollege ist niemand anders als Jake! Ohne dass sie es will, schlägt ihr Herz sofort höher. Auch wenn Jake mit seinem frivolen Doppelleben ganz und gar nicht zu ihr passt!

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1. KAPITEL

„Verstehe ich dich richtig? Richard hat dir einen Heiratsantrag gemacht, und du hast abgelehnt?“

Scarlett beugte sich näher an das Ohr ihrer Freundin. „Psst“, flüsterte sie. „Ich möchte nicht, dass es alle wissen, und Richard möchte das ganz bestimmt auch nicht.“

Nervös sah sie sich um. Dieses Gespräch durften die anderen Mädchen in ihrer Runde nicht mitbekommen. Mit den meisten von ihnen arbeitete Scarlett zusammen, und sie wollte nicht der Krankenhaustratsch Nummer eins werden. Erst recht wollte sie nicht als jemand gelten, der Gerüchte in die Welt setzte.

Aber die Mädchen achteten gar nicht auf sie. Heute Abend feierten sie einen Junggesellinnenabschied, und alle warteten darauf, dass sich endlich die Türen des Clubs öffneten, vor dem sie schon eine Weile warteten.

Am Anfang der Schlange stand die zukünftige Braut Candice. An ihrem langen weißen Schleier erkannte man sofort, dass es heute Abend um sie ging. Scarlett fand den Schleier ziemlich albern, aber sie hatte auch nicht viel für Junggesellinnenabschiede übrig.

Oder für Mode. Heute Abend trug sie ein schlichtes schwarzes Kleid und dazu ein dezentes Make-up. Sie wackelte mit den Zehen, die sich in den Schwindel erregend hohen Sandaletten taub anfühlten. Die Schuhe hatte sie sich ausgeliehen. Aber die hohen Absätze waren ein Fehler gewesen.

Scarlett besaß einen schlichten und klassischen Geschmack. Ständig der neuesten Mode hinterherzulaufen, war in ihren Augen reine Geldverschwendung, und ihre schmerzenden Füße waren der beste Beweis dafür. Sie konnte es kaum erwarten, endlich in den Club zu kommen und sich zu setzen.

Der Gang vom Restaurant in der Leigh Street zum Club hatte nur fünf Minuten gedauert, aber mehr konnte Scarlett auf ihren zehn Zentimeter hohen Absätzen auch nicht aushalten.

Kaum zu glauben, wie sehr sie sich darauf freute, hineinzugehen. Immerhin hatte sie noch nie einen Fuß in einen Club gesetzt, in dem Männer für Frauen strippten. Sie hatte nur eine ungefähre Vorstellung davon, was sie heute Abend erwartete. Aber dem leicht bekleideten Türsteher nach zu urteilen, musste sie sich nicht auf ihre Vorstellungskraft verlassen.

Glücklicherweise kannte Candice jemanden, der hier arbeitete. Also mussten sie und ihre Gäste nicht allzu lange an der Tür warten.

Scarlett überlegte, wo man jemanden kennenlernte, der in einem Strip Club arbeitete. Aber als ein gut aussehender junger Mann ihr winkte einzutreten, war es ihr egal. Sie wollte nur eins – endlich sitzen.

„Du musst mir gleich alles ganz genau erzählen“, murmelte Mel, als ein weiterer muskulöser, hemdloser Mann sie begrüßte und zu einem Tisch führte.

Nach einem Moment gewöhnten Scarletts Augen sich an das Dämmerlicht, und sie erkannte eine T-förmige Bühne. Der Laufsteg führte durch die Tische, die im Raum verteilt standen, und am anderen Ende des Raums gab es eine Bar mit Spiegelwänden.

Auf der Tanzfläche vor dem Tresen tanzten junge Frauen im Rhythmus der Musik und sangen lauthals die gespielten Lieder mit. Normalerweise mochte Scarlett keine lauten Partys, aber heute Abend kam ihr die Geräuschkulisse gerade recht. Hoffentlich quetschte Mel sie dann nicht weiter über Richards Antrag aus.

Sie folgte den anderen Mädchen zum Tisch am Ende des Laufstegs und ließ sich auf einen Stuhl sinken. Kaum hatten sie Platz genommen, brachten Kellner leuchtend grüne Cocktails an ihren Tisch.

Mel beugte sich näher zu ihr. „Also, Richard lag nach seiner Herzoperation im Krankenhaus, hat seinen ganzen Mut zusammengenommen, um dir einen Antrag zu machen, und du hast ihn eiskalt abblitzen lassen?“, fragte sie und trank einen Schluck von ihrem Drink.

Offensichtlich kam Scarlett nicht so leicht davon. „So war es nicht“, verteidigte sie sich. „Richard war schon aus dem Krankenhaus entlassen worden.“

„Das macht natürlich einen riesigen Unterschied“, zog Mel sie auf. „Wie hat er dein Nein aufgenommen?“

„Ganz gut. Was sollte er auch machen? Es war meine Entscheidung, und er kann mich nicht zwingen. Ich finde, die Ehe wird überbewertet. Für mich bedeutet eine Heirat nichts.“

Scarlett hatte gute Gründe für ihre Entscheidung gehabt. Sie würde keinen Mann heiraten, nur weil er mit Mitte vierzig in einer Lebenskrise steckte.

„Lass das nicht Candice hören.“

„Sie weiß längst Bescheid. Richard hat sie um ihre Meinung zum Verlobungsring gebeten.“

„Er hat dir einen Ring gekauft?“

Scarlett nickte.

„Wie sah er aus?“

„Wunderschön“, gab Scarlett zu. Ein einzelner viereckiger Diamant in Platin eingefasst, mehr als ein Karat. Ein klassisches Design, genau richtig für sie. Schlicht und teuer. „So atemberaubend, dass ich seinen Antrag fast angenommen hätte.“

„Warum hast du dann Nein gesagt?“

„Richard hat plötzlich angefangen über Kinder zu reden. Da habe ich Panik bekommen. Ich möchte keine Kinder.“

„Wirklich? Warum höre ich das zum ersten Mal?“

Scarlett und Mel waren seit Jahren befreundet – seit sie sich am ersten Tag ihres Medizinstudiums kennengelernt hatten.

„Kinder bedeuten Verzicht. Glaub mir, das weiß ich am besten. Ich habe erlebt, wie viel meine Mutter aufgeben musste, um meine Schwestern und mich großzuziehen. Ich habe hart gearbeitet, um an diesen Punkt meiner Karriere zu kommen, und ich habe noch viel vor. Das werde ich nicht aufgeben, um eine Familie zu gründen.“

Langsam spürte Scarlett die Wirkung des Cocktails. Vielleicht hätte sie beim Abendessen im Restaurant keinen Wein trinken sollen. Sie hörte selbst, dass ihre Aussprache leicht verwaschen klang.

Außerdem schien der Alkohol ihre Zunge zu lockern. Normalerweise erzählte sie nicht so viel über ihr Privatleben. Aber Mel und sie verband eine enge Freundschaft. Am ersten Unitag waren sie als Laborpartnerinnen eingeteilt worden. Damals waren sie die einzigen Studentinnen gewesen, die noch niemanden im Semester kannten.

Mel war aus Tasmanien nach Adelaide gezogen, und Scarlett war etwas älter als die anderen Studenten gewesen. Damals kam es ihr vor, als wäre sie viel älter und passte nicht mehr zu den anderen, dabei war sie selbst kaum mehr als eine Jugendliche gewesen.

In ihrer Einsamkeit hatten Mel und sie zueinander gefunden und eine tiefe Freundschaft entwickelt. Scarlett betrachtete Mel als eine ihrer Schwestern – nur weniger anstrengend.

„Aber du hättest doch nicht sofort Kinder bekommen müssen“, hielt Mel dagegen. „Das kann warten, bis du deine Abschlussprüfungen hinter dir hast.“

„Danach muss ich immer noch Erfahrung als Anästhesistin sammeln, bevor ich mir eine Auszeit vom Beruf nehmen kann. Außerdem will Richard nicht warten. Er ist dreiundvierzig und hat gerade ziemlich viel durchgemacht. Nach seinem Herzinfarkt hat er beschlossen, seine Zukunft zu planen.“

Der Herzinfarkt und die kleine Operation hatten Richard einen Schock versetzt. Plötzlich musste er sich mit seiner eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen. Das war der wahre Grund für seinen Heiratsantrag, das wusste Scarlett.

„Du könntest ein Kindermädchen einstellen. Und eine Reinigungskraft.“

„Also heirate ich, bekomme Kinder und stelle mir dann Personal ein.“

„Klingt doch gut.“ Mel lächelte.

Scarlett schüttelte den Kopf. „Außerdem war das Kinderkriegen nicht der einzige Grund, warum ich den Antrag abgelehnt habe. Es fühlte sich einfach nicht richtig an. Der Antrag hätte sich wie ein Moment anfühlen sollen, auf den ich mein Leben lang gewartet habe.

Aber ich habe mich mehr gefreut, als ich die Weiterbildungsstelle zur Anästhesistin bekommen habe. Das ist doch ein schlechtes Zeichen. Mein Herz hat nicht vor Freude schneller geklopft, sondern vor Panik. Natürlich könnte ich ihn trotzdem heiraten, aber dann aus den falschen Gründen. Ich liebe ihn einfach nicht genug.“

Natürlich hatte sie auch Angst gehabt. Furchtbare Angst sogar. Sie wollte keine Kinder mit einem Mann bekommen, der so viel älter war als sie und unter Herzproblemen litt.

Was, wenn er starb und sie als alleinerziehende Mutter zurückließ? Genau das war ihrer eigenen Mutter passiert, und so wollte Scarlett nicht leben. Um das Risiko einzugehen, war ihre Liebe für Richard nicht groß genug.

Eigentlich hatte sie Richard für eine sichere Wahl gehalten. Dachte, er wollte dieselben Dinge wie sie. Dass er sich ganz auf seine Karriere konzentrierte und mit über vierzig keinen Kinderwunsch mehr hegte.

Aber sie liebte ihn nicht genug, um ihre gesamten Zukunftspläne für ihn zu ändern. Um alles zu riskieren, wofür sie ihr Leben lang gearbeitet hatte.

„Also war’s das? Aus und vorbei?“

„Es ist die richtige Entscheidung. Das weiß ich. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob er mich liebt. Ich glaube, er empfindet einfach Zeitdruck. Vor seinem Herzinfarkt hat er kein einziges Mal über Kinder gesprochen. Ich glaube, er würde mich aus den falschen Gründen heiraten.“

Sie nahm ihr Cocktailglas vom Tisch. Die Kellner sorgten dafür, dass die Gläser der Damen am Tisch immer gut gefüllt waren. Jedes leere Glas wurde sofort durch ein volles ersetzt.

Auch wenn Scarlett eigentlich genug getrunken hatte, nahm sie noch einen Schluck und ließ zu, dass der Alkohol sie ein wenig betäubte. Denn sie wollte nicht die ganze Nacht damit verbringen, an Richard zu denken. Dieses Kapitel ihres Lebens war vorbei.

Seit sie sechzehn war,...



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