E-Book, Deutsch, Band 1730, 144 Seiten
Reihe: Bianca
Forbes Zärzliche Träume über den Wolken
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-86295-300-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1730, 144 Seiten
Reihe: Bianca
ISBN: 978-3-86295-300-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ölverschmierte Hände, ein viel zu weiter Overall - trotzdem wirkt Lee, die an ihrer Cessna herumbastelt, unbeschreiblich weiblich. Nur allzu gerne lässt Rogan sich von der sexy Pilotin jeden Tag in seine Kanzlei nach Seattle fliegen. Allmählich verblassen seine Albträume von dem Flugzeugabsturz, der sein Leben für immer veränderte. Wenn er mit Lee hoch oben über den Wolken schwebt, träumt er nur davon, sie zärtlich zu küssen. Endlich fühlt Rogan sich frei für einen Neubeginn - und eine neue Liebe. Noch ahnt er nicht, dass auch Lee den Absturz nicht vergessen kann ...
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1. KAPITEL
Der Mann beobachtete sie jetzt schon seit fünf Minuten. Wäre er allein gewesen, hätte Lee Tait sich womöglich Sorgen gemacht, zumal es schon langsam dunkel wurde. Immerhin war dies das dritte Mal in drei Tagen. Doch er hatte ein Kind dabei, einen sechs- oder siebenjährigen Jungen, der mit großen, neugierigen Augen zusah, wie sie ihre Cessna wartete.
Das Wasserflugzeug war am Anleger in der kleinen Bucht der Insel angedockt. Der Küstenpfad führte von der Promenade an einigen Ferienhäusern vorbei zurück zum Hafen und zur Inselstadt Burnt Bend – ein hübscher Rundweg von etwa einem Kilometer. Wieso also kam der Mann immer nur bis zum Anleger, beobachtete sie und kehrte dann um?
Im Licht der untergehenden Sonne wirkte er groß und kräftig. Er trug graue Cordhosen, braune Segelschuhe und einen schwarzen Pullover – genau wie das Kind. Wahrscheinlich Vater und Sohn.
Um ihren Blicken zu entgehen, kletterte Lee ins Flugzeug und sah nach, ob ihre letzten Passagiere nichts liegen gelassen hatten. Die Cessna war der einzig positive Aspekt an der schmutzigen Scheidung von ihrem Exmann. Sie hatte sie als Abfindung erhalten, sich damit ihren Traum erfüllt und Sky Dash gegründet, eine Charterflugfirma, mit der sie Passagiere und eilige Post vom Festland zur Insel und zurück beförderte.
Als sie zwischen den Sitzen einen zerknüllten Prospekt entdeckte, bückte sie sich, um ihn aufzuheben. Genau in diesem Moment hörte sie hinter sich eine tiefe angenehme Stimme.
„Hallo.“
Erschrocken richtete sie sich auf und stieß sich den Kopf an der Decke. Sie hatte keine Schritte gehört, aber jetzt standen der Mann und der Junge auf dem Schwimmer vor der Cockpittür. Sie kletterte in den Pilotensitz und versuchte, sich ihre Überraschung nicht anmerken zu lassen.
„Hallo“, erwiderte sie freundlich. Schließlich konnte es sich um zukünftige Passagiere handeln. „Ich bin Lee Tait, Eigentümerin und Pilotin von Sky Dash. Was kann ich für Sie tun?“
„Freut mich, Sie kennenzulernen“, erwiderte der Mann. „Rogan Matteo.“
Als er ihr die Hand schüttelte, spürte sie zunächst angenehme Wärme, dann schoss ein aufregendes Kribbeln ihren Arm hinauf, und ihr Herz schlug plötzlich schneller.
„Rogan. Ein interessanter Name“, bemerkte sie. Der Klang gefiel ihr. Seinen Nachnamen hatte sie schon einmal irgendwo gehört, doch sie kam nicht drauf, wo.
Er hatte graue Augen und schwarze Haare, dazu markante Gesichtszüge, die auf eigenwillige Weise attraktiv wirkten. Seine etwas vorspringende Nase und hohen Wangenknochen verrieten spanische Vorfahren, sein energisches Kinn zeigte Durchsetzungsvermögen. Es war eine sehr männliche Kombination, die Lee sehr aufregend fand. Da er sie immer noch anschaute und es ihr unter seinem Blick langsam heiß wurde, stand sie auf und kletterte zu ihm hinunter auf den Schwimmer. Dort merkte sie, dass der Mann größer war, als sie gedacht hatte. Wenn sie wollte, konnte sie ihren Kopf an seine Brust legen.
Und wie komme ich jetzt darauf? Lee schüttelte den Kopf, um das überraschend verführerische Bild zu vertreiben, und griff nach ihrer großen Werkzeugkiste.
„Und was kann ich nun für Sie tun?“, wiederholte sie ihre Frage und ging in Richtung Promenade, an der es mehrere kleine Läden und Restaurants gab.
„Wie ich höre, fliegen Sie täglich zum Festland.“
„Ja, ich mache montags bis freitags die Postflüge.“
„Und nehmen Sie dabei Passagiere mit?“
„Manchmal. Es kommt darauf an, wo sie hinwollen und wann. Die Post geht vor und hat feste Zeiten. Aber wenn dann jemand mitfliegen will, ist er willkommen.“
„Fliegen Sie auch zu anderen Tageszeiten nur für Passagiere?“
Sie hatten die Promenade erreicht, und Lee blieb stehen. „Natürlich. Solange sich die Flugzeiten nicht mit den Postflügen überschneiden.“
„Ah.“ Matteo schaute nachdenklich aufs Wasser hinaus, wo die Sonne glutrot unterging, dann auf seinen Sohn hinunter. „In etwa einer Woche bräuchte ich für drei oder vier Tage einen Shuttleservice nach Renton. Mein Sohn geht hier zur Grundschule, deshalb muss ich rechtzeitig zurück sein, um ihn abzuholen.“
„Und warum nehmen Sie nicht die Fähre?“
Der alte Lucien Duvall betrieb ein Wassertaxi, das an die sechzig Passagiere fasste, und hielt sich an einen festen Fahrplan.
„Die Fähre fährt zu früh ab und kehrt zu spät zurück. Außerdem komme ich damit nur nach Seattle, aber Sie fliegen bis Renton, und dort befindet sich meine Kanzlei. Ihre Postflüge um acht und um drei passen meinem Sohn und mir besser.“
Und was war mit der Mutter? Wohnte sie woanders? Den Gedanken, dass Matteo wahrscheinlich verheiratet war, fand Lee überraschend enttäuschend.
„Ich zahle natürlich den vollen Preis“, fügte Matteo hinzu.
Lee blinzelte überrascht. Eine Woche lang täglich von der Insel zum Festland und zurück zu fliegen war nicht gerade billig. Entweder er oder seine Firma musste eine Menge Geld haben. Da er kein Einheimischer war – sie kannte jeden der zweitausend Inselbewohner –, tippte Lee darauf, dass er einer dieser reichen Typen war, die sich auf der Insel ein Stück Land kauften, „um die Natur zu genießen“, und es dann mit einer riesigen Luxusvilla bebauten.
Doch das war nicht der Grund für ihr Zögern. Sie konnte sein Geld gut gebrauchen. Nur bedeutete das, ihn eine Woche lang täglich zu sehen, und das wollte sie lieber vermeiden. Dieser Rogan Matteo war ein Mann, der ihr mit einem einzigen Händedruck Herzklopfen bescherte – aber er hatte ein Kind und sicherlich auch eine Frau dazu. Wozu das Leben unnötig kompliziert machen?
Sie setzte sich wieder in Bewegung und ging auf das Café zu, über dem ihre Wohnung lag. Matteo nahm ihr ungefragt die schwere Werkzeugkiste ab.
„Warten Sie das Flugzeug selbst?“, fragte er.
„Jeden Tag.“ Ob er wohl immer so ein Gentleman war? Ihr Herzklopfen verstärkte sich.
„Dann sind Sie also auch Mechanikerin?“
„Keine geprüfte, aber ich habe über die Jahre einiges über Flugzeugmotoren gelernt. Keine Sorge, zwei Mal im Jahr lasse ich einen Flugzeugmechaniker für die große Inspektion kommen.“
Wieder blieb sie stehen und griff nach ihrer Werkzeugkiste. Seine neugierigen Fragen störten sie plötzlich, und es gefiel ihr auch nicht, wie ihr Körper auf ihn reagierte.
„Ich kann Sie fliegen“, erklärte sie. „Aber ich übernehme keine Verantwortung dafür, dass Sie pünktlich zur Arbeit kommen. Es kann sein, dass irgendwas nicht klappt und ich zu spät hier starte. Und wenn Sie auf dem Festland aufgehalten werden, kann ich nicht auf Sie warten.“
„Verstanden. Aber ich habe mich ein wenig umgehört, und so wie’s aussieht, haben Sie in sieben Monaten keinen einzigen Postflug ausfallen lassen und waren auch nie zu spät. Genau wie bei Ihren anderen Flügen.“ Er lächelte warm. „Ich bin Anwalt. Genaue Recherche gehört zu meinem Job.“
Lee schluckte. Er hatte sie überprüft? Was hatte er dann noch alles herausgefunden? Sie war vor drei Jahren auf die Insel zurückgekehrt, um eine Vergangenheit hinter sich zu lassen, die ihr manchmal immer noch Albträume bescherte.
„Rufen Sie mich an“, bat er und reichte ihr eine Visitenkarte. „Dann machen wir was aus. Sie erreichen mich auch abends, ich gehe nie vor elf ins Bett.“
Auf der Karte stand: Rogan B. Matteo, Rechtsanwaltsbüro Matteo & Matteo und eine Adresse in Renton. Führte er die Kanzlei mit seiner Frau?
„Ich lasse diese Woche noch neue drucken, aber die Handynummer ändert sich nicht“, erklärte er.
„In Ordnung“, erwiderte sie. Um endlich seiner verwirrenden Gegenwart zu entkommen, beschleunigte sie ihre Schritte. Na gut, er schien ein netter Kerl zu sein. Aber das waren Anwälte ja immer – solange man sie auf seiner Seite hatte.
„Danke“, rief er ihr nach. „Ach ja, und falls Sie mich erreichen wollen: Ich wohne in der Country Cabin Frühstückspension, bis unser Haus fertig ist.“
Die gehörte ihrer Schwester Kat. „Warum überrascht mich das nicht?“, murmelte Lee. Kats Pension war die hübscheste und günstigste auf der ganzen Insel.
Da hatte dieser Matteo also nicht nur über sie Informationen eingeholt, sondern sich auch bei Kat eingemietet. Zwei Schwestern mit einer Klappe, sozusagen.
Aber was er konnte, konnte sie schon lange. In ein paar Stunden war sie bei Kat zum Abendessen, und dann würde sie sicherlich mehr über ihn erfahren.
Sein Geld würde sie natürlich nicht verschmähen – das konnte sie gut gebrauchen, um ihre kleine Firma am Laufen zu halten. Aber sie würde auf keinen Fall weiter darüber nachdenken, warum dieser Mann ihre Haut zum Kribbeln brachte oder ihr Herz schneller schlagen ließ.
Rogan deckte seinen Sohn liebevoll zu und gab ihm einen Gutenachtkuss. „Bis morgen, Danny.“
Nach dem Spaziergang zum Anleger hatten sie einen ruhigen Sonntagabend mit Vorlesen verbracht.
„Gute Nacht, Daddy.“
Rogan schaltete die Nachttischlampe aus und war schon fast an der Tür, als Danny rief: „Willst du wirklich im Flugzeug von Miss Tait fliegen?“
Sofort kehrte Rogan ans Bett zurück und setzte sich auf die Kante. „Ja, das hab ich vor. Ich will nicht, dass du nach der Schule so lange auf mich warten musst.“
Er fügte nicht hinzu, dass er es nicht mochte, wenn sein Sohn...




