Ford | Star Trek: Der letzte Schachzug | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 0 Seiten

Ford Star Trek: Der letzte Schachzug

Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11456-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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ISBN: 978-3-641-11456-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Friede mit den Klingonen - unmögllich?

Der klingonsche Captain Krenn ist ein brillanter Stratege, auf dem Schlachtfeld ebenso wie als Spieler. Er wird dazu ausersehen, diplomatischen Kontakt zur Föderation aufzunehmen. Dr. Emanuel Tagore hingegen, sein Gegenspieler, der als Botschafter der Föderation ins klingonische Imperium geschickt wird, ist überzeugter Pazifist. Die klingonischen Militärs haben wenig Verständnis für seine Einstellung, dennoch gelingt es ihm, die Idee von einer friedlichen Koexistenz im Bewusstsein der Klingonen zu verankern. Seine Mission droht zu scheitern, als offenbar wird, dass auch den militärischen Befehlshabern der Föderation herzlich wenig an einem interstellaren Frieden liegt...

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Prolog


Fast eine Woche lang hatte die Enterprise geschlafen, doch nun erwachte sie wieder.

Captain James Kirk war die ganze Zeit über an Bord geblieben, während die Besatzung sich in Starbase 12 entspannte: Er erinnerte sich in diesem Zusammenhang an den ernsten Vortrag Dr. McCoys über die Gefahr der Überarbeitung – und an den Hinweis Scotts auf das, was ihm entgehen würde. Selbst Spock hatte die große Basis aufgesucht; er wollte neues Material für die Schiffsbibliothek besorgen.

Doch Kirk bedauerte seine Entscheidung nicht. Er fühlte sich ausgesprochen gut, geradezu prächtig. Ganz allein durchstreifte er das Schiff und inspizierte die einzelnen Abteilungen, ungestört, nur von seinen Gedanken begleitet. Und das empfand er nicht etwa als Arbeit, sondern als reines Vergnügen.

Jetzt kehrten die Besatzungsmitglieder nach und nach zurück und bereiteten die Enterprise auf eine neue Reise vor. Auch darauf reagierte Kirk mit tiefer Zufriedenheit. Er wanderte durch die Gänge und Korridore, erwiderte die Grüße der Männer und Frauen und spürte dabei eine prickelnde Euphorie in sich, so als werde er Zeuge einer neuen Schöpfung.

Verwaltungsunteroffizier Janice Rand kam Kirk entgegen. Sie trug noch immer bequeme Zivilkleidung und hatte sich den Riemen einer Tasche über die Schulter geschlungen. Entgegen den Dienstvorschriften war ihr langes und dichtes Haar hochgesteckt, und das gab ihr ein exotisches Flair. Kirk musterte sie, und ihre ausgefallene Aufmachung weckte vage Erinnerungen in ihm …

Plötzlich fiel ihm ein, wo er schon einmal eine solche Frisur gesehen hatte: bei der Spezialistin Mara, der Gemahlin des klingonischen Captains Kang.

Kirk hob kurz den Arm – eine Geste, die eine Mischung aus militärischem Salutieren und einem freundschaftlichen Gruß war –, und Rand lächelte und winkte ebenfalls.

Sie hat ihren Dienst noch nicht angetreten und deshalb das Recht, ihr Haar so zu tragen, wie es ihr gefällt, dachte Kirk. Aber warum ausgerechnet auf diese Weise …? Seit der Ratifizierung des Organianischen Friedensvertrages war noch nicht so viel Zeit vergangen. Der Captain fragte sich, ob er jemals in der Lage sein würde, sich jenen wichtigen Wendepunkt in der Föderationsgeschichte als einen Teil der fernen Vergangenheit vorzustellen …

Er schüttelte den Kopf und ging weiter. Nach einigen Dutzend Metern hörte er, wie irgend jemand Worte in einer fremden Sprache formulierte. Kirk wusste nicht, was sie bedeuteten, aber aufgrund des scharfen und zischenden Konsonantenklangs vermutete er, dass es sich um Klingonisch handelte. Er entsann sich, dass nur einige wenige Besatzungsmitglieder der Enterprise Klingonisch beherrschten, und jene Person gehörte nicht dazu.

Der Captain begab sich auf das höhergelegene Deck und suchte die Krankenstation auf. Dr. McCoy war gerade damit beschäftigt, einen kleinen Container auszupacken, auf dem in großen Lettern geschrieben stand: MEDIZINISCHE VERSORGUNGSGÜTER. Kirk besaß nur geringe medizinische Kenntnisse, aber sie genügten, um ihn romulanisches Bier erkennen zu lassen, original saurianischen Brandy und alle neun Komponenten für die Herstellung echter argelianischer Cocktails.

»Rechnest du mit einer Epidemie, Pille?«

McCoy sah auf, und sein Gesichtsausdruck wirkte gleichzeitig nachdenklich und betroffen. »Bei Lucius Beebe, ich hoffe, ganz so schlimm wird es nicht …« Abrupt unterbrach er sich und schüttelte stumm den Kopf.

»Lucius Beebe?«, wiederholte Kirk verwirrt.

»Schon gut. Das ist eine Redewendung, die mein Großvater benutzte, wenn er nichts mehr zu trinken hatte.« McCoy lächelte schief und hob eine Flasche Jack Daniel's Black Label. »Wenn du möchtest, Jim … Die Bar ist noch immer geöffnet.«

Kirk vernahm einen sonderbaren Klang im Tonfall McCoys und zögerte. Der Bordarzt gab sich fast ständig als Griesgram, doch wenn seine Stimmung tatsächlich einmal einen Tiefpunkt erreicht hatte, stellte er nicht gerade eine angenehme Gesellschaft dar. »Später, Pille. Derzeit habe ich zuviel zu tun.« Kirk grinste. »Bald setzen wir die Segel und stechen in See.«

»Mhm.« McCoy stellte die Flasche auf den Tisch und starrte ins Leere.

»Was ist denn los, Pille?«, fragte Kirk ruhig.

»Hm? Oh. Du kannst ja gar nicht Bescheid wissen.« Er griff in den Container, schob einige andere Flaschen und Büchsen beiseite und holte ein Buch hervor. »Hier. Das ist der Grund. Da steht alles drin.«

Kirk nahm das Buch entgegen. Es handelte sich nicht etwa um einen Computerausdruck, sondern ein gebundenes Buch. Auf dem Umschlag stand: Der letzte Schachzug. Und darunter zeigte sich das düstere Bild eines klingonischen Kampfschiffes. Der Captain schlug es auf und las den Klappentext. »Wurde diese Ausgabe nicht in einem Memo Starfleets erwähnt? Der Roman über die Klingonen …«

»Ein Roman, ja«, erwiderte McCoy. »Über die Klingonen.« Er seufzte leise. »Er dürfte dir gefallen … In einigen Kapiteln geht es um Raumschlachten, um Taktik und Strategie bei militärischen Auseinandersetzungen im All.«

»Ich besorge mir einen Ausdruck …«

»Nimm es«, sagte McCoy, und gleich darauf klang seine Stimme wieder ganz normal, so als sei überhaupt nichts geschehen. »Ich sollte hier jetzt besser alles in Ordnung bringen. In Kürze bekomme ich es mit vierhundert Fällen von akutem Urlaubsentzug zu tun.«

»Wie du meinst, Pille. Vielleicht können wir uns später ein Gläschen genehmigen.«

»Klar, Jim.«

Kirk trat in den Korridor, betrachtete das Buch und nahm nur am Rande zur Kenntnis, dass ihn einige Besatzungsmitglieder grüßten und sich an ihm vorbeischoben. Er versuchte, sich an den Text der Starfleet-Memos zu entsinnen, die den Roman betrafen: Wenn ihn sein Gedächtnis nicht trog, war es zu einer negativen Bewertung des Werkes gekommen – wie bei all den anderen Büchern, die vom Öffentlichen Informationsamt keine uneingeschränkte Genehmigung erhalten hatten. Allerdings war der Wortlaut in diesem Fall besonders drastisch gewesen …

Raumschlachten, wiederholte er in Gedanken den Hinweis des Arztes. Nach den Angaben des Klappentextes spielte die Handlung kurz nach dem ersten Kontakt mit den Klingonen, einige Jahre vor der Geburt Kirks. Vor der Entwicklung der Dilithium-Kristalle, zu jener Zeit, als man bei Starfleet geglaubt hatte, Warp-Faktor 4,8 sei das Maximum. Vor der Ausrüstung der Raumschiffe mit Phasern. Vor dem Bau der Enterprise. Vielleicht eine interessante Lektüre, dachte Kirk – obgleich jene Zeit schon so lange zurückzuliegen schien wie die Epoche Captain Hornblowers.

Andererseits: Schon als kleiner Junge hatte sich Kirk für die Abenteuer Horatio Hornblowers begeistert …

Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf einen Namen: Dr. Emanuel Tagore. Ein politischer Wissenschaftler, erinnerte er sich. Er war vor zwölf Monaten im Alter von rund hundertzwanzig Jahren gestorben. Spock hatte davon gesprochen. Spock …

Kirk betrat den nächsten Turbolift.

Spock trug bereits seine Dienstuniform, obwohl er noch nicht einmal ausgepackt hatte. Sein kleiner Reisekoffer lag auf der Koje, nach wie vor geschlossen. An der einen Wand der Kabine standen zwei große Container mit der Aufschrift: COMPUTERDATEN – VOR STRAHLUNG SCHÜTZEN.

»Captain, es tut mir leid, dass ich mich noch nicht auf der Brücke gemeldet habe. Ich …«

»Willkommen an Bord, Spock.«

»Danke, Captain – allerdings bin ich gar nicht in dem Sinne fort gewesen.« Der Vulkanier bemerkte das Buch, das Kirk in den Händen hielt. »Wie ich sehe, besitzen Sie ebenfalls eine Ausgabe.«

»Ja. Sie stammt von Pille.«

Die eine Augenbraue Spocks kam wie eine Signalflagge in die Höhe. »Interessant, Captain. Nun … eigentlich überrascht mich das nicht sonderlich.«

»Was halten Sie von dem Werk?«

»Es ist ein Roman, Captain, keine Dokumentation. Das sollte eigentlich als Beschreibung genügen.«

Offenbar handelt es sich um eine neue Art von Katzenjammer, dachte Kirk. Die Besatzung bekommt einen kurzen Urlaub – und schnappt über. »Im Klappentext wird der Name Emanuel Tagore erwähnt. Hatten Sie jemals mit ihm zu tun?«

»Er war ein Bekannter meines Vaters. Als ich an der Makropyrios studierte, sprachen wir des Öfteren miteinander. Doch ich war nicht in seinen Klassen immatrikuliert.«

Mit diesen Worten verriet Spock wahrscheinlich mehr, als er hatte preisgeben wollen: Mehr als zwei Millionen Studenten besuchten die beste Universität der Föderation – entschieden zu viele, als dass jemand außerhalb der Vorlesungssäle beiläufige ›Gespräche‹ mit einem Dozenten führen konnte.

»Sie sind ihm also persönlich begegnet«, stellte Kirk fest.

»Ich glaube, eine solche Schlussfolgerung lässt meine vorherige Bemerkung durchaus zu.«

Kirk hätte fast den Kopf geschüttelt. »Spock«, sagte er und versuchte, seiner Stimme einen scherzhaften Klang zu verleihen. »Wählen Sie bitte Formulierungen, die auch von Nicht-Vulkaniern verstanden werden können.«

»Wie Sie wünschen, Captain. Ja, ich kannte Dr. Emanuel Tagore. Ich bewunderte ihn, ebenso wie mein Vater, der Botschafter – obgleich Dr. Tagore in mehrfacher Hinsicht ein recht unlogisch denkendes Individuum war. Aber ich lernte ihn als Mensch kennen und nicht als den Protagonisten eines Romans.«

»Ich habe das Buch noch nicht gelesen.«

»Ich vermutete bereits, dass Sie dazu bisher noch keine Zeit fanden, Captain. Ist das alles, oder haben Sie noch weitere Anliegen?« Er sprach mit der ruhigen Distanz,...


Brandhorst, Andreas
Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, hat mit Romanen wie »Äon«, »Das Erwachen« oder »Das Schiff« die deutsche Science-Fiction-Literatur der letzten Jahre entscheidend geprägt. Spektakuläre Zukunftsvisionen verbunden mit einem atemberaubenden Thriller-Plot sind zu seinem Markenzeichen geworden und verschaffen ihm regelmäßig Bestsellerplatzierungen. Zuletzt sind bei Heyne seine Thriller »Der Riss« und »Messias« erschienen. Andreas Brandhorst lebt im Emsland.



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