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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 424 Seiten
Forrest / Bronte Sturmhöhe - Geheimakte Emely Brontë Bd 3
4. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7565-1865-4
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 424 Seiten
ISBN: 978-3-7565-1865-4
Verlag: epubli
Format: EPUB
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Tomos Forrest ist das Pseudonym des Braunschweiger Autors Thomas Ostwald, der in den vergangenen Jahren zahlreiche historische Romane, Krimis und Sachbücher veröffentlicht hat.
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»Nichts – nur betrachte dir mal den Kalender dort.« Er zeigte auf ein gerahmtes Blatt, das beim Fenster an der Wand hing, und fuhr fort: »Die Kreuze sind für die Abende, die du mit den Lintons verbracht, die Punkte für jene, die du mir geschenkt hast. Siehst du? Ich habe jeden Tag angemerkt.«
»Ja; wie albern! Als ob ich mich daran kehre!«, erwiderte Catherine verdrießlich. »Was hat das für einen Sinn?«
»Es soll dir zeigen, dass ich mich daran kehre!«, sagte Heathcliff.
»Und soll ich denn etwa immer bei dir hocken?«, fragte sie ärgerlich. »Was habe ich davon? Was sprichst du denn mit mir? Du könntest stumm sein oder ein Baby – so wenig verstehst du es, mich zu unterhalten!«
»Du hast mir noch nie gesagt, Cathy, dass ich dir nicht gesprächig genug sei oder dass dir meine Gesellschaft unangenehm wäre!«, rief Heathcliff aufgebracht
»Es ist überhaupt keine Gesellschaft, wenn einer nichts weiß und nichts redet«, murmelte sie.
Ihr Kamerad stand auf, aber er hatte keine Zeit, seine weiteren Gefühle auszusprechen, denn man hörte das Galoppieren eines Pferdes auf den Steinen der Gartenallee; dann pochte es an die Tür, und der junge Linton trat ein. Sein Gesicht strahlte vor Entzücken über die unerwartete Botschaft, die er erhalten hatte. Zweifellos fiel Catherine der Gegensatz zwischen ihren beiden Freunden auf, jetzt, wo der eine eintrat und der andere hinausging. Es war etwa so, als würde man aus einem düsteren, unwirtlichen Land kommen und ein fruchtbares, sonniges Tal betreten. Schon allein Stimme und Gruß der beiden waren so gegensätzlich, wie nur denkbar. Linton hatte eine süße, sanfte Sprechweise und setzte seine Worte so, wie Sie es tun, Mr Lockwood. Das klingt weniger hart als wir hier sprechen.
»Ich bin doch hoffentlich nicht zu früh gekommen?«, sagte er mit einem Blick auf mich. Ich hatte mich daran gemacht, die Schubfächer einer entfernt stehenden Kommode aufzuräumen.
»Nein«, erwiderte Catherine. »Nelly, was tust du dort?«
»Meine Arbeit, Miss«, entgegnete ich. Mr Hindley hatte mir den Auftrag gegeben, bei allen privaten Besuchen Lintons stets als Dritte zugegen zu sein.
Catherine trat zu mir und flüsterte zornig: »Mach dich mit deinem Staublappen davon! Wenn Besuch da ist, schickt es sich nicht, dass die Dienstboten im Zimmer herumwirtschaften!«
»Es ist grad heut eine gute Gelegenheit, da der Herr fort ist«, antwortete ich laut. »Er hasst es, wenn ich in seinem Beisein die Fächer aufräume. Mr Edgar wird mich gewiss entschuldigen.«
»Ich hasse es, wenn du in meiner Gegenwart aufräumst«, rief die junge Dame hoheitsvoll, ehe ihr Gast Zeit hatte, etwas zu sagen. Sie hatte seit dem kleinen Zwist mit Heathcliff ihre Ruhe noch nicht wiedergewonnen.
»Das tut mir leid, Miss Catherine!«, war meine Antwort; und ich fuhr fleißig in meiner Arbeit fort.
Sie – in der Annahme, dass Edgar sie nicht sehen könne – riss mir das Tuch aus der Hand und kniff mich voller Bosheit in den Arm.
Ich sagte schon, ich liebte sie nicht und suchte im Gegenteil dann und wann ihre Launen zu dämpfen, und außerdem hatte sie mir sehr weh getan. Ich sprang also auf und rief: »Oh, Miss, das ist ein nichtswürdiger Streich! Sie haben kein Recht, mich zu kneifen, und ich lasse mir das nicht gefallen!«
»Ich habe dich nicht angerührt, du lügenhafte Kreatur!«, schrie sie, während ihre Finger sich krümmten, um noch einmal zuzupacken, und ihr Gesicht sich flammend rötete. Sie konnte sich niemals bezähmen.
»So? Was ist denn dann das hier?«, gab ich zurück und zeigte den purpurroten Fleck auf meinem Arm.
Sie stampfte mit dem Fuß auf und dann – von ihrem bösen Dämon getrieben, – gab sie mir eine Ohrfeige, einen gewaltigen Schlag, der mir die Tränen in die Augen trieb.
»Catherine, Lieb! Catherine!«, legte sich Linton ins Mittel, den die Lüge und der Wutanfall seiner Angebeteten sehr erschreckt hatten.
»Geh hinaus, Ellen!«, wiederholte sie, an allen Gliedern bebend.
Der kleine Hareton, der mir überall hin folgte und neben mir auf dem Boden gesessen hatte, begann, als er meine Tränen sah, mitzuweinen. »Böse Tante Cathy«, schluchzte er, was nun natürlich ihre Wut auf sein unschuldiges Haupt lenkte. Sie packte ihn an den Schultern und schüttelte ihn so lange, bis das arme Kind halb ohnmächtig war und Edgar ihre Hände festhielt.
Sofort hatte sie ihm eine Hand entwunden, und der erstaunte junge Mann fühlte einen Schlag auf seiner Wange brennen, den er nicht als Scherz betrachten konnte.
Er zog sich verwirrt zurück. Ich nahm Hareton auf den Arm und ging mit ihm hinaus in die Küche, ließ aber die Tür hinter mir offen, denn ich war begierig zu sehen, wie die Sache enden würde. Der beleidigte Gast griff bleich und mit bebenden Lippen nach seinem Hut.
»So ist's recht!«, sagte ich zu mir selbst. »Sei gewarnt und geh! Nun hast du mal ihren wahren Charakter gesehen.«
»Wo gehst du hin?«, fragte Catherine, zur Tür tretend.
Er wich zur Seite und versuchte an ihr vorbei zu kommen.
»Du sollst nicht gehen!«, rief sie mit großer Bestimmtheit.
»Ich muss und werde gehen!«, entgegnete er leise.
»Nein!«, trotzte sie und ergriff die Türklinke. »Nicht jetzt, Edgar Linton; setz dich! Du sollst mich nicht in solcher Missstimmung verlassen. Ich würde die ganze Nacht keine Ruhe finden!«
»Kann ich bleiben, nachdem du mich geschlagen hast?«, fragte Linton.
Catherine blieb stumm.
»Du hast mich entsetzt; ich schäme mich für dich«, fuhr er fort, »ich werde nicht wieder herkommen.«
Ihre Augen wurden feucht, ihre Lider zuckten.
»Und du hast eine wissentliche Unwahrheit gesagt!«, sagte er.
»Nein nicht!« ,rief sie. »Gut, geh, wenn du willst – troll dich! Und jetzt werde ich weinen – werde ich mich krank weinen!«
Sie sank an einem Stuhl nieder und brach in bittere Tränen aus. Edgar beharrte bei seinem Entschluss – bis er den Hof erreicht hatte; da zögerte er. Ich beschloss, ihn anzufeuern.
»Midd ist grässlich eigensinnig«, rief ich hinaus, »sie ist schlimmer als ein verzogenes Kind. Sie sollten lieber heimreiten, sonst wird sie noch krank werden – nur um uns zu quälen.«
Der weichherzige Junge blickte durchs Fenster zu ihr hinein. Er hatte ebenso viel Kraft sich zu entfernen, wie eine Katze Kraft hat, eine halbgetötete Maus zu verlassen. Ach, dachte ich, bei dem ist nichts zu retten! Er ist gefangen, sein Schicksal ruft ihn.
Und so war es. Er wandte sich plötzlich, eilte wieder ins Haus, ins Zimmer und schloss die Tür hinter sich; und als ich ein Weilchen später hineinging, um sie zu benachrichtigen, dass Earnshaw schwer betrunken nach Hause gekommen sei und sicherlich seinen Rausch auf uns entladen werde, sah ich, dass der Streit sie einander nur näher gebracht hatte; sie hatten die Maske der Freundschaft abgeworfen und sich zu Liebenden bekannt.
Die Mitteilung von Mr Hindleys Ankunft trieb Linton schleunig aufs Pferd und Catherine auf ihr Zimmer. Ich aber beeilte mich, den kleinen Hareton in Sicherheit zu bringen und aus der Vogelflinte des Herrn die Ladung zu entfernen. Er liebte es, betrunken mit dem Gewehr zu spielen – eine Gefahr für alle, die irgendwie seine Aufmerksamkeit auf sich lenkten. Ich war daher darauf gekommen, das Gewehr zu entladen, damit kein Unglück geschehe, falls er es wirklich einmal abdrücken sollte.
9.
Mr Hindley trat, Verwünschungen ausstoßend, ein und erwischte mich bei dem Bemühen, seinen Sohn im Küchenschrank in Sicherheit zu bringen. Hareton war von grauenhafter Angst besessen sowohl vor seines Vaters wildbestienhafter Zärtlichkeit als auch vor seinem wahnsinnigen Zorn; denn einerseits lief er Gefahr, zu Tode gedrückt und geküsst, und andererseits ins Feuer geworfen oder an die Wand geschleudert zu werden. So verhielt sich der arme kleine Kerl mäuschenstill – wohin ich ihn auch stecken mochte.
»Da! Endlich hab ich ihn entdeckt!«, schrie Hindley, mich wie einen Hund im Nacken ergreifend und zurückschleudernd. »Himmel und Hölle! Ihr habt euch verschworen, das Kind zu morden! Jetzt weiß ich, warum er vor mir verborgen gehalten wird. Doch, Nelly, mit Satans Hilfe werde ich dich jetzt das Tranchiermesser schlucken lassen. Du brauchst nicht zu lachen; ich habe soeben Kenneth kopfüber ins Rappenmoor gestopft; und ob's ein oder zwei sind, ist auch egal – und ich muss von euch Diebsgesindel einen umbringen, eher habe ich keine Ruhe!«
»Aber ich mag das Tranchiermesser nicht, Mr Hindley«, antwortete ich; »man hat heut Heringe damit geschnitten. Ich möchte lieber erschossen werden, wenn Sie so gut sein wollen.«
»Du möchtest lieber verflucht werden, Kanaille, und das sollst du auch!«, sagte er. »Kein Gesetz in England kann einen Menschen hindern, in seinem Haus auf Ordnung zu halten, und in meinem geht es drunter und drüber! Öffne den Mund!«
Er hielt das Messer in der Hand und schob dessen Spitze zwischen meine Zähne. Doch ich war seinen Streichen gegenüber nicht sehr ängstlich. Ich spuckte aus und beteuerte, es schmecke schauderhaft – ich würde es auf keinen Fall schlucken.
»Oho«, sagte er, mich freigebend, »ich sehe, dieser infame kleine Lump ist nicht Hareton. Verzeih, Nelly! Denn wenn das Hareton ist, so verdiente er, bei lebendigem Leibe gevierteilt zu werden, weil er, statt zu meiner Begrüßung herbeizueilen, kreischt, als wäre ich ein Menschenfresser. Entartetes Kind, komm her! Ich will dich lehren, einem gutherzigen, verblendeten Vater zu trotzen! – Nun, meinst du nicht, der Junge würde bei weitem hübscher sein, wenn er gestutzte Ohren hätte? Es macht...




