E-Book, Deutsch, 340 Seiten
Forster Herzenswege in Mermaid Terrace
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-377-90228-3
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman | Romantischer Wohlfühlroman um einen Neuanfang an Cornwalls Küste
E-Book, Deutsch, 340 Seiten
ISBN: 978-3-377-90228-3
Verlag: between pages by Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kate Forster lebt in Melbourne, Australien, und arbeitet als Schriftstellerin und Drehbuchautorin. Sie liebt es, Geschichten zu teilen, die andere Menschen bewegen. Ihre Werke erscheinen weltweit.
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Port Lowdy hatte eine sehr hohe Meinung von sich. Auf dem Schild an der St. Martin’s Road stand . Dabei handelte es sich höchstens um ein großes Fischerdorf. Einst war es berühmt für seine Taschenkrebse und dafür, dass hier ein Film mit Dame Judi Dench gedreht worden war, doch inzwischen war der Ort so verschlafen, dass selbst die Krebse Mittagsschlaf hielten, ohne jede Angst, Fischernetze könnten sie bei ihrem Nickerchen am Grund des Ozeans stören. Touristen kamen hierher, aber nicht zu viele. Es waren gerade genug Besucher, als dass es im Sommer im Dorf lebhaft zuging und sich diejenigen, die beschlossen hatten, Port Lowdy zu ihrem Zuhause zu machen, etwas auf diesen Entschluss einbilden konnten.
Tressa Buckland war eine davon. Seit ihrer Geburt hatte sie mit ihrer Familie hier Urlaub gemacht. Nun war sie seit zwei Jahren Vollzeit-Bewohnerin von Port Lowdy und liebte alles daran. Das Aussehen des Ortes, mit seinen chaotischen bunten Häusern am Strand und den Kopfsteinpflasterstraßen durch das Dorf. In einem so alten Dorf gab es eine gewisse Routine, eine Art und Weise, wie die Dinge seit jeher gehandhabt wurden, und obwohl jeden Sommer Leute kamen und gingen, blieb diese Routine immer dieselbe.
Tressa war niemand, dem daran gelegen war, die Routine zu ändern. Die Vertrautheit des Dorfs war der Grund, warum es ihr gefiel, eine der selbstzufriedenen Bewohnerinnen zu sein, die sich über die Touristen beklagten, obwohl sie wussten, dass das Dorf für sein Überleben auf sie angewiesen war.
An einem ungewöhnlich warmen Februarmorgen schwang Tressa sich ihren Rucksack auf den Rücken, setzte sich ihren Helm auf ihre wilden schwarzen Locken, die sich nie zähmen ließen, und sprang auf ihr pinkes Rad.
Mit ihren sechsundzwanzig Jahren war sie im Dorf eine der wenigen Singles unter sechzig. Aber das war Tressa egal. Sie war nicht auf der Suche nach einer Beziehung; ihre Kunst war ihre wahre Liebe, und das reichte ihr.
Tressa wurde ihres täglichen Arbeitswegs nie müde – ein Weg, der an ihrem Haus, dem Mermaid Terrace, begann, ihrem blass türkisen Cottage am Rande der Promenade mit Blick auf den Strand. Es war eines von vier Häusern, die alle in unterschiedlichen Farben gestrichen waren und alle unterschiedliche Namen trugen.
Tressa radelte die Promenade entlang, die Sonne wärmte sie schnell, während eine leichte Brise ihr Gesicht streifte.
Seit sie sich erinnern konnte, hatte sie davon geträumt in Port Lowdy zu leben, und sie hatte immer die bunte Häuserreihe betrachtet und sich ihr Leben in einem davon vorgestellt. Hatte sich danach gesehnt, es mit Dingen zu füllen, die ihre Mutter ablehnte – wie zum Beispiel einer Katze, Teller, die nicht zusammenpassten, leere Marmeladengläser, in denen Blumen steckten und Farbpinsel.
Vor dem Haus lagen ein Garten und eine Mauer, die es von einem schmalen Sandstreifen trennte. Wenn man diesen bei Ebbe überquerte, konnte man bis zu den Becken im Fels gelangen, wo Tressa als Kind den Großteil ihres Urlaubs verbracht hatte.
Ihre Eltern lebten in St. Ives, genauso wie ihr älterer Bruder und dessen Frau, die vor Kurzem Zwillinge bekommen hatten, aber Tressa war nach Port Lowdy gezogen, um ihnen zu entfliehen.
Mermaid Terrace war ihr Himmel, ein Steinhaus mit einem Erkerfenster, von dem aus man auf die wenigen Fischerboote sah, die von einer vergangenen Ära übrig waren. Sie hatte es mit dem Geld gekauft, das ihre Großmutter ihr hinterlassen hatte. Sie fragte sich oft, ob ihre Großmutter verstanden hatte, wie schwierig es war, mit einer Mutter wie Wendy Buckland aufzuwachsen. Das Haus ihrer Eltern war so großartig und so perfekt, dass Leute anhielten, um Fotos davon zu machen. Drinnen war es unmöglich, ein Glas oder eine Tasse abzustellen, ohne dass von irgendwoher ein Untersetzer auftauchte. Tressa hatte sich immer gefragt, ob ihre Mutter sie in einem Holster mit sich herumtrug, jederzeit bereit sie wie ein Cowboy aus zehn Yards Entfernung nach jedem zu werfen, um die schweren Möbel vor hässlichen Wasserringen zu schützen.
Sie fuhr durch das Dorf, vorbei an den frisch gewaschenen Tischdecken aus dem Pub, die im Wind peitschten, als würden sie miteinander streiten. Sie winkte Marcel zu, dem Besitzer, der vor dem Pub saß, Kaffee trank und Zeitung las. Marcel machte eine tolle Krabbensuppe mit Croûtons, ein etwas altmodisches Gericht, aber so war Port Lowdy. Und gerade das gefiel Tressa. Sie malte altmodische Bilder, die auf dem Kunstmarkt nicht sonderlich beliebt waren, sie aber glücklich machten.
Penny Stanhope, die Frau vom Postamt, winkte, während sie das -Schild an der Tür umdrehte. Das Postamt diente auch als Bank, als lokales Passamt und Versicherungsbüro. Penny verkaufte Chutneys und Marmeladen, die von ein paar Frauen aus dem Dorf gekocht wurden, außerdem fragwürdige Kunst aus Muscheln mit Kulleraugen und hier und da schicken Strasssteinen. Schicke Dinge waren nichts für Port Lowdy, deshalb kaufte niemand die Muschelkunst, aber die Marmeladen waren beliebt.
Die Bäckerei mit ihrer rot gestreiften Markise hatte bereits geöffnet, die Kornischen Pasteten waren frisch aus dem Ofen, und die Scones für den Morgenkaffee backten gerade auf. Neben der Bäckerei gab es einen kleinen Garten mit einem weißen Holzzaun, wo Touristen unter den Apfelbäumen sitzen, ihren kornischen Cream Tea trinken und dabei die vorbeilaufenden Fußgänger beobachten konnten.
Tressa radelte den kleinen Hügel hinauf, bis sie bei dem kleinen Büro anlangte, das sowohl die Redaktion der beherbergte, als auch im Sommer den hiesigen Autoverleih. Sie drückte die Tür auf, in einer Hand das Rad, die andere an der schweren Holztür. Dann nahm sie ihren Fahrradhelm ab und merkte, wie ihre Locken nach der kurzen Fahrt voller Protest von ihrem Kopf abstanden.
Tressas schwarze Locken führten ein Eigenleben. Ihr Bruder hatte keine Locken, und niemand in der Buckland Familie wusste, woher dieses Gen kam. Alle anderen waren blond mit braunen Augen, nur Tressa hatte dunkle Haare und blaue Augen. Als Kind hatte sie immer über dem Familienstammbaum in der alten Bibel im Bücherregal gebrütet. Ihre Locken stammten von unbekannten Vorfahren, und Tressa hatte jedes Mal eine Gänsehaut bekommen, wenn sie an den Verwandten dachte, der ihr Generationen später ihr Haar wie einen Talisman hinterlassen hatte. Für ihr Zeichentalent galt dasselbe: niemand wusste, von wo im Familienstammbaum es herrührte. Tressa bedeuteten diese Unterschiede viel, denn sie machten sie besonders – und weiß Gott, es war schwer, in ihrer Familie besonders zu sein.
Hauptsache man hatte seine Ruhe, sagte ihr Chef George Fox, und sie stimmte ihm zu. George war der Besitzer und Herausgeber der . Es gab nur sie beide bei der , aber die Zeitung brachte genug ein, um ihren Lohn zu zahlen, George mit Whisky zu versorgen und seine Leidenschaft für Antiquitäten zu finanzieren. Dank ihrer Werbekunden aus dem Angler- und Urlaubssektor hatten sie genug zu tun, und George hatte Geschäfte in ganz Cornwall, den Autoverleih im Sommer und außerdem seine Finger in zahlreichen anderen kornischen Pasteten.
Tressa war dankbar für ihren Job, denn er erlaubte es ihr zu malen. Sie war eine Künstlerin – und zwar eine richtig ausgebildete, die auf die Kunstakademie in Plymouth gegangen war, wie ihre Mutter jedem erzählte, der fragte. Tressa verkaufte ihre Bilder und Drucke vom kornischen Meer auf einer Website unter dem Pseudonym ; die Einnahmen besserten ihren Lohn auf und halfen ihr, die täglichen Ausgaben zu finanzieren und Leinwand zu kaufen, und alles darüber hinaus war Luxus.
Ihre Mutter Wendy sagte immer, dass Tressa die älteste Sechsundzwanzigjährige in Großbritannien sei. Sie gab ihr Geld fast ausschließlich für ihre Kunst aus. All ihre Freundinnen tranken und tanzten immer noch die ganze Nacht hindurch, aber Tressa war eine Außenseiterin, nicht unbedingt weil sie es so wollte, sondern weil die Umstände sie dazu machten. Sie war schüchtern und tat sich schwer, mit ihren Freunden von der Schule und der Universität, die sich offenbar alle gerade verlobten oder heirateten, in Kontakt zu bleiben. Ein paar von ihnen hatten sogar schon Babys bekommen. Sie schickte ihren Freundinnen zur Feier der Neuigkeiten kleine Bilder,...




