Foster Love Undercover - Tödlich ist die Erinnerung
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8025-9668-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 03, 512 Seiten
Reihe: Liebe-Undercover-Reihe
ISBN: 978-3-8025-9668-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der charismatische Barbesitzer Rowdy Yates ist es gewohnt, dass ihm alle Frauen zu Füßen liegen. Als die hübsche Kellnerin Avery Mullins ihn unerwartet abblitzen lässt, ist deshalb sein Interesse erst recht geweckt. Doch Avery hat Gründe, warum sie auf Abstand geht, und die reichen tief in ihre Vergangenheit zurück. Eine Vergangenheit, die Rowdy unbedingt aufdecken will, ohne zu ahnen, dass er sich und Avery dadurch in große Gefahr bringt.
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1
Avery Mullins stand zögernd vor dem Eingang der frisch renovierten Bar. So früh am Tag war hinter der verschlossenen Doppeltür aus Glas und Eiche – einer neuen Tür, die erst vor zwei Wochen eingebaut worden war – nur das schwach beleuchtete Innere der Bar zu erkennen.
Sie hatte geholfen, diese Türen auszusuchen.
Frisch gemalte Schilder hingen über den großen Vorderfenstern und priesen die Speisen, zwei Pooltische, Tanzmöglichkeiten und Drinks an. Darüber stand in Neonbuchstaben der Name der Bar: Getting Rowdy. Sie musste immer grinsen, wenn sie das sah, weil sie den Namen vorgeschlagen hatte und er begeistert darauf eingegangen war.
In so kurzer Zeit hatte sich unglaublich viel geändert. Die Bar war von einer gescheiterten, heruntergekommenen Absteige, die vor allem für ihre billigen Drinks und die Möglichkeit, an illegale Drogen ranzukommen, zu einer vielversprechenden, neuen Ausgehmöglichkeit geworden, die immer mehr Publikum anzog. Noch bemerkenswerter war jedoch ihr Aufstieg von der sich abrackernden Kellnerin zur obersten Barkeeperin.
Aus diesem Grund hatte sie in letzter Zeit meist ein zufriedenes Grinsen auf den Lippen. Dank des Trinkgelds, das sie zusätzlich zu ihrem erhöhten Gehalt bekam, musste sie sich nicht länger mit zwei Jobs abmühen, um über die Runden zu kommen.
Sie hatte ihre Wohnung behalten, die man wohlwollend noch als bescheiden bezeichnen konnte. Um anonym zu bleiben, fuhr sie auch weiterhin mit dem Bus zur Arbeit und wieder nach Hause anstatt mit dem Auto. Aber …
Sie hatte sich verändert.
Bevor sie Rowdy Yates kennengelernt hatte – den Besitzer der Bar, der jetzt auch ihr Boss und außerdem ein unglaublich heißer Kerl war – und von seinem Enthusiasmus mitgerissen worden war, mit dem er aus dieser Kaschemme unbedingt etwas machen wollte, hatte sie … überlebt. Nicht mehr und nicht weniger. Sie war eigentlich nicht unglücklich gewesen. Okay, sie hatte auch nicht wirklich Zeit gehabt, um über so etwas wie Glück oder Unglück überhaupt nachzudenken.
Aber sie hatte ihr Leben auch nicht genossen. Nicht so wie jetzt.
Es gefiel ihr, dass Rowdy sie oft an seinen Entscheidungen in Bezug auf die Bar teilhaben ließ und sie dabei fast wie eine gleichberechtigte Partnerin und nicht nur wie eine Angestellte behandelte. Er hatte natürlich immer das letzte Wort, fragte sie aber immer nach ihrer Meinung. Er war stolz, aber nicht zu dickköpfig, um nicht auf andere zu hören. Stark, aber kein Tyrann. Bei ihm fühlte sie sich wieder wichtig.
Natürlich bemerkte jede Frau, die ihn ansah, seinen Sex-Appeal, und das galt auch für sie.
Sie kamen gut miteinander aus und arbeiteten zusammen, damit die Bar möglichst erfolgreich wurde. Dabei waren sie gewissermaßen Partner, und ihr gefiel der Gedanke, dass sie auch Freunde waren.
Rowdy wollte mehr. Er hatte sein Interesse überdeutlich kundgetan.
Auch wenn er es nicht wusste, erwiderte sie seine Gefühle. Aber … konnte sie sich wirklich auf eine Beziehung mit einem Herzensbrecher wie Rowdy einlassen? Er war ehrlich zu ihr, und sie musste sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, was er wollte, weil er es ihr einfach sagte. Seine Ehrlichkeit konnte manchmal so brutal sein, dass es ihr den Atem raubte.
Er wollte Sex.
Am liebsten mit ihr, aber immer, wenn sie sich weigerte – und bisher hatte sie sich noch jedes Mal geweigert –, dann fand er problemlos irgendwo anders »Gesellschaft«. Wenn sie mit ansah, wie die weiblichen Gäste auf ihn flogen, bezweifelte sie, dass er überhaupt mal eine Nacht allein schlief.
Trotzdem fragte er immer zuerst sie, bevor er zu seiner zweiten Wahl überging – und das waren seine Worte, nicht ihre.
Wer tat denn so was?
Und warum tat er das?
Wenn sie ihm wirklich etwas bedeutete, würde er dann nicht warten, bis sie endlich zugestimmt hatte?
Aber wenn sie ehrlich zu sich selbst war, musste sich Avery eingestehen, dass sie sich die Frage umgekehrt auch stellen konnte. Wenn er ihr wirklich etwas bedeutete, wieso ließ sie ihn dann warten? Nach dem Jahr, das sie hinter sich hatte, stand es ihr durchaus zu, sich auch mal zu amüsieren.
Und mit dem bösen Jungen Rowdy Yates mit seinem umwerfenden Körper, seiner dreisten Art und seiner überaktiven Libido konnte man sich bestimmt ganz hervorragend amüsieren.
Der kühle Oktoberwind fuhr durch Averys Jacke und ließ sie erschaudern, sodass sie abrupt in die Gegenwart zurückgerissen wurde. Tagträume, in denen Rowdy die Hauptrolle spielte, waren bei ihr in letzter Zeit an der Tagesordnung. Es verging nur selten eine Minute, in der sie nicht an ihn dachte.
Vielleicht würde sie ihm an diesem Abend sagen, was sie für ihn empfand, bevor er erneut mit einer anderen abzog.
Nachdem sie diese Entscheidung getroffen hatte, schloss Avery die Tür auf. Nur sie und Rowdy hatten einen Schlüssel für die Bar. Es erstaunte und freute sie noch immer sehr, dass er ihr so vertraute. Nie im Leben würde sie etwas tun, um ihn das bereuen zu lassen.
Ohne das Licht einzuschalten ging sie durch die dämmrige Bar. Der frühmorgendliche Sonnenschein konnte kaum die Schatten durchdringen. Normalerweise kam sie gegen vierzehn Uhr her, etwa eine Stunde, bevor ihre Schicht begann, um sich fertigzumachen. Heute war sie sowieso in der Stadt unterwegs und musste einen wichtigen Telefonanruf erledigen, und sie hatte ihr Handy neben der Kasse liegen lassen. Aus diesem Grund war sie so früh hergekommen.
Nachdem sie ihr Handy hinter der Bar entdeckt hatte, wo es noch genau an der Stelle lag, an der sie es liegen lassen hatte, wollte sie schon wieder gehen. Doch nach wenigen Schritten hörte sie auf einmal ein Geräusch.
Erschrocken und alarmiert erstarrte Avery und lauschte.
Da! Sie hörte es wieder. Ein leises Rascheln, ein tiefes … Stöhnen?
Sie schluckte schwer. Hatte jemand die Hintertür aufgebrochen? Ein Betrunkener vielleicht oder ein Obdachloser?
Ein Räuber?
Oder Schlimmeres?
Nein. Sie schüttelte den Kopf und verwarf diesen Gedanken. Kein Mensch aus ihrer Vergangenheit würde hier nach ihr suchen. Manchmal konnte sie es noch immer nicht glauben, was für Veränderungen in ihrem Leben vorgegangen waren – Veränderungen, die sie vor allem nicht mehr bereute, seitdem sie Rowdy kannte.
Außerdem hatte Rowdy bei der Renovierung der Bar als Erstes alle Sicherheitsmaßnahmen verbessert und an der Vorder- und Hintertür sowie allen Fenstern, die sich öffnen ließen, robuste Schlösser einbauen lassen. Hier konnte niemand so einfach einbrechen.
Vor ihrer Verwandlung war sie ein richtiger Hasenfuß gewesen. Gut, man hätte es auch als vorsichtig bezeichnen können, aber sie kannte die Wahrheit. Sie hatte sich viel zu lange auf andere verlassen … und das in jeder Hinsicht.
Wenn sie vor einem Jahr ein unbekanntes Geräusch gehört hätte, wäre sie zur Eingangstür zurückgeschlichen und hätte die Polizei gerufen, damit die der Sache nachgehen konnte. Falls es sich als Fehlalarm herausgestellt hätte, tja, dann wäre es ihr ziemlich egal gewesen, dass sie andere damit belästigt hatte.
Aber in dem Jahr, das sie jetzt schon abgetaucht war, hatte sie gelernt, mehr auf sich selbst zu vertrauen und ihre Probleme eigenständig anzugehen. Die Unabhängigkeit hatte ihr ein Gefühl der Freiheit gegeben, daher wollte sie jetzt keinen Rückzieher machen.
So leise wie möglich schlich Avery nun in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war, und lauschte weiter. Wieder hörte sie ein Stöhnen, das aus Rowdys Büro zu kommen schien. Vielleicht war das Radio an? Oder der Wind bewegte draußen irgendetwas?
Die Bürotür war nur angelehnt, obwohl er sie sonst immer geschlossen hatte. Zwar war sie mutig genug gewesen, sich so weit zu nähern, aber jetzt bekam ihr gesunder Menschenverstand die Oberhand. Für den Fall, dass doch jemand eingebrochen war, wählte Avery vorsichtshalber die Nummer der Polizei und hielt ihren Daumen über der »Wählen«-Taste. Sie schlich sich an der Wand entlang näher und hielt den Atem an, bis sie direkt neben der Tür stand.
»Ja, das ist gut.«
Als Avery Rowdys raue, flüsternde Stimme erkannte, entspannte sie sich. Sie vermutete, dass er telefonierte, möglicherweise mit einer seiner Freundinnen, verdrehte die Augen und trat in den Türrahmen.
Sofort rutschte ihr das Herz in die Hose.
Rowdy saß auf dem großen, gepolsterten Stuhl hinter dem Schreibtisch, umklammerte die Armlehnen, den Kopf in den Nacken gelehnt, und stöhnte wieder, dieses Mal jedoch tiefer und rauer. Avery sah sein Profil, während der große Schreibtisch den Großteil seines Körpers verdeckte – aber nicht den Kopf der Frau, der sich vor ihm auf Höhe seines Schoßes bewegte.
Großer Gott, sie wusste, was sie da machten, selbst ein Idiot würde das begreifen. Eifersucht, Schmerz und Abscheu schnürten ihr die Kehle zu. Avery wäre am liebsten weggegangen, aber stattdessen blieb sie wie angewurzelt stehen.
Sie wollte den Blick abwenden, aber auch das gelang ihr nicht.
Rowdys Körper spannte sich an, und seine Lust zeichnete sich auf seinem Gesicht ab. Dann stieß er ein letztes Stöhnen aus und schien auf einmal zu erschlaffen. Nachdem er tief ausgeatmet hatte, streichelte er über den Kopf der Frau und sagte: »Entspann dich, Süße. Ich bin fertig.«
Großer Gott!
Avery versuchte zu schlucken, aber ihr Mund war wie ausgetrocknet. Sie wollte die Augen schließen,...




