E-Book, Deutsch, Band 1, 242 Seiten
Reihe: C.T. Ferguson ermittelt
Fowler Die erste Täuschung
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-912281-28-6
Verlag: Cowper Publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
E-Book, Deutsch, Band 1, 242 Seiten
Reihe: C.T. Ferguson ermittelt
ISBN: 978-3-912281-28-6
Verlag: Cowper Publishing
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Der erste Fall für C.T. Ferguson
Eigentlich wollte C.T. Ferguson seine neue Karriere als Privatermittler in Baltimore ruhig angehen lassen. Ein einfacher Routinefall zum Einstieg - das war der Plan. Doch dann steht Alice vor seiner Tür.
Jahrelang operierte Ferguson als Hacker von Hongkong aus gegen die chinesische Regierung, bis man ihn fasste, einsperrte und schließlich des Landes verwies. Zurück in den USA hoffte er auf einen sauberen Neuanfang.
Alice verdächtigt ihren Mann der Untreue. Ferguson übernimmt den Auftrag, bleibt aber skeptisch. Schnell stellt sich heraus, dass nicht der Ehemann das Problem ist, sondern Alice selbst tief in Schwierigkeiten steckt.
Was als banaler Ehebruch beginnt, entwickelt sich rasant zu einer tödlichen Verschwörung. Plötzlich gerät Ferguson ins Visier skrupelloser Verfolger. Mit einer lügenden Klientin am Hals und Killern auf den Fersen muss er alles riskieren.
Kann er verhindern, dass sein erster Fall auch sein letzter wird?
Zielgruppe
Erwachsene, die harte Krimis/Krimis mögen
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
KAPITEL 1
Mein Vater warf mir einen gefalteten Zeitungsabschnitt zu. Er landete auf dem kitschigen Couchtisch meiner Eltern.
»Ich bin sicher, die Sun ist dir dankbar«, stichelte ich, »zusammen mit ihren Dutzend anderen Abonnenten.«
»Schlag sie auf«, sagte er.
Ich sah auf den Teil, den er mir zugeworfen hatte. Es war der Kleinanzeigenteil. Ich wusste, was kommen würde, und hatte keinerlei Lust, das Ding aufzufalten.
»Seite drei«, sagte er.
»Du hast die Anzeige tatsächlich drucken lassen«, stellte ich fest.
»Das hättest du tun sollen.« Mein Vater schob sich die Brille auf der Nase zurecht.
»Wer liest heute eigentlich noch Zeitung?«
»Wir hatten erwartet, dass du solche Dinge selbst in die Hand nimmst«, erwiderte er und ignorierte meinen berechtigten Einwand. »Hast du schon einen Fall?«
»Nein«, gestand ich.
»Hast du überhaupt schon mit jemandem gesprochen?«
»Nein.«
»Dann fang besser mal damit an.«
Ich begann damit, mir die Anzeige anzusehen.
C.T. Ferguson
Lizenzierter Privatermittler
Der Ermittler, der dem kleinen Mann hilft
Nur Privatkunden (keine Unternehmen)
Keine Gebühren: Alle Dienstleistungen pro bono!
Büro: 410.555.6733
Meine Eltern haben ein Händchen für Investitionen, Börsenspekulationen, Erbschaften und anderen Kram für reiche Leute, aber sie sind völlig talent- und geschmackfrei, sobald es um Kreativität geht. Blockschrift, keine Grafik, nur Text … ein Schauder überlief mich, als ich das sah. Lägen meine Computerkenntnisse eher im Bereich Grafikdesign, hätte ich wahrscheinlich geheult.
»Was hast du denn, Junge?«, fragte mein Vater.
»Das Jahr 2002 hat angerufen. Es will seine halbseitige Anzeige zurück«, entgegnete ich.
»Sie muss nicht auffällig sein. Sie muss nur für das Geschäft werben, das du aufziehen wolltest.«
Ich zuckte bei dem Slogan zusammen. »Der Ermittler, der dem kleinen Mann hilft?«
»Was denn?«, fragte mein Vater. »Jeder braucht einen Slogan. Ich finde, er bleibt hängen.«
»Die Pest blieb auch hängen, Dad«, gab ich zurück.
»Coningsby, hör auf, dich so anzustellen«, ermahnte meine Mutter. »Wenn du unser Geld willst, musst du die Arbeit erledigen, die du versprochen hast.«
Schon servierte sie mir unseren Teufelspakt. Ich hatte innerlich die Über/Unter-Wette bei zehn Minuten angesetzt. Unter gewinnt. »Ich weiß, Mom«, sagte ich.
»Wenn du etwas anderes gefunden hättest …«
»Ich habe ein paarmal im Esperanza Center ausgeholfen.«
»Und was hast du dabei gelernt?«
»Hauptsächlich, wie eingerostet mein Spanisch ist«, erwiderte ich.
»Du könntest einfach bei denen mitarbeiten, Coningsby. Die könnten jede Hilfe gebrauchen.«
»Nein. Ich muss was tun, bei dem ich meine Fähigkeiten einsetzen kann. Ich muss mein eigenes Ding durchziehen.«
»Das könnte hervorragend funktionieren«, sagte meine Mutter strahlend. »Mit dieser Anzeige erreichst du Menschen, die wirklich Hilfe brauchen. Vielleicht machen wir am Ende doch noch einen Menschenfreund aus dir.«
»Mir wäre Frauenfreund lieber.«
»Coningsby!«
»Ich bin nur ehrlich«, sagte ich und zuckte mit den Schultern.
»Na ja«, sagte meine Mutter und schnaubte missbilligend, wie sie es immer tat, wenn ich ihr Feingefühl verletzte. »Ich finde, unsere Werbekampagne hat einen wunderbaren Start hingelegt.«
»Wir werden ja sehen, wie viele Anrufe ich bekomme.«
»Mich wundert es immer noch, dass du ausgerechnet Privatermittler werden willst«, warf mein Vater ein.
Das konnte ja heiter werden. »Warum?«, fragte ich.
»Nun ja, es wirkt … ziemlich anders als das, was du in Hongkong gemacht hast.«
»Das Thema hatten wir schon, Dad. In Hongkong habe ich Menschen geholfen. Hier kann ich viele der gleichen Fähigkeiten nutzen. Hacker sind die neuen Ermittler.«
Mein Vater verdrehte die Augen. »Du kannst nicht jedes Problem lösen, indem du nur vor dem Rechner hockst.«
»Sicher nicht. Aber ich glaube, einen Großteil der Laufarbeit kann ich von dort aus erledigen.«
»Was du da vorhast, ist hier genauso illegal wie in Übersee«, warf meine Mutter ein. Sie sprach in jenem Tonfall, mit dem sie mich schon als Kind zurechtgewiesen hatte. »Diese Leute, mit denen du dich eingelassen hast, haben dich zu allerlei kriminellen Dingen angestiftet.«
Ich schüttelte den Kopf. »Sie waren eine nützliche Truppe, Mom. Du hast doch selbst immer gesagt, dass alles aus einem bestimmten Grund geschieht.« Sie runzelte die Stirn, nickte dann aber zögerlich. »Vielleicht bin ich nur deshalb ins Ausland gegangen, um das nötige Handwerkszeug für meinen Job als Ermittler zu lernen.« Ich wusste nicht, ob sie mir das abkaufte – ich selbst tat es jedenfalls nicht –, aber wenn es sie beruhigte, sollte es mir recht sein.
»Es war alles andere als einfach, dich aus Hongkong rauszupauken, Junge«, warf mein Vater ein. »Wir wollen einfach nicht, dass du wieder in Schwierigkeiten gerätst.«
»Werde ich nicht. Hört zu, ihr wollt doch beide, dass ich einen Job finde, bei dem ich Menschen helfe. Verdammt, ihr zwingt mich ja praktisch dazu. Ich brauche eine Aufgabe nach … nach China.« Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. »Ich kann meine Fähigkeiten nutzen, um Leuten auf eine Art zu helfen, wie es die Polizei nicht kann. Das ist doch was wert.«
»Richard sieht das anders«, warf meine Mutter ein.
Natürlich tat er das. Mein Cousin Rich war Sergeant bei der Polizei von Baltimore. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, dass ihm die Idee ein Graus war. »Er wird schon umdenken, wenn ich erst mal ein paar Fälle gelöst habe«, erwiderte ich.
»Bist du dir da sicher?«
»Ich kann nicht kontrollieren, was in seinem Kopf vorgeht, also verschwende ich auch keine Gedanken daran. Ich muss jetzt los. Die Werbeoffensive geht weiter.«
»Immerhin hat sie begonnen«, brummte mein Vater.
Ich sah meine Eltern an. Sie waren kaum gealtert, seit ich nach meinem Master abgehauen war. Das Haar meines Vaters hatte denselben Braunton wie meines, auch wenn sich an den Schläfen und am Hinterkopf graue Strähnen eingeschlichen hatten. Das Grau zeigte sich auch in seinen Stoppeln – an den seltenen Tagen, an denen meine Mutter ihn nicht zum Rasieren gedrängt hatte. Meine Mutter war schon vor Jahren der Eitelkeit erlegen und färbte sich das Haar blond. Es war nicht exakt der Farbton, den ich aus meiner Jugend in Erinnerung hatte, aber er kam nah ran. Sie richteten ihr Haus nicht aufwendig ein und hielten sich keine Haushaltshilfe, obwohl sie sich beides locker hätten leisten können. Stattdessen steckten sie ihr Geld in Anliegen, an die sie glaubten. Inzwischen war ich selbst zu einem dieser Anliegen geworden – ein Angestellter ihrer Stiftung. Ich schuldete ihnen einen ernsthaften Versuch, ganz egal, was ich von dieser verdammten neuen Karriere hielt.
»Vielleicht kriege ich ja heute noch einen Fall«, sagte ich.
»Viel Glück, mein Junge«, sagte mein Vater.
Nach der Anzeige, die sie für mich geschaltet hatten, konnte ich jedes Quäntchen Glück gebrauchen.
Das Licht blendete mich, grell und heiß, genau wie damals im Gefängnis in Hongkong. Die Hitze traf mein Gesicht. Ich schloss die Augen. Eine harte Stimme verhörte mich, hämmerte mir immer wieder dieselbe Frage entgegen. Meine Brust zog sich zusammen. Ich atmete tief ein und öffnete die Augen. Statt chinesischer Gefängniswärter sah ich Jessica Webber.
Ich schob die Lampe auf meinem Beistelltisch ein Stück zur Seite, um den Winkel des Lichts zu ändern. Die Beklemmung in meiner Brust ließ nach. Jessica sah mich besorgt an. »C.T.? Alles okay bei dir?«, fragte sie.
»Mir geht’s gut.«
»Vor einer Minute sah das aber ganz anders aus.«
»Wirklich, alles bestens.«
»Ich hatte dich gerade nach China gefragt.« Jessica warf einen Blick auf ihren Notizblock. »Du hast angefangen zu erzählen, deine Verhaftung erwähnt und dann … ich weiß nicht … hattest du da gerade einen kleinen PTBS-Moment.«
»Es ist alles okay, Jessica«, wehrte ich ab.
Jessica, eine Lokalreporterin, war der zweite Teil der PR-Strategie meiner Eltern für mein junges Ermittlungsbüro. Ich hatte ihr gern zugesagt, einerseits, weil ich die Publicity brauchte, andererseits, weil sie die hübscheste Journalistin war, die mir seit meiner Rückkehr in die Staaten begegnet war. Vielleicht war es ihr lockerer Charme, der mich dazu brachte, mich zu öffnen. Vielleicht war es auch das Dekolleté, das der offene Knopf an ihrer Bluse preisgab. Den Ausschlag gab allerdings, dass sie mich über mein absolutes Lieblingsthema reden ließ.
Mich selbst.
Wir stiegen wie geplant mit meiner Arbeit als unentgeltlicher...




