E-Book, Deutsch, 64 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
Frank Dr. Stefan Frank 2317
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7325-1969-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Zu jung für die Ehe?
E-Book, Deutsch, 64 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-7325-1969-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Marc Schaller sitzt bei Dr. Frank in der Sprechstunde, die beiden führen ein ernstes Gespräch. Bei dem achtzehnjährigen Auszubildenden wurde ein Aneurysma im Gehirn entdeckt. Wenn Markus nicht handelt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es irgendwann platzt. Seine einzige Hoffnung: eine baldige OP. Aber auch die Operation birgt dramatische Gefahren. Markus könnte während des Eingriffs sterben oder den Rest seines Lebens behindert sein.
Angesichts dieser Bedrohung reagiert seine blutjunge Freundin Ellen Radebrecht sehr ungewöhnlich: Sie macht ihrem Freund einen Heiratsantrag. Sollte etwas schiefgehen, soll ihre Liebe zumindest amtlich gewesen sein!
An ihrem siebzehnten Geburtstag informiert Ellen ihre Eltern über ihre Heiratsabsichten. Mutter und Vater Radebrecht fallen aus allen Wolken. Ihre hübsche Tochter soll erst einmal ihr Abitur machen, möglichst ins Ausland gehen und Erfahrungen sammeln! Sie verwehren Ellen ihre Zustimmung zur Eheschließung, und ohne die wird sich Ellens und Marcs Traum nicht erfüllen ...
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Es war ein ungemütlicher, grau-kalter Tag, der die Bewohner Grünwalds in ihre Häuser und Wohnungen trieb. Allerorts wurden Kamine angezündet, Heizkocher angesteckt und Wärmflaschen bereitet. Die ganze Stadt sehnte sich nach Wärme und Behaglichkeit.
Ellen Radebrecht stand nachdenklich am Fenster und sah in den Nieselregen hinaus. Wer sie von draußen beobachtete, konnte eine angestrengte Falte auf ihrer mädchenhaften Stirn erkennen. Aber es war zu unwirtlich für Zaungäste, und so blieb das hübsche junge Mädchen unbemerkt.
„Ellen …“ Auf leisen Sohlen war ihre Mutter hinter ihr ins Zimmer getreten. „Nun komm doch bitte zurück an den Kaffeetisch. Auch wenn Marc schon so früh aufbrechen musste, wir anderen Gäste wollen weiter mit dir feiern!“
Sie fasste ihr einziges Kind sanft an der Schulter und schob das Mädchen vom Fenster weg. Marc hatte unter einem Vorwand das Geburtstagsfest verlassen, und nur Ellen wusste, was der wahre Grund für seinen raschen Aufbruch gewesen war.
Ihr Herz war schwer. Gerne hätte sie sich ihrer Mutter anvertraut, aber sie wusste nicht, wie sie das Schreckliche aussprechen sollte.
„Ich komme ja schon, Mutti!“, sagte sie und rang sich ein Lächeln ab. „Du hast alles so schön vorbereitet!“
Sie folgte ihrer Mutter wieder hinunter ins Wohnzimmer, wo ihre Großeltern und ihr Vater warteten. Ihr Vater hatte sich extra freigenommen, um den siebzehnten Geburtstag seiner Tochter zu feiern. Seit Ellen denken konnte, hatte er an jedem ihrer Geburtstage Urlaub genommen.
Ihre Eltern hatten sich lange Jahre ein Kind gewünscht, doch es hatte erst geklappt, als keiner mehr damit gerechnet hatte. Seit ihrer Geburt war Ellen der Augenstern ihrer Eltern. Sie konnten ihr keinen Wunsch abschlagen und behüteten sie wie einen Schatz.
Sie ließ sich auf den freien Stuhl gleiten.
„Noch etwas von der Sachertorte?“, fragte die Mutter. Sie war extra um sechs Uhr morgens aufgestanden, um Ellens Lieblingstorte zu backen.
Ellen wusste, dass sie keinen Bissen hinunterbringen würde. Trotzdem nickte sie tapfer – ihrer Mutter zuliebe.
„Ein nettes Geschenk hat dir dein Liebchen da gemacht!“, neckte ihre Großmutter sie. Sie deutete auf den Ring an Ellens Ringfinger, den Marc Ellen in einer kleinen Schatulle überreicht hatte.
Das Schmuckstück war ein schlichter Silberring mit einem dunkelblauen, leicht abgesplitterten Stein in der Mitte. Sie hatten ihn gemeinsam auf dem Trödel entdeckt, und Ellen hatte er auf Anhieb gefallen.
Es war eine schöne Überraschung gewesen, als Marc ihr den Ring heute Nachmittag angesteckt hatte. Nein, mehr als eine Überraschung! Die Erinnerung an ein Versprechen, das er ihr vor wenigen Tagen gegeben hatte.
Ellens Blick schraubte sich an dem angeschlagenen Stein fest. Tränen füllten ihre Augen, doch zum Glück bemerkte es niemand.
„‚Liebchen‘ ist der richtige Ausdruck dafür“, sagte ihr Vater mit einem leicht abfälligen Ton in der Stimme. „Eine rührende Teenagerromanze. Aber gut … wenn Ellen erst ihr Abitur hat und ins Ausland geht, werden sicher noch ganz andere Männer ihr schöne Augen machen.“
Die Kaffeegesellschaft lachte, und wütend sah Ellen auf.
Tadelnd berührte ihre Mutter den Vater am Hemdsärmel.
„Wie kannst du so etwas sagen, Wolfgang!“, murmelte sie. „Du weißt, wie verliebt unsere Ellen ist. Die beiden sind ein hübsches Paar … und der Ring eine liebevolle Geste.“
Ellen wusste nur zu gut, dass auch ihre Mutter Vorbehalte gegen Marc hatte. Aber nun waren sie beide seit einem Jahr ein Paar, und ihre Mutter murrte nicht mehr, wenn Ellen bei Marc übernachtete.
„Sei nicht so streng mit deinem Mann!“, versuchte Ellens Großvater zu schlichten. „Er meint es doch nur gut mit eurem Kind. Und er hat ja recht: Diese Jugendlieben heutzutage sind nicht mehr für die Ewigkeit gedacht. Die jungen Leute wollen sich ausprobieren. Und mit ihrem Aussehen und ihren tollen Noten wird Ellen sicher einmal einen Herrn Doktor oder gar Herrn Professor mit nach Hause bringen!“
Bebend vor Wut sprang Ellen auf. „Vielleicht werde ich ja selbst eine Frau Doktor!“, blaffte sie ihren völlig überrumpelten Großvater an. „Und Marc und ich … das ist sehr wohl für die Ewigkeit gedacht. Wir lieben uns von ganzem Herzen.“
Ein betretenes Schweigen entstand am Tisch, und die Mutter arrangierte verlegen das letzte Stück Torte auf der Platte.
Ellen hatte sich in Rage geredet. „Nur weil Marc aus schwierigen Verhältnissen kommt!“, wetterte sie. „Nur weil er ein einfacher Autolackierer ist! Aber wisst ihr was? Marc hat mehr Weisheit und Herzensgüte als ihr alle zusammen!“
Der Großvater wollte etwas erwidern, aber die Großmutter warf ihm einen strengen Blick zu, und so ließ er es sein.
„Ich wollte dir nicht auf den Schlips treten, liebe Enkeltochter“, rutschte ihm dann doch noch eine Entschuldigung heraus. „Ich mochte es als junger Mann selbst nicht gern, wenn Erwachsene nicht ernstgenommen haben, was ich tat.“
„Und wir mögen Marc!“, fiel Ellens Mutter ihm ins Wort. „Wir mögen ihn wirklich.“
Ellen setzte sich wieder. Sie schaufelte ein Stück Torte in ihren Mund. Wenn Marc schnell gelaufen war, musste er eben jetzt in der Praxis von Dr. Frank eintreffen. Vielleicht saß er bereits im Wartezimmer.
„Es ist gut, wenn ihr ihn mögt!“, sagte Ellen mit fester Stimme, als sie das schokoladige Tortenstück hinuntergeschluckt hatte. „Marc und ich werden nämlich heiraten.“
Das Schweigen, das um sie herum entstand, war so übermächtig, als wäre schlagartig ein Vakuum entstanden. Es war, als hätten ihre Worte die Szene eingefroren. Als wären sie alle zu einem Standbild erstarrt.
Die Mutter war die Erste, die nach einer gefühlten Ewigkeit reagierte.
Ihre Reaktion war ein hysterisches Lachen. „Aber Ellen!“ Sie hielt sich die Hand vor den Mund. „Du darfst deine alten Eltern nicht so erschrecken.“
„Und deine Großeltern auch nicht!“, fiel der Großvater in das Lachen mit ein und erhob mahnend den Zeigefinger.
„Mit so etwas macht man keine Witze!“, sagte der Vater, dem für einen Augenblick jegliche Farbe aus dem Gesicht gewichen war. „Ich bin sicher, dass Marc sein nettes Geburtstagsgeschenk eher symbolisch gemeint hat. Ein Ring bedeutet noch lange keinen Heiratsantrag, Ellen.“
Ellen drehte das Schmuckstück an ihrem Finger. Ihr gefiel, dass der Stein leicht angeschlagen war. Perfektion hatte immer etwas Kaltes und Totes.
„Ich sagte auch nicht, dass Marc mir einen Heiratsantrag gemacht hat“, erwiderte sie schließlich. „Ich selbst habe um seine Hand angehalten, vor drei Tagen. Und Marc hat Ja gesagt.“
Ellens Vater stand wortlos auf und verschwand in der Küche.
Ihre Mutter sah sie aus schreckgeweiteten Augen an.
„Das ist doch ein Witz, Schätzchen, oder?“, fragte sie bang, aber sie sah selbst, dass Ellen nicht zu Scherzen aufgelegt war.
Der Großvater murmelte etwas in seinen Bart hinein und nahm sich das letzte Stück Geburtstagskuchen.
Ellens Vater kehrte aus der Küche zurück. Man merkte ihm an, wie sehr er sich beherrschen musste.
„Du kannst natürlich machen, was du willst!“, sagte er, und seine Stimme bebte. „In einem Jahr bist du achtzehn. Dann kannst du heiraten, wen du willst, und wohnen, wo du willst. Du kannst auch dein Leben wegwerfen, wenn dir danach ist. Aber momentan bist du siebzehn, und wir sind deine Erziehungsberechtigten. Und deine Mutter und ich werden ganz sicher nicht unterstützen, dass du solch eine wahnsinnige Entscheidung triffst.“
Ellens Mutter war hinter ihre Tochter getreten. Sie legte fast beschützend ihre Hand auf ihren Kopf.
„Ellen hat bestimmt nicht von sofort gesprochen!“, beruhigte sie ihren Mann. „Gut, dann seid ihr beide eben verlobt. Wir freuen uns. Und wenn ihr in zwei, drei Jahren zum Traualtar geht, werden wir natürlich in der ersten Reihe sitzen. Aber bitte: Denk jetzt an dein Abitur, und lass diese Traumtänzereien!“
Ellen befreite sich aus der Berührung ihrer Mutter. Trotzig schüttelte sie den Kopf.
„Nein, ich spreche nicht davon, dass ich irgendwann heiraten will. Ich will jetzt heiraten – oder zumindest bald!“, stellte sie klar. „Marc und ich möchten noch in diesem Jahr vor den Traualtar treten.“
Die Mutter hinter ihr versteifte sich. Sie verstand auf einmal, wie ernst Ellen es meinte.
„Das geht nicht!“, presste sie atemlos hervor. „Dein Vater hat recht. Solange du nicht volljährig bist, werden wir dich auf keinen Fall bei solch einer Schnapsidee unterstützen.“
Wie zur Bestätigung war sie neben ihren Mann getreten.
„Ihr seid zu jung für solch einen weitreichenden Schritt!“, übernahm ihr Vater das Wort. Er legte den Arm um seine Frau, als müssten sie sich gegenseitig stützen. „Eine Heirat ist ein juristischer Akt. Das hat nicht nur etwas mit Romantik zu tun. Ihr seid dann füreinander verantwortlich, gesetzlich verbunden. Du hast keinen Schimmer, wie oft im Leben du dich noch verlieben wirst! Man heiratet nicht völlig kopflos den ersten dahergelaufenen … Kleinkriminellen.“
„Genau!“, ereiferte sich Ellens Mutter. „Dafür haben dein Vater und ich nicht all das hier auf uns genommen. Die Nachhilfestunden, den Klavierunterricht … Wie oft hat dein Papa dich zu irgendwelchen Wettbewerben, Schulaufführungen und Veranstaltungen gefahren? Wir sind so stolz, dass du Jahrgangsbeste bist. Und wir haben dir...




