Frank | Geister der Vergangenheit | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 158 Seiten

Frank Geister der Vergangenheit

Erzählungen
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7368-8229-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Erzählungen

E-Book, Deutsch, 158 Seiten

ISBN: 978-3-7368-8229-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Sieben Erzählungen, gleichermaßen anspruchsvoll und packend geschrieben. IM DUNKEL EINER WINTERNACHT: Beobachten Sie, welche Anstrengungen eine einsame Frau auf sich nimmt, den Mann ihres Lebens zu finden. Begeben Sie sich in VERONIKA auf die Spuren Edgar Allen Poes und widmen Sie sich den teuflischen Experimenten an einer Todgeweihten. Verfolgen Sie in NÄCHTLICHE JAGD, wie ein Mann zufällig Zeuge eines perversen Vergnügens wird. Durch einen scheinbar harmlosen Spaß wird ein Mann ins Verderben gezogen. Lesen Sie SPUR INS GESTERN. Lernen Sie in DUNKLE SEELEN den verzweifelten Protagonisten kennen, der wegen seiner Wettschulden einen perfiden Mordplan erstellt. Dringen Sie ein in DIE DUNKLE WELT VON HELDEN UND SCHÄNDERN. Und zuletzt machen die GEISTER DER VERGANGENHEIT auch vor einer Frau nicht Halt, die sich um den Nachlass ihrer verstorbenen Mutter kümmert.

Frank Geister der Vergangenheit jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Veronika
  Sein Gesicht war von bleigrauer Farbe, die Augen vollkommen glanzlos und die Abmagerung so vorgeschritten, dass es mir vorkam, als müssten die Backenknochen die Haut durchstoßen. Er hatte außerordentlich starken Auswurf, sein Puls schlug kaum vernehmlich.   Der Fall Valdemar, Edgar Allan Poe         Ungefähr sechs Monate nach den schicksalhaften und schrecklichen Ereignissen um meinen Freund Ernst Valdemar, dessen Grabstätte ich in aller Regelmäßigkeit besuche und mit frischen Blumen schmücke, fasste ich den Entschluss, das Wagnis des damaligen Experiments noch einmal einzugehen. Ich wollte versuchen, einen Patienten zu magnetisieren, genauer gesagt, ich wollte mit aller Entschiedenheit herausfinden, ob magnetische Beeinflussung möglich sei bei einem im Todeskampf liegenden Menschen. Ich hatte die verstrichene Zeit gut genutzt, um mit Gewissheit sagen zu können, dass ich auf alle Probleme vorbereitet war. Um mir das zu beweisen, wollte ich das Experiment unter ganz genau den gleichen Voraussetzungen wiederholen, wie es damals beim armen Teufel Valdemar der Fall gewesen war, der unter Schwindsucht im Endstadium gelitten und, als wir mit den Versuchen begannen, nur noch kurze Zeit zu leben hatte. Noch immer konnte nicht mit Sicherheit behauptet werden, ob Menschen, die der Tod binnen Stunden ereilen konnte, überhaupt empfänglich für das Magnetisieren waren und wie ihre Reaktion auf eine solche Beeinflussung ausfiel. Meine Verwunderung über dieses offenkundige Desinteresse meiner forschenden Kollegen wuchs beständig, und schließlich konnte ich diesen Umstand nicht mehr ertragen und beschloss, meine Forschungen trotz meines damaligen Misserfolgs zu wiederholen. Ich kannte niemanden, der Symptome der Schwindsucht im Endstadium aufwies, daher begab ich mich in aller Frühe in das nahegelegene Krankenhaus, um zu sehen, ob das Schicksal einen armen Teufel für mich auserwählt hatte, den ich dann, und hier vertraute ich auf meine Überredungskünste, für meine Ziele begeistern konnte, sofern Begeisterung bei einem dem Tode geweihten Menschen noch zu entfachen war. Es war ein regnerischer und windiger Tag, und als ich im Krankenhaus eintraf, war ich durchnässt und von übler Laune. Einer der dort arbeitenden Ärzte, nämlich Doktor F., dessen Unterstützung ich bereits im Fall Valdemar hatte genießen können, war über meinen Besuch rechtzeitig informiert worden, und ich konnte aus einer kurzen Unterredung mit dem Mann heraushören, dass auch er größtes Interesse daran hatte, das waghalsige Experiment zu wiederholen. Wie gut es tat, einen Verbündeten an meiner Seite zu wissen, wo ich ansonsten doch eher auf Abneigung und Skepsis stieß – das Übel fast aller der Wissenschaft dienenden Männer. Mit einem stummen Kopfnicken begrüßen wir uns am Hauptportal des Krankenhauses, wo ich auf ihn wartete, dann geleitete er mich durch einige Flure und Gänge, aus den Räumen drang angelegentlich das Wehklagen der Kranken und Verletzten an meine Ohren, nicht jedoch an mein Herz, das taub geworden war für solcherart Laute. Ich hielt mich nicht für einen abgestumpften Mann, doch war es aus meiner Sicht unerlässlich, dass ich eine gewisse Kühle und Distanz an den Tag legte, wenn es um das Leid anderer Menschen ging – ein Preis, den ich gern zu zahlen bereit war. Schließlich standen wir in einem Raum, der mit vier Betten und muffiger Totenluft mehr als ausreichend belegt war. In allen Betten lagen bleichgesichtige, dürre Gestalten, welche der Tod beinah schon für sich gewonnen hatte; das Wenige, das die Menschen noch auf der Seite der Lebenden hielt, würde sich alsbald in Wohlgefallen aufgelöst haben. Diese Erkenntnis stahl mir ein Lächeln ins Gesicht, das von Doktor F. erwidert wurde, wusste er doch nur zu gut, wonach ich suchte. Während der wenigen Minuten seiner Führung durch die Gänge des Hauses hatten wir kaum eine Handvoll Worte gewechselt, und doch war ich dem Mann so nah wie einem Bruder. Er ließ mich mit den Todgeweihten allein, und ich hatte die Muße, einen geeigneten Kandidaten auszuwählen. Gewiss kamen sie alle in Frage, aber letztlich entschloss ich mich für einen reglos im Bett liegenden Patienten, der bis zur Nase unter der weißen Decke lag und die Augen geschlossen hielt. Nur kleine Regungen der Lider oder manchmal der Finger verrieten Leben. Meine Überraschung war groß, als ich die Bettdecke zurückzog und feststellen musste, dass es sich nicht um einen Mann, sondern vielmehr um eine Patientin handelte. Sie schlug die Augen auf, die dunkel wie Kohlestücke waren, und aus den befallenen Lungen stieg ein schauderhaftes Röcheln hervor, das symptomatisch für die Schwindsüchtigen war. Ich glaubte, Erkennen in ihrem Blick zu lesen, doch das konnte nicht sein; nie zuvor waren wir einander begegnet. Möglicherweise, so räumte ich ein, hielt sie mich für den Sensenmann persönlich. Sie öffnete mit einem vernehmlichen Schmatzen ihren schmalen Mund und wollte etwas sagen, doch schleimiger Auswurf, der mit Blutfäden durchsetzt war, kam ihren Worten zuvor. Der Krampf schüttelte ihren ausgemergelten Körper für so lange Zeit, dass ich die Befürchtung hatte, ihr letztes Stündlein habe geschlagen. Doch ich irrte, und die Patienten, die, wie ich Minuten später erfuhr, Veronika D. hieß, kam zur Ruhe. Stöhnend sank sie auf ihr Kissen zurück und blickte mich wieder an. Dieser Blick änderte sich zu keiner Sekunde, während ich sie in meinen Plan einweihte. Es war eine selbst für mich unheimliche Konfrontation mit einem dem Tode geweihten Menschen, sie so reglos, geradezu desinteressiert meinen Worten lauschen zu sehen. Es ging um ihren Tod, doch sie zeigte weder Abneigung noch Zustimmung, und ich spürte, wie die Kette meiner Argumente brüchig wurde und mein Elan einem Zaudern wich. Und dennoch hatte sie jedes einzelne Wort von dem, was ich ihr zwar leise, aber dennoch klar vermittelte, vernommen, da hegte ich keinerlei Zweifel, denn am Ende meiner Darlegungen sagte sie mit rauer Stimme, die ganz und gar nicht zu dieser eingefallenen Menschenruine passen wollte: »Ich bin mit allem, was Sie mir sagten, Herr Doktor, einverstanden. Nehmen Sie mich mit in Ihr Haus und führen Sie Ihre Versuche im Dienste der Menschheit durch. Ich gestatte es Ihnen ausdrücklich!« Ich muss zugeben, dass ich für eine Weile sprach- und ratlos war ob dieser vor Klarheit nur so strotzenden Anweisung einer Todgeweihten. Zusammen mit Doktor F. beauftragte ich einige Männer, Veronika mitsamt dem Krankenbett noch am selben Tag in mein Haus zu schaffen. Dort wartete ein in aller Eile liebevoll eingerichteter Raum auf sie: Blumen waren am Fenster drapiert, der Blick ging hinaus in den Garten, der groß genug war, die Blicke allzu Neugieriger abzuhalten, die Wände waren in Farben gestrichen, die Gedanken an den Tod zwar nicht vertrieben, aber sicher erschwerten. Veronika war eine leicht zu handhabende Patientin, das Glück aller Ärzte. Selbst wenn die rohen und wenig achtsamen Helfer das Bett während des Transportes gegen Türpfosten oder Wände stießen, entfuhr ihr kein Laut; im höchsten Falle legte sie ihre Stirn in Furchen, wie um der Welt mitzuteilen, was sie von solcherart Behandlung hielt. Auch wenn ich von der Frau nicht das Geringste wusste, weder Alter noch Familienstand, hegte ich schon bald eine große Sympathie für diese ungeheuer starke Person. Natürlich änderte dies nichts an meiner Absicht, mit großem Interesse ihrem Sterben beizuwohnen, aber darüber hinaus beschloss ich, ihr die letzten Stunden des Lebens so angenehm wie möglich zu gestalten, was sich darauf beschränkte, ihr ein weiteres Kissen unter den Kopf zu legen oder hin und wieder das Fenster zu öffnen, um den bitteren Muff des Todes hinausströmen zu lassen. Nicht nur Doktor F. war nach wie vor anwesend, sondern mittlerweile auch sein hochgeschätzter Kollege Doktor D., der auch im Fall Valdemar anwesend gewesen war; darüber hinaus beorderte ich auch auf schnellstem Weg einen mir bekannten Studenten der Medizin, Theodor L-e, in mein Haus, der von mir die Aufgabe bekam, jedes Geschehnis ohne Lücke zu protokollieren. Beide anwesenden Ärzte untersuchten Veronika in aller Gründlichkeit und kamen überein, dass die weitere Lebenszeit der bedauernswerten Person auf eine Frist von nur noch wenigen Stunden begrenzt sei. »Um Mitternacht«, murmelte Doktor D., »weilt sie nicht mehr unter uns.« »Länger wird sie es nicht mehr machen«, bekräftigte Doktor F. und nickte heftig mit dem Kopf, und munter schwang dabei eine Tolle seines Haars mit, wie um seine Meinung noch zu festigen. »Sie sollten keine Zeit verschwenden, mein lieber Freund.« Das minutiöse Geschacher um das Hinscheiden der wach im Bett liegenden Frau bekümmerte mich, und so verzichtete ich auf allzu viele Worte, sondern nahm die Einschätzungen der beiden Ärzte lediglich mit einem unmerklichen Nicken zur Kenntnis. Schwindsucht im Endstadium ist für Ärzte eine undankbare Angelegenheit, denn mehr als Warten ist ihnen nicht vergönnt. Hin und wieder können sie mittels eines Spiegels prüfen, ob noch Atemluft aus dem...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.