Frank / Graf | Das Tagebuch der Anne Frank | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 280 Seiten

Frank / Graf Das Tagebuch der Anne Frank


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95849-781-8
Verlag: Metis
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 280 Seiten

ISBN: 978-3-95849-781-8
Verlag: Metis
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Das Tagebuch der Anne Frank• Vollständig verlinkt und mit eBook-Inhaltsverzeichnis• Mit einem Vorwort des Herausgebers und einer ausführlichen Darstellung der Urheberrechts-ProblematikHätte Anne Frank die Nazizeit überlebt, wäre höchstwahrscheinlich eine große Schriftstellerin aus ihr geworden. Ihrem Tagebuch vertraute sie diesen Lebenstraum an: 'Du weißt ja schon lange, dass es mein größtes Ziel ist, einmal Journalistin und später eine berühmte Schriftstellerin zu werden [...] Themen habe ich schon jede Menge. Nach dem Krieg will ich auf jeden Fall ein Buch mit dem Titel ?Das Hinterhaus? herausbringen [...] mein Tagebuch kann mir als Grundstein dafür dienen.'Den ersten Tagebucheintrag schrieb Anne am 12. Juni 1942, den letzten am 1. August 1944, vier Tage vor der Verhaftung. Alle Bewohner des Verstecks im ?Hinterhaus? wurden von den Nazis zunächst nach Auschwitz verschleppt. Im März 1945 starb Anne, ebenso wie ihre Schwester Margot, an Entkräftung und Typhus im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Der genaue Todestag ist nicht bekannt. Anne Franks Tagebuch gilt heute als bedeutendstes schriftliches Zeugnis aus der Nazi-Zeit.Eine ausführliche Darstellung zur Urheberrechtsfrage findet sich im Vorwort dieses eBooks.

Frank / Graf Das Tagebuch der Anne Frank jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Deine Anne

Freitag, 12. März 1943

Liebe Kitty!

Darf ich vorstellen: Mama Frank, Vorkämpferin der Kinderrechte! Extra Butter für die Jugendlichen, Teenagerprobleme, in allem setzt sich Mutter für die Jugend ein und bekommt nach einer Dosis Streit fast immer ihren Willen.

Ein Glas eingemachte Zunge ist verdorben. Das ist ein Festmahl für Mouschi und Moffi. Moffi kennst du noch nicht, aber sie war schon in der Firma, bevor wir hier untertauchten. Sie ist die Lager- und Bürokatze und Rattenwächterin vom Lager. Auch ihr politisch unkorrekter Name [Mof, plural Moffen ist in den Niederlanden ein abwertender Name für Deutsche; red.] ist leicht zu erklären. Zeitweilig hatte die Firma zwei Katzen, eine für das Lager und eine für den Dachboden. Manchmal trafen sich die beiden, was immer zu heftigen Kämpfen führte. Die Lagerkatze war immer die aggressive, während der Dachbodentiger am Ende doch den Sieg errang. Genau wie in der Politik. Also wurde die Lagerkatze die Deutsche oder Moffi genannt, und die Dachbodenkatze der Engländer oder Tommy. Tommy ist später suspendiert worden, und Moffi dient uns allen zur Unterhaltung, wenn wir hinuntergehen.

Wir haben so viele braune und weiße Bohnen gegessen, dass sie mir zum Halse heraushängen. Wenn ich nur daran denke, wird mir übel. Die abendliche Brotverteilung ist ganz eingestellt worden. Papi hat gerade gesagt, dass er schlechte Laune hat. Er hat wieder so melancholische Augen, der Ärmste!

Ich bin ganz süchtig nach dem Buch »De klop op de deur« [›Das Klopfen an der Tür‹] von Ina Boudier-Bakker. Dieser Familienroman ist außerordentlich gut geschrieben. Nur was drumherum über Krieg, Schriftsteller oder Emanzipation der Frau erzählt wird, ist nicht so lesenswert. Ehrlich gesagt, es interessiert mich nicht so sehr.

Schreckliche Bombenangriffe auf Deutschland.

Herr van Daan ist schlechter Laune. Der Grund: Zigarettenknappheit. Die Diskussion über die Frage, ob die Konservendosen verbraucht werden sollen oder nicht, ist zu unseren Gunsten ausgegangen.

Ich habe keine Schuhe mehr zum Anziehen, außer hohen Skistiefeln, die im Haus nun wirklich unpraktisch sind. Ein paar Strohsandalen für 6,50 Gulden konnte ich nur eine Woche tragen, dann fielen sie auseinander. Vielleicht treibt Miep im Schwarzhandel etwas auf.

Ich muss jetzt noch Vaters Haare schneiden. Pim versichert, dass er nach dem Krieg nie mehr einen anderen Frisör nehmen werde, so gut erledige ich meine Arbeit. Wenn ich nur nicht so oft sein Ohr mitschneiden würde!

Deine Anne

Donnerstag, 18. März 1943

Liebste Kitty!

Die Türkei ist im Krieg. Große Aufregung. Wir warten mit Spannung auf die Nachrichten im Radio.

Freitag, 19. März 1943

Liebe Kitty!

Die Enttäuschung folgte der Freude schon eine Stunde später und hat letztere ausgebremst. Die Türkei ist doch nicht im Krieg, der Minister dort kündigte lediglich eine baldige Aufhebung der Neutralität an. Ein Zeitungsverkäufer auf dem Dam [zentraler Platz in Amsterdam; red.] schrie: »Türkei auf der Seite Englands!« Dadurch wurden ihm die Zeitungen aus der Hand gerissen, und das erfreuliche Gerücht erreichte auch uns.

Die Tausendguldenscheine wurden für ungültig erklärt. Das ist ein schwerer Schlag für alle Schwarzhändler und dergleichen Leute, aber noch mehr für andere Besitzer von schwarzem Geld oder für Untergetauchte.

Man muss nun, wenn man einen Tausendguldenschein wechseln will, genau nachweisen, woher man ihn bekommen hat. Steuern dürfen allerdings noch damit bezahlt werden, aber auch das endet nächste Woche. Gleichzeitig verfallen die Fünfhundertguldenscheine. Gies & Co. hatten noch schwarzes Geld in Tausendguldenscheinen, sie bezahlten dann für eine ganze Weile die Steuern im Voraus, auf diese Art war alles legal.

Dussel hat eine Tretbohrmaschine [zahnärztliches Instrument, red.] bekommen, und ich werde wohl bald einer ernsthaften Kontrolle unterzogen.

Dussel gehorcht den Versteckregeln absolut nicht. Er schreibt nicht nur Briefe an seine Frau, sondern korrespondiert auch mit verschiedenen anderen Leuten und lässt Margot, die Holländisch-Nachhilfelehrerin vom Hinterhaus, die Briefe korrigieren. Vater hat ihm streng verboten, damit weiterzumachen. Margots Korrigieren ist beendet, aber ich persönlich vermute, dass er bald wieder mit dem Schreiben anfangen wird.

Der Führer aller Germanen hat vor verwundeten Soldaten gesprochen. Es war traurig, das anzuhören. Die Fragen und Antworten waren ungefähr so:

»Heinrich Scheppel ist mein Name.«

»Wo verwundet?«

»Bei Stalingrad.«

»Was verwundet?«

»Zwei erfrorene Füsse und ein Gelenkbruch am linken Arm.«

Genau so gab das Radio dieses schreckliche Marionettentheater an uns weiter. Die Verwundeten schienen sogar stolz auf ihre Verwundung zu sein, je schlimmer, desto besser! Einer brachte vor Rührung, weil er seinem Führer die Hand reichen durfte (falls er diese noch hatte), fast kein Wort heraus.

Dussels Duftseife ist mir auf den Boden gefallen und ich bin draufgetreten, sodass ein ganzes Stück herausgebrochen ist. Ich habe Vater um Schadensersatz für ihn gebeten, denn Dussel bekommt nur ein Stück Seife pro Monat.

Deine Anne

Donnerstag, 25. März 1943

Liebe Kitty!

Mutter, Vater, Margot und ich saßen gestern Abend ganz gemütlich zusammen. Plötzlich kam Peter herein und flüsterte Vater etwas ins Ohr. Ich hörte etwas wie »eine Tonne umgefallen im Lager« und »jemand an der Tür rütteln«.

Margot hatte es auch verstanden, versuchte aber, mich etwas zu beruhigen, denn ich war natürlich gleich kreidebleich und aufgeregt. Wir drei warteten, Vater war schon mit Peter hinuntergegangen. Keine zwei Minuten später kam Frau van Daan vom Radiohören herauf und sagte, Pim hätte sie gebeten, das Radio auszumachen und leise hinaufzugehen. Aber wie es so ist, wenn man besonders leise sein möchte, dann knirschen die Stufen einer alten Treppe doppelt so laut. Wieder fünf Minuten danach kamen Peter und Pim, bleich bis an die Nasenspitzen, und erzählten uns das Malheur.

Sie hatten sich unten an die Treppe gesetzt und gewartet, ergebnislos. Aber auf einmal hörten sie zwei heftige Schläge, als würden im Hinterhaus zwei Türen zugeschlagen. Pim war mit einem Satz oben, Peter warnte erst noch Dussel, der umständlich und geräuschvoll endlich auch oben ankam. Dann gingen wir auf Strümpfen eine Etage höher, zur Familie van Daan. Herr van Daan war sehr erkältet und hatte sich schon hingelegt, deshalb scharten wir uns um sein Lager und tauschten flüsternd unsere Vermutungen aus. Immer wieder, wenn Herr van Daan laut hustete, bekamen seine Frau und ich fast Krämpfe vor Angst. Das ging so lange, bis einer von uns die glänzende Idee hatte, ihm Codein zu geben. Der Husten ließ sofort nach.

Wieder warteten und warteten wir, aber nichts war zu hören. Nun nahmen wir eigentlich alle an, dass die Diebe weggelaufen waren, als wir Schritte in dem sonst so stillen Haus hörten. Das Unglück wollte, dass unten am Radio noch der englische Sender lief und unsere Stühle schön ordentlich drumherum standen. Falls die Tür aufgebrochen worden wäre und der Luftschutzwart das sehen und der Polizei Bescheid geben würde, könnte das schlimme Folgen für uns haben. Also stand Herr van Daan auf, zog Hose und Jacke an, setzte einen Hut auf und ging vorsichtig hinter Vater die Treppe hinunter, gefolgt von Peter, der zur Sicherheit mit einem schweren Hammer bewaffnet war. Die Damen oben (inklusive Margot und ich) warteten mit Spannung, bis fünf Minuten später die Herren wieder oben ankamen und sagten, alles sei ruhig im Haus. Wir vereinbarten, kein Wasser laufen zu lassen und im Klo nicht die Spülung zu ziehen. Aber da die Aufregung fast allen Mitbewohnern auf den Magen geschlagen war, kann man sich vorstellen, was für ein Gestank dort herrschte, nachdem wir einer nach dem anderen unser Geschäft verrichtet hatten.

Wenn so etwas passiert, kommt immer alles Schlimme zusammen. So auch diesmal. Erstens spielte die Westerturmglocke, die mir immer so ein beruhigendes Gefühl gegeben hatte, nicht mehr, und außerdem war Herr Voskuijl am Abend zuvor früher nach Haus gegangen, und wir wussten nicht, ob Bep den Schlüssel noch bekommen und vielleicht vergessen hatte, die Tür zu verriegeln.

Aber darauf kam es jetzt nicht an, es war noch immer Abend, und wir waren noch sehr besorgt, obwohl wir uns inzwischen doch etwas beruhigt hatten, denn ab Viertel nach acht, nachdem der Dieb unser Haus unsicher gemacht hatte, bis halb elf hatten wir nichts mehr gehört. Bei genauerer Überlegung schien es uns dann doch sehr unwahrscheinlich, dass ein Dieb am frühen Abend, wenn vielleicht noch Leute auf der Straße waren, eine Tür aufbrechen würde. Außerdem kam einer von uns auf den Gedanken, dass der Lagermeister der Nachbarn, der Firma Keg, vielleicht noch an der Arbeit gewesen war, denn in der Aufregung und bei den dünnen Wänden konnte man sich leicht bei den Geräuschen vertun, und in solch heiklen Situationen ist die Aufregung nicht zu unterschätzen.

Wir gingen also ins Bett, aber nicht alle konnten einschlafen. Vater, Mutter und Herr Dussel wachten oft auf, und auch ich kann (mit etwas Übertreibung) behaupten, dass ich kein Auge zugemacht habe. Heute Morgen sind die Herren hinuntergegangen und haben kontrolliert, ob die Haustür noch abgeschlossen war. Alles war in Ordnung!

Die Ereignisse, die alles andere als beruhigend waren, wurden natürlich lang und breit dem gesamten Büro geschildert, und hinterher kann man leicht lachen; nur Bep hat uns ernst genommen.

Deine Anne

P. S. Das...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.