Frank World of Nightwalkers - Echo der Unsterblichkeit
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8025-9669-8
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 02, 380 Seiten
Reihe: World-of-Nightwalkers-Reihe
ISBN: 978-3-8025-9669-8
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Polizist Jackson Waverly verliert bei einer Explosion beinahe sein Leben. Doch als er schwer verletzt wieder erwacht, muss er feststellen, dass der Geist eines mächtigen ägyptischen Pharaohs in seinen Körper eingekehrt ist. Dieser sehnt sich danach, mit seiner Königin wiedervereint zu sein, und glaubt, in der hübschen Psychologin Marissa Anderson das passende Gefäß für ihren Geist gefunden zu haben ...
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1
Mit einer für sie ganz untypischen Fahrigkeit klopfte Dr. Marissa Anderson mit einem Bleistift an die Kante ihres Schreibtischs, was einen heftigen Gedankenaufruhr verriet. Sie versuchte herauszufinden, was sie so aufwühlte. In ihrem Leben lief ansonsten alles glatt. Sie hatte sich in ihre Stelle als Chefpsychiaterin des Reviers sehr gut eingearbeitet. Sie hatte sogar gelernt, wo sie die schwierige Grenze zwischen der beruflichen Beziehung mit ihren Kollegen und einem zwanglosen privaten Umgang ziehen musste. Freundschaften zu schließen in einem männlich dominierten Revier voller Alphatypen, die es überhaupt nicht mochten, wenn man sie daran erinnerte, dass sie Gefühle hatten … oh ja, das war nicht einfach. Vor allem wenn sie zwischen ihnen und ihrer Rückkehr in den Dienst stand. Doch so langsam begriffen sie, dass sie kein sadistisches Vergnügen daran hatte, diese Art von Macht über sie auszuüben. Ganz im Gegenteil. Solange sie sich ihren Problemen stellten und damit umgingen, setzte sie sich leidenschaftlich dafür ein, dass sie ihren Beruf weiter ausüben konnten.
So viel zur Karriere.
Ihre Schwester, die dafür bekannt war, dass sie hin und wieder in Schwierigkeiten geriet, war zum Glück brav gewesen und hatte es geschafft, zumindest einen Teilzeitjob zu bekommen.
So viel zur Familie.
Und dass sie im Augenblick keine Beziehung hatte, war für Marissa ganz in Ordnung. Sie hatte noch nie das Bedürfnis gehabt, sich über die Aufmerksamkeit eines Mannes zu definieren, wie es bei ein paar ihrer Freundinnen und Verwandten der Fall war. Sie fühlte sich wohl mit sich, ihrem Zuhause, ihrem Lebensstil und hatte nicht das Gefühl, dass sie irgendwie versagt hatte, weil es keinen anderen wichtigen Menschen in ihrem Leben gab.
So viel zum Privatleb…
Sie wischte den Gedanken weg, und das Klopfen ihres Bleistifts erreichte eine kritische Geschwindigkeit.
Drei Wochen …
Der Gedanke tauchte mit einem spöttischen Unterton in ihrem Hinterkopf auf. Ihre Haut begann zu prickeln, und sie errötete. Sie stöhnte frustriert auf, und in einer seltenen Anwandlung von Gereiztheit schleuderte sie den Bleistift durch den Raum und sah zu, wie er vom Fenster abprallte und in der Topfpflanze darunter landete.
Seufzend stand sie auf und ging durch den Raum, um sich hinunterzubeugen und in das Blättergewirr des Ficus zu blicken. Sie kam jedoch nicht so weit. Durch das Fenster fiel ihr Blick auf einen schwarzbraunen Fleck, der über das nicht allzu weit entfernte Feld schoss und dabei erstaunlich hoch sprang, bevor er in einen Mann hineinlief, der ihm im Weg war, und ihm die Zähne in den nächstbesten Körperteil schlug.
»Loslassen! Loslassen, sofort!«
Bei dem Befehl erstarrte sie, und die tiefe, autoritäre Stimme löste ein Gefühl zwischen Furcht und Bewunderung in ihr aus. Sie verspürte ein Kribbeln an den Brüsten, während ihr an anderen Körperstellen ganz warm wurde.
Ihre Augen schauten weg von dem Hund und dessen Opfer und richteten sich auf den Sprecher. Das Opfer trug einen gepolsterten Anzug, der speziell dafür gemacht war, einem Hundebiss standzuhalten. Allerdings war der Mann, der dem Hund Befehle erteilte, der Mann, der ihn trainierte, in Uniform.
Jackson. Sergeant Jackson Waverly war einer der beiden Polizeihundeführer vom Revier von Saugerties, New York. Der Hund, den er früher gehabt hatte, Chico, war vor sechs Monaten im Dienst getötet worden. Sergeant Waverly hatte das nicht sehr gut verkraftet. Für ihn war es genauso gewesen, als wenn er einen menschlichen Partner verloren hätte. Und wenn man bedachte, dass Chico sein Leben geopfert hatte, um seinem Partner das Leben zu retten, hatte er diesen Respekt ihrer Meinung nach auch verdient.
Eine Zeit lang war sie sich ziemlich sicher gewesen, dass Jackson nicht in der Lage sein würde, wieder als Hundeführer zu arbeiten. Er hatte das Training mit seinem neuen Hund aufgeschoben und wenig Interesse an dem hübschen deutschen Schäferhund namens Sargent gezeigt. Doch vor drei Wochen …
Vor drei Wochen …
Vor drei Wochen hatte sich etwas an Jackson dramatisch verändert. Wenn jemand sie gebeten hätte, es zu erklären, wäre ihr das wahrscheinlich nicht wirklich gelungen … sie hätte sich nur angehört wie ein dummes Schulmädchen mit einer Schwäche für einen Jungen.
Nun, sie musste zugeben, dass sie den Mann schon immer anziehend gefunden hatte. Wie denn auch nicht? Er war verdammt schön für einen Mann, und jede Frau mit einem Funken Verstand und einer halbwegs funktionierenden Libido würde dem zustimmen. Er war groß, aber nicht übermäßig groß. Aber immerhin so groß, dass er sie mit ihren eins vierundsiebzig und mit den sieben bis zehn Zentimeter hohen Stilettos, die sie immer trug, um mehrere Zentimeter überragte. Es kam wirklich selten vor, dass jemand ihr das Gefühl gab, sie sei kleiner und zarter, als sie in Wahrheit war. Doch er gab ihr auch das Gefühl …
Überrumpelt war das einzige Wort, mit dem sie es beschreiben konnte. Genau so hatte sie sich an jenem Tag vor drei Wochen gefühlt, als er sich von diesem manchmal anziehenden/manchmal nervtötenden Mann in …
»Ich wollte Ihnen sagen, Marissa … mir ist klar geworden, dass es im Augenblick niemanden auf diesem Planeten gibt, den ich so reizvoll finde wie Sie. Sie sind ein Rätsel, und noch dazu ein hübsches. Ich glaube, es wäre wirklich furchtbar schade, wenn ich Sie entwischen ließe.«
Wer zum Teufel sagt so etwas zu einer Frau? Eigentlich war es widerlich. Oder zumindest abgeschmackt. Es war beleidigend und unangenehm, wenn man bedachte, dass er im Grunde ein Patient von ihr war und es eine schwerwiegende Verletzung moralischer Grundsätze war, dass er es wagte, sie anzumachen.
Also nein. Sie hatte sich dagegen verwahrt. Hatte so getan, als hätte er einen fiesen kleinen Scherz gemacht, als er männliche Autorität gegenüber einer Frau einsetzte, die er mit seinem charmanten Lächeln und seinen überaus hübschen grünen Augen nicht hatte erobern können. Diese glasklaren, wie ein türkisfarbener Ozean schimmernden Augen, Augen, so klar, dass sie aus seinem Gesicht mit den edlen Zügen hervorstachen. Wie es schien, vor allem in den letzten drei Wochen.
Unsinn, dachte sie streng. Er rüttelte an ihrem Käfig und lenkte die Aufmerksamkeit auf sich, und jetzt verlor sie sich ständig in Tagträumen … ganz zu schweigen von ein paar feuchten Träumen mit Jackson als Hauptdarsteller.
Ein Teil des Problems war, dass er immer da war. Jedes Mal, wenn sie sich umdrehte, sah sie ihn oder hörte seine tiefe, klangvolle Stimme. Wie jetzt, als er seinen Hund mit einem scharfen Befehl zurückpfiff, woraufhin das kräftige Tier über das Feld zurück an seine Seite sprang und Jackson sich hinkniete, es lobte und ihm den Hals kraulte und ihm als Belohnung das Lieblingsspielzeug gab.
Es war auch nicht besonders günstig, dass die Übungswiese direkt vor ihrem Fenster lag. Es war eine verdammte Ablenkung, ihm dabei zuzuschauen, wie er abwechselnd mal autoritär und dann wieder albern und verspielt sein konnte, wenn er mit Sargent zwischen den strengen Trainingseinheiten spielte.
Doch im Nu wäre das intensive Training vorbei und damit auch ihr ebenso intensives Eintauchen in die Welt des verführerischen Jackson Waverly.
Juhu.
So ein Mist.
»Verdammt noch mal«, murmelte sie und ließ die Jalousien mit einem Ruck herunter, was einen Teil des Sonnenlichts aus ihrem Büro verbannte. »Es war nur ein dummer kleiner Flirt«, sagte sie sich.
Nun, ganz so war es auch nicht gewesen.
Sie zwang sich wieder an ihren Schreibtisch zurück und beschloss, keine weiteren Gedanken daran zu verschwenden.
Zwanzig Minuten später kritzelte Marissa abwesend Männchen auf ein Blatt Papier. Der Stift fuhr so wild darüber wie die Gedanken, die ihr durch den Kopf schossen …
Das Handy bei ihrem Ellbogen klingelte, und durch die Vibration wanderte es über den Tisch. Sie nahm es und blickte auf das Display. Ein strahlend schönes Bild ihrer Schwester war zu sehen, und das helle Sonnenlicht auf ihrem Haar ließ das Rot schimmern, als stünde es in Flammen. Doch dieser Schimmer war nichts im Vergleich zu dem strahlenden Lächeln, das auf dem Foto eingefangen war. Und dieses Lächeln sagte alles darüber, was für ein Mensch ihre Schwester
war.
Sie lächelte ebenfalls und nahm den Anruf an.
»Waswillstedenn?«, fragte sie in gedehntem Brooklyn-Slang.
Angelina lachte los, und bei dem fröhlichen Geräusch verspürte Marissa ein Prickeln im Nacken und an den Schultern, sodass sie sich augenblicklich entspannte.
»Wasmachst’ndu?«, entgegnete Angelina mit dem gleichen übertriebenen Akzent. Das Lustige daran war, dass keine von beiden in New York geboren war, doch Lina behauptete immer wieder, dass Marissa allmählich klang wie eine Einheimische, also …
»Ich arbeite, was sonst«, antwortete sie mit normaler Stimme. Eine Stimme, die darin geübt war, kultiviert und akzentfrei zu klingen.
»Nein, das stimmt nicht. Du wärst nicht ans Telefon gegangen, wenn du gerade versuchen würdest, jemanden von seinem Wahnsinn zu befreien.«
»Ich hab noch andere Dinge zu tun, als Polizisten von ihrem Wahnsinn zu befreien. Schon allein der ganze Papierkram …«
»Aber sicher doch«, sagte Lina gedehnt. »Wahrscheinlich sitzt du einfach nur da und starrst hinaus auf Mr Groß Dunkel und Gefährlich.«
Die Bemerkung überraschte Marissa so, dass sie einen Moment lang kein...




