E-Book, Deutsch, Band 1003, 200 Seiten
Franklin Jack Franklin, der Weltdetektiv
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-772-6
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 1003, 200 Seiten
Reihe: Kult (Schätze der Unterhaltungsliteratur)
ISBN: 978-3-95719-772-6
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Jack Franklin ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Detektivkunst. Durch sein kriminalistisches Genie hat er gemeinsam mit seinem Gehilfen Pat Murry auf allen Kontinenten erfolgreich gegen das Verbrechen gekämpft. In Nebraska stoßen sie auf ein mordendes Ungetüm und in der Grenzregion zu Kanada muss das Rätsel um einen mysteriösen Doppelmord gelöst werden. In diesem Band stecken fünf aufregende Fälle für den Weltdetektiv Jack Franklin. Die Printausgabe umfasst 240 Buchseiten.
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Eine unheimliche Geschichte
In stürmischer Sommernacht raste der Pacific-Express am Ufer des Platte River dahin. Er fuhr donnernd über die mächtige Hängebrücke und gelangte in ein Terrain von ausgedehnten Wäldern und Seen. Die Landschaft lag in dunkler Verschlossenheit um den Schienenstrang, aber die strahlenden Lichter der kolossalen Verbund-Lokomotive wiesen mit riesig großen Argusaugen den richtigen Weg.
In einem Abteil des vordersten Wagens befanden sich zwei Herren in animiertem Gespräch. Beide mochten Farmbesitzer sein, ihre gebräunten Gesichter und ihr sonstiges solides Aussehen verrieten es.
„Haben wir nicht bald das Gebirge Long Peak erreicht?“, fragte er eine.
Gähnend erwiderte der Befragte: „Weit kann es nicht mehr sein. Wenn wir erst Nebraska hinter uns haben, sind wir bald angelangt. Wir haben nur noch eine Station, dann sind wir da.“
„Aha, ich weiß, wo wir zunächst anhalten!“, sagte der Erste wieder. „Es ist die Station Omanda, nicht wahr?“
„Jawohl, so ist es, aber der Express hält dort kaum drei Minuten. Ein wahrer Segen, diese Pacific-Bahn. Nirgends hält sie sich lange auf. Bei uns Amerikanern heißt es immer: mit größter Schnelligkeit vorwärts.“
„Hm, das soll schon sein!“, pflichtete der andere bei. „Wissen Sie nichts Näheres über den Besitzer von Omanda? Ich habe da neulich eine ganz tolle Geschichte gehört. Es soll in der Nähe der Besitzung nicht recht geheuer sein. Man erzählte sich, dass der Sohn des Besitzers vor längerer Zeit durch irgendein gespenstisches Ungetüm, das sich in den Wäldern herumtreibt, sein Leben eingebüßt hat. Die Sache kam mir fast wie ein Märchen vor.“
Der erste Farmer machte ein ernstes Gesicht.
„Man hat Ihnen die Wahrheit gesagt!“, erwiderte er. „Ich habe neulich mit einer vertrauenswürdigen Persönlichkeit gesprochen, welche die Verhältnisse von Omanda genau kennt.“
Der andere rückte sich zurecht und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Gespannt hingen seine Augen am Munde seines Mitreisenden.
„Sir Omanda ist der reichste Landbesitzer in Nebraska!“, erzählte dieser weiter. „Er besitzt Ländereien und Wälder von riesenhafter Ausdehnung. Wie bekannt und geachtet er ist, geht schon daraus hervor, dass die Bahnstation seinen Namen erhalten hat.
Heute ist der alte Omanda ein Sonderling und Menschenfeind geworden. Aber es war einmal anders. Da gab es Feste über Feste, und es ging immer froh und lustig in dem alten Herrenhause zu.
Der alte Omanda hatte einen Sohn, das war ein sympathischer, stattlicher junger Mann. Er kam vor zwei Jahren von einer Weltreise zurück, schäumend vor Übermut und Jugendlust. Er war ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle.
Bill Omanda traf seinen Vater niedergeschlagen und melancholisch an. Die Ursache dieses veränderten Benehmens kam ihm geradezu lächerlich vor. Es handelte sich um ein gespensterhaftes Ungetüm, welches in jenem Teile Nebraskas sein Unwesen treiben sollte.
Die Sage über dieses Ungetüm führte bis zur Indianerzeit zurück. Die alten Indianerfrauen erzählten ihren Enkelkindern, dass der Geisterhund den Weißen, dem er erscheine, jedes Mal um ein Jahr dem Tode näher bringe.
Dem alten Omanda war dieses rätselhafte Ungetüm nun in letzter Zeit sehr oft begegnet. Das war der Grund zu seiner Verstimmung. Bill lachte seinen Vater aus und erbot sich, dem geheimnisvollen Spuk auf die Spur zu kommen. Er glaubte diese Altweibergeschichten nicht.
Endlich kam ihm das Untier das erste Mal zu Gesicht. Es war in finsterer Nacht, als er am Fenster stand und auf die Landschaft hinausblickte.
In der Nähe der Besitzung Omanda befindet sich auf erhöhtem Platze eine ehemalige Mühle, welche jetzt einsam und verlassen dasteht. Sie wird weit und breit die Burgmühle genannt.
Bill Omanda sah das Ungetüm vom Walde herüberkommen und in der Nähe der Burgmühle verschwinden. Von nun an stand er Nacht für Nacht auf dem Posten. Mit der Flinte im Anschlag lauerte er auf das Untier. Er kam auch mehrere Male zum Schuss, aber das Ungetüm schien unverwundbar. Es hatte sich bei Bill Omanda der Gedanke festgesetzt, dass die Burgmühle mit dem gespenstischen Ungetüm in irgendeiner Verbindung stehen müsste. Eines Tages fasste er daher den Entschluss, in der Burgmühle zu übernachten. Sein Diener, ein junger Mensch, der ihn auf seinen Reisen begleitet hatte, wurde von ihm eingeweiht.
Bill Omanda verließ am späten Abend die väterliche Besitzung und schlich sich nach der Burgmühle hinüber. Am andern Morgen kam er nicht zum Vorschein. Auch bis zur Mittagsstunde erschien er nicht. Sein Vater befand sich in größter Aufregung, als der junge Diener, jetzt selbst in Sorge, gestand, was sein junger Herr in der Nacht unternommen hatte.
Sir Omanda begab sich nach der Burgmühle, durchsuchte alle Zimmer und hatte in der oberen Etage des Hauses einen schrecklichen Anblick. Er fand seinen Sohn als Leiche wieder. Bill Omanda war vollständig zerfleischt worden, und wenn die Kleidung nicht verraten hätte, dass er es sei, so würde sein Vater ihn kaum erkannt haben.
Alle Anzeichen deuteten darauf hin, dass er in bestialischer Weise von irgendeinem Tier zerrissen worden war. Der alte Omanda war der Verzweiflung nahe. Er ließ ein ganzes Heer von Detektiven kommen, welche sich mit dem geheimnisvollen Tode seines Sohnes beschäftigten. Sie blieben fast ein Vierteljahr in der Umgegend, aber der Mörder des jungen Mannes wurde nicht gefunden, das geheimnisvolle Verbrechen blieb bisher ungesühnt.“
Der zweite Farmbesitzer hatte mit großem Interesse der Erzählung gelauscht. Er schüttelte den Kopf und fragte jetzt: „Und was ist aus dem gespensterhaften Ungetüm geworden?“
„Zuerst blieb es eine Zeitlang unsichtbar, aber jetzt treibt es nach wie vor sein Unwesen!“, fuhr der Erzähler fort. „In dunklen Nächten erscheint es in der Nähe der Burgmühle, und seine glühenden Augen jagen jedermann Angst und Schrecken ein. Der alte Omanda bildet sich fest ein, dass bei jedesmaligem Erscheinen des geheimnisvollen Ungetüms sein Leben um ein Jahr verkürzt wird, dass er um so viel Jahre früher stirbt, als der Hund sich ihm zeigt.“
„Eine tolle Geschichte. Es ist kaum zu glauben!“, sprach der Zuhörer kopfschüttelnd. „Was halten Sie davon?“
Der Gefragte zuckte die Achseln.
„Ich glaube selbstverständlich nicht an übernatürliche Dinge, aber immerhin muss ich zugeben, dass die Existenz des Ungetüms auf mich einen unheimlichen Eindruck gemacht hat.“
Es trat hierauf Schweigen zwischen den beiden Männern ein.
Im Nebenabteil des Wagens saßen zwei andere Herren, welche aufmerksam der Unterhaltung gelauscht hatten. Einer war ein hochgewachsener Mann mit einem bartlosen, kühnen Gesicht. Er hatte blaue Augen und eine hohe Stirn. Sein blondes Haar war in der Mitte gescheitelt. Der Glanz seiner Augen verriet, welches Interesse er für die Erzählung im Nachbarabteil hegte. Zweierlei war es, was seine Aufmerksamkeit in so hohem Maße erregte: Erstens kannte er den jungen Omanda, über dessen tieftrauriges Schicksal er da so unerwartet Kunde erhielt, sehr gut, und zweitens erweckte der Bericht des Farmers auch sein berufliches Interesse.
Jack Franklin, so hieß der stattliche Mann, war eine Koryphäe auf dem Gebiet der Detektivkunst und zurzeit wohl der bedeutendste und gesuchteste Kriminalist.
Von Geburt Deutscher, hatte er sich nach dem Abschluss umfassender Studien mit größter Hingabe dem Detektivberuf gewidmet und durch sein eminentes Wissen und Können, gepaart mit einem seltenen kriminalistischen Genie, bereits Erfolge erzielt, die seinen Namen rasch in aller Welt bekannt und berühmt gemacht hatten. Es gab keinen Erdteil, den sein Fuß nicht schon auf der Verfolgung raffiniertester Verbrecher betreten hätte. Soeben befand er sich nach glücklicher Erledigung einer beruflichen Angelegenheit auf der Reise nach San Franzisko, wo er einige Tage der Erholung zu verleben gedachte.
Der zweite Insasse des Abteils, ein sympathischer, bartloser, junger Mann von kraftvollem Körperbau, war Franklins Gehilfe Pat Murry, der als ehemaliger Angestellter des weltberühmten amerikanischen Nick Carter-Bureaus ebenfalls bereits hohe kriminalistische Fähigkeiten besaß.
„Pat, wir steigen in Omanda aus!“, unterbrach Jack Franklin das Schweigen.
Pat machte ein verwundertes Gesicht.
„Wollen Sie sich für die Sache interessieren, Herr?“, fragte er mit gedämpfter Stimme.
Jack Franklin erwiderte in tieftraurigem Tone: „Ja, Pat, ich interessiere mich für den rätselhaften Tod Bill Omandas. Ich will dir verraten, dass ich mit dem jungen Manne sehr gut bekannt gewesen bin. Ich traf ihn einst auf einem Ausflug nach den Pyramiden der alten Pharaonen, und er wurde mir während eines mehrtägigen gemeinschaftlichen Aufenthalts in Alexandrien als ein allzeit heiterer Gesellschafter und offener biederer Charakter lieb und wert. Zu meinem tiefen Schmerze habe ich jetzt durch Zufall erfahren, welch schrecklichen Tod er gefunden hat. Ich wähnte ihn noch am Leben, denn er war, wie schon von dem Herrn im Nebenabteil gesagt wurde, ein lebensfroher, junger Mann, der nach menschlichem Ermessen noch sehr lange hätte leben müssen.
Selbstverständlich glaube ich nicht an die Existenz dieses gespenstischen Ungetüms, ich bin vielmehr der Ansicht, dass das Untier natürlichen Ursprungs ist. Ich betrachte es als meine Pflicht, den Tod des jungen Mannes aufzuklären und seinen Mörder zur Verantwortung zu ziehen.“
„Wenn es so ist, Herr“, erwiderte Pat...




