E-Book, Deutsch, 336 Seiten
Fraser / Mestel HWPO: Hard work pays off
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98609-005-0
Verlag: FinanzBuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das ultimative Mindset für mehr Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit
E-Book, Deutsch, 336 Seiten
ISBN: 978-3-98609-005-0
Verlag: FinanzBuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mathew Fraser hat bei den CrossFit Games 2016, 2017, 2018, 2019 und 2020 den Titel des »Fittest Man on Earth« gewonnen. Seitdem hat er sich von den Wettkämpfen zurückgezogen, um mehr Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen. Er lebt in Cookeville, Tennessee, mit seiner Verlobten Sammy Moniz.
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Kraft
In meinen ersten fünf Jahren als Gewichtheber konzentrierte sich mein Training in jeder Hinsicht auf die Technik, also die korrekte Bewegungsausführung. Meine Startposition, die erste Zugphase vom Boden, die Bahnkurve der aufsteigenden Hantel – alles musste perfekt sein, und ich hasste diese Präzision. Ich fing mit dem Gewichtheben an, weil ich Muskeln aufbauen wollte, meine Technik war mir dabei ziemlich egal. Aber jetzt, beinahe ein Jahrzehnt nachdem ich diesen Sport an den Nagel gehängt habe, erkenne ich, wie wichtig dieses Fundament ist.
Wenn ich ein Workout sehe, weiß ich genau, wie ich meine Technik anpassen muss. Wenn das Hantelgewicht leicht und die Wiederholungszahl hoch ist, kann ich meine Bewegung verkürzen und die gesamte Ausführung beschleunigen. Wenn die Hantel schwer ist oder ich mich erholen muss, kann ich auf langsame, effiziente Einzelwiederholungen schalten. Und egal, ob ich frisch oder schon am Ende eines Workouts bin, ich muss mir keine Sorgen darüber machen, die Bewegungsstandards nicht zu erfüllen – die berüchtigte »ungültige Wiederholung«.
Technik allein reichte aber nicht aus, um mich ganz nach oben zu bringen. Als ich an den Olympia-Stützpunkt ging, war ich dort mit Abstand der schwächste Athlet, was schließlich dazu führte, dass ich mir den Rücken an zwei Stellen brach. Ab diesem Zeitpunkt und in meiner gesamten CrossFit-Karriere musste ich mich der Kraft widmen – und manchmal blieb alles andere deswegen auf der Strecke. Es ist ein langer, sich ständig wiederholender Prozess, aber wenn man die beste Version seiner selbst werden will, braucht man Kraft und Technik.
Ich bin hier, um dir beides beizubringen.
Grundlagen
Meine Karriere als Gewichtheber begann per Zufall. In der Mittelstufe waren mein bester Freund und ich im Football-Team, und einige Tage in der Woche durften wir mit den Jungs aus der Oberstufe Hanteln stemmen. Wir hatten kein festes Trainingsprogramm, sondern machten jedes Mal Bench Presses und Bizeps-Curls bis zum Muskelversagen. In jenem Alter wächst der Körper so schnell, dass man keine gute Technik braucht, um stärker zu werden. In fast jedem Workout erzielte ich neue persönliche Bestmarken.
In einer dieser Trainingseinheiten sah ein Football-Coach meine Begeisterung und empfahl meinem Vater, der ebenso wie meine Mutter an den Olympischen Spielen teilgenommen hatte, mich in einem Gewichtheber-Klub anzumelden. Damals hatte ich keine Ahnung, wie die Bewegungen eigentlich aussehen sollten, und ich wusste nicht einmal, dass ich bereits einen »Clean and Jerk« machte. Ich fand es einfach cool, die Hantel vom Boden und über meinen Kopf zu heben.
Als mein Vater und ich den Gewichtheber-Klub in Essex, Vermont, betraten, war das überhaupt nicht das, was ich erwartet hatte. Zunächst einmal sah niemand dort aus wie die Typen, denen ich am Muscle Beach beim Eisenpumpen zugesehen hatte. Sie wirkten gar nicht wie durchtrainierte Modellathleten, und viele von ihnen stemmten nicht einmal Hanteln. Sie hielten vielmehr ein PVC-Rohr in ihren Händen und taten nichts anderes, als die Hüften zu beugen, den Rumpf nach vorn zu lehnen und sich anschließend aufzurichten. Hüften beugen und aufrichten. Ich sah nicht einmal eine Ablage mit Kurzhanteln, sondern nur einen schmalen Raum mit kahlen Wänden, abgehängten Decken und zwölf Plattformen aus unbehandeltem Sperrholz.
Ich hatte erwartet, so zu trainieren wie im Football – ohne Aufsicht, ohne Technik, mit einer möglichst schweren Hantel, die ich einfach fallen lassen konnte, wenn sie mir zu schwer wurde. Doch Coach Polakowski sagte mir, ich solle einen Besenstiel nehmen.
In den nächsten Wochen arbeitete ich ausschließlich an den Startpositionen für die beiden Disziplinen des olympischen Zweikampfs, die sich geringfügig voneinander unterscheiden: Beim Snatch (Reißen) muss man die Hantel in einer Bewegung über den Kopf bringen, während man beim Clean and Jerk (Umsetzen und Stoßen) die Hantel zuerst vom Boden auf die Schultern bringt und dann über den Kopf hebt.
Fortgeschrittene Techniken
Ich arbeitete wochenlang an meiner Startposition, bevor Coach Pol mir erlaubte, zur nächsten Bewegungsphase überzugehen und den Stock vom Boden auf Kniehöhe zu ziehen. Es war zähe, monotone Arbeit, die ich hasste. Ich fragte mich: »Wie soll mich ein Besenstiel stärker machen?«
Das einzige ermutigende Zeichen war, dass ich die Fehler, auf die mich Polakowski aufmerksam machte, normalerweise auf Anhieb erkannte und korrigieren konnte. Als ich später am College Ingenieurswissenschaften studierte, war ich ziemlich versiert darin, Bewegungsmechanik zu verstehen. Wenn mir Coach Pol also seine Tipps gab, machten sie für mich intuitiv Sinn.
Dieses Körperbewusstsein ist einer der größten Vorteile, die man im Gewichtheben haben kann, aber ich wollte einfach in jeder Trainingseinheit einen neuen PR erzielen, vor allem als ich erkannte, wie stark die anderen Gewichtheber waren. Zum Glück bewahrte mich Coach Pol davor, mir schlechte Gewohnheiten anzueignen, die sich später kaum noch beheben lassen, wie beispielsweise die Schultern zu früh zu heben oder mit den Armen zu ziehen, bevor die Beine vollständig gestreckt sind.
Im Lauf der Monate tauschte ich den Besenstiel gegen ein PVC-Rohr ein, dann machte ich mit leichten Stäben weiter, die zwei beziehungsweise drei Kilogramm wogen, bis ich schließlich die 15 Kilogramm schwere Hantelstange benutzen durfte. Damals gab es noch keine Bumper Plates aus Vollgummi, die leicht genug waren, deshalb musste ich Polakowskis Spezialset benutzen, das er aus unbehandeltem Sperrholz selbst gebaut hatte. Weil das Loch für die Stange nicht kreisrund war, kippten die Hantelscheiben immer auf eine Seite wie ein sturmumwehter Baum.
Zum Glück verkaufen Hersteller wie Rogue mittlerweile Hantelstangen und Bumper Plates für das Training von Jugendlichen, die heute sogar früher anfangen als ich damals, deshalb ist man nicht mehr auf Eigenkreationen angewiesen. Aber wenn du Kinder hast, die noch nicht im Teenageralter sind und die den Snatch oder Clean and Jerk lernen wollen, musst du darauf achten, dass sie nur unter fachkundiger Aufsicht trainieren. Sonst riskieren sie die Art von Verletzung, die meine sportliche Laufbahn beinahe beendet hätte.
Olympisches Gewichtheben
Etwa zur selben Zeit, als ich mit dem Gewichtheben anfing, spielte ich auch Football. Obwohl ich kein Hüne war, konnte ich schnell Muskelmasse ansetzen und immer noch relativ schnell sprinten, aber es gab ein großes Hindernis, das für mich unüberwindbar war: mein Gehörschaden.
Alle anderen Jugendlichen, die entweder selbst Football spielten oder das Spiel als Zuschauer verfolgten, verstanden den Rhythmus. Ich nicht. Außerdem bekam ich im Huddle fast nie mit, welcher Spielzug anstand. Manchmal konnte ich den Quarterback fragen, bevor er den Ball warf, aber normalerweise wusste ich nicht, was gleich geschah. Als ich in die Highschool kam, sagten mir die Trainer, dass ich mich einfach in die Defensive Line einreihen und die gegnerischen Spieler umrennen sollte. Das tat ich auch, aber es ist schwer, sich als Teil des Teams zu fühlen, wenn man weiß, dass es Dinge gibt, die man nicht mitbekommt.
Zum Glück war das nie ein Problem mit Coach Pol. Wenn ich in einem Wettkampf bei einem Versuch scheiterte, erklärte er anschließend geduldig die Gründe, und ich wurde in meiner Gewichtsklasse einer der besten Gewichtheber der USA.
Weil es offensichtlich war, dass ich in diesem Sport eine Zukunft hatte, war meine nächste Entscheidung einfach. Als Gewichtheber gibt es nur eine Veranstaltung, an der man teilnehmen will, nämlich an den Olympischen Spielen, und deshalb bewarb ich mich für das Olympic Training Center in Colorado Springs, dem Stützpunkt des US-Nationalkaders.
2008 beendete ich die Highschool, und mein Vater und ich fuhren nach Westen. Ich war 18 Jahre alt und der jüngste Gewichtheber, der eingeladen worden war, mit Team USA zu trainieren, das sich gerade auf die Olympischen Spiele in Peking vorbereitete. Sponsorengelder flossen ins OTC, und ich war überrascht, als ich zum ersten Mal in den Trainingsraum ging und dort erfuhr, dass ich mich von dem dort bereitgestellten Gatorade bedienen durfte. »Wie, das kostet nichts?«, fragte ich. »Ja«, lautete die Antwort, »nimm gleich zwei.« Ich schnappte mir die ganze Packung, und einige Wochen später nahm ich mir etwas anderes.
Abgesehen von meinem Gehörschaden kam ich auch mit einer Sehschwäche auf die Welt. Das war mir am Anfang gar nicht bewusst. Ich dachte einfach, dass es normal war, wenn die Blätter auf den Bäumen unscharf waren oder ich die Schrift des Lehrers auf der Tafel nur dann erkennen konnte, wenn ich in der ersten Reihe saß. Ich bekam immer Ärger, weil ich auf das Blatt meines Sitznachbarn starrte, aber ich hatte einfach keine Ahnung, was der Lehrer gerade schrieb. Schließlich bekam ich eine Brille, und als ich feststellte, dass die Kontaktlinsen am OTC gratis waren, griff ich gleich schachtelweise zu. Ich trug sie so lange wie möglich – auch wenn...




