E-Book, Deutsch, Band 4,5, 346 Seiten
Reihe: King-Reihe
Frazier All About Rage
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7363-1695-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 4,5, 346 Seiten
Reihe: King-Reihe
ISBN: 978-3-7363-1695-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Er bringt ihre Welt ins Wanken ...
Die 19-jährige Rage kennt als Auftragskillerin keine Gnade, keine Reue - und keine Gefühle. Doch das ändert sich, als sie Nolan, ihr nächstes Zielobjekt, kennenlernt. Nolan ist so anders als alle Männer, die sie in ihrer rauen und gefährliche Welt um Logan's Beach bisher kennengelernt hat, und er berührt etwas in ihr, das sie noch nie zuvor gespürt hat. Rage steht vor der größten Entscheidung, die sie jemals treffen musste. Eins von beidem muss sie für immer hinter ich lassen: Nolan oder das Leben, das sie bisher geführt hat. Egal, wie sie sich auch entscheidet, den Abzug muss sie ganz alleine bedienen ...
'Gefahr, Freundschaft, verbotene Gefühle. Ich habe alles an diesem Buch geliebt!' ANA'S ATTIC BOOK BLOG
Sequel zur Dark-Romance-Reihe KING von USA-TODAY-Bestseller-Autorin T. M. Frazier
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
2
Hope
Sechzehn Jahre alt
Die Sterne blinkten vom klaren Nachthimmel aus durch das Glasschiebedach. Die hohen dünnen Kiefern rauschten über unseren Köpfen und bogen sich extrem, obwohl der Wind bestenfalls leicht war. In dem Gebüsch in der Nähe spielten Grillen ihre Abendmusik. Ein Sprinkler schoss aus dem Boden, erwachte zischend zum Leben und erfüllte die Luft mit dem Geruch von Schwefel, der für mich immer nach faulen Eiern roch. In der Mittelkonsole spielte ein alter Country-Lovesong auf Codys iPhone.
Es verspottete mich. Das alles.
Sogar die verdammten Grillen waren eine Erinnerung daran, dass ich ein Fehlschlag war.
Im Leben. In der Liebe.
In Freundschaft.
In Normalität.
»Hier, dreh dich um«, sagte Cody. Ich drehte mich um, soweit das auf dem schmalen Rücksitz ging. Cody zog den Reißverschluss meines Kleides zu und riss dabei ein paar Haare aus, die sich aus den Haarklammern gestohlen hatten. Er drückte mir einen Kuss auf den Nacken.
Immer noch nichts.
Ich atmete tief ein und versuchte mich daran zu erinnern, dass Cody mein bester Freund war. Mein einziger Freund. Ich vertraute ihm. Und zwischen uns würde sich nichts ändern.
Nur dass das eine Lüge war, denn alles war gerade im Begriff, sich zu verändern. Für ihn. Für mich.
Denn ich würde gehen.
Heute Nacht.
Sobald ich mich zu Cody umdrehte, würde er die Wahrheit wissen. Ich konnte sie nicht verheimlichen, vor allem nicht vor ihm. Er hatte meine Lügen immer durchschaut, und heute Nacht war keine Ausnahme.
»Hope?«, fragte er flüsternd. Doch die Aufregung darüber, was wir gerade auf dem Rücksitz seines Honda getan hatten, mitten im geschlossenen Caloosa State National Park, verschwand völlig aus seinen Augen, als unsere Blicke sich trafen.
Ich schenkte Cody ein kleines Lächeln und hoffte gegen jede Wahrscheinlichkeit, dass er vielleicht nicht sehen konnte, was ich innerlich fühlte.
Aber er sah es immer.
Ich war eine schreckliche Schauspielerin und eine ganz schlechte Lügnerin, aber als ich Cody gesagt hatte, dass ich Lilly Heights nach dem Abschlussball endgültig verlassen würde, hatte er gewollt, dass ich noch eine Sache probierte, für ihn. Die Wahrheit war, dass ich auch noch einen letzten Versuch unternehmen wollte. Das Normale. Das war ich ihm schuldig. Das war ich mir selbst schuldig.
Also machten wir, was normale Teenager nach dem Abschlussball tun.
Und währenddessen fühlte ich nichts.
Und danach fühlte ich nichts.
»Hope?«, fragte Cody wieder und musterte mich.
»Ich bin hier, ich bin bei dir«, sagte ich und gab mein Bestes, mein vorgetäuschtes Lächeln zu einem echten zu machen, denn tief in mir wünschte ich, es wäre echt. Ich senkte den Blick auf meinen Schoß, rang die Hände und zupfte an meiner French Manicure.
»Blödsinn!«, fauchte Cody und lenkte meine Aufmerksamkeit wieder auf sein Gesicht und seine Augen, die eine Mischung aus Schmerz und Zorn widerspiegelten. Ich kannte ihn, seit er nebenan eingezogen war, als ich vier Jahre alt war, und noch nie zuvor hatte ich ihn so gequält gesehen. Er war mein bester Freund.
Mein einziger Freund.
Ich sah in seine braunen Augen und ließ das falsche Lächeln sein.
Shit.
»Ich habe dir doch gesagt, dass das nicht klappen wird«, fauchte ich, holte noch einmal tief Luft und löschte den Zorn in mir aus, der sich jeden Moment in mir festsetzen wollte. Ich konnte es noch ein paar Minuten länger aushalten. Für ihn. »Ich habe dir gesagt, dass ich kaputt bin. Ich habe dir gesagt, dass man es damit nicht in Ordnung bringen kann, aber ich wollte, dass wir es probieren.«
Cody griff nach meiner Hand, und ich ließ zu, dass er ein letztes Mal seine Finger mit meinen verschränkte. Ein Gefühl von Vertrautheit, mit dem ich mich immer wohlgefühlt hatte, wenn es um ihn ging. Cody seufzte. »Ich verstehe das nicht. Ich meine, wir können es noch mal versuchen. Vielleicht müssen wir ja nur …« Codys Griff um meine Hand wurde fester. »Hope, sei ehrlich. Sag es mir. Wir schaffen es nicht, dass das funktioniert, wenn du nicht …« Sein ständiger Gebrauch eines Namens, den ich hasste – das war es, was mich über die Grenze trieb, und plötzlich schien der Rücksitz seines Honda viel zu klein.
Ich fühlte mich gefangen.
»Dass was funktioniert?«, fragte ich unwirsch, zog meine Hand aus seiner und stieß die Autotür auf. Ich stolperte barfuß auf den Rasen und lehnte mich an den Honda. Cody stieg aus und blieb auf der anderen Seite stehen, und der Mond erleuchtete jede Sorgenfalte in seinem Gesicht, die ich nicht sehen wollte.
»Wir!«, rief Cody laut. »Wir natürlich! Darum ging doch das alles, oder nicht? Dass wir sehen, ob das mit uns als Paar funktionieren kann, auch mit deinen … Problemen?«
Da begriff ich endlich, wie naiv er wirklich war. Die ganze Zeit. All die Jahre, die er versucht hatte, mir zu helfen, und er kapierte es immer noch nicht. Er kapierte MICH nicht.
Ich straffte die Schultern und schleuderte ihm die Wahrheit entgegen. »Was willst du hören, Cody? Dass wir glücklich bis an unser Lebensende leben können? Denn ausgerechnet du solltest wissen, dass das für mich nicht denkbar ist. Und was wir gerade getan haben? Sex? Vögeln? Willst du die Wahrheit hören, was das angeht? Denn die Wahrheit ist, dass ich mich innerlich taub gefühlt habe«, gestand ich. »Es hat nicht wehgetan. Ich habe tatsächlich nicht mal irgendwas gefühlt. Um ehrlich zu sein, dachte ich an mein Haar und an die Nadeln, die mir womöglich gleich ins Gehirn piksen. Und dann ist mein Verstand abgedriftet, und ich weiß gar nicht, wohin, aber er war nicht da. Das ist das Problem – er war nie HIER!« Ich hob die Hände und zog an den beiden Nadeln, die mein Haar in einem Turm aus festen Locken auf meinem Kopf hielten. Ich warf die Nadeln auf den Boden. Mein Haar fiel herab um meine Schultern, und die Anspannung wurde auf der Stelle leichter. »Ich fühle mich wie ein Fehlschlag, nicht weil das hier nicht funktioniert hat, sondern nur, weil ich dich im Stich gelassen habe.«
»Du hast mich nicht im Stich gelassen«, sagte Cody und ging um das Auto herum auf die andere Seite, zu mir. »Es ist nicht so, dass das alles sofort passiert. So was braucht Zeit. Da ist so viel mehr dran als …«
»Cody!« Ich stieß mich vom Auto ab, drehte mich zu ihm herum und deutete mit einer Handbewegung auf mein rosa paillettenbesetztes Ballkleid. »Es ist vorbei. Das war’s. Das war mein letzter Versuch. Du stehst hier und siehst verletzt aus, und ich bin aufgebracht, weil ich dich verletzt habe. Das ist alles, was ich fühle. Du bist mir wichtig, und ich will dich so lieben, wie du es verdient hast, geliebt zu werden, aber ich kann nicht. Du bist einer der wenigen Menschen auf der Welt, bei denen ich, falls du tot umfällst, nicht einfach nur über dich hinwegsteigen und weitergehen würde. Das ist meine Definition von Liebe. Du verdienst mehr als das, Cody, aber ich kann dir nicht mehr geben.«
»Aber Rage«, wollte Cody widersprechen und versuchte es mit dem Spitznamen, bei dem ich lieber genannt werden wollte. Er trat einen Schritt auf mich zu.
»Nein!«, sagte ich und hob die Hand, um ihn aufzuhalten. Ich beugte mich durch das Autofenster, holte meine Tasche heraus und hängte sie mir über die Schulter. Dann holte ich mein Handy heraus und tippte eine kurze Textnachricht. Danach kramte ich das zerknitterte Blatt Papier heraus, das ich mit mir herumtrug, seit Cody und ich vor über sechs Jahren angefangen hatten, daran zu arbeiten. »Es gibt kein ›aber Rage‹. Wir haben alles versucht und noch mehr. Jahrelang. Ich habe bei jeder Idee und jedem Vorschlag mitgemacht. Und obwohl ich es geschafft habe, ein paar Leute zu täuschen, kann ich dich nicht täuschen, und – noch wichtiger – ich kann den einen Menschen nicht täuschen, der weiß, wer ich wirklich bin und der nicht will, dass ich länger den Schein wahre.«
»Und wer genau ist das?«, fragte Cody. In seiner Stimme lag Eifersucht.
Ich gab ihm die gefalteten Seiten. »Ich.«
»Behalte es«, sagte er mit einem Blick auf meine Hand, in der ich Jahre voller Vorschläge hielt, wie ich normal gemacht werden könnte, treffend überschrieben mit DIE REGELN, UM RAGE ZU SEIN.
»Ich will nicht, dass du gehst«, flüsterte Cody mit Tränen in den Augen. Die Psychologen hatten gesagt, mir fehle es an Reue, Empathie und einem generellen Respekt vor menschlichem Leben. Damit hatten sie größtenteils recht, aber ich war fähig, ein paar Menschen zu mögen.
Genug, um zu wissen, dass ich gehen musste, damit ich sie nicht mehr verletzen konnte. Cody eingeschlossen.
»Du wusstest, dass das kommen würde«, sagte ich, so als ob, wenn Cody wusste, dass eine Bombe explodieren würde, die Explosion dadurch irgendwie weniger schlimm wäre.
»Ich habe gehofft, heute Nacht würde irgendwie alles ändern«, sagte er, schob die Hände in die Taschen und sah mich verlegen durch die dunklen Haarsträhnen an, die ihm über die Augen gefallen waren.
»Ich bin erleichtert«, sagte ich und musste kurz lachen. »Jetzt gibt es keine Verwirrung mehr, die sich durch alles durchzieht. Ich weiß, was ich tun muss.« Das Röhren eines Motors dröhnte durch die Stille der Nacht und kam näher, bis es über die Kiefern hinweg hallte und nach mir rief wie Freiheit.
Ein einzelner Scheinwerfer leuchtete hinter dem Gestrüpp auf und verbarg den...




