Frazier | Wild Hearts - Kein Blick zurück | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 304 Seiten

Reihe: Outskirts

Frazier Wild Hearts - Kein Blick zurück


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7363-0851-0
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 304 Seiten

Reihe: Outskirts

ISBN: 978-3-7363-0851-0
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie wusste nicht, dass so etwas wie Liebe tatsächlich existiert. Doch dann traf sie ihn

Ein alter Camper und ein Stück Land im Nirgendwo von Florida ist alles, was Sawyer Dixon nach dem Tod ihrer Mutter geblieben ist. Weit weg von ihrer Vergangenheit will sie einen Neuanfang wagen. Doch sie hat nicht mit ihrem Nachbarn Finn gerechnet. Der gut aussehende Einzelgänger ist wenig begeistert davon, dass Sawyer vor seiner Haustür campt - und Gefühle in ihm weckt, die er seit Jahren tief in seinem Herzen verschlossen hält!

'Unberechenbar, rau, bewegend und unglaublich fesselnd!' USA TODAY

Band 1 der OUTSKIRTS-Reihe von USA-TODAY-Bestseller-Autorin T. M. Frazier

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4. KAPITEL


FINN

»Ich kann echt nicht glauben, dass es schon zwei Jahre sind«, sagte ich und spürte die Wirkung des Whiskeys, der meine Haut warm und meine Sinne stumpf werden ließ.

Perfekt.

»Zwei Jahre ohne dich«, fuhr ich fort. »Zwei Jahre, in denen ich jeden Tag an dich gedacht habe.«

Ich lachte leise in mich hinein. »Zwei Jahre lang sitze ich schon hier oben, führe Selbstgespräche und tue so, als wärst du noch hier.«

»Oh, sorry, Jackie.« Ich hörte das Lallen in meiner Stimme. Ich war längst über den Punkt hinaus, an dem ich mich darüber geärgert hatte, dass ich zu viel trank.

Zwei Jahre darüber hinaus, um genau zu sein.

»Ich habe dir ja gar nichts angeboten«, fuhr ich fort. »Erinnerst du dich noch an den hier?« Ich deutete auf das Etikett. »Dieses Zeug hier ist der widerliche Fusel, den wir immer nach einem Spiel getrunken haben. Weißt du noch? Es ist der billigste Sprit, den Donna vom GoMart zu bieten hat, aber uns hat sie ihn zum dreifachen Preis verkauft, weil wir minderjährig waren. Was für ein Beschiss.« Ich lachte und dachte daran, dass Jackie eine Expertin darin gewesen war, die Leute nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen. Das mochte seinen Preis haben, aber irgendwie hatte sie es immer geschafft.

Ich kippte die Flasche, goss eine großzügige Menge des billigen Zeugs auf die Rutsche und sah zu, wie es über die mit Graffiti bedeckte Plastikbahn wirbelte, bis ich es auf den Betonboden des leeren Pools darunter plätschern hörte.

»Also, auf ex.« Ich stieß mit der Luft an und leerte die Flasche mit wenigen großen Schlucken.

Meine Augen tränten, meine Kehle brannte. Ich hustete, und Whiskey lief mir über das Kinn. Ich wischte ihn mit dem Handrücken ab.

»Ich glaube, Whiskey ist nicht dafür gemacht, auf ex getrunken zu werden«, sagte ich und kicherte. »Aber das hat uns nie davon abgehalten, stimmt’s?«

Ich warf die leere Flasche in die Luft, sah zu, wie sie sich immer wieder um die eigene Achse drehte, dann ließ ich meinen Oberkörper rotieren, um die Bewegung nachzuahmen. Das Geräusch splitternden Glases hallte durch die Luft, als die Flasche viele Meter tiefer krachend auf dem Boden landete.

»Weißt du, irgendwie hasse ich dich«, sagte ich und schniefte laut. Das Wetter musste umgeschlagen sein, denn die Luft war heißer und schwüler als bei meiner Ankunft. »Wir wollten doch … ich meine nur, wir wollten doch viel mehr tun, als wir am Ende geschafft haben, oder?«

Ich zündete mir einen Joint an. »Josh hat neulich mal gesagt, ich hätte nicht richtig um dich getrauert.« Ich kratzte mir mit dem Daumen die Stirn. »Aber da irrt sie sich, weißt du. Kummer ist das Einzige, was ich noch fühle. In der ganzen Zeit habe ich nur eins falsch gemacht, und das war, dass ich mich gefangen habe. Über dich hinweggekommen bin. Kapier ich irgendwie nicht. Josh hat zwar ’nen Männernamen, aber sie ist eine Frau, absolut, und sie hat echt ’ne Mordswut. Näher als drei Meter geh ich nicht an sie ran.«

Ich schlug mir mit der Faust fest auf die Brust und knurrte vor Frustration.

»Weißt du, das tut verdammt weh.« Meine Stimme wurde rau, und ich räusperte mich.

»Es tut noch genauso weh wie vor zwei Jahren. Wenn du jetzt hier wärst, würde ich …« Beim Klang dieser Worte spürte ich ein Stechen in der Brust. »Ach, ist egal«, murmelte ich. »Du bist nämlich nicht hier.«

Mein Herz kam ins Stolpern, und ich musste husten. Als es wieder mit normaler Geschwindigkeit schlug, nahm ich einen tiefen Zug von meinem Joint und blies den Rauch in die Leere neben mir. Es war Jackies Platz. Dort hätte sie immer noch sitzen sollen.

Wenn ich nicht gewesen wäre, gäbe es sie vielleicht noch.

Ich hielt den Joint hoch. »Das ist zwar nicht das Zeug, das ich immer von Miller bekommen habe, aber es muss halt reichen.« Ich seufzte.

»Weißt du, ich habe ihn eine Weile nicht gesehen. Und Josh auch nicht. Nachdem du gestorben warst, konnte ich ihnen nicht in die Augen sehen. Sie haben mir den Abstand gelassen, den ich wollte, und der hat sich jetzt zu einem riesigen Abgrund zwischen uns dreien entwickelt. Ich kann sie auf der anderen Seite sehen, aber um zu ihnen zu kommen, müsste ich hineinspringen und sehen, was sich auf dem Grund von allem befindet.« Ich schüttelte den Kopf. »Dazu bin ich noch nicht bereit. Keine Ahnung, ob es je dazu kommt. Sie erinnern mich nur daran, dass es nie wieder wie früher sein wird. Dich zu verlieren, das war einfach zu viel, verdammt. Mich erinnert schon viel zu viel an dich«, erklärte ich.

Meine Augen wurden feucht. Hab den Rauch wohl nicht weit genug weggeblasen, zu nah an meinem Gesicht. »Jedes Gebäude in dieser verdammten Stadt. Jede Nebenstraße. Jedes Stückchen Moos und jeder Song erinnern mich daran, dass du nicht mehr da bist. Es hätte mich treffen sollen.« Ich kam auf die Füße und hielt mich am Geländer der Rutsche fest, um nicht zu fallen. »Das ist nicht fair, verdammt.« Das Geländer gab nach, und auf einmal blickte ich direkt auf den Boden weit unter mir, denn ich fiel nach vorn.

Unten sah ich Jackie stehen, die mich anlächelte. Perfektes blondes Haar und dazu passendes Lächeln. Sie winkte mir zu.

Wartete auf mich.

Jackie verschwand, als es mich mit solcher Macht zurück auf das Podest riss, dass ich auf dem Menschen landete, der mich festgehalten hatte.

»Jackie?«, fragte ich in meinem verwirrten, betrunkenen, berauschten Zustand, der einem Delirium ähnelte.

Ich wurde umgeworfen und dann hochgehoben. Mein Arm umschlang breite Schultern, die mir die klapprigen Metallstufen hinunterhalfen, während eine tiefe Stimme alle Flüche dieser Welt murmelte.

»Jackie, bist du das?«, fragte ich, unfähig, das Gesicht der Person vor mir scharf zu sehen, während der Hintergrund aus Bäumen und Sumpf sich um uns zu drehen begann. »Hast du’s endlich geschafft?«

»Jackie ist tot, Junge. Und zwar schon ziemlich lange«, sagte eine tiefe, raue Stimme.

»Ja, das weiß ich. Aber ich rede noch mit ihr … hicks … manchmal.«

»Gut zu wissen, dass du überhaupt mit jemandem redest. Versuch doch mal, dich auf die Leute zu konzentrieren, die noch da sind. Könnte dir guttun.« Ich konnte die vertraute Stimme nicht einordnen.

Andererseits konnte ich überhaupt nichts richtig einordnen, nicht mal die Füße konnte ich in der richtigen Reihenfolge hintereinander setzen. Ich stolperte, wurde aber festgehalten und dann weitergeschoben.

»Okay, Jackie. Was immer du willst«, lallte ich, als ich in ein Fahrzeug gehievt wurde.

Ich wusste nicht, ob es ein PKW oder ein Pick-up war. Für mein berauschtes Gehirn hätte es auch ein Schulbus sein können. Alles, was ich wollte, war schlafen. Unter dem Gewicht meiner Trunkenheit wurden mir die Lider schwer. »Ich liebe dich, Jackie. Immer schon. Und für immmmeeeeer.«

»Halte dich von dem verdammten Freizeitbad fern, sonst krepierst du am Ende auch noch«, sagte die Stimme und ließ den Motor an. »Und dann fühlen sich noch viel mehr Leute so, wie du dich jetzt fühlst. Als hätte man sie einfach im Stich gelassen.«

»Neiiin, so können sie sich nicht fühlen«, entgegnete ich.

»Ach ja, Rockstar? Und warum genau?«

»Weil ich schon tot bin«, erklärte ich, obwohl mich mein logisches Denkvermögen längst verlassen hatte, als ich nun den Kopf an die Scheibe legte und mir die Augen zufielen.

»Du kannst dich totstellen, so lange du willst, Junge, mich verarschst du damit nicht.« Eine Ohrfeige brannte auf meiner Wange, und zur Vergeltung schlug ich träge in die Luft. »Wird allmählich Zeit, dass du dich wieder fängst, verdammt.«

Ich wachte auf dem Fahrersitz meines Broncos auf, mit geschlossenem Sicherheitsgurt und einem Gefühl, als hätte ich bei einem Death-Metal-Konzert stundenlang direkt neben den Boxen gestanden … während eines endlosen Schlagzeugsolos.

Draußen war es noch dunkel, und ich hatte vor dem Haus geparkt, in dem ich schon seit Jahren nicht mehr wohnte. »Wie zum Teufel bin ich hierhergekommen?«, murmelte ich und ließ den Motor an.

Das hier war der letzte Ort, an dem ich sein wollte.

Ich sah auf die Uhr. Es war zehn Uhr abends. Ich erinnerte mich vage, dass ich irgendwann tagsüber in das Freizeitbad gegangen war.

Jackie.

Die Erinnerung an den Grund, warum ich das Spaßbad aufgesucht hatte, traf mich wie ein Hammerschlag gegen die Brust. Der Jahrestag ihres Todes.

Ich drehte das Radio lauter, um die Erinnerungen zu übertönen, die immer kamen, wenn ich an sie dachte. Ich zündete mir einen Joint an und stellte den Bronco auf Drive.

Ich war gerade auf den Highway gefahren, immer noch in einem Nebel aus Alkohol und Gedanken an Jackie, und hätte das Wohnwagengespann mitten auf der Straße beinahe übersehen.

Und das Mädchen auch.

Sie starrte mich an, während ich immer näher kam; ihr Gesichtsausdruck wirkte panisch. Wahrscheinlich fragte sie sich, warum ich nicht anhielt.

Die Frage war berechtigt.

Ich stieg auf die Bremse oder glaubte zumindest, dass ich das tat.

Im Schneckentempo erreichte der Befehl meines Gehirns meinen Fuß. Als er endlich gehorchte, kam der Wagen jäh zum Stehen. Die Bremsen quietschten, als Metall über Metall schrammte. Ich riss das Steuer herum, mein Pick-up brach seitlich aus und kam ins Schleudern.

Durch das offene Dach blickte ich zu den Sternen hinauf, die über mir...



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