E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Frederick / Hackett Western Doppelband 1024
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7452-3171-7
Verlag: Alfredbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
ISBN: 978-3-7452-3171-7
Verlag: Alfredbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Dieser Band enthält folgende Western: Die ohne Skrupel sind (Pete Hackett) Tucker Crosden und der weiße Wolf (John Frederick) Der Name des Ortes, dem sich McQuade näherte, war Bonita. Der Kopfgeldjäger kam aus den Pinaleno Mountains. Er hatte in der Felswildnis Dan Lockett gestellt, einen neunundzwanzigjährigen Mörder, Räuber und Vergewaltiger. Der Bandit ritt mit auf den Rücken gefesselten Händen. Die Verworfenheit stand ihm ins Gesicht geschrieben, in das ein unstetes Leben jenseits von Recht und Ordnung unübersehbare Spuren gegraben hatte. McQuades Ziel war Tucson. Dort wollte er den Banditen, der der Justiz tausend Dollar wert war, dem Gesetz übergeben. Die beiden Männer, sowie Gray Wolf, der graue Wolfshund, der dem Kopfgeldjäger vor einiger Zeit an der mexikanischen Grenze zugelaufen war, und auch die beiden Pferde waren verstaubt und verschwitzt. Die Jagd auf Dan Lockett hatte McQuade viel abverlangt. Tausend Strapazen und Unbilden lagen hinter ihm. Die Main Street der Ortschaft war breit und staubig. Es war die Zeit des Sonnenuntergangs und die Schatten wuchsen schnell über die heiße Fahrbahn. Auf der Straße waren kaum Menschen zu sehen. Sie hatten ihr Tagwerk vollbracht und saßen nun wahrscheinlich beim Abendbrot. Über einem hohen Galgentor sah McQuade das große Brett mit der Aufschrift 'Livery Stable' und lenkte den Falben darauf zu. Das Pferd mit dem Banditen, das er an der Longe führte, folgte. Im Wagen- und Abstellhof standen einige Fuhrwerke. Da war auch ein Brunnen mit einem Tränketrog. Gray Wolf lief sofort hin, stellte sich mit den Vorderläufen auf den Trogrand und begann seinen Durst zu löschen. Beim Stalltor ließ sich der Texaner, den ein unerbittliches Schicksal unmittelbar nach seiner Heimkehr aus dem Krieg ins Arizona-Territorium verschlagen hatte, aus dem alten, brüchigen Sattel gleiten. Er spürte Steifheit in den Beinen. Von den Schultern seines braunen, zerschlissenen Staubmantels rieselte Staub. Er fuhr sich mit der Zungenspitze über die trockenen, rissigen Lippen und sagte staubheiser: 'Steig ab, Lockett. Wir bleiben die Nacht über in dem Nest. Freu dich aber nicht zu früh. Wenn es in diesem Ort kein Gefängnis gibt, wird du die Nacht in einer der Boxen hier im Mietstall verbringen - mit den Handschellen an eine Futterraufe gekettet.'
Autoren/Hrsg.
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Die ohne Skrupel sind
Der Kopfgeldjäger Band 46:
Western von Pete Hackett
Unter dem Pseudonym Pete Hackett verbirgt sich der Schriftsteller Peter Haberl. Er schreibt Romane über die Pionierzeit des amerikanischen Westens, denen eine archaische Kraft innewohnt, wie sie sonst nur dem jungen G.F.Unger eigen war – eisenhart und bleihaltig. Seit langem ist es nicht mehr gelungen, diese Epoche in ihrer epischen Breite so mitreißend und authentisch darzustellen.
Mit einer Gesamtauflage von über zwei Millionen Exemplaren ist Pete Hackett (alias Peter Haberl) einer der erfolgreichsten lebenden Western-Autoren. Für den Bastei-Verlag schrieb er unter dem Pseudonym William Scott die Serie „Texas-Marshal“ und zahlreiche andere Romane. Ex-Bastei-Cheflektor Peter Thannisch: „Pete Hackett ist ein Phänomen, das ich gern mit dem jungen G.F. Unger vergleiche. Seine Western sind mannhaft und von edler Gesinnung.“
Hackett ist auch Verfasser der neuen Serie „Der Kopfgeldjäger“. Sie erscheint exklusiv als E-book bei CassiopeiaPress.
Ein CassiopeiaPress E-Book
© by Author www.Haberl-Peter.de
© der Digitalausgabe 2013 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen
Der Name des Ortes, dem sich McQuade näherte, war Bonita. Der Kopfgeldjäger kam aus den Pinaleno Mountains. Er hatte in der Felswildnis Dan Lockett gestellt, einen neunundzwanzigjährigen Mörder, Räuber und Vergewaltiger. Der Bandit ritt mit auf den Rücken gefesselten Händen. Die Verworfenheit stand ihm ins Gesicht geschrieben, in das ein unstetes Leben jenseits von Recht und Ordnung unübersehbare Spuren gegraben hatte. McQuades Ziel war Tucson. Dort wollte er den Banditen, der der Justiz tausend Dollar wert war, dem Gesetz übergeben.
Die beiden Männer, sowie Gray Wolf, der graue Wolfshund, der dem Kopfgeldjäger vor einiger Zeit an der mexikanischen Grenze zugelaufen war, und auch die beiden Pferde waren verstaubt und verschwitzt. Die Jagd auf Dan Lockett hatte McQuade viel abverlangt. Tausend Strapazen und Unbilden lagen hinter ihm.
Die Main Street der Ortschaft war breit und staubig. Es war die Zeit des Sonnenuntergangs und die Schatten wuchsen schnell über die heiße Fahrbahn. Auf der Straße waren kaum Menschen zu sehen. Sie hatten ihr Tagwerk vollbracht und saßen nun wahrscheinlich beim Abendbrot.
Über einem hohen Galgentor sah McQuade das große Brett mit der Aufschrift ‚Livery Stable’ und lenkte den Falben darauf zu. Das Pferd mit dem Banditen, das er an der Longe führte, folgte. Im Wagen- und Abstellhof standen einige Fuhrwerke. Da war auch ein Brunnen mit einem Tränketrog. Gray Wolf lief sofort hin, stellte sich mit den Vorderläufen auf den Trogrand und begann seinen Durst zu löschen.
Beim Stalltor ließ sich der Texaner, den ein unerbittliches Schicksal unmittelbar nach seiner Heimkehr aus dem Krieg ins Arizona-Territorium verschlagen hatte, aus dem alten, brüchigen Sattel gleiten. Er spürte Steifheit in den Beinen. Von den Schultern seines braunen, zerschlissenen Staubmantels rieselte Staub. Er fuhr sich mit der Zungenspitze über die trockenen, rissigen Lippen und sagte staubheiser: „Steig ab, Lockett. Wir bleiben die Nacht über in dem Nest. Freu dich aber nicht zu früh. Wenn es in diesem Ort kein Gefängnis gibt, wird du die Nacht in einer der Boxen hier im Mietstall verbringen – mit den Handschellen an eine Futterraufe gekettet.“
Dan Lockett knirschte mit den Zähnen und stieß gehässig hervor: „Die Pest an deinen Hals, du dreckiger Bastard. Aber noch sind wir nicht in Tucson. Auf den hundert Meilen bis dorthin kann eine Menge geschehen. Einmal bist du unachtsam. Und dann …“
Er brach viel sagend ab. Aber gerade das, was er nicht aussprach, war erschreckend in seiner Unmissverständlichkeit.
McQuade verzog geringschätzig den Mund. Er trat an das Pferd heran, auf dem der Bandit saß, seine Hände zuckten in die Höhe, ein harter Ruck, und Lockett flog in den Staub. Der Aufprall war hart und presste ihm die Luft aus den Lungen. Der Bandit japste erstickend, hustete schließlich und fluchte lästerlich, als er wieder Luft bekam.
Der Stallmann kam über die Schattengrenze unter dem Tor, starrte mit zusammengeschobenen Brauen den Banditen an und lauschte dessen Fluchtirade, dann wandte er sich an McQuade und fragte grollend: „Was hat der Kerl ausgefressen, weil er gefesselt ist und Sie ihn behandeln wie den letzten Dreck? Reiten Sie für das Gesetz? Wenn ja, dann frage ich mich, wo Sie Ihren Stern gelassen haben.“
McQuade schätzte den Stallmann auf Mitte dreißig. Er hatte rote Haare und einen verfilzten, ungepflegten Bart von derselben Farbe. Seine Augen waren blau und wässrig.
„Sein Name ist Dan Lockett, und er ist tausend Dollar wert – tot oder lebendig. Ich bin mit ihm auf dem Weg nach Tucson. Dort hat er eine junge Frau vergewaltigt und erwürgt, außerdem hat er in Casa Adobes die Bank überfallen und einen Kassierer erschossen. Gibt es hier im Ort einen Deputy und ein Gefängnis?“
Während er sprach, packte er Lockett am Hemdkragen und zerrte ihn auf die Beine. Der Hass in Locketts Augen war wie ein Dämon. Seine Backenknochen mahlten.
Der Stallbursche nickte. „Unser Deputy heißt Roy Lambert. Sie finden sein Office, wenn Sie der Main Street ein Stück nach Süden folgen, auf der rechten Seite.“
„Danke. Kümmern Sie sich bitte um die beiden Pferde, Mister …“
„Gunning – Bob Gunning. Sicher, die armen Kreaturen sind ziemlich am Ende. Nun, bei mir sind sie in den besten Händen.“
McQuade schnallte seine Satteltaschen los, zog die Henry Rifle aus dem Scabbard und schaute Dan Lockett an: „Gehen wir, Lockett. Es sieht ganz so aus, als müsstest du nicht im Mietstall übernachten.“
Der Bandit drehte sich halb herum und setzte sich in Bewegung. McQuade folgte ihm. Gray Wolf, der seinen Durst gelöscht hatte, trottete hinterher.
*
Auch Roy Lambert war Mitte dreißig. Er saß an seinem Schreibtisch und vor ihm auf einer ausgebreiteten Zeitung lagen die Teile seines Revolvers. Da stand auch eine kleine Flasche mit Waffenöl. Nachdem McQuade mit seinem Gefangenen, gefolgt von Gray Wolf das Office betreten hatte, legte der Deputy den weichen Lappen weg, mit dem er gerade den Rahmen des Schießeisens polierte. Er fixierte kurz Dan Lockett, an dessen Kleidung der Staub vom Hof des Mietstalles klebte, dann heftete er den fragenden Blick auf den Kopfgeldjäger. Der drückte hinter sich die Tür zu. Im Office roch es nach Bohnerwachs und dem Waffenöl, das der Deputy für die Reinigung seines Sechsschüssers benutzte. Am verstaubten Fenster tanzten Fliegen auf und ab. Das monotone Ticken des Regulators an der Wand war zu hören. Zeugnis des unerbittlichen Verrinnens der Zeit.
„Guten Abend“, grüßte McQuade und nannte seinen Namen. Dann fuhr er fort: „Bei diesem Mann handelt es sich um Dan Lockett. Ich habe ihn oben in den Pinaleno Mountains gestellt.“ Der Kopfgeldjäger holte den Steckbrief des Banditen aus der Manteltasche und hielt ihn dem Deputy hin. „Lesen Sie selbst.“
Roy Lambert nahm das Fahndungsblatt, faltete es auseinander und studierte es eine ganze Zeit aufmerksam. Schließlich ließ er die Hand mit dem Steckbrief sinken, hob den Blick und knurrte: „Ein höllisch heißes Eisen, wie? Den Steckbrief hat der Sheriff des Pima Countys erlassen. Ich denke, dass Sie auf dem Weg nach Tucson hier Station machen möchten. Gehören Sie zum Büro des County Sheriffs, McQuade?“
Der Texaner schüttelte den Kopf. „Lockett drohte dem Gesetz durch die Lappen zu gehen. Er hat einer jungen Frau Gewalt angetan und sie anschließend getötet. Dafür muss er hängen. Das ist der Grund, weshalb ich ihn gejagt und gestellt habe.“
Der Deputy stemmte sich am Schreibtisch in die Höhe. Es war ein dunkler Typ, über sechs Fuß groß, hager und gewiss ausgesprochen beweglich. Ein Schatten schien über sein Gesicht zu huschen, sein Blick wurde kühl. „Ich glaube, ich verstehe. Sie haben diesen Mann der Prämie wegen gejagt, nicht wahr? Sie sind Kopfgeldjäger.“
„So kann man es nennen“, versetzte McQuade ruhig. „Es ist ein Job wie jeder andere auch. Ja, ich bleibe die Nacht über in Bonita, und Sie bitte ich, Lockett bis morgen Früh in Ihrem Gefängnis in Gewahrsam zu nehmen.“
„In Ordnung“, erklärte der Gesetzeshüter nach kurzem Zögern. Sein Gesichtsausdruck verriet, wie sehr ihm das Ansinnen des Kopfgeldjägers widerstrebte. „Ich kann Ihnen diese Bitte kaum abschlagen, wenn ich auch nicht gerade begeistert bin. Hat er Freunde, die möglicherweise versuchen, ihn zu befreien?“
„Nein.“
Roy Lambert holte einen Schlüsselbund aus der Schublade des Schreibtisches und wies mit dem Kinn auf eine Tür. „Da hinein, McQuade.“
Der Kopfgeldjäger versetzte Lockett einen leichten Stoß in den Rücken. „Vorwärts, Lockett.“
Sie betraten den Zellentrakt. Der Deputy schloss eine der beiden vorhandenen Zellen auf. McQuade nahm Lockett die Handschellen ab und schob ihn in den spartanisch eingerichteten Käfig. Durch das kleine, vergitterte Fenster fiel das rötliche Licht des Sonnenunterganges. An der kahlen Wand stand eine Pritsche mit einem Kissen und einer Decke...




