Frederiksson | Aussicht auf Meer. Dünenträume | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 240 Seiten

Frederiksson Aussicht auf Meer. Dünenträume

Ostseeroman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-95573-841-9
Verlag: Klarant
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ostseeroman

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

ISBN: 978-3-95573-841-9
Verlag: Klarant
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



An der Ostsee fühlt Isa sich frei, spürt die Weite. Fernab vom familiengeführten Fünf-Sterne-Hotel in Hamburg kann sie durchatmen. Am Strand, beim Rauschen der Wellen, schmiedet sie Pläne, will endlich ihren sehnlichsten Wunsch wahr werden lassen. Doch ihr Vater diktiert ihr Leben und zwängt sie in eine Rolle, die sie hasst. Eines Tages stolpert sie im wahrsten Sinne des Wortes über Enno. Ihm hat das Schicksal übel mitgespielt, ihn auf die Verliererseite des Lebens gedrängt. Umgeben von Dünen und der salzigen Luft des Meeres bröckelt ganz langsam der Panzer, den er um sein Herz errichtet hat. Für beide eröffnet sich durch diese zufällige Begegnung plötzlich die Chance auf ein neues Leben. Aber ihr Glück droht zu zerbrechen, denn Isas Vater ist nicht gewillt, sie in eine wundervolle Zukunft aufbrechen zu lassen...

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1. Kapitel


„Isabell, wann gedenkst du endlich hier zu sein?“ Hätte sie doch nur auf die Nummer des Anrufers geschaut, bevor sie das Gespräch angenommen hatte! Unwillkürlich beschleunigte Isa ihre Schritte, umschiffte entgegenkommende Passanten und konzentrierte sich darauf, dass der brühend heiße Kaffee, den sie gerade in einem Coffeeshop erstanden hatte, nicht überschwappte. „Die Raumausstatter werden innerhalb der nächsten Viertelstunde mit den Stoffmustern für die neuen Juniorsuiten eintreffen, im Service haben sich heute Morgen drei Frauen krankgemeldet und die Tischler hängen im Zeitplan deutlich zurück.“

Was für ein perfekter Start in den Tag, schoss es ihr durch den Kopf und sie wäre am liebsten postwendend in ihr gemütliches Appartement zurückgekehrt und hätte sich nur allzu gern vor dem Alltag versteckt.

„Der reibungslose Ablauf des Tagesgeschäfts liegt in deinem Zuständigkeitsbereich. Soll ich mich darum auch noch kümmern?“ Der strenge Ton ihres alten Herrn dröhnte in ihrem Kopf und automatisch fühlte sie sich wie eine dumme Göre, die trotz abgeschlossenen Studiums im Sektor Hotelmanagement und einiger zusätzlicher Wirtschaftskurse an der Universität nichts von ihrem Tun verstand. Wenn die Angestellten ihr nicht immer wieder aufmunternde Worte zusprechen und ihr mit lieben Gesten zu verstehen geben würden, dass sie ihre Arbeit sehr wohl schätzten, hätte sie schon längst das Handtuch geworfen – familiengeführtes Hotel in der dritten Generation hin oder her.

„Das Taxi ist im Stau stecken geblieben und deswegen muss ich jetzt den Rest des Weges zu Fuß gehen – sonst wäre ich noch viel später dran“, rechtfertigte sich Isa und ärgerte sich gleichzeitig darüber, ihrem Vater gegenüber wieder einmal den Kopf einzuziehen.

Seit langem hatte sie mal wieder in ihrem Appartement übernachtet, um ein wenig räumlichen Abstand zum Job, ihrem Vater und der alltäglichen Tretmühle zu bekommen. Sie hatte die Ruhe bitter nötig. Leider ließ sich ihr Kopf nicht so leicht davon abbringen, über die Geschehnisse im Hotel nachzugrübeln. Der Umbau des blauen Flügels stockte und drückte somit die Buchungszahlen.

„Warum bist du denn nach dem Empfang gestern Abend nicht in deinem privaten Zimmer geblieben? Jetzt hast du durch deine Fahrerei unnötig Zeit vertrödelt.“

Isa konnte sich nur zu gut vorstellen, wie ihr Vater hinter seinem Schreibtisch saß, die Morgenpost vor sich aufgeschlagen und in der Hand die übliche Tasse Kaffee. Dass er sich nun an ihrer statt darum kümmern musste, dass der Laden lief, störte seine Morgenroutine und das wiederum konnte er zum Tod nicht ausstehen.

„Auch wenn du es nicht vermutest, es existiert ein Leben außerhalb des Hotels.“ Isas Herz begann mit jedem Wort schneller zu schlagen. Sich gegen ihren Vater aufzulehnen, kostete sie Energie, Energie, die sie viel lieber für die schönen Dinge im Leben nutzen würde. Abends kaputt und ausgelaugt ins Bett zu fallen, war für Isa ein Zustand, den sie fast schon als normal bezeichnen würde. Manchmal dachte sie, dass die Angestellten mit ihren geregelten Arbeitszeiten besser dran waren. Was nutzten der Name und die damit verbundenen Privilegien, wenn man sie nicht auskosten konnte. Eine Vierzigstundenwoche kannte sie nur von den Abrechnungen, die ihr die Personalabteilung jeden Monat mit den Mitarbeiterabrechnungen vorlegte.

„Sei nicht undankbar und sieh zu, dass du das Chaos hier schnellstmöglich in den Griff bekommst.“ Damit legte er auf.

Wunderbar.

Für Isas Vater stand schon immer sein Ansehen in der feinen Hamburger Gesellschaft im Vordergrund. Dass er im Gegensatz zu seinen Freunden keinen männlichen Erben vorweisen konnte, frustrierte ihn. Egal was Isa auch tat, reichen würde es ihrem Vater nie und er ließ es sie spüren, wieder und wieder. Und doch riss sie sich täglich ein Bein aus, um ihn zumindest ansatzweise zufrieden zu stellen. Er war ihr Vater und wie jedes Kind sehnte sie sich nach Anerkennung und Liebe.

Und ihre Mutter? Sie brauchte die glamourösen Auftritte in Gegenwart der anderen verwöhnten Ehefrauen und deren Schmeicheleien wie die Luft zum Atmen. Isa hingegen hasste die versnobten Kreise, in denen sich ihre Eltern bewegten seit jeher. Sie rebellierte dagegen an – lehnte Einladungen ab, sagte, was sie dachte. Und genau das war und würde immer ein Punkt bleiben, an dem sie sich mit ihren Eltern rieb.

Schmerzhaft. Unnachgiebig. Provokant.

Isa musste aufpassen, dass sie vor Wut nicht den Pappbecher zerdrückte, in dem sich ihr Morgenkaffee befand. Natürlich hatte sie in ihrer schicken Küche die neuesten technischen Errungenschaften stehen, doch was brachten sie ihr, wenn sich im Vorratsschrank keine Kaffeebohnen befanden? Zwar hatte sie sich auf die Schnelle mit einer ihrer dringend benötigten Koffeindosis versorgt, aber nachher würde sie als Erstes in ihrer morgendlichen Runde im Hotel die Küche aufsuchen. Hannes, seines Zeichens Chef de Service und seit Jahren mit ihren Gepflogenheiten vertraut, hatte mit Sicherheit einen weiteren Kaffee und ein Brötchen mit Erdbeermarmelade bereitstehen. Ohne ihn wäre sie so manches Mal mit einem Grummeln im Magen in den Tag gestartet, weil sich unvorhergesehene Dinge eben plötzlich ergaben und nicht planen ließen. Bei dem Gedanken verspürte sie ein dumpfes Ziehen in der Mitte ihres Bauches. Seit Tagen plagte sie dieser plötzlich auftretende Schmerz immer mal wieder aus heiterem Himmel. Sie sollte sich wirklich angewöhnen, regelmäßiger zu essen. Vielleicht gab es dafür ja eine App, in etwa so wie jene, die einen an die Einnahme von Medikamenten erinnerte.

„Verdammt, passen Sie doch auf!“ Im selben Augenblick, als Isa die rüden Worte vernahm, blieb sie mit ihrem Fuß an etwas Weichem hängen. Dummerweise geriet sie dadurch ins Straucheln, verlor das Gleichgewicht und konnte sich gerade noch an einer Hauswand abstützen. Die ungebremste Kollision führte dazu, dass der raue Putz die Haut ihrer Hände aufritzte und dadurch einen fiesen, brennenden Schmerz verursachte. Verdammt, das tat weh. Dieser Tag würde definitiv in einer Katastrophe enden. Stand Merkur ungünstig zum Saturn oder warum ging heute alles daneben?

„Es tut mir leid, Entschuldigung.“ Völlig verdattert sah sie zu dem Mann nach unten, der, zu ihren Füßen hockend, sich offensichtlich gerade seinen Schuh zubinden wollte. Er zog sein Shirt hektisch von seinem Körper weg. „Oh mein Gott“, presste Isa hinter vorgehaltener Hand heraus, als sie sah, was sie angerichtet hatte.

„So ein Mist!“ Der Fremde sprang auf und zerrte sich den Stoff, der seine besten Zeiten offensichtlich bereits hinter sich hatte, vom Leib. Ein schneller Blick auf seine Erscheinung verriet ihr, dass sie offenbar über einen Landstreicher gestolpert war. Auf dem Boden hatte sich eine Kaffeepfütze um den leeren Pappbecher gebildet. Glücklicherweise hatte sein danebenstehender Rucksack mit der Isomatte augenscheinlich keine Koffeindusche abbekommen. Wenigstens was. Isa richtete ihr Augenmerk auf den Mann, der ihr mit freiem Oberkörper verwirrt gegenüberstand. Die viel zu langen Haare konnten mal wieder eine Wäsche vertragen, ebenso wie sein Gesicht eine Rasur. Seine Haut hingegen schimmerte in der Morgensonne goldbraun und die darunterliegenden Muskeln zeichneten sich deutlich erkennbar ab. Wow. Einen solchen Sixpack hatte Isa seit Ewigkeiten nicht bewundern dürfen und bei genauerem Betrachten konnten sich auch seine Brustmuskeln sehen lassen.

„Haben Sie sich verbrannt?“, lenkte Isa mit einer mehr als überflüssigen Frage ihre Aufmerksamkeit schleunigst auf den untrüglichen Sachverhalt, der sich ihr bot. Schließlich hatte sie sich den Kaffee in der XXL-Variante erst vor wenigen Minuten aus dem Coffeeshop an der Ecke geholt. Allein als sie daran genippt hatte, hatte sie sich schon die Zunge verbrüht.

„Scheiße, das war heiß.“ Das zusammengeknüllte Shirt in einer Hand, tupfte der bärtige Zeitgenosse auf seinem Oberkörper herum und gab leise, zischende Laute von sich. Seine Haut zeigte mittlerweile krebsrote Flecken, wobei Isa sich nicht vom Anblick des muskelbepackten Mannes losreißen konnte. Sie schüttelte über sich selbst den Kopf, dass sie in solch einer peinlichen Situation Gedanken an sein Äußeres verschwendete und sich nicht darum bemühte, den angerichteten Schaden zu begrenzen.

„Ich habe bei der Arbeit einen Verbandskasten. Da finden wir sicher auch eine Salbe gegen Verbrennungen oder möchten Sie sicherheitshalber lieber einen Arzt aufsuchen?“ Himmel, sie musste ins Hotel, und zwar schnell. Ihr lief die Zeit davon. Nervös sah sie erst auf ihre Armbanduhr und dann zweifelnd in eisblaue Augen, die sie unschlüssig anstarrten.

„Keinen Arzt.“ Er senkte den Kopf und sah auf seine nackte Brust. „Was bedeutet ?“ Fragend blickte er auf und Isa überlegte fieberhaft, wie sie den Unbekannten ins Hotel schleusen konnte, ohne die Aufmerksamkeit der Angestellten auf sich zu ziehen. Sein Aussehen konnte man alles andere als...



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