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Frick | In Clanthons Auftrag | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Frick In Clanthons Auftrag

Fantasy-Erzählungen um Ghazir en Dnormest
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-95765-790-9
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Fantasy-Erzählungen um Ghazir en Dnormest

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-95765-790-9
Verlag: p.machinery
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



ZWISCHEN MAGIERN, KRIEGERN UND HEXEN Sein Name ist Ghazir en Dnormest, und er entstammt einem fernen Kontinent. In Clanthon, einem Reich voller Magie und uralter Geheimnisse, reist er im Auftrag des Königs durch das Land: ein Fremder in einem fantastischen Land. Er kämpft für die »einfachen Leute« und gegen Gefahren, die jenseits seiner Wirklichkeit liegen. Und er sucht nach all der Zeit immer noch seine wahre Bestimmung ... Die »Ghazir«-Geschichten wurden im Verlauf vieler Jahre in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. Für diese Sammlung wurden sie von Klaus N. Frick noch einmal bearbeitet.

Klaus Norbert Frick (* 9. Dezember 1963 in Freudenstadt) ist Chefredakteur der Science-Fiction-Serie Perry Rhodan. -- Klaus N. Frick kam 1992 als Verlagslektor und Redakteur zum Pabel-Moewig-Verlag und übernahm 1995, als Nachfolger von Florian F. Marzin, die Redaktionsleitung für die Perry-Rhodan-Serie. In dieser Funktion ist er für den redaktionellen Inhalt aller Perry-Rhodan-Reihen verantwortlich. 1999 wurde er zum Chefredakteur der Serie ernannt und ist seit diesem Zeitpunkt innerhalb des Verlags für die Marke Perry Rhodan verantwortlich.
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Die Hexe vom Sumpfwald


Ich trieb im Wasser, fühlte mich wie losgelöst von aller Mühsal, schwebend und sorgenlos in der Wärme eines Sommertages, und dachte ständig an den Tod. Flammen loderten, Häuser zerbarsten in der Glut, Männer fielen, von Schwertern getroffen, Not und Verzweiflung blieb den Überlebenden. Ich bekam die Gedanken nicht aus dem Kopf, sie trieben durch meinen Geist wie Wellen, die eine schwache Brandung durch den unendlichen Ozean schiebt.

»Herr!« Die helle Stimme drang nur langsam in mein Gehör. »Herr, was ist mit Euch?«

Ich öffnete die Augen und musste sofort blinzeln, weil mich die Sonne blendete. Im Wasser drehte ich mich, tauchte kurz unter, um prustend wieder aufzutauchen. Erst da bemerkte ich, wer mich angesprochen hatte.

Am Ufer stand ein junger Mann, den ich erst seit einigen Tagen kannte. Vor allem seine Schwester, dachte ich und verkniff mir ein Lächeln. Er trug einfache Sommerkleidung, eine dünne Hose und ein schlichtes Wams. Seine nackten Füße waren mit Schlamm bedeckt, also hatte er den kurzen Weg genommen, der am nassen Ufer entlangführte, an der Stelle, wo die Frauen die Wäsche reinigten.

»Es ist alles in Ordnung, Raimund!«, rief ich zurück. »Ich habe nur nachgedacht.«

Er verzog das Gesicht, sagte aber nichts. Was ich an Raimund Riemenschneider schätzte, war unter anderem, dass er eine eigene Meinung hatte. Noch mehr aber schätzte ich, dass er mir diese Meinung nicht immer unter die Nase reiben musste. Mir war bewusst, dass er mit meiner Aussage nicht viel anfangen konnte; wer jeden Tag als Bauer und Handwerker hart arbeiten musste, empfand es als seltsam, wenn man sich bewusst auf gelassenes Nachdenken konzentrierte.

»Ihr habt ausgesehen, als ginge es Euch nicht gut.« Er suchte nach Worten. »Als ob Ihr tot wärt oder bald sterben könntet.«

Ich grinste und schwamm auf ihn zu. »Keine Sorge!«, rief ich zurück. »So schnell sterbe ich nicht. Auch wenn ich’s manchmal schon selbst geglaubt habe.«

»Herr?«, fragte er zurück, alle Anzeichen von Verwirrung im Gesicht. Weil ich nicht darauf reagierte, kratzte er sich unschlüssig über die Wangen und über das Kinn, wo er sich versuchsweise einen dünnen Bart stehen ließ.

Ich hielt weiter auf das Ufer zu, genoss die Sonne und die warme Luft und bewunderte die grüne Wand, die sich vor mir erhob. Der Bach, der das Dorf durchquerte und von einem schroffen Bergzug gespeist wurde, bildete an dieser Stelle einen See, der gut hundert Schritte durchmaß, tief und kühl, ein wunderbarer Ort, sich zu erfrischen.

Die Leute hier wissen nicht, in welcher Umgebung sie leben dürfen, dachte ich. Wer wie ich jahrelang auf Wüsten aus Stein und Kies, aus Sand und Dreck geblickt hatte, ließ sich immer noch von hohen Bäumen, wuchernden Büschen, überall wachsendem Gras und samtigem Moos begeistern.

Ich kletterte ans Ufer und richtete mich auf, das Wasser lief an mir hinunter. Damit ich schneller trocknete, stellte ich mich in die Sonne, sprang dort auf und ab und lief auf der Stelle. Bei solchen Gelegenheiten genoss ich es, meine Muskeln zu spüren, den schnellen Atem und die harten Schläge meines Herzens in der Brust. Das alles gab mir das Gefühl, zu leben und dieses Leben verdient zu haben.

Erst nach einiger Zeit drehte ich mich zu meinem Besucher um. Raimund Riemenschneider stand neben mir, offenbar sprachlos vor Staunen, und starrte mich an, ließ seinen Blick von meinem Kraushaar bis zu den Zehen und zurück wandern.

»Was ist?«, rief ich und lachte ihn an. »Du siehst aus, als hättest du noch nie einen nackten Mann gesehen!«

»Noch nie einen, der so …« Er stockte. »Ich habe noch nie einen Mann gesehen, der komplett mit einer so dunklen Haut bedeckt ist.«

Ich winkte ab. »Glaub mir, Raimund, unter der Haut fließt das gleiche rote Blut wie bei dir.«

»Das weiß ich ja, Herr, aber …« Er überlegte offenbar, wie er es ausdrücken sollte. »Ihr seht einfach anders aus als wir, und ich habe Euch noch nicht in kompletter Größe gesehen.«

»Dann wird’s wohl Zeit, dass ich mich anziehe«, sagte ich lachend. Auf meiner Haut perlten die Wassertropfen, und bis ich in der Sonne trocknete, würde noch einige Zeit vergehen. Aber bevor ich den jungen Mann weiter in Verlegenheit brachte, wollte ich lieber meine Blöße bedecken.

Mit einem Tuch trocknete ich mich kurz ab, dann zog ich mir eine leichte Leinenhose und ein dünnes Wams über. Um den Hals hängte ich mir das Band mit der silbern glitzernden Scheibe, die ich seit meinem überstürzten Aufbruch aus der alten Heimat mit mir trug. Auch den Waffengürtel band ich um. Nicht weil ich Angreifer befürchtete, sondern weil mir diese Handlung in Fleisch und Blut übergegangen war. Aber ich trug kein Schwert mit mir, sondern nur einen Dolch und ein Messer sowie einen Beutel mit getrocknetem Fleisch.

Als ich fertig war, nickte ich Raimund Riemenschneider zu. »Du bist aber sicher nicht gekommen, weil du mir dabei zusehen wolltest, wie ich mich anziehe.«

»Nein. Ich bin hier, weil …« Er suchte erneut nach Worten. »Ihr dürft mich nicht auslachen.«

»Das werde ich nie tun!«

»Es geht um eine alte Frau. Wir betrachten sie als Hexe. Sie hat große Macht über den Sumpfwald, und ich glaube, es ist zu viel Macht. Ich glaube …«

»Du denkst, sie verhext die Leute?«

Er schüttelte den Kopf. »Das ist es nicht. Das müssen Hexen ja tun, sonst wären sie keine. Aber ich glaube, dass sie mehr tut. Es sind schon junge Frauen verschwunden, die im Wald nach Beeren gesucht haben, in der Richtung, wo die Hexe ihr Haus hat. Nicht nur aus unserem Dorf, sondern auch in anderen Dörfern im Wald. Und nun habe ich Angst um meine Schwester. Ich glaube, der einzige Mensch, der ihr helfen kann, seid Ihr, Herr.«

»Woher dieser Zeitdruck?«, fragte ich Raimund, während wir zum Dorf zurückgingen. »Warum kommst du an den See und sagst es mir? Warum kannst du damit nicht warten, bis wir …« Ich hielt inne. »Du willst nicht, dass es deine Schwester erfährt?«

»Ja.« Er nickte verlegen. »Ich weiß, dass Ihr und sie, und …«

»Ist es dir nicht recht?«

Seit gut zehn Tagen hielt ich mich in dem Dorf am Rande des sumpfigen Geländes auf, das sich bis an die Berge erstreckte, die die Grenze zu Tir Thuatha bildeten. Man nannte die Ansiedlung, in der vielleicht dreihundert Menschen lebten, allgemein nur »Sumpfwald«. Ich hatte mich mit einigen der einfachen Leute angefreundet und es geschafft, dass sie ihr Misstrauen mir gegenüber ablegten. Und ich war eine Beziehung mit Jolana Riemenschneider eingegangen.

Jolana war sogar für eine Clanthonierin groß, sie überragte ihren Bruder um einen halben Kopf. Flachsblondes Haar fiel ihr, oft in Zöpfen geflochten, bis weit über die Schultern hinunter. Sie trug ein schlichtes Kleid aus dünner Wolle, das um ihre Rundungen floss. Im Gegensatz zu anderen Frauen ihres Volkes war sie ein wenig gerundet und nicht so schlank wie viele andere. Das mochte ich, und ich fand sie umwerfend.

Wenn wir miteinander schliefen, bildeten meine dunkle und ihre sehr helle Haut einen Kontrast, wie ich ihn noch nie erlebt hatte. Fackeln oder Kerzen warfen in dem Gasthaus des Dorfes, in dem ich ein Zimmer bewohnte, ihre zitternden Schatten auf unsere Körper, zeichneten die Linien aus Schweiß nach und ließen mich noch mehr in meiner Lust erschauern. Jolana war schön, und ich liebte es, mit ihr die Nächte zu verbringen. Ob ich sie liebte, das hätte ich nicht zu sagen vermocht.

»Ich weiß, dass Ihr anders seid, als die Menschen hier bei uns«, sagte Raimund. »Damit meine ich nicht nur, dass Ihr anders ausseht. Ihr verhaltet Euch anders, und man merkt Euch an, dass Ihr viele Erfahrungen gesammelt habt, die wir nicht teilen können.« Er hielt inne. »Ihr habt das Königsheil, damit seid Ihr einer der Herren, die unser Land in eine neue Zukunft führen können.«

Woher ich dieses Heil hatte, wusste ich nicht. In meinem früheren Leben in Esran, in einem Land voll Hitze und inbrünstig gepflegter Religion, wäre ich nicht einmal auf die Idee gekommen, dass es so etwas gab. Doch in Clanthon galten andere Regeln. Ich gehörte zur Oberschicht eines Landes, von dem ich in den ersten fünfundzwanzig Jahren meines Lebens nicht einmal gewusst hatte, dass es das gab.

Aber ich hatte gelernt, mir über viele Dinge auf dieser Welt keine weiteren Gedanken mehr zu machen. Manchmal waren die Dinge eben so, wie sie waren, und dem Schicksal, das die Götter oder der Eine Gott für einen bereithielten, konnte man als einfacher Mensch kaum entrinnen.

»Worauf willst du hinaus, Raimund?« Ich blieb stehen. Rings um uns leuchtete das Meer aus grünen Blättern in allen Schattierungen, so grell und bunt, als hätte ich Rauchkraut zu mir genommen. »Rede bitte direkt und ohne Umschweife!«

»Meine Schwester … Sie verhielt sich vorhin seltsam, nachdem sie von einem Aufenthalt bei Euch zurückgekommen ist. Zuerst dachte ich, es läge an Euch.« Er unterbrach sich und sah mich verlegen an. »Ich will Euch nichts vorwerfen, Herr, aber ich dachte … Aber ihr Verhalten war wirklich seltsam.«

»Sprich schon!«

»Nachdem sie von Euch zurückgekommen war, zeigte sie die üblichen Anzeichen von Fröhlichkeit, die sie immer hat, nachdem sie Euch besucht hat. Sie pfeift dann immer, sie singt Lieder, sie nimmt in bester Laune einen Kräuterextrakt zu sich, und …«

»Augenblick!«, unterbrach ich. »Welchen Kräuterextrakt denn eigentlich?«

»Das wisst Ihr nicht?« Raimund starrte mich an. »Den hat sie sich brauen lassen. Damit sie schneller schwanger wird. Sie möchte ein Kind von...



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