E-Book, Deutsch, Band 7, 420 Seiten
Reihe: Hamburg
Friedemann Der Sumpf des Todes
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7534-6316-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 7, 420 Seiten
Reihe: Hamburg
ISBN: 978-3-7534-6316-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ich versuche, die Aufmerksamkeit der Leser zu fesseln, sie zu unterhalten und zu erfreuen, möglicherweise zu erregen oder tief zu bewegen.
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Titel
- Dienstag
Martin drehte sich leicht knurrend im Bett, als er die Hand von Kristin an seinem nackten Rücken fühlte.
„Telefon“, hörte er sie sagen.
„Ich bin nicht da“, murmelte er verschlafen, streckte aber gleichzeitig die Hand aus und sie reichte es ihm. „Kuhlmann!“ „Warum immer ich? Ben hat Dienst.“ „Schiet, ich bin gerade erst ins Bett gegangen“, streckte er die Beine raus. „Ja, ich komme.“ „In einer halben Stunde.“
„Soll ich dir einen Kaffee kochen?“
„Doppelten Espresso. Danke!“, stand er auf. Er schlüpfte in die Jeans, holte ein Shirt aus dem Schrank. Erst jetzt blickte er auf den Wecker. 3.55 Uhr. Konnte man Leichen nicht erst nach 7.00 Uhr finden, dachte er auf dem Weg ins Bad.
Unten roch es nach Kaffee.
„Danke! Leg dich hin und schlaf du wenigstens noch ein paar Stunden“, nahm er sie in den Arm, gab ihr einen Kuss.
„Jetzt bin ich wach. Ich fahre in meine Wohnung.“
„Kristin, zieh endlich her, dann sparst du die Fahrerei.“ Er nahm den Kaffeebecher, trank. „Ich komme heute Abend früher. Versprochen.“
„Diese zwei Berufe passen nicht zusammen.“
„Ich weiß, dafür wir beide“, versuchte er zu scherzen. „Reden wir am Abend“, ging er in sein Büro, holte die Waffe aus dem Schubfach. Er war schlecht gelaunt, da er mitten in der Nacht dröge Diskussionen über Beziehungskram hasste. Solche Dinge besprach man ruhig zu normalen Zeiten. Er trank den restlichen Kaffee, gab ihr einen flüchtigen Kuss und fuhr zu der angegebenen Adresse nach Einsbüttel.
Vor dem Wohnhaus standen drei Polizeiwagen und zahlreiche Schaulustige. Das mitten in der Nacht. Ich würde lieber schlafen. Martin stellte den Wagen dazu.
„Dritte Etage!“, sagte ein junger Polizeibeamter.
„Martin, warte“, hörte er im Rücken Bens Stimme.
„Moin, du bist ja fix hier.“
„Weißt du mehr?“
„Eine Prostituierte, die von einer anderen Kollegin tot aufgefunden wurde. Warum sie uns nun verständigten, keine Ahnung. Ich bin müde, da ich bis Mitternacht über den Akten saß.“
Ein Polizeibeamter hielt sie auf. Oberkommissar Benjamin Wurt zeigte seinen Ausweis. „LKA!“
„Sie hat keiner angefordert, nicht angemeldet.“
„Fein! Nun sind wir da und gehen hoch“, schob er den Mann beiseite, der ihn jedoch festhielt. „Sie warten, da ich nachfrage. Wieso tauchen solche hohe Herren hier auf?“
„Weil wir testen wollten, wie gut Sie Ihren Job machen. Jetzt gehen wir hinauf und Sie telefonieren, melden uns an. Roter Teppich muss nicht sein. Danke!“, befreite sich Martin mit einem Ruck und sprang die Treppe immer zwei Stufen auf einmal nehmend, hoch. „Sehr pflichtbewusst!“, murmelte er dabei. „Das nächste Mal lässt du dir den Namen geben. Solche Leute benötigen wir zuweilen in unserem Gebäude.“
„Habe ja seine Dienstnummer.“
„Moin, was gibt es zu sehen?“, fragte Martin einige Leute im Schlafanzug, Nachthemd, Bade- oder Morgenmantel. „Sie wohnen alle in dem Haus?“
„Da wurde jemand ermordet. Eine Frau schrie uns wach“, erklärte eine ältere Dame.
„Nun wollen Sie die Tote sehen. Eventuell nimmt der Gerichtsmediziner sie zur Obduktion mit“, schüttelte Martin den Kopf. „Verlassen sie umgehend das Treppenhaus, gehen in die Wohnungen. Sie werden alle später befragt.“
Vor der Wohnungstür trafen sie auf zwei Männer der Spurensicherung. „Moin! Wurde aufgebrochen, Klaas?“
„Moin! Nichts zu sehen. Was macht ihr hier?“
„Der Doc hat Sehnsucht nach uns.“
Sie gingen in die Wohnung. Es roch irgendwie süßlich und die Luft stickig.
„Moin! LKA, Kuhlmann, mein Kollege Wurt. Moin Frank!“
„Da seid ihr ja endlich. Komm her und guck sie dir an, Martin.“
Die zwei Beamten traten etwas zur Seite, da das Schlafzimmer sehr eng war.
„Tot, angemalt, 10 Stunden, und?“, stellte er kurz fest. „Muss hübsch ausgesehen haben.“ Er zog einen Handschuh an, nahm den linken Arm hoch. „Sieht nach Suizid aus.“ Er blickte sich um. „Lag sie so?“
„Ja!“
„Snaksch! Wo ist dann das Blut?“
„Siehst du, ich wusste es. Ist hier keinem Dösbaddel aufgefallen.“
Ben drängelte an ihm vorbei, schaute sie an. „Sie sieht wie aus diesem Film aus. Irgendetwas mit mörderisch. Die Frauen waren ähnlich geschminkt. Grelle Lippen, die Augen so angemalt.“
„Fehlte denen auch Blut?“
„Ja! Deswegen fiel es mir ein, Frank. Spiel! Mörderisches Spiel.“
„Wissen Sie ja, wer der Täter ist“, äußerte der eine Beamte belustigt.
„Ich würde lieber die Klappe halten, wenn ich nicht bemerke, dass hier kein Blut zu sehen ist“, kanzelte Martin den Mann ab. „Wer ist sie?“
„Susanne Binter, 23 Jahre alt, Prostituierte, ledig, wohnte hier anscheinend allein.“
Martin schaute den Gerichtsmediziner Frank Mahlow an. „Was sollen wir nun hier? Da stehen zwei anscheinend sehr kompetente Ermittler.“
„Du scherzt heute. Genau vor knapp sechs Wochen hatten wir schon so eine Frau bei uns liegen. Lukas hat mir Bilder für dich geschickt“, hielt er ihm das Handy hin. Der nahm es entgegen, guckte die Bilder an. „Wo lag sie?“
„Bergedorf! Hannah Scheffler, 22 Jahre alt, Kunststudentin, ledig, wohnte ebenfalls allein. Vor etwa drei Wochen gab es ein weiteres Opfer. Dorothea Stadler, 39, Galeristin aus München. Sie war für einige Tage in Hamburg. Die Pensionswirtin fand sie morgens tot auf.“
„Das bedeutet, drei verschiedene Dezernate?“, erkundigte sich Ben.
„So ist es. Damit das aufhört, werdet ihr das jetzt übernehmen müssen.“
„Wieso hat das Fabian nicht viel früher entdeckt und gemeldet?“
„Martin, nicht bei mir. Da ab es nichts zu entdecken.“
„War ein Staatsanwalt hier?“, wandte sich Martin an die beiden Kollegen.
„Ich habe den Oberstaatsanwalt persönlich aus dem Bett geklingelt. Warum soll ich bloß auf Schlaf verzichten?“, antwortete Frank Mahlow.
Martin griff zum Handy, verließ den Raum.
Er kam nach fünf Minuten zurück. „Sie können schlafen gehen. Der Oberstaatsanwalt trifft gleich ein. Das LKA übernimmt alles Weitere. Danke und gute Nacht. Ben, das Treppenhaus wird geräumt, bis die Spusi damit fertig ist. Zwei Polizisten sollen draußen aufpassen, dass niemand rein- oder rausgeht. Nimm diesen eifrigen Kollegen. Du schreibst von den Gaffern die Namen auf und lässt dir die Schuhe geben. Die werden alle auf Spuren untersucht. Bernd begleitet dich dabei. Wo ist die Frau, die sie fand?“
„Im Wohnzimmer. Kollegin und Nachbarin“, erklärte Klaas.
„Muss sie noch einen Moment warten. Erst die Tote. Frank, wann und wie lange?“
„Tot schätzungsweise zwischen 15.00 und 18.00 Uhr. Wie lange? Um zwei Stunden.“
„Warum so lange?“
„Laie. Erst nur eine Vene, wenn auch tief, infolge der Aorta. Dauerte ihm zu lange und er schnippelte nach, da er nach Hause wollte. Exitus.“
„Da war der Mörder solange in der Wohnung?“
„Ja, rechne von drei bis fünf Stunden. Gehe davon aus, es gab vorher Sex“, schlug er die Decke weg.
Er betrachte die Oberschenkel, die Beine. „Da musste sie lange leiden, bis sie den hämorrhagischen Schock durchlebt hatte, endlich das Bewusstsein verlor. War sie gefesselt?“
„Ja. Also er kommt her. Laut der Kollegin hat sie hier nie angeschafft. Sie öffnete, er rein. Er fesselte ihr die Beine sehr fest, sieht man an den Striemen, die ins Fleisch schnitten. Er kniff, biss, wenn man die Oberschenkel und das Schambein betrachtet. Kann nicht viel länger wie drei Stunden vor ihrem Tod gewesen sein, nach der Ausbildung aller Merkmale. Er kommt irgendwann in Stimmung, schneidet das Seil durch und hat mit ihr Sex. Danach der stümperhafte Schnitt. Bei dem Volumen eines gesunden, erwachsenen Menschen von fünf bis sechs Litern Blut, dauert das. Der Verlust von 1,5 Litern führt zu Durst- und Schwächegefühl, die Atmung beschleunigt sich, der Betroffene verspürt Angst. Vermutlich befriedigte er sich in der Zeit nochmals selbst und sie musste zusehen. Danach der richtige Schnitt und nun ging alles fix. Ihr wird schwindelig, sie verliert das Bewusstsein, dadurch die massive Reduzierung des Herzzeitvolumens, der Kreislauf bricht zusammen. So im Groben.“
„War das bei den anderen Frauen auch so?“
„Ja. Nur da hat er gleich die richtige Stelle getroffen. Es gibt keine DNA von ihm.“
„Wie nichts?“
„Nichts! Lukas meinte, er war mit einem Tauchanzug bekleidet. Da war nur vorn ein Schlitz, damit sein bestes Stück raus konnte.“
„Nur der würde auf der Straße auffallen“, schmunzelte Martin. „Hatte er geputzt? Scherz beiseite. Es gibt...




