Friedman | Star Trek: Das Doppelgänger-Komplott | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 0 Seiten

Friedman Star Trek: Das Doppelgänger-Komplott

Roman
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11491-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

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ISBN: 978-3-641-11491-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wie hält man den Captain auf?

Bis zu seinem Verschwinden hat Dr. Roger Korby an der Verwirklichung seines Traums gearbeitet: Menschen zu replizieren, sie in Androiden zu verwandeln und ihnen so ein Leben ohne Krankheit und Furcht zu ermöglichen. Auf dem Planeten Exo III hat er eine gigantische Replikationsmaschine installiert, die nun von den Doppelgängern seines ehemaligen Assistenten wieder in Betrieb genommen wird. Während eines Landurlaubs auf Tranquility 7 werden Captain James T. Kirk und seine Offiziere in eine Schlägerei verwickelt. Und der James Kirk, der zur Enterprise zurückkehrt, gleicht dem Captain zwar aufs Haar, doch seine Persönlichkeit scheint sich auf seltsame Weise verändert zu haben.

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Kapitel 1


Brown war lange fort gewesen. Es hatte als eine einfache Forschungsmission am Unteren Rand begonnen, bei den Ruinen. Sein Schöpfer vermutete, dass es dort noch mehr Maschinen gab. »Neue Wunder«, erinnerte sich Brown an den Hinweis. »Abgesehen von denen, die wir bereits kennen.«

Er machte sich allein und gut ausgerüstet auf den Weg. Doch nicht einmal Doktor Korby konnte etwas von der strukturellen Instabilität in den Höhlenwänden und einem möglichen Einsturz geahnt haben. Er begriff schon bald, dass es sinnlos war, sich durch den gewaltigen Berg aus Schutt zu graben, suchte statt dessen nach einem anderen Weg zurück. Irgendwann erschöpfte sich die Ladung der Batterien, und daraufhin trübte sich das Licht der Taschenlampe, bis es schließlich ganz verblasste und der Dunkelheit wich.

Jetzt kehrte er heim und erkannte die geometrische Form der Tür. Er vernahm das leise Summen von Generatoren, bemerkte auch die vertrauten Lichtquellen in den peripheren Bereichen.

Zu Hause.

Er berührte eine Sensorfläche, und die Tür glitt mit einem leisen Zischen beiseite. Brown betrat das Vorzimmer.

Für gewöhnlich wurde hier gearbeitet. Fast immer hielt sich hier jemand auf, Ruk, ein anderer Brown oder er selbst; in den meisten Fällen bestand die Aufgabe darin, alte Maschinen zu reparieren, beziehungsweise neue zu schaffen. Doch jetzt war der Raum leer.

Wo befanden sich die anderen?

Vermutlich in der Hauptkammer. Bei den Maschinen. Vielleicht schuf Doktor Korby etwas Neues. Noch einen Brown? Eine weitere Andrea? Oder eine andere Person?

Es zischte erneut, als sich die Innentür öffnete.

Im Licht der Deckenlampen zeichnete sich ein blaugraues Aggregat ab, das den halben Raum füllte. Die Indikatoren des Kontrollpults glühten nicht.

Auch hier hielt sich niemand auf.

Brown fühlte sich desorientiert – ein solches Empfinden hatte ihn nicht einmal während der langen, in völliger Finsternis verbrachten Monate erfasst. Er wusste: Diese Emotion konnte nicht zu seinem Programm gehören, denn er sah sich außerstande, sie zu benennen, ihr einen Namen zu geben. Trotzdem existierte sie.

Seltsam. Nun, er brauchte nicht lange zu überlegen, um die nächste Entscheidung zu treffen: Er musste weitergehen und Doktor Korby suchen, sich vergewissern, dass alles in Ordnung war.

Kurz darauf erreichte er den Salon, wo der Schöpfer einen großen Teil seiner Zeit verbracht hatte. Dort strahlte das Licht nicht ganz so hell. Brown sah Tische und Stühle aus Holz, einen kleinen Computer, Teppiche und Läufer auf dem Boden, an den Wänden Tapisserien. Hinzu kamen Schmuckgegenstände, an denen der Schöpfer Gefallen fand.

»Doktor Korby?«, rief Brown, obgleich sich niemand seinen Blicken darbot.

Er hatte seine Stimme schon seit einer ganzen Weile nicht mehr gehört, und sie klang fremd.

Darüber hinaus verstärkte sie das Gefühl der Desorientierung, und deshalb schwieg Brown. Er durchquerte das große Zimmer und berührte eine andere Sensorfläche.

Eine weitere Tür glitt auf und gewährte Zugang zu einem schlichten Raum. Er enthielt keine Ziergegenstände, diente in erster Linie zur Lagerung. Dunkelheit herrschte in ihm, doch die Schwärze war nicht dicht genug, um eine auf dem Boden liegende Gestalt zu verbergen.

Brown streckte die Hand nach dem Lichtschalter aus.

Rötliches Schimmern zeigte die Leiche des anderen Brown. Der halbe Unterleib war fortgerissen, und die klaffende Wunde offenbarte diverse Organe. Zweifellos handelte es sich um fatale Verletzungen, denn nichts deutete darauf hin, dass sich einzelne Komponenten des Körpers ihr Funktionspotenzial bewahrt hatten.

Brown kniete neben dem Leichnam und betrachtete die beschädigte Stelle aufmerksam. Mit den Fingerkuppen strich er über den Rand der Öffnung und spürte dabei, wie sich tief in ihm etwas zusammenkrampfte.

Dies war nicht das Ergebnis eines Unfalls; als Erklärung kam keine explodierte Maschine in Frage. Nur konzentrierte Energie konnte so etwas bewirken.

Brown wusste nichts von derartigen Energieformen.

Gab es einen Zusammenhang zwischen dem Zustand des zweiten Brown und dem Verschwinden aller anderen Personen?

Er hielt es für sehr wahrscheinlich.

Das Empfinden der Desorientierung nahm immer mehr zu. Immerhin: Brown war nicht auf eine solche Eventualität programmiert worden.

Wenn ihm mehr Informationen zur Verfügung standen …

Und dann erinnerte er sich. Natürlich. Die separate Überwachungsvorrichtung. Er hatte sie selbst installiert, und Andrea war für Wartung und Auswertung zuständig gewesen.

In den Speichermodulen mochten Daten abgelegt sein, aus denen sich die Ereignisse während Browns Abwesenheit rekonstruieren ließen. Er brauchte nur eine Analyse vorzunehmen.

Er ließ die Reste des zweiten Brown liegen und schaltete das Licht aus. Hinter ihm schloss sich die Tür mit einem Seufzen.

Brown saß in Doktor Korbys Sessel.

Er deaktivierte das letzte Speichermodul und sah, wie die Bilder auf dem Schirm grauem Flimmern wichen.

Jetzt wusste er Bescheid.

Sie existierten nicht mehr: der unzerstörbar wirkende Ruk, von den Alten geschaffen; Andrea.

Auch Doktor Korby.

Und die Verantwortung dafür trug ein Mensch: Captain Kirk. Er hatte den anderen Brown eliminiert. Ihm war es gelungen, sein eigenes Duplikat zu zerstören und den Schöpfer zu zwingen, Ruk zu vernichten – um dann sich selbst und Andrea dem Nichts preiszugeben.

Sie existierten nicht mehr. Niemand von ihnen.

Brown versuchte zu verstehen.

Wenn es den Schöpfer nicht mehr gab und der Zweck des eigenen Seins darin bestand, dem Schöpfer zu dienen … Welche Pflichten folgten daraus? Sollte er sich um die Maschinen kümmern, wie vor ihm Ruk, über Äonen hinweg – bis ein neuer Schöpfer kam und ihm Anweisungen erteilte?

Nein. Er war nicht wie Ruk. Er konnte keinem anderen Schöpfer dienen.

Was sollte er unternehmen?

Was entsprach dem Willen von Doktor Korby?

Plötzlich fiel ihm die Antwort ein. Er hatte sie während der Aufzeichnungsanalyse gehört und gespeichert.

Stellen Sie sich vor, Menschen in Androiden zu verwandeln und sie dadurch zu verbessern. Stellen Sie sich vor, wie das Leben ohne Eifersucht, Habgier und Hass beschaffen wäre …

So lauteten die Worte des Schöpfers.

Niemand muss sterben. Es gibt keine Krankheiten mehr, keine Verunstaltungen. Selbst die Furcht kann mit einem entsprechenden Programm neutralisiert und durch Freude ersetzt werden. Ich biete Ihnen praktisch den Himmel, ein neues Paradies …

Brown lehnte sich zurück.

Jenes Ziel hatte Doktor Korby angestrebt – er zweifelte nicht daran. Als er in seinem Gedächtnis nach Informationen suchte, entsann er sich auch noch an etwas anderes. Der Schöpfer hatte ihm einen Plan gegeben, der es ermöglichte, seine Absichten zu verwirklichen.

Konnte er es allein schaffen? Nein. Ohne Hilfe wäre nicht einmal Doktor Korby dazu imstande gewesen. Er brauchte jemanden, der ihm half, einen Ruk oder eine Andrea. Er musste mehr Androiden herstellen, bevor es einen Sinn hatte, mit der Ausführung des Plans zu beginnen.

Aber wie sollte er auch nur einen einzigen neuen Androiden schaffen? Er wusste nicht genug vom Vorgang des Programmierens, und in diesem Zusammenhang gehörten auch keine speziellen Begabungen zu seiner Ich-Struktur.

Er dachte an den anderen Brown … Nein, er ließ sich nicht reparieren. Selbst wenn seinen inneren Organen ein minimales Funktionspotenzial zurückgegeben werden konnte – die Programme waren bestimmt irreparabel geschädigt.

Vor dem inneren Auge ließ Brown die Aufzeichnungssequenzen Revue passieren, suchte nach einer Lösung für das Problem …

Und fand eine.

Aus dem Surren und Pfeifen des Aggregats wurde ein dumpfes Brummen, als sich die Fokusplattform langsamer drehte. Brown sah sofort, dass er einen Erfolg erzielt hatte.

Die menschliche Datenschablone existierte nach wie vor, und ganz offensichtlich gab es keine Defekte in ihr: Er sah ein zumindest in physischer Hinsicht vollständiges und normales Exemplar.

Das jedoch nutzlos blieb, wenn nicht auch das psychische Muster erhalten geblieben war.

Er nahm die notwendigen Schaltungen vor und justierte die Kontrollen für den neuralen Output. Anschließend aktivierte er die Rezeptoren.

Die Gestalt auf der Plattform zuckte und neigte ruckartig den Kopf nach hinten. Deutlich zeichneten sich Adern und Sehnen im Hals ab.

Dann rührte sie sich nicht mehr.

Brown unterbrach die Energiezufuhr, und das Summen des Aggregats verklang allmählich. Indikatoren blinkten in der richtigen Reihenfolge und erloschen.

Er trat zur Plattform und blickte auf das Geschöpf im separierten Materialisierungsbereich hinab. Nach einigen Sekunden öffnete es die Augen.

Die Pupillen zeigten Intelligenz – und auch noch etwas anderes, das den Beobachter faszinierte.

»Brown«, sagte der neue Androide. »Stimmt's?«

»Ja. Und du bist … und Sie sind …«

»James T. Kirk, Captain der U.S.S. Enterprise.« Er lachte leise. »Die verbesserte Version.«

Brown nickte zufrieden. Das von ihm geschaffene Wesen sah nicht nur wie der Mensch in den Aufzeichnungen aus, sondern hörte sich auch so an und präsentierte das gleiche selbstsichere Gebaren.

»Ich schlage vor, Sie gewähren mir jetzt volle Bewegungsfreiheit«, sagte Kirk und blickte zur energetischen Barriere.

Der Androide sprach sanft und freundlich, aber irgend etwas in seiner Stimme verlangte...


Brandhorst, Andreas
Andreas Brandhorst, geboren 1956 im norddeutschen Sielhorst, hat mit Romanen wie »Äon«, »Das Erwachen« oder »Das Schiff« die deutsche Science-Fiction-Literatur der letzten Jahre entscheidend geprägt. Spektakuläre Zukunftsvisionen verbunden mit einem atemberaubenden Thriller-Plot sind zu seinem Markenzeichen geworden und verschaffen ihm regelmäßig Bestsellerplatzierungen. Zuletzt sind bei Heyne seine Thriller »Der Riss« und »Messias« erschienen. Andreas Brandhorst lebt im Emsland.



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