E-Book, Deutsch, 0 Seiten
Friedman Star Trek: Schatten auf der Sonne
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11512-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
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ISBN: 978-3-641-11512-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Auf dem Planeten Ssan tobt ein blutiger Krieg zwischen der Regierung und einer Assassinengilde. Nun soll die Enterprise zwei Diplomaten dorthin bringen, damit diese zwischen den Parteien vermitteln. Doch die moralischen Standards auf Ssan lassen sich nicht mit denen der Föderation messen: Politischer Mord hat eine lange Tradition. Und keiner weiß das besser als Dr. McCoy, der zu Beginn seiner Karriere bereits auf Ssan war. Zu allem Überfluss handelt es sich bei den beiden Diplomaten um McCoys Exfrau Jocelyn und ihren zweiten Mann. Alte, nie verheilte Wunden werden aufgerissen, als der Bordarzt mit der Vergangenheit konfrontiert wird, der er durch den Eintritt in die Sternenflotte zu entfliehen versucht hatte. Doch dann fallen Jocelyn und Captain Kirk in die Hände der Assassinen.
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Kapitel 2
»Der arme Kerl«, keuchte McCoy. Er verzog das Gesicht, als er das verbeulte und verkohlte Wrack von Obergouverneur Holarnis' Schwebewagen auf dem kleinen Monitor im Zentrum des Besprechungstisches sah. Als er sich näher herabbeugte, sah er rote Blutspritzer auf den Scherben eines zerschmetterten Fensters, doch ansonsten gab es kein Anzeichen, dass sich einmal etwas Lebendes innerhalb der verrußten Metallmasse aufgehalten hatte.
»Er hatte überhaupt keine Chance«, fügte McCoy hinzu.
»Wie Sie vielleicht wissen«, sagte Commodore Montoya, »war eben das die Absicht. Diese Assassinen gehen ziemlich gründlich vor.«
Montoya saß am anderen Ende des Tisches hinter dem Monitor. Für sie bestand kein Grund, sich die Bilder noch einmal anzusehen, sie hatte zweifellos zur Genüge Gelegenheit dazu gehabt.
Jim Kirk, der unmittelbar rechts von McCoy saß, brummte zustimmend. »Ziemlich gründlich. Und Sie sagen, dass alle sieben Schwebewagen, die an jenem Tag losgeschickt wurden, das gleiche Schicksal erlitten?«
Montoya nickte. »Alle sieben, Captain. Holarnis hatte gehofft, sie zu verwirren, da sie normalerweise allein arbeiten. Er hat nicht damit gerechnet, wie schnell sich die Assassinen an die neue Situation anpassen würden.«
Sie blickte von Kirk zu Spock, der aus McCoys Perspektive gesehen hinter dem Captain am runden Tisch des Besprechungsraums saß. Genauso wie seine langjährigen Gefährten sah der Vulkanier konzentriert auf das Bild von Tod und Zerstörung, allerdings war ihm äußerlich nicht anzusehen, ob er etwas für die Insassen des Schwebewagens empfand.
»Zum Zeitpunkt seines Todes«, fuhr der Commodore fort, »war Holarnis die wichtigste politische Figur auf ganz Ssan. Diese Ehre ist nun auf Meladion übergegangen, den Obergouverneur von Orthun. Subraumkommunikation ist leider nicht so schnell, wie wir es uns wünschen. Inzwischen könnte also auch Meladion längst ein Opfer der Assassinen geworden sein.«
Scotty, der links von McCoy saß, schüttelte den Kopf und fluchte leise. »Nette Gesellschaft«, sagte er mit triefender Ironie.
Spock jedoch nahm diese Information mit vollkommener Gelassenheit auf – genauso wie vor mehreren Jahren, als er feststellen musste, dass die gesamte, seinem Volk entstammende Besatzung der U.S.S. Intrepid mit einem Schlag ums Leben gekommen war.
»Bedauerlich«, lautete die ganze Antwort, zu der der Vulkanier sich aufraffen konnte.
»Bedauerlich?«, wiederholte der Doktor und schüttelte in gespielter Entrüstung den Kopf. »Heulen Sie uns jetzt bloß nichts vor, Spock! Ich meine, wir reden hier davon, dass Leute sterben, zum Donnerwetter – nicht von der Geburtstagstorte meiner Großmutter.«
»Wie bitte, Doktor?«, sagte Montoya. Offenbar wusste sie nicht, was sie sonst sagen sollte. Schließlich hatte sie auch nicht während der vergangenen zwanzig Jahre mit Spock zusammengearbeitet. Sie hatte keine Ahnung, wie sie auf diese Stichelei reagieren sollte.
»Schon gut«, beruhigte McCoy sie und lehnte sich wieder in seinem Sessel zurück. »Das ist eine alte Geschichte, und vermutlich wird sie niemals zu einem befriedigenden Ende kommen.«
»Mit anderen Worten«, mischte Kirk sich ein und legte dem Doktor eine Hand auf den Arm, »Sie können mit der Besprechung fortfahren, und ich möchte mich für diese Unterbrechung entschuldigen.«
»Eigentlich sollte ich mich entschuldigen, Captain«, sagte der Commodore, »weil ich wegen dieser Mission Ihre Pensionierung verzögert habe. Doch angesichts der Erfahrungen, die Dr. McCoy mit den Ssana gesammelt hat, und Ihrer eigenen Erfolge bei der Beilegung gewalttätiger Konflikte …«
»Kein Problem«, entgegnete Kirk. »Ich glaube, es hat sich noch keiner von uns mit der Entscheidung abgefunden, die Enterprise außer Dienst zu stellen, so dass es keine unzumutbare Härte darstellt, noch ein letztes Mal mit ihr aufzubrechen.«
Montoya lächelte dünn. »Gut.« Sie tippte auf eine Schaltfläche einer kleinen Konsole, die in den Tisch eingebaut war, worauf sich das Bild auf dem Monitor veränderte.
»Alpha Gederix Vier«, sagte der Commodore und zeigte auf den fruchtbaren, wolkenverhangenen Planeten auf dem Bildschirm. »Von seinen Bewohnern als Ssan bezeichnet. Eine Welt mit einer langen und altehrwürdigen Tradition legaler Attentate.«
Spock runzelte die Stirn. »Institutionalisierter Mord. Ein Mittel zur politischen Kontrolle, vermute ich.«
McCoy schüttelte den Kopf und öffnete den Mund zu einer Erwiderung. Doch Montoya kam ihm zuvor.
»Die Assassinen würden es niemals als Mord bezeichnen, Mr. Spock. Ihrer Überzeugung nach vollziehen sie eine religiöse Handlung, wenn sie töten.«
Spock hob eine Augenbraue.
»Eine religiöse Handlung?«, fragte Kirk nach.
»Stell es dir als eine Art Kult vor, Jim«, sagte McCoy. »Sie erfüllen eine bestimmte Aufgabe innerhalb der Gesellschaft. Dazu müssen sie bestimmte Rituale einhalten und sogar eine Aufnahmezeremonie über sich ergehen lassen.«
Montoya nickte. »Wer zum Assassinen wird, muss sich gravierenden körperlichen, das heißt biochemischen Veränderungen unterziehen. Nach diesen Veränderungen ist die Person kein Ssana mehr, sondern … etwas anderes.«
McCoy erschauderte, als er sich daran erinnerte. Montoya hatte recht. Assassinen waren anders als die übrigen Ssana. Sie unterschieden sich von jeder Rasse, der er jemals begegnet war.
»Das ergibt für mich keinen Sinn«, warf Scotty ein. »Wie sich etwas Derartiges entwickeln …«
»Die Institution existiert schon seit Urzeiten«, unterbrach ihn McCoy. »Sie hat sich im Zusammenhang der Tendenz der Ssana zu Mehrfachgeburten entwickelt. Zwillinge sind dort die Norm und Drillinge überhaupt nichts Ungewöhnliches. Auf diese Weise wird unkontrolliertes Bevölkerungswachstum vermieden.«
»Das Überleben der Stärksten«, sagte Kirk.
Montoya nickte. »Assassinen genossen auf Ssan ein hohes Ansehen. Bis vor etwa vierzig Jahren, als einige Leute mit revolutionären Vorstellungen begannen, das Volk zu überzeugen, mit der Tradition zu brechen. Sie führten nicht nur die Geburtenkontrolle ein – was zuvor undenkbar gewesen war, obwohl die Techniken schon seit langem verfügbar waren –, sondern schafften außerdem die Institution der Assassinen ab.« Sie hielt kurz inne. »Doch die Institution wehrte sich.«
Wieder drückte Montoya auf ihre Kontrollen, und wieder veränderte sich das Bild.
Jetzt sahen sie das Porträt eines Ssana. Wie alle seine Artgenossen besaß er lange, knollenförmige Ohrläppchen und kleine, indigofarbene Augen, die tief unter vorspringenden Brauen lagen. Diese Augen hatten den glasigen Blick, den McCoy unwillkürlich mit Tod assoziierte.
Doch auch ohne diesen Hinweis hätte der Doktor gewusst, dass der Ssana nicht mehr lebte. Denn er kannte dieses Individuum und wusste, dass zu Lebzeiten nie eine Aufnahme von ihm gemacht worden war.
»Das hier«, sagte Montoya, »ist – beziehungsweise war – Li Moboron. Als Ssans Höchster Assassine ging er in Opposition zur neuen, fortschrittlichen Regierung, die unter anderem in Betracht zog, sich der Vereinten Föderation der Planeten anzuschließen.«
»Opposition?« McCoy lachte verbittert. »Es war ein verfluchter heiliger Krieg.«
»Wie der Doktor soeben erwähnte«, gestand Montoya ein, ohne mit der Wimper zu zucken, »handelte es sich um einen heiligen Krieg – eine Welle von gewalttätigen Anschlägen. Um sich dagegen zur Wehr zu setzen, engagierte die Regierung ihrerseits eine kleine Armee von Assassinen. Nach einem langen und blutigen Konflikt, in dem die Föderation zeitweise medizinische Hilfestellung leistete, trug die Regierung den Sieg davon und setzte die Reformen durch. Die Geburtenkontrolle wurde allgemein eingeführt. Und die Institution der Assassinen wurde gesetzlich verboten.«
»Verboten?«, wiederholte Kirk. »Wie hat die Regierung das ihren eigenen Assassinen klargemacht?«
»Sie war dabei nicht sehr erfolgreich«, sagte McCoy.
Montoya warf ihm diesmal einen warnenden Blick zu, um ihn daran zu erinnern, dass sie die Einsatzbesprechung leitete und er den Mund zu halten hatte, sofern er keine relevanten Fragen hatte.
Normalerweise hätte der Doktor dies als Herausforderung aufgefasst. Doch er musste zugeben, dass die Frau recht hatte. Die Situation auf Ssan war nicht zum Scherzen, sondern sollte so sachlich wie möglich behandelt werden.
Montoya räusperte sich. »Zu Anfang gab es überraschend wenig Widerstand. Doch mit der Zeit gründeten die Assassinen – auf beiden Seiten wohlgemerkt – verschiedene Geheimbünde, die die Tradition der Assassinen in der Gesellschaft der Ssana am Leben erhielten. Natürlich gab es zwischen diesen Gruppierungen große Differenzen. Ohne den Segen der Regierung musste jede Gruppe sich ihre eigene Definition zurechtlegen, wie ein Assassine sich verhalten sollte. Einige waren selbstredend etwas militanter als andere.«
»Ihnen fehlte ein Anführer«, stellte Spock fest, »jemand, der die Einzelkulte vereinigen konnte.«
»Genau«, sagte der Commodore.
Erneut drückte sie auf ihre Kontrollen. Diesmal erschien auf dem Bildschirm eine kleine Metallscheibe, auf der ein rotes Symbol zu erkennen war.
»Das Kreuz, das Sie hier sehen, ist ein stilisierter Dolch«, erklärte Montoya. »Der Kreis repräsentiert Alpha Gederix, die Sonne. Es ist das Symbol des Höchsten Assassinen. Wir haben das hier neben dem Wrack gefunden, in dem sich die Leiche des Obergouverneurs befand.«
McCoy richtete sich auf und fluchte leise. Er hatte das Ausmaß dieser Sache noch gar nicht begriffen. Er hatte...




