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E-Book, Deutsch, 136 Seiten

Fries Pretty

Eine Beziehung, die keine wurde / Kurzroman
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-6951-7355-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Beziehung, die keine wurde / Kurzroman

E-Book, Deutsch, 136 Seiten

ISBN: 978-3-6951-7355-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Kurzroman »Pretty« schildert mit dokumentarischer Genauigkeit die Entwicklung einer Beziehung, die keine wurde. Ein Mann Anfang 50 (der Autor) begegnet einer Frau Ende 20, die, ähnlich wie der Mann selbst, am Rande der Konsumgesellschaft lebt, aber eine selbstbewusste Vorstellung von dem Leben (und Liebesleben) hat, das sie führen will. Beide haben anderweitige Partner. Die Begegnung ist von Beginn an geprägt durch Verletzungen, Kampf und gegenseitiges Misstrauen, aber auch durch ein Interesse, das sie immer wieder zueinander führt. Was geht wirklich vor? Was sind die tatsächlichen Wünsche, die der Mann an die Frau hat und umgekehrt? Um was wird gekämpft? Geht es um sexuelle Annäherung (die immer wieder misslingt)? Wird ein Generationenkonflikt ausgetragen? Ein »Geschlechterkampf«? Das Buch zeichnet sich durch filmisch-intensive Situationsbeschreibungen aus und durch die ungewohnte Offenheit, mit der der Autor seine Gedanken und Gefühle mitteilt. Seine szenischen »Protokolle« bewegen sich zwischen wütender Abrechnung, hoffnungsvoller Zuwendung, psychoanalytischer Distanznahme und Absturz in radikale Zweifel an sich selbst, an seiner Existenz als Mann und an seinem Rollenverständnis als Liebender. Der Schreibstil: zügig, direkt, mit raschen Perspektivwechseln. Geprägt durch ungezügelte Dialoge, in denen beide Charaktere sich öffnen und zugleich auch Sicherheitsabstand wahren. Eine abschließende Sicht auf diese Beziehung, die keine wurde, oder gar auf die »Liebe in postmodernen Zeiten« gibt es nicht. Die Beziehung geht, wie sie kam: aus dem Nichts, ins Nichts.

Christian Fries ist Schauspieler und Regisseur, er arbeitet freischaffend an Stadttheatern und in der Freien Szene. Er schreibt Kurzgeschichten, Romane und theoretische Texte zu den Themen »Bewusstsein« und »Kontakt«. Er ist klassisch ausgebildeter Musiker (Klavier), gibt Konzerte in ungewöhnlichen Formaten (»Bach üben!«) und komponiert Musik für Bühnenprojekte. 2010 wurde er zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eingeladen und mit seinem Text »Hutmacher, privat« in die Short List gewählt. (Der Text ist in der Piper-Dokumentation »Klagenfurt / Die Besten 2010« veröffentlicht.) Im selben Jahr erschien im Helmut Lang Verlag Münster der Band »Vater gibt seinen Weinhandel auf« mit szenischen Texten, Erzählungen und dem Kurzroman »Adoption«. 2015 erhielt er ein Arbeitsstipendium des Hessischen Literaturrats (Aufenthalt in Litauen). Er erprobt das Format »Öffentliches Schreiben«. Er dreht Kurzfilme auf Basis eigener Texte. Seit 2023 veröffentlicht er Kurzgeschichten unter: quittsein.blogspot.com Nähere Informationen: www.christianfries.info (siehe dort: Aktuelles) Kontakt: frieschristian@yahoo.de
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Autoren/Hrsg.


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Zweite Begegnung


19. August (Sonntag)
P.s Schrebergarten
Café

P. ist ›unterwegs‹. Donnerstag wieder in der Stadt, hat sie gesagt.

Eine Woche.

Der nächste Tag (nach der ersten Begegnung mit ihr) ist ein Freitag, ich bin mit Ludwig, einem Journalisten verabredet. Er hat über mein Buch Water gibt seinen Weinhandel auf‹ geschrieben, der Artikel ist seinerzeit in einer überregionalen Zeitung erschienen.

Wir sind im Café verabredet. Ich passe ihn ab.

Ich bin in größter Not, seelisch. Ich zittere vor Angst.

Die Tränen laufen mir die Wangen herunter. Ich kann unmöglich mit ihm in einem Café sitzen, in der Öffentlichkeit, und mich benehmen, als wäre nichts. Das sage ich ihm.

L. hat Verständnis. (Er kennt meine Stimmungen.)

Kommt mit zu mir, ein guter Zuhörer.

Er fragt, wann mein nächstes Buch erscheint.

Ich sage: Der Verleger lässt sich Zeit mit der Entscheidung. (Viele Wochen später sagt er ab.)

Hartmut Geerken beschäftigt mich in diesen Tagen.

Ich singe Geerkens Texte zur Gitarre.

L., der Journalist, sagt: Mit jüngeren Frauen gehe er jetzt nicht mehr auf die Reise, da habe er doch zu viel Angst, dass er seinen Renner (sic!) nicht mehr an den Start bringe. L. ist 70. Ich bin platt: Offenbar ist er bis vor kurzem noch mit jungen Frauen ins Bett gegangen.

Als er zum Klo geht, rufe ich: »Stehpisser hinsetzen.«

Er behauptet, beim Pissen im Sitzen entleere sich die Blase nicht vollständig.

Am Samstag sehe ich mich, wider besseres Wissen, am Markt nach P. um.

Statt P. sehe ich Anke.

Auch Anke ist jung, im Vergleich zu mir.

Nicht so jung wie P.

Die Stimmung schlägt um. Zum Guten.

Sonntag treffe ich Lennart in D***, meiner Heimatstadt.

Er hat einen Depressiven erwartet.

Wir finden den Ortsteil Friemersheim, wir finden den Zugang zum Ufer des Rheins.

Wir stehen vor der alten Dorfschule, in dem Gebäude wohnen jetzt Familien. Ein aufgedunsenes Gesicht schaut hinter einem Vorhang hervor auf uns herunter.

Der Mann glaubt, ich sehe ihn nicht, aber ich sehe ihn.

Eva-Maria (Gesangskollegin) hat hier gewohnt. Der Mann ist ihr Vater. Ich habe den Kontakt zu Eva-Maria verloren. Ich studiere die Namensschilder, es stimmt.

Gregornik.

Wir laufen am Rheinufer entlang. Irmas Schwangerschaft ist Thema. Lennart muss einen Kinderwagen kaufen, während Irma in Kroatien ist (bei den Großeltern). Ich erfahre (was ich anders im Kopf hatte), dass das Lebensalter des Mannes (bei der Zeugung) für die Gesundheit des Kindes keine Rolle spielt, im Gegensatz zum Alter der Frau. Das erklärt die vielen alten Väter in der Welt.

Die Information belebt mich, ich bin überrascht.

Wir erleben einen Tsunami am Rhein. Schiffe fahren vorbei, der Sog zieht das Wasser vom Ufer ab. Es kehrt zurück und überschwemmt uns. Eben noch reicht es uns bis zu den Waden, nun sind wir durchnässt bis zum Hosenbund. Wir lachen, wir freuen uns.

In der Dämmerung essen wir in einem Lokal neben dem alten Schulhaus, wir sitzen im offenen Innenhof. Herrn G. sehe ich nicht mehr.

Wir sprechen über Schauspielschulerfahrungen, Sprechtechniken usw.

Über Geburtsvorbereitung.

»Breathe, breathe!«

»I’m fuckin’ breathing!«

Dienstag.

Ich plane, in der zweiten Hälfte der Woche P. anzurufen. Nächsten Montag kommt Franzie von ihrer Wanderung zurück. Fahre ich dann wieder regelmäßig nach K***, um sie zu besuchen? Und stehe ungelenk daneben, wenn sie mit den jungen Kollegen Interna des Theaters in K*** bespricht?

Franzie ist 18 Jahre jünger als ich. Es spielt keine Rolle für unsere Beziehung. Aber sie fängt an, an Kinder zu denken.

Ich denke nicht an Kinder.

Ich fühle mich schuldig.

Donnerstag.

Keine Antwort auf meine Nachricht an P.

Sie müsste zurück sein.

Freitag: Antwort. Sagt sie ab?

Verabredung auf Sonntag, ich soll Badesachen mitbringen. Aber Samstag, am Tag davor, besucht mich B., eine Jugendfreundin, wir laufen am Kanal entlang, da, wo gebadet wird. Fleischbank, denke ich. Ich schäme mich.

Auch B. gegenüber, die sich ihrerseits schämt. Wir tauschen uns nicht aus. Ich kann unmöglich mit P. schwimmen gehen. Erst recht nicht mit Badehose. Aber auch nicht ohne.

Vergiss es! (Es entwickelt sich dann auch anders.)

In der Nacht auf Sonntag träume ich.

Ein Mann, bärtig, kräftig. Eine Frau. Milieu: Filmbusiness. Es ist klar, dass der Mann die Frau fragen wird, ob sie bei ihm schläft. Das ist eher eine organisatorische Sache.

Die Frau macht Andeutungen. Nun versteht er.

»Ach so«, sagt er, »ich soll dich fragen, ob du schon heute Nacht hierbleiben kannst.« Ja, sie ist zeitlich eingeschränkt.

Sie lachen dann.

Sonntag.

Ich habe in der Nähe der Straßenecke, die sie mir angegeben hat, geparkt, in einer Gegend von M***, in der ich noch nie gewesen bin. Ich lehne mich an die Kühlerhaube meines (alten) Mercedes 190 D und warte.

Es ist angenehm, so dazusitzen, gleichzeitig kommt es mir aber auch malerisch vor.

Nun, wenn beides erfüllt ist ...

Es dauert nicht allzu lange, da wird das lässige Lehnen an der Kühlerhaube meines Wagens physisch unangenehm. Mit leisem Bedauern gebe ich die Haltung auf, laufe ein paar Schritte, bis zur Ecke, schaue die Straße hinunter. Von wo wird sie kommen? Ich kehre in die alte Position zurück, ich lehne an dem Wagen – es geht wieder.

Ich bin offenbar unsicher.

Wieso auch nicht? Ein ›Rendezvous‹ halt.

Ich weiß nicht mehr, wie sie aussieht.

Als sie jetzt auf ihrem Fahrrad näher kommt und unmittelbar vor mir stehen bleibt, freue ich mich. Ihr Gesicht gefällt mir. Sie lächelt, aber eher wie ein Kind, das vom Rennen außer Atem ist.

»Was ist«, sagt sie.

»Ich hatte vergessen, wie du aussiehst.«

»Und jetzt?«

»Freue ich mich. Du gefällst mir.«

»Dann ist ja gut.« Das klingt trocken.

Ich nicke.

Was jetzt?

Es ist offenkundig, dass sie mir ihren Garten zeigen will. Ich zögere. Ich meinerseits will spazieren gehen (freiere Bewegung! ). So war es auch abgemacht: spazieren gehen, in dem Wäldchen, von dem sie sprach.

Gut, dein Garten, mein Wäldchen. Nacheinander.

Sie fährt mit dem Fahrrad voraus. Ich mit dem Mercedes hinterher. Das Auto interessiert sie offenkundig gar nicht.

Ich schäme mich.

Jetzt, ein Schrebergarten. Ich staune.

Die Wege, dann der Zaun.

Während ich um mich schaue, reden wir. Natürlich.

Die Fragen (was machst du, was mache ich usw.) kommen mir alle abgestanden vor. Sie antwortet gleichgültig. Ich habe das Gefühl, stets einen Schritt hinter ihr zurückzubleiben. Das ist vielleicht, denke ich, symbolisch zu verstehen. Hast du Brüder, Schwestern. Leben die Eltern noch. Deine ja, meine nicht. Klar.

Doch, meine Mutter lebt noch. Aber alt.

»Das ist der Garten.«

Sie erklärt mir, wo ich gehen darf, wo nicht.

Auch in der Hütte sind die Bereiche klar gegliedert.

Dieser Nebenraum ist tabu.

»Hier wird nicht jeder reingelassen, kannst du dir was drauf einbilden.«

»Ich bilde mir was ein.«

Nachbarn werden über den Büschen sichtbar.

Begrüßung.

»Die sind ganz lieb. Haben sich inzwischen auch daran gewöhnt, dass ich hier nackt rumlaufe. Also: oben ohne, mehr geht nicht.«

Ich stelle Informationsfragen. Was für ein Schrebergarten ist das?

Post 1898 e.V., sagt sie lustlos.

Ich stelle keine weitere Frage.

Halten wir das Schweigen aus!

»Hast gedacht, Garten – ein paar Blümchen und so?«

Es ist ein Nutzgarten.

»So etwas habe ich immer gewollt. Und als ich hier in M*** ankam, habe ich gedacht: Jetzt ist es so weit. Und es hat keine drei Stunden gedauert, da hatte ich den Garten. Genau wie den Job in dem Bioladen. Wenn ich sage: ICH BRAUCHE DAS, dann kommt das.«

»Wie hast du den Garten gefunden?«

Vom Himmel wird er nicht gefallen sein.

»Ja, irgendein Zettel bei Rewe. Aber ist noch komplizierter.« Offenbar hat sie keine Lust, weiter darüber zu sprechen. »Ich lebe von diesem Garten. Dazu die Reste, die im Bioladen übrig bleiben, wegen Verfallsdatum ...

Aber das ist alles in Ordnung, nimmt nur keiner mehr mit, wenn das Datum von gestern draufsteht – ich muss fast nichts einkaufen. Und lebe besser als alle, die irre Kohle haben und ihre Kohle in die teuren Tegut-Läden schleppen.«

»Toll!«, sage ich.

Wird auch erwartet, dass ich das sage.

Ist es auch. Aber ich bin mehr mit ihr beschäftigt.

»Wohin hiermit?« Ich zeige ihr die Tomatenreste.

»Vorne auf den Kompost, bitte. Danke, dass du fragst.

Die meisten hätten das jetzt schon wieder irgendwo zwischen die Bäume geworfen, und ich hätt’s da wieder rausklauben müssen. Solche Leute werden dann aber nicht noch mal...



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