E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Friese Gürtelrose
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7453-2627-7
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Symptome erkennen – Schmerzen lindern – Heilung unterstützen | Immunsystem stärken, vor Herpes-Zoster- und Varizella-Zoster-Viren schützen, Infektion vorbeugen
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-7453-2627-7
Verlag: riva
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dr. med. Georg Friese ist Facharzt für Innere Medizin, Infektiologe sowie Reise- und Tropenmediziner - ein absoluter Experte also, wenn es um Viruserkrankungen geht. Darüber hinaus hat er sich auf Ernährungsmedizin und Stoffwechseltherapie spezialisiert. Neben der Arbeit in seiner Gemeinschaftspraxis ist er auch immer wieder gern gesehener Gast in unterschiedlichen Medien wie dem Gesundheitsmagazin »vital« oder dem Magazin »sportärztezeitung«.
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Eigenschaften und Entstehung einer Gürtelrose
Die Gürtelrose, oder auch Herpes zoster genannt, ist eine Viruserkrankung, die, wie der Name schon ahnen lässt, durch ein Virus der »Herpesfamilie« (Herpesviridae) hervorgerufen wird.
Hierbei handelt es sich um dasselbe Virus, das die Windpocken-erkrankung hervorruft, nämlich das Varizella-Zoster-Virus (VZV). Denn nach einer erstmalig durchgemachten Infektion (Windpocken) bleibt dieses Virus zeitlebens in unserem Körper. Die besondere Eigenschaft aller Viren der sogenannten Herpesfamilie, beispielsweise auch der Lippen- oder Genitalherpes-Viren, ist: Sie können nach einer ersten Infektion nicht aus unserem Körper eliminiert, aber von einem gesunden Immunsystem gewissermaßen in Schach gehalten werden.
Nervenganglien am Rückenmark: Hier verstecken sich die Varizella-Zoster-Viren über Jahrzehnte.Das Varizella-Zoster-Virus entzieht sich auf eine sehr clevere Art und Weise unserem Immunsystem, indem es sich entlang unseres Rückenmarks in den sogenannten Nervenganglien versteckt.
Wenn nun das Immunsystem schwächelt, dann können die »schlummernden« Varizella-Zoster-Viren aus den Nervenganglien über die damit verbundenen Nerven bis zur Haut entlang wandern, was mehrere Tage dauern kann. Das erklärt, warum häufig schon viele Tage, bevor die typischen Hautveränderungen sichtbar sind, Schmerzen in der betroffenen Körperregion auftreten. Diese entstehen durch die vom Virus verursachte Entzündung entlang der Nervenbahnen. Wenn die Viren dann endlich an der Haut angekommen sind, wird die klassische Wundrose oder Gürtelrose sichtbar.
Windpocken
Die Windpocken sind wohl neben den Masern die bekannteste und eindrücklichste Kinderkrankheit, weil die charakteristischen Hautveränderungen so gut sichtbar sind. So ist häufig eine eindeutige Blickdiagnose möglich, das heißt, dass eine Ärztin oder ein Arzt »mit einem Blick« die Hautveränderungen als Windpocken erkennen kann, ohne weitere Untersuchungen durchführen zu müssen. Windpocken können allerdings auch im Erwachsenenalter auftreten und führen dann häufig zu schwereren Verläufen als bei den Kindern, beispielsweise mit begleitender Lungen- oder Hirnhautentzündung (siehe Seite 48).
Die Windpocken oder Varizellen treten allerdings sehr selten erstmalig im Erwachsenenalter auf, da die Krankheit so ansteckend ist, dass die meisten Menschen bereits im Kindesalter (meistens schon im Vorschulalter) erkranken. Die Infektiosität durch die Varizellenviren ist so hoch, weil sie erstens sehr beständig gegen die äußeren Umwelteinflüsse sind und weil zweitens die Viren, die durch eine Tröpfcheninfektion übertragen werden, zig Meter mit dem Wind von Mensch zu Mensch transportiert werden können. Daher der Name »Windpocken«. Weil sie so ansteckend sind, haben in Deutschland die allermeisten der über 40-Jährigen bereits eine Varizelleninfektion durchgemacht. Diese sogenannte Durchseuchung beträgt hier über 99 Prozent.
Seit der Jahrtausendwende werden in Deutschland die Kinder gegen die Windpocken geimpft. Es ist eine Standardimpfung im Impfkalender bei Kleinkindern. Gründe für die Einführung der Impfung waren die Verhinderung von schweren und tödlichen Verläufen und die zukünftige Verhinderung einer Gürtelrose.
Unterschied und Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen
Die Windpocken sind die durch die Varizellenviren ausgelöste akute Erkrankung, die man nur einmal im Leben bekommen kann. Anschließend ist man dagegen immun. Die Gürtelrose ist eine Spätfolge der Windpocken, die nur nach einer durchgemachten Windpockeninfektion auftreten kann. Windpocken sind eine klassische Kinderkrankheit, meistens mit unkompliziertem Verlauf. Der Herpes zoster ist typischerweise eine Erwachsenenkrankheit und entsteht durch ein »Wiederaufflammen« der in den Nervenganglien schlummernden Windpockenviren.
Ein weiterer eindrücklicher Unterschied ist das Krankheitsbild selbst. Die Windpocken führen zu einem typischen Hautausschlag am ganzen Körper: Zu sehen ist eine Mischung aus frischen Bläschen und gleichzeitig auch schon ausgetrockneten Bläschen, die eine Kruste bilden (das sogenannte Sternenhimmelphänomen). Letztere verursachen – wenn man sie wegkratzt – die charakteristischen lebenslangen Narben, die wie ausgestanzte Stellen auf der Haut aussehen. Typisch ist der starke Juckreiz und die vor allem zu Beginn typische grippale Symptomatik mit hohem Fieber, Schnupfen und Husten.
Die Windpocken, klassisches Bild. So sieht der Ausschlag der klassischen Kinderkrankheit aus, mit dem sogenannten Sternenhimmelphänomen, also Hautbläschen in den verschiedenen Stadien.Der Herpes zoster verursacht hingegen in der Regel einen lokalen Hautausschlag, der ähnlich aussieht wie bei den Windpocken, aber typischerweise auf ein Hautsegment, genannt Dermatom, beschränkt ist. An diesem Dermatom verspüren die Betroffenen ebenfalls häufig einen starken Juckreiz, gleichzeitig aber häufig ein starkes Brennen (wie Feuer) und stechende, einschießende Schmerzen entlang der betroffenen Nervenbahnen. Eine typische grippale Symptomatik, außer häufig beschriebener Abgeschlagenheit, tritt in der Regel nicht auf.
Der Herpes zoster in typischer Art und Weise. Der Ausschlag ist nicht diffus verteilt, sondern in der Regel regional begrenzt.Wer (ganz besonders) betroffen ist
Von einer Gürtelrose sind in allererster Linie ältere Menschen (ab dem 60. Lebensjahr), Menschen mit chronischen Erkrankungen und Menschen mit ganz unterschiedlichen Immunschwächen betroffen. Im Grunde genommen steht die Gürtelrose immer im Zusammenhang mit einem nachlassenden Immunsystem. Bei den Älteren liegt es an der sogenannten »Immunseneszenz«, also dem alternden Immunsystem. Diese Alterung startet bereits mit dem ?0. Lebensjahr. Chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ ?, Bluthochdruck oder eine koronare Herzkrankheit schwächen ebenfalls unser Immunsystem. Das gilt auch für starkes Übergewicht oder eine Adipositas. Stress und Schlafmangel bremsen unser Immunsystem in erheblichem Maße aus. Diese und weitere Ursachen, die die Entstehung eine Gürtelrose begünstigen, werden in den folgenden Kapiteln näher erörtert.
Erreger und Ausbruch der Erkrankung
Die sogenannten Herpesviridae sind im virologischen Sinne eine Familie oder ein Virusstamm. Es handelt sich um behüllte DNA-Viren (DNA: Desoxyribonukleinsäure, Trägersubstanz des Erbguts), die aufgrund der Gesamtheit ihrer Gene (ihres Genoms) und ihrer Form zu den größten und komplexesten Viren zählen. Das besondere Merkmal ist die Fähigkeit, nach einer Erstinfektion lebenslang im Wirt (also uns Menschen) zu verweilen – tatsächlich auch ohne eine erneute Erkrankung hervorzurufen.
Die wichtigsten und häufigsten humanpathogenen Herpesviren (neben den Varizella-Viren) und die damit assoziierten Erkrankungen lassen sich in folgende Gruppen einteilen (humanpathogen bedeutet: Erreger, der bei Menschen eine Krankheit auslöst):
—Herpes-simplex-Virus 1 (HSV1): Das wohl bekannteste Herpesvirus löst den klassischen Lippenherpes aus. Zum Ausbruch der Erkrankung kommt es typischerweise bei Stress, starkem Ekelgefühl und hoher UV-Licht-Exposition (zum Beispiel im Winter im Gebirge).
—Herpes-simplex-Virus 2 (HSV2): Auch weit verbreitet ruft dieses Virus den sogenannten Genitalherpes aus. Diese Erkrankung entsteht besonders bei Immunschwäche, starker Veränderung der Vaginalflora (beispielsweise durch Antibiotikaeinnahme), Veränderung der Vaginalschleimhaut durch Hormonveränderungen in der Menopause oder postmenopausal.
—Epstein-Barr-Virus (EBV): Die Krankheit ist besser bekannt als »Pfeiffersches Drüsenfieber«, weil sie in der Regel zu einer starken und diffusen Vergrößerung der Lymphdrüsen und weiterer lymphatischer Organe wie der Leber und Milz führt. Hierbei handelt es sich primär um einen klassischen Atemwegsinfekt mit grippaler Symptomatik. Dementsprechend wird der Erreger über eine klassische Tröpfcheninfektion übertragen, das heißt beispielsweise über den Kontakt mit Speicheltröpfchen. Die Hauptansteckungsphase im Leben ist die Pubertät und das junge Erwachsenenalter. Deshalb nennt man die Erkrankung im englischsprachigen Raum auch »Kissing Disease«.
—Cytomegalie-Virus (CMV): Die Erkrankung ähnelt der durch das Epstein-Barr-Virus, mit grippeähnlichen Symptomen, geschwollenen Lymphknoten sowie meist vergrößerter Leber und Milz. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich per Tröpfcheninfektion. Symptomatisch sind beide Viren kaum zu unterscheiden, der Nachweis gelingt nur über Antikörper oder das Virus selbst im Blut. Im Unterschied zum Epstein-Barr-Virus kann CMV bei Immunschwäche auch eine schwere Lungenentzündung auslösen.
Herpesviren – Begleitung fürs Leben
Wie schon mehrfach erwähnt, verbleiben Herpesviren nach der Erstinfektion lebenslang im Körper. Eine Akutinfektion tritt meist nur einmal auf, doch durch das Verbleiben der Viren können später erneut Krankheitsbilder entstehen. Ein Beispiel sind die Windpocken als einmalige Erstinfektion und die Gürtelrose als spätere Reaktivierung der Varizella-Zoster-Viren, die dauerhaft in den Nervenganglien verbleiben.
Das Epstein-Barr-Virus und das Cytomegalie-Virus...




