Von der Piazza del Plebiscito zum Papstpalast
Der (etwa zweistündige) Rundgang durch die Stadt beginnt auf der Piazza del Plebiscito, dem politischen Zentrum Viterbos seit dem Mittelalter. Die längere Platzseite mit dem Arkadengang wird fast ganz vom Palazzo dei Priori eingenommen, der ursprünglich aus dem 13. Jh. stammt und noch heute vom Bürgermeisteramt genutzt wird. An die Umgestaltung der Fassade im 15. Jh. unter Papst Sixtus IV. erinnert dessen Wappen. In der Mitte des Innenhofes steht ein Brunnen aus dem 17. Jh. Die prachtvollen Repräsentationsräume im ersten Stock können besichtigt werden. Sehenswert sind die Fresken aus dem 16. Jh. in der Sala Regia, die u. a. an stadtgeschichtliche Ereignisse erinnern.
? Palazzo dei Priori, Mo-Fr 10-13/15-19 Uhr, Sa/So 10-19 Uhr, im August tägl. 10-19 Uhr, Mai bis Juli, Sept., Okt. Mo-Fr 10-13/15-19 Uhr, Sa/So 10-19 Uhr, NS verkürzte Öffnungszeiten und Di geschl. Eintritt 10 €, erm. 8 €, Kombiticket Viterbo Pass (s. u.). Infos unter archeoares.it. Der Palazzo del Podestà an der rechten Platzseite (heute Sitz der Stadtverwaltung) stammt ursprünglich aus der Mitte des 13. Jh., wurde aber danach mehrfach umgebaut. Überragt wird er vom 44 m hohen, schlanken Uhrturm (Torre dell’Orologio), der in seiner jetzigen Form aus dem Jahr 1487 datiert. Gegenüber vom Turm steht die kleine romanische Kirche Sant’Angelo aus dem 12. Jh. Folgt man durch den Arkadenbogen einige Schritte der Via Ascenzi, sieht man links das elegante Kirchlein Santa Maria della Salute aus dem Jahr 1320.
Zurück zur Piazza del Plebiscito, die man nun überquert, geht es weiter auf der Via Lorenzo bis zur Piazza del Gesù (links) mit einem Brunnen aus dem 17. Jh. und dem mittelalterlichen Torre del Borgognone. Benannt ist der Turm nach einem Mann, dessen Fußlänge als offizielles Längenmaß galt, ein senkrecht an der Turmecke in den Sockel eingelassener Stein gibt das Maß wieder. Der Torre del Borgognone ist ein typisches Beispiel für die Wohntürme Viterbos. Sie dienten im Mittelalter neben dem Schutz vor Eindringlingen auch der Repräsentation. Mit der Bedeutung einer Familie wuchs die Höhe ihres Turms. Umgekehrt funktionierte die Symbolik auch: Wenn eine Familie Missfallen erregte, konnte sie auch zum Kappen ihres stolz aufragenden Turms verpflichtet werden. Einige der Turmstümpfe in der Stadt zeugen noch heute vom Niedergang der einstigen Besitzer.
Biegt man gegenüber der Piazza rechts von der Via Lorenzo in die schmale Gasse unter dem Bogendurchgang ein, erreicht man Santa Maria Nuova, die älteste Kirche der Stadt (Stiftungsjahr 1080), die wohl auf den Resten eines Tempels erbaut wurde. Der über dem Portal in die schlichte Fassade eingelassene Marmorkopf stellt vermutlich Jupiter dar. Von der kleinen Außenkanzel predigte 1266 der heilige Thomas von Aquin, worauf eine Inschrift hinweist. Sehenswert sind die Fresken aus der Zeit vom 13. bis zum 16. Jh. Von besonderer Bedeutung ist im linken Seitenschiff ein auf Leder gemaltes Triptychon (Anfang des 13. Jh.) mit dem segnenden Erlöser zwischen dem heiligen Johannes und der Gottesmutter Maria. Als ein Meisterwerk lombardischer Architektur gilt der kleine Kreuzgang.
Zurück auf der Via Lorenzo, gelangt man links zur Piazza della Morte mit einem für Viterbo typischen Bronzegussbrunnen (13. Jh.) und der Loggia della Morte, einem gekappten, ehemals prachtvollen Wohnturm. Von der Piazza aus führt rechts die Dombrücke mit etruskischem Unterbau zum Domhügel. Rechts thront der Palazzo Farnese, der mit einem herrlichen Innenhof aufwartet.
Die Piazza San Lorenzo wird von der Kathedrale beherrscht, die im 12. Jh. auf den Resten eines römischen Herkulestempels erbaut wurde. 1369 kam der Campanile mit Streifenschmuck und gotischen Fensteröffnungen hinzu, die Fassade stammt von 1570. Im Zuge der Restaurierung nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt der Innenraum mit der schlichten Apsis und dem herrlichen Cosmatenfußboden seine zwischenzeitlich überbaute offene Balkendecke zurück.
Im Inneren sieht man gleich links am Eingang wertvolle Fresken aus dem 12. Jh. Im linken der drei Schiffe befindet sich das Grabmal von Johannes XXI., einem der in Viterbo gewählten Päpste. Sein Pontifikat währte nur acht Monate, dann fiel ihm buchstäblich die Decke (seiner Bibliothek) auf den Kopf.
? Cattedrale San Lorenzo, 10-13 und 15-18 Uhr (Sommer bis 19 Uhr, August bis 20 Uhr).
Das Dommuseum (Museo Colle del Duomo) befindet sich links neben dem Campanile. Ein gläserner Steg führt über offene Steinsarkophage, manche noch mit Gebeinen. Im ersten Stock sind prachtvolle liturgische Gewänder und Ehrbezeugungen für Papst Johannes XXI. ausgestellt.
? Museo Colle del Duomo, April bis Okt. tägl. 10-19 Uhr, Nov. bis März Mo-Fr 10-13/15-18 Uhr, Sa/So .10-18 Uhr, Di geschl., Eintritt 3 €, Führungen 9 €, erm. 7 €, museocolledelduomo.com. Links am Fuß der Domtreppe befindet sich die Casa di Valentino della Pagnotta, die mit ihrer großen offenen Bogenhalle ein typisches Beispiel für ein elegantes Wohnhaus aus dem 13. Jh. darstellt und heute einen Buch- und Souvenirladen beherbergt. Die rechte Platzseite nimmt der gotische Papstpalast ein, dessen elegante Loggia mit den filigranen, sehr fein gearbeiteten Maßwerkbögen das Wahrzeichen der Stadt ist. Erbaut hat ihn der Stadtkommandant Raniero Gatti zwischen 1255 und 1266 als Viterbos Einladung an die Päpste, in unruhigen Zeiten hier eine sichere und würdige Residenz zu finden. Da die schlanken Säulchen der Loggia das Gewicht des Daches nicht tragen konnten, stürzte schon bald die Rückfront der Loggia ein. Bis heute steht nur die nachträglich gesicherte Schauseite.
Eine breite Treppe führt zum Palast hinauf, dessen Fassade mit sechs Doppelbogenfenstern und Zinnen geschmückt ist. Im großen Saal des Palastes, der die gesamte Front einnimmt, fanden mehrere Papstwahlen statt. Heute wird der Konklave-Saal für Ausstellungen und Musikveranstaltungen genutzt. Wenn gerade keine Veranstaltung ansteht, ist der Saal zu besichtigen. Die Loggia ist über die Treppe frei zugänglich.
? Palazzo dei Papi, im Sommer tägl. (außer Feiertage) 10-19, im Winter 10-13/15-18 Uhr, Sa/So 10-18 Uhr, Di geschl. Eintritt nur im Rahmen einer Führung 10 €, erm. 8 €, Kombiticket Viterbo Pass (s. u.). Infos unter archeoares.it. Früher einmal die Treppe zum Papst ...
Durch das mittelalterliche Viterbo: San Pellegrino und Pianoscarano
Kehrt man von der Piazza San Lorenzo über die Brücke und die Piazza della Morte zurück und hält sich südlich, erreicht man den nahezu unverfälscht erhaltenen mittelalterlichen Stadtteil San Pellegrino mit seiner Hauptstraße Via San Pellegrino. Die engen Gassen mit Bogendurchgängen und typischen Außentreppen zu den Eingangsbalkonen der Wohnhäuser, in denen einst Handwerker und Kaufleute wohnten, sind zweifellos eine der Hauptattraktionen Viterbos. Besonders stimmungsvoll ist der kleine Platz im Zentrum, die Piazzetta San Pellegrino. Ihn umgeben der Palazzo degli Alessandri, Residenz einer mächtigen Kaufmannsfamilie, und die romanische Kirche San Pellegrino mit ihrer 1899 erneuerten, gotisierenden Fassade.
Turm der Kathedrale an der Piazza San Lorenzo
Folgt man von der Piazzetta aus der Via San Gemini ins Tal, gelangt man über eine Brücke auf der Via Pianosacrano in das benachbarte mittelalterliche Viertel Pianoscarano mit seinen sehr viel schlichteren Häuschen mit Blicken auf das benachbarte San Pellegrino und die Wohntürme der Stadt. Von der Brücke aus steigt die Via di Pianoscarano bis zur Piazza Fontana del Piano mit einem schönen Bronzegussbrunnen an.
Auf der Via Sant’Andrea gelangt man zur Kirche Sant’Andrea (aus dem 12. Jh.), dem ältesten Bauwerk von Pianoscarano. Sie ist vollständig restauriert und von allen barocken Zutaten befreit. Zum Eingang führt ein dreibogiger Säulengang. Das Innere mit Kreuzgewölbe ist in vier Schiffe unterteilt und zeigt Reste von Fresken (13. Jh.).
Am Ende der Via Sant’Andrea erreicht man das Stadttor Porta San Pietro mit dem ältesten Abschnitt der Stadtmauer. Dort hält man sich innerhalb der Mauer links die Via San Pietro hinauf über die Via delle Fabbriche bis zur zentralen Piazza Fontana Grande. An ihrem namensgebenden, recht bizarren mittelalterlichen Brunnen haben zwischen 1206 und 1279 mehrere Künstler gearbeitet. Das Wasser wird heute wie in der Antike über einen römischen Aquädukt in die Stadt geleitet.
Ein Abstecher führt über die Via Giuseppe Garibaldi zur...