Frobenius | Afrikanische Mythen und Magie | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 417 Seiten

Frobenius Afrikanische Mythen und Magie


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1504-8
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 417 Seiten

ISBN: 978-3-8496-1504-8
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Ethnologe Frobenius hat in diesem Werk die bedeutendsten Mythen und Überlieferungen der Völker des schwarzen Kontinents gesammelt. Inhalt: Sonnengötter Orun, der Gott der Sonne Ra, die Herrin der Sonne Die erste Sonnenfinsternis Sonne und Mond Spinne und die Gestirne Streit zwischen Sonne und Mond Die Fesselung der Gestirne Das Reich Gana Die Wiederentdeckung Wagadus Der Kampf mit dem Bida-Drachen Samba Gana Der Held Gossi Duldibulukassu Bessema spielt den Herrn Die Mabolegende Das Reich Mali Biton, der König von Segu Zaubermittel Jäger und Waldgeist Der große Jäger Kelle-serri Die Zauberin Subachamussu Die drei Töchter Der starke Bursche Hamadi verdient sich eine Kuh Kallondji erweckt Tote Der reiche und der arme Hamadi Der Alkali entscheidet Wie die Rinder zu den Menschen kamen Ntji, der Sohn des Königs Die Koba Die beiden Maka Songhai und Yatenga Auadia und seine Nachkommen Dunu Mussa und Maliki-Napon Pa-Sini-Jobu Bana Baïnde Somba narrt die großen Tiere Njakas Tochter und Somba Die Yoruba Wie die Erde entstand Nachtflucht des Flötenbläsers Der Uofa Der Teufelsjunge Orisas Geschenke Der Jäger und die Tierfrau Die Frau des Hahnes Himmelsleiter Die Nupe Geschichten von Edegi Edsu Njikako und sein Adoptivsohn Der Saura Wer lügt am besten Die fünf Sklaven Der unnütze Junge Die Löwenfrau Haussa Die Bori Serkin Rafin, der Gott der Flüsse Serkin Rafin bei den Menschen Illadja, Gott der Schlächter Die beiden Diebe Dilla Der Mann, den alle Frauen liebten Sieben Klöße für den Mann Bassari, Tim und Tiwi Das Horn mit Blut Njiteko Des Häuptlings Söhne Der entlaufene Junge Spinne und Häuptlingstochter Ziegenbock und Schafbock Die ungeliebte Frau Jäger und Schlange Spinne und Salzstoff Wie der Hase sein Dorf baut Djowalegende Der Schmied und das Elefantenweib Bruderzwist ... u.v.m.

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Hamadi verdient sich eine Kuh

Ein alter Mann nahm eine Kuh mit, ging auf die Wanderschaft und sagte: "Ich möchte doch wissen, wer schlauer ist als ich; dem will ich diese Kuh schenken." Er kam bald an ein Dorf und sagte: "Gebt mir Wasser für meine Pfeife (zum Rauchen) und Feuer zum Trinken." Die Leute verstanden ihn nicht und sagten: "Das sind eigenartige Worte. Wo kommst du her?" Der alte Mann sagte: "Ich bin gestern mit einer Sonne (statt Kriegsschar) zusammengekommen um die Zeit, als der Kriegszug (statt Sonne) auf der Mittaghöhe stand." Darauf sagten die Leute: "Geh weiter, es wird niemand mit deiner Art zu tun haben wollen. Wir verstehen dich nicht."

Der Alte ging weiter. Er kam in manches Dorf und sagte überall: "Djennigo, dinnigo henni de!" (Bammanaworte, heißt: Knaben, Mädchen, guten Tag!). Einmal kam er an einen Banianenbaum vor dem Dorf, da spielten die Jungen Mpere (mit Eisenpflöcken). Unter den Jungen war Hamadi Uoloni, der so schlau war wie ein Rebhuhn. Zu dem kam der Alte und sagte: "Geh, hole mir Wasser zum Rauchen." Der Bursche sagte: "Gern; du aber trag mir den Mpere-Spielplatz aus der Sonne in den Schatten."

Der Junge ging. Es währte lange, bis er wiederkehrte. Als er mit dem Wasser kam, sagte der Alte: "Du hast lange gebraucht." Der Bursche sagte: "Ja, das Wasser meiner Mutter, der Topf meiner Mutter hatten die Regel. Da mußte ich warten, bis das vorüber war." Der Alte sagte: "Hole mir Feuer zum Trinken." Der Junge ging. Er blieb lange fort. Als er wiederkam, schalt der Alte. Der Junge sagte: "Was willst du, ich mußte das alte Feuer vom neuen trennen." Der Alte fragte: "Ist deine Mutter daheim?" Der Bursche sagte: "Nein, meine Mutter ist nicht da, sie vertritt Gott." Der Alte fragte: "Wo ist deine ältere Schwester?" Der Junge sagte: "Meine ältere Schwester schlägt sich gerade mit zwei Männern." Der Alte sagte: "Wo ist dein älterer Bruder?" Der Junge sagte: "Mein älterer Bruder verrichtet einmal eine ordentliche Arbeit. – Aber mein guter Alter, du fragst und forderst viel und doch hast du meinen Mpere-Spielplatz nicht aus der Sonne in den Schatten gerückt." Da gab der Alte dem Jungen die junge Kuh, die noch nie geworfen hatte, und sagte: "Nimm sie; du bist klüger als ich. Ich habe von dem, was du sagtest, nur Worte verstanden, sonst nichts. Nun erkläre mir die Worte."

Der Junge sagte: "Allerdings bist du nicht so klug wie ich, deshalb nehme ich die Kuh gern an. Du brauchtest z. B. nicht den ganzen Mpere-Platz aus der Sonne in den Schatten zu tragen, sondern es hätte genügt, ein neues Loch im Schatten für unser Mpere-Spiel zu graben. – Ich sagte, das Wasser und der Topf meiner Mutter hätten die Regel; d. h. die Sklaven hatten gerade Wasser geschöpft und das Wasser war noch undurchsichtig. Ich mußte warten, bis der Schmutz sich setzte. Ich sagte, ich hätte das alte Feuer vom neuen trennen müssen; d. h. als ich dahin kam, war das Feuer fast ausgegangen. Ich mußte es anblasen. Da flog die glühende Asche, das alte Feuer, davon und das neue hineingelegte Holz entzündete sich. – Ich sagte, meine Mutter verträte Gott. Meine Mutter ist die älteste Frau im Dorf. Man hatte sie zu einer Entbindung gerufen. Gelingt die Entbindung, so sagt man: Gott hat für einen guten Ausgang der Sache gesorgt. Mißlingt die Geburt, so sagt man, Gott habe es nicht anders gewollt. Wenn meine Mutter nun dafür sorgt, daß ein schwieriger Fall doch noch gut abläuft, so vertritt sie Gott. – Ich sagte, meine Schwester schlägt sich mit zwei Männern. Das kommt so: zwei große Chefs wollen meine Schwester zur Frau haben. Nun kämpfen sie miteinander. – Mein älterer Bruder verrichtet ein Werk, das gut ist; d. h. er sucht die beiden Männer miteinander zu versöhnen, und das ist ein gutes Werk. Du siehst, mein armer Alter, ich habe nicht gerade Dummheiten gesagt."

Der Alte sagte: "Nein, du hast die Kuh in Wirklichkeit verdient."

Hamadi Uoloni nahm die junge Kuh, die noch nie geboren hatte, und brachte sie zu seinem Onkel, der hatte nur einen einzigen Stier, aber keine Kuh. Er sagte zum Onkel: "Bewahre mir meine Kuh auf!" Der Onkel sagte: "Sehr gern." Der Junge sagte nichts zu seinen Eltern; er sprach an zehn Jahren nicht davon. Dann sagte er eines Tages zu seinem Vater: "Wir wollen eine Hürde bauen." Der Vater sagte: "Wozu das? Wir haben doch keine Herde. Wir haben weder Kuh noch Stier!" Der Junge sagte: "Bauen wir nur die Hürde. Nachher gehen wir dann zu meinem Onkel."

Inzwischen hatten sich die Kühe stark vermehrt. Es war eine Herde daraus geworden. Hamadi Uoloni ging mit seinem Vater zu seinem Onkel und sagte: "Mein Onkel, nun gib mir die Herde, die aus meiner Kuh geworden ist." Der Onkel sagte: "Aber Junge, die Herde ist doch nicht von deiner Kuh, sondern von meinem Stier geboren worden. Sie gehört also mir!" Hamadi sagte: "Gut, wie du meinst. Dein Urteil soll das selbst entscheiden. Jetzt brauchen wir nicht weiter darüber zu reden."

Der Junge machte sich mit seinem Vater auf den Heimweg. Sie kamen an einen Sumpf. Der Vater sagte: "Ich will dich hinübertragen." Er nahm den Jungen auf die Schulter und trug ihn über das Wasser hin.

Plötzlich sagte der Junge: "Laß mich absteigen, mein Vater, mein Fuß tritt auf einen Fisch." Der Vater setzte ihn ab und sagte: "Du dummer Junge! Erst machst du die Dummheit mit der Hürde und jetzt behauptest du, auf einen Fisch zu treten, wo ich im Wasser gehe und dich über das Wasser hintrage!" Der Bursche sagte: "Komm mir nach, wir wollen schnell das Urteil des Onkels einholen!"

Der Bursche ging voraus, der Vater folgte in einiger Entfernung. Der Bursche sagte: "Onkel, gib mir schnell eine Kalebasse mit Wasser!" Der Onkel fragte: "Wozu brauchst du das?" Der Bursche sagte: "Mein Vater hat unterwegs eine Tochter zur Welt gebracht." Der Onkel sagte: "Das ist ja Unsinn. Meine Schwester hat vielleicht noch ein Kind geboren. Aber dein Vater – das ist Unsinn. Männer können nicht Kinder gebären." Hamadi Uoloni fragte darauf den Onkel: "Also können Männer keine Kinder bekommen?" Der Onkel sagte: "Nein, nur Frauen bekommen Kinder." Der Junge sagte: "Gut, jetzt hast du selbst geurteilt. Wenn mein Vater nicht Kinder gebären kann, so kann das dein Stier auch nicht. Dann ist die Herde von meiner Kuh geboren. Also gib mir meine Herde." Darauf mußte der Onkel die Herde geben.

Hamadi trieb mit seinem Vater die Herde heim. Der Junge sagte: "Wir wollen die Herde teilen; eine Hälfte soll dir gehören, die andere mir. Zeichne deine Tiere." Der Vater sagte: "Es ist recht." Er nahm grüne Zweige und wand sie um die Hörner seiner Viehstücke. Darauf nahm der Bursche welke Zweige und wand sie um die Hörner seines Rindviehs. Als sie abends heimkamen, waren die Zweige an den Hörnern des väterlichen Viehes vertrocknet. Alle Tiere trugen vertrocknetes Laub. Der Junge fragte: "Wo ist dein Vieh?" Der Vater sagte: "Ich kann es selbst nicht herausfinden. Jetzt gehört wieder alles dir." Der Bursche sagte: "Siehst du, du mußt nicht wieder zu mir sagen, daß ich ein dummer Junge bin, denn ich bin Uoloni (d. h. klug wie ein Rebhuhn)." Der Vater sagte: "Das ist wahr." Darauf gab der Junge wieder seinem Vater die Hälfte der Herde.

Kallondji erweckt Tote

Kallondji (= Ndji der Lügner) und Tonjandji (= Ndji der Wahrhaftige, der immer die Wahrheit sagt) gingen zusammen auf Reisen. Tonjandji sagte: "Wer von uns beiden ist Silatigi?" (= Reiseleiter). Kallondji sagte: "Ich will Silatigi sein!" Tonjandji sagte: "Nein, ich will Silatigi sein." Kallondji sagte: "Nein, ich will Silatigi sein!" Tonjandji sagte: "Du kannst drei Tage vor mir abmarschieren, und ich werde dich in einer Stunde einholen. Deshalb ist es besser, wenn ich Silatigi bin." Da sagte Kallondji: "So sei du Silatigi; wir wollen es versuchen."

Die beiden wanderten ab. Sie kamen am Abend des ersten Tages an ein Dorf, dessen Häuptling begrüßte sie und fragte: "Wo kommt ihr her?" Tonjandji sagte: "Wir kommen aus Tonjadugu" (aus dem Lande der Wahrhaftigen). Darauf sagte der Dorfchef nichts, aber die zwei Wanderer erhielten nichts zu essen. Sie kamen am anderen Tag in ein Dorf. Es war die gleiche Sache. Sie bekamen wieder nichts zu essen. So ging es während drei Tagen, und als sie dann gar zu großen Hunger hatten, sagte Kallondji: "So geht es nicht weiter." Tonjandji sagte: "Nein, so geht es nicht weiter, jetzt kannst du einmal Silatigi sein." Kallondji sagte: "Gut!"

Sie kamen wieder in ein Dorf. In diesem Dorf war gerade der Sohn des Häuptlings gestorben. Es war ein wunderschöner Bursche, und keiner kam ihm im ganzen Lande gleich. Als die beiden in das Dorf kamen, klagten alle Weiber, heulten alle Alten. Kallondji kümmerte sich nicht darum, sondern sagte (brüsk): "Guten Tag, ich will trinken, gebt mir Wasser!" Tonjandji sagte: "Gib acht, daß du die Leute nicht reizt; sieh, alle klagen!" Kallondji sagte: "Ach was! Was gibt es denn?" Die Leute sagten: "Der Sohn unseres Häuptlings ist gestorben, und das war der schönste Bursche im ganzen Land!" Kallondji sagte: "Was? Das ist alles? Könnt ihr ihn denn nicht wiedererwecken?" Die Leute sagten: "Nein, kannst du es denn?" Kallondji sagte: "Nichts einfacher als das. Wenn ihr es wollt, kann ich das ja morgen früh tun. Zunächst gebt mir aber einmal Wasser zum Trinken, denn ich habe Durst." Die Leute sagten: "Wer so etwas kann, darf nicht Wasser trinken, dem soll man Milch bringen." Man brachte eine große Schale mit Milch. Alle Leute bemühten sich um Kallondji und Tonjandji. Der...



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