E-Book, Deutsch, 393 Seiten
Frobenius Das schwarze Dekameron
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1503-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 393 Seiten
ISBN: 978-3-8496-1503-1
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
In diesem Buch hat der bekannte Völkerkundler die besten Liebes- und Erotiküberlieferungen der afrikanischen Völker gesammelt. Inhalt: Amazonenlegende I Amazonenlegende II Ein Mann dessen Geschäft die Liebe ist Heilung einer Mannstollen Die Rache des Ehemannes Die Rache des Mamadi Hami-du-hama-nkulde Siga Sanke Sidi Baba Hassum Labo Das Glück des Toren Der Listige Samba Kullung der Narr Dame und Spielmann Buge Korroba Der Held Gossi Sira Maga Njoro Goroba-Dike Die kluge Hatumata Djaora Das Girdamädchen Die Freunde Ahun sticht den König aus Ahun heiratet die Spröde Jäger und Schlangenfrau I Jäger und Schlangenfrau II Surro Sanke Mussas Dankbarkeit Heimsuchung eines jungen Mädchens Der Faulpelz Weiberlist Der Geizhals Sagate Singo Spinne gewinnt Uros Tochter Spinne und die liebestolle Alte Hurenrache Kallondji und sein Sohn Der bekehrte Räuberhauptmann Räuber unter sich Dabarinkaba Des Häuptlings Söhne Der Bursche den alle Mädchen liebhaben Das Muttersöhnchen Bestrafte Eifersucht Die Schwester mit dem Penis Der Blutschänder Die bestraften Buhlen Zu weit getriebene Eifersucht Der schäbige Liebhaber Die gewarnte Buhlerin Die Lehrmeisterin Der König Edegi belohnt die Klugheit Ainichthem
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Hami-du-hama-nkulde
Sahel
Im Dorfe Djibo, das im Lande Djelle-Goji gelegen ist, lebte ein Fulbemädchen, das war so schön, daß alle jungen Burschen ihres Landes in sie verliebt waren. Jeden Morgen kamen 120 tapfere junge Fulbe zu ihr, blieben bei ihr und unterhielten sich mit ihr bis zum Abend. Sie waren alle hochadlig und aus der Familie des Königs Ardo. Sie kamen am Morgen auf ihren weißen Pferden angeritten und abends ritten sie wieder von dannen. Jeder dieser jungen Männer war in das schöne Mädchen Djullu-Deeru verliebt. Jeder bat sie: "Werde meine Frau!" Jedem antwortete sie: "Weit draußen liegt das Wasser Pete-erre. Tränke dein Pferd im Wasser Pete-erre und ich will dich heiraten." Jeder von den 120 bat sie um die Ehe. Jedem sagte sie: "Pete-erre." Jeder ging dann still und betrübt von dannen. Denn Pete-erre war ein Wasser, an dem hielten jeden Morgen 720 Tuareg Wache. Und diese 720 Burschen verleideten jedem der 120 jungen Fulbe, die jeden Morgen auf ihren weißen Pferden zu Djullu-Deeru kamen, die Möglichkeit, die schöne Frau zu heiraten.
Im Lande Djelle-Goji lebte ein Fulbe: Hami-du-hama-nkulde. Dessen Spielmann (Mabo) sagte: "Du bist kein rechter Fulbe. Wenn du ein rechter Fulbe wärst, würdest du Djullu- Deeru anschauen. Da würdest du Djullu-Deeru heiraten wollen, wie das alle Ardosprossen wünschen, und du würdest den Ardosprossen zeigen, daß Djullu-Deerus Bedingungen nicht so schwer zu erfüllen sind." Hami-du-hama-nkulde wohnte in Barrabulle. Er sagte zu seinem Mabo: "Rüste dein Pferd, wir wollen morgen aus Barrabulle abreiten. Wir wollen nach Djibo weiter."
Djullu-Deeru lebte in Djibo. Djibo hatte sieben Mauern. In der Mitte war ein Wasser. Hami-du-hama-nkulde ritt nach Djibo. Als er hereinkam, standen die anderen 120 jungen Fulbe auf und verließen den Ort. Hami-du-hama-nkulde ließ sich nieder. Er sah Djullu-Deeru. Er sagte zu Djullu-Deeru: "Werde meine Frau." Djullu-Deeru sagte: "Ich will deine Frau werden, sobald du dein Pferd im Wasser Pete-erre getränkt hast." Hami-du-hama-nkulde sagte: "Das ist sehr einfach. Ich werde es tun. Du sollst aber mitkommen und es mitansehen." Djullu-Deeru sagte: "Es ist gut."
Djullu-Deeru rüstete sich. Sie nahm einen Mabo, einen Diawando, einen Dimadio mit. Jeder ritt auf einem Ochsen. Hami -du-hama-nkulde rüstete sich. Er nahm seinen Mabo, einen Diawando, einen Dimadio und fünfzig Reiter mit. Sie machten sich auf die Reise. Sie reisten zwei Tage weit. Am Morgen des dritten Tages sahen sie in der Frühe die Bäume am See Pete-erre. An jedem Baum standen einige Tuareg. Einige hatten lange Bärte und alle hatten den Unterteil des Gesichts bedeckt. Als die Tuareg die fremden Reiter ankommen sahen, rüsteten sie sich allsogleich zum Kampfe. Als aber Djullu- Deeru das sah, bekam sie Angst, und sie sagte: "Laß es jetzt genug sein. Ich bin damit schon zufrieden. Es ist nicht nötig, daß du dein Pferd im Wasser selbst tränkst. Es hat schon die Morgennebel aufgesogen, die aus dem Wasser steigen. Laß uns umkehren. Ich will dich zum Manne nehmen." Hami-du-hama -nkulde aber sagte: "Das wäre ja sehr merkwürdig. Mein Pferd und ich sind vom Morgennebel nicht gesättigt. Entweder ich tränke mein Pferd da unten in dem See, oder ich sterbe."
Dann rüstete er sich. Als der erste Tuareg heransprengte, stach er ihm vom Pferd. Er gab das Pferd Djullu-Deeru und sagte: "Halte es." Der große Kampf begann. Hami-du-hama-nkulde focht. Er kämpfte bis gegen Abend. Dann waren die Tuareg in die Flucht geschlagen. Er hatte sieben Pferde gewonnen. Er ging hinab und ließ sein Pferd aus dem Wasser des Sees trinken. Danach sagte Djullu-Deeru: "Du bist ein wahrhaftiger Pulo. Dich werde ich heiraten. Wir wollen heimkehren." Hami -du-hama-nkulde sagte: "Das ist noch nicht möglich. Die Tuareg haben die Eigenart, dreimal hintereinander anzugreifen. Ich werde sie also noch zweimal hier bekämpfen müssen. Wenn ich jetzt heimritte, würden die Leute sagen, daß ich nur einen Plünderungszug unternommen hätte. Das will ich nicht. Wir wollen ein Lager aufschlagen und übernachten."
Sie blieben über Nacht am See. Am anderen Morgen kamen die Tuareg, um den See zurückzugewinnen. Hami-du-hama-nkulde mußte vom Morgen bis zum Mittag kämpfen, abends tränkte er sein Pferd im See. Sie übernachteten am Wasser Pete-erre. Am anderen Morgen kamen die Tuareg wieder in großer Menge, um den See zurückzugewinnen. Hami-du-hama -nkulde mußte vom Morgen bis zum Nachmittag kämpfen. Dann waren die Tuareg geschlagen. Abends tränkte Hami-du -hama-nkulde sein Pferd im See Pete-erre. Er hatte nun im ganzen 25 weiße Tuaregpferde gewonnen.
Djullu-Deeru sagte: "Du hast dich als Held und Pulo erwiesen Nun wollen wir heimkehren." Hami-du-hama-nkulde sagte: "Wie ich die Tuareg kenne, sind sie nicht ruhig, als bis ich ihnen ihr Vieh weggenommen habe. Wir wollen also noch eine Nacht hierbleiben. Dann will ich hinreiten und ihr Vieh forttreiben." Am anderen Morgen machte er sich auf den Weg. Djullu-Deeru blieb unter guter Bewachung zurück. Am Abend kehrte er zu Djullu-Deeru am Pete-erre zurück. Er hatte 30000 Stück Rindvieh erworben. Er sagte: "Nun können wir heimkehren."
Hami-du-hama-nkulde und Djullu-Deeru kamen nach Djibo im Lande Djelle-Goji zurück. Djullu-Deeru sagte zu ihrem Vater "Der Hami-du-hama-nkulde ist ein wahrer Pulo, ein wahrer Held!" Sie sagte es zu aller Welt. Ihr Vater sandte zu Hami-du-hama-nkulde und ließ ihm sagen: "Ich bin bereit, dir meine Tochter zur Frau zu geben." Hami-du-hama-nkulde sandte die 25 weißen Pferde und die 30 000 Rindvieh an den Vater Djullu-Deeru und ließ antworten: "Nein, heiraten will ich Djullu-Deeru gar nicht. Im übrigen schenke ich euch das da."
Siga Sanke
Sahel
Siga Sanke wohnte in dem Dorfe Söina in Kaarta. Er lebte zur Zeit des Königs Njagaleng Gara, eines stolzen Massassi, der damals über Kaarta herrschte. Zuerst war er mit dem König sehr befreundet. Er reiste im Lande umher, besuchte die einzelnen Dugutigis und kam dann gewöhnlich mit der Nachricht zurück: "Der und der ist gar kein treuer Untertan, gib mir Soldaten, ich will ihn in deinem Namen züchtigen." Anfangs dachte der König nichts Schlimmes dabei und freute sich über den treuen Sinn Siga Sankes, aber dann fand er, daß jener ein schlimmer und gefährlicher Schmeichler sei, und darauf zog er seine Gnade von ihm.
Siga Sanke zog sich darauf eiligst in sein Dorf Söina zurück und begann ein ruhmrediges und prahlerisches Wesen anzunehmen. Seine Stadt war sehr fest. Vor einem der Tore hatte er unter vier Bäumen eine Galla (eine Plattform) errichten lassen, auf der standen am Abend zwölf Männer mit Trommeln und schlugen den Takt, während unten das Volk tanzte. Siga Sanke hatte Freundschaft geschlossen mit einem Schmied Numuka Boji, mit dem trank er, während draußen die Trommeln den Takt rührten, Honigbier, und dazu sangen ihm zwei Frauen. Die eine war Siga Sankes Frau, die sang: "Siga Sanke de firina mogo je" (Siga Sanke schlägt sich mit vielen). Darauf antwortete die zweite, das war seine Schwester: "Siga Sanke mogo Bammana ndo nde" (kein Bammana gleicht Siga Sanke). Sie sangen mit Gitarrebegleitung.
Siga Sanke trank viel. Er nahm einmal eine Kalebasse, die frisch gefüllt war. Er setzte sie an und trank sie aus. Er beugte sich so weit zurück, daß seine Mütze herunterfiel. Er sagte zu Numuke Boji: "Wenn du nichts Schlechtes tust, wirst du nie bekannt werden." – So lebte er in ständiger Betrunkenheit. Einmal hörte er, daß der Sohn des Königs Njagaleng Gara im Lande umherreiste. Da rief er seine Leute und sagte ihnen: "Geht dahin, wo der Königssohn ist und schlagt ihn tot!" Die Leute gingen hin und taten es.
Söina war ein großes Dorf mit sieben Toren. Es war ein Ort, der sehr schwer einzunehmen war. Siga Sanke kam sehr selten heraus, nämlich nur zweimal im Jahr; einmal, wenn die Äcker neu bestellt wurden zu Anfang der Regenzeit, um die Bestellung zu besichtigen. Und einmal, wenn die Ernte reif, um die Frucht zu besichtigen. Als er nun den Königssohn hatte erschlagen lassen, ließ er eines Tages zwölf Dialli kommen und ließ sie auch auf der Galla Platz nehmen, damit sie die Trommler ablösten. Dann stellte er eines Tages, nachdem der Königssohn ermordet war, und die zwölf Dialli neben den Trommlern spielten, vier große, mit Gold gefüllte Tabaksbüchsen auf den Boden in der Mitte des Platzes.
Siga Sanke trank.
Er drehte sich um und sagte: "Wer ist da?" Ein Sklave antwortete: "Ich bin da." Siga Sanke sagte: "Komm!" Der Sklave kam heran. Siga Sanke nahm eine der Tabaksbüchsen voll Gold und sagte: "Nimm dies Gold, bringe es zum König von Segu und sage dem König Daga, daß mich der König Njagaleng Gara von Kaarta in einem Monat angreifen will und daß er sich schon zum Kriege vorbereitet. Sage ihm, daß, wenn er in einem Monat kommt und mir im Krieg beisteht, daß ich ihm dann in Zukunft Tribut zahlen will." Der Bote ging mit dem Gold von dannen.
Siga Sanke trank. Er drehte sich um und sagte: "Wer ist da?" Der Sklave sagte: "Ich bin da." Siga Sanke sagte: "Komm!" Der Sklave kam heran. Siga Sanke nahm eine mit Gold gefüllte Tabaksbüchse, gab sie dem Boten und sagte: "Nimm das und bringe das zum König Njagaleng Gara. Sage ihm, ich hätte ihm zwar schweres Unheil zugefügt. Aber es täte mir sehr leid. Er solle mir vergeben. Sagt ihm ferner: In einem Monat wolle der König...




