E-Book, Deutsch, 436 Seiten
Fröhlich Bänker sind beim Schnöselplaneten - Echt!
3. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7407-5691-8
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Susannah
E-Book, Deutsch, 436 Seiten
ISBN: 978-3-7407-5691-8
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Hi, ich heiße Susannah, bin 29 ¾ und IMMER NOCH Single. Ich habe eine Pferdemähne wie ein Haflingerschweif, einen Hintern so groß wie ein Mini-Ufo-Landeplatz und als schnöde Wollverkäuferin bin ich das schwarze Schaf der Familie. Obwohl ich mir im Zeitalter von Google meinen Traummann BASTELN könnte, probiere ich es stets auf die herkömmliche Art; doch leider versagt mein männliches Checkerprogramm STÄNDIG und so jagt ein Beziehungsdesaster das nächste. Also habe ich mich kurzerhand von meinem Sandkistenfreund Nick überreden lassen, meinen Traummann im UNIVERSUM zu bestellen und bin ins Land der Wolle abgedüst: nach AUSTRALIEN, der Heimat von Rumpelstilzchen. Ich frage mich allerdings, WOMIT der Mitarbeiter im Universum beschäftigt ist, denn auch in Australien lässt mein Traummann auf sich warten. Ich finde, jemand sollte ganz dringend eine App erfinden, die einem den Bestellstatus im Universum mitteilt, dann wüsste ich zumindest, wie viel Wolle ich noch verkaufen muss, bis meine Bestellung endlich eintrifft! Und bis dahin spinne ich weiter Schokolade ...
Sobald Lilly Fröhlich das Schreiben und Lesen gelernt hatte, gab es kein Halten mehr. Nahezu jedes Buch wurde verschlungen und bereits in der dritten Klasse schrieb sie ihr erstes Kinderbuch. Jahrzehntelang schrieb sie für die Schublade, bis sie sich mit ihrem ersten Kinderbuch an die Öffentlichkeit wagte. Viele, viele literarische Schätze schlummern noch in ihrem Schreibtisch. Die nächsten Bücher dürfen also mit Spannung erwartet werden. Mehr erfahrt ihr auf www.lilly-froehlich.de
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ENDLICH ist Samstagabend. Aber es ist nicht irgendein Samstagabend. Auf meinem Kalender steht eine fette zweiundzwanzig. Ich habe doch glatt den Weltuntergang verpasst. (Oder habe ich ihn überlebt? Ich. Und der Rest der Menschheit.) Jeder hat in der letzten Woche auf den einundzwanzigsten Dezember 2012 hingefiebert oder ängstlich aufs Datum geschielt und sich ausgemalt, was alles Schreckliches passieren würde. (Kommen die Außerirdischen und erobern unseren Planeten, indem sie ihre Ufos auf jedem unserer Kontinente landen, um uns zu überwältigen? Oder leben einige Aliens bereits unter uns, lassen die Hosen runter, reißen ihre Verkleidungen von ihren hässlichen Körpern und nehmen uns mit mindestens fünf laserfähigen Augen gefangen? Vielleicht wachsen auch überall grünschleimige Tentakel aus dem Boden und ziehen uns in den Erdkern, und nur die Guten, die Schlauen und die Schönen überleben am Mittelpunkt der Erde zur Nachzucht der Menschheit.) Hallo, ich bin Susannah, 29 3/4 und was meinen Hintern und meinen Haarschweif anbelangt, könnte man mich glatt mit einem Pferd verwechseln. Zumindest behaupteten das einige bösen Zungen zu meiner Schulzeit und wenn ich mich im Spiegel so betrachte, befürchte ich, dass sie Recht hatten. Und ja, ich habe nicht nur zu viel Phantasie, ich habe vor allem zu viel Star Trek- und Raumschiff Enterprise-Filme geguckt. Zusammen mit Nick, meinem besten Freund, oder auch Captain Kirk und meine Wenigkeit als Lieutenant Uhura. (Ich WEISS, dass ich mit meiner kalkfarbigen Haut nicht annähernd so farbig war, wie die ECHTE Uhura, aber ich hielt sie damals für die coolste Frau an Bord der Enterprise. Und wer will im Alter von 10 Jahren nicht cool sein? Etwas Theaterschminke im Gepäck und schon konnte die Entdeckungstour durchs Universum als Helden des Erdballs losgehen.) Natürlich bin ich auch Realist! Und so fragte ich mich die letzten Wochen, was die Menschheit macht, wenn die Erde tatsächlich auf andere Weise vernichtet werden würde? (Zum Beispiel durch den Ausbruch eines Supervulkans. Oder das erloschene Tamu-Massiv am Pazifikboden östlich von Japan erwacht zum Leben. Der größte aktive Vulkan, der Mauna Loa auf Hawaii, könnte die amerikanischen Kontinente vernichten und die gewaltigen Wassermassen ertränken den Rest der Welt. Oder der Hot-Spot des Vulkankomplexes Yellowstone im Nationalpark von Wyoming, USA, der seit siebzehn Millionen Jahren aktiv ist, öffnet seine acht Kilometer tief liegende Magmakammer und speit seinen Kladderadatsch auf alles, was sich bewegt.) Sowohl die Neugierigen, die Emmerichs Film 2012 im Kino gesehen, als auch diejenigen, die sich eher auf den Maya-Kalender verlassen haben, konnten eine gewisse Furcht mit Blick auf den gestrigen Tag nicht leugnen. (Ich auch nicht.) Neulich habe ich in der U-Bahn ein paar besonders schlaue Akademiker belauscht. (Die haben so laut gesprochen, dass man zuhören MUSSTE. Echt!) Die meinten, dass es gar keinen Weltuntergangstag geben soll, sondern im Kalender der mesoamerikanischen Ureinwohner nur ein neuer Zyklus beginnt. (Können die Leute nicht fremdwörterfrei reden, wenn sie sich schon in öffentlichen Verkehrsmitteln unterhalten müssen? Wer sagt schon MESOamerikanisch? [›Mittelamerikanisch‹ hätte es doch auch getan, oder?] Ich konnte dem Gespräch kaum noch folgen, weil ich das Wort nicht vergessen wollte, bevor ich es gegoogelt hatte!) Die Anzugträger meinten, es soll gar nicht so einfach sein, die vielen Zyklen im Maya-Kalender richtig auszurechnen, denn dazu müsste man den MayaCODEX kennen. (Ich habe gar nicht gewusst, dass die Mayas einen Codex hatten! [Aber Zyklen kenne ich zur Genüge. Manchmal sind die zuverlässig, vor allem, wenn man einen RICHTIG coolen Typen an der Angel hat und manchmal könnte man sie auch an die Wand klatschen, weil sie einen glauben lassen, man sei schwanger, obwohl der Typ, mit dem man wirklich nur eine Nacht {eine winzige, miniklitzekleine Nacht} verbracht hat, echt kein ehetauglicher Kandidat ist.]) Zur Zeit quäle ich mich mal wieder durch den Zyklus des Singledaseins. Ich habe eine verdammt lange Arbeitswoche hinter mir und obwohl sie nicht länger war als die anderen davor, ist sie mir unendlich vorgekommen. (Ich weiß, das ist bisher wissenschaftlich nicht belegt worden, aber wenn man Single ist, läuft die Zeit LANGSAMER. Echt! Die ganzen Theorien, die Einstein über die Zeit aufgestellt hat, gelten für Singles NICHT. Als Single muss man seine Zeit nämlich TOTSCHLAGEN, als Frischverliebte krampfhaft festhalten. Sehr, SEHR ungerecht und darüber hat Einstein hundert pro keine Theorie aufgestellt! [Ob der jemals verliebt war?]) Erschöpft betrete ich meine kleine, bescheidene (einsame) Wohnung im tiefsten Langenhorn, etwa zwanzig Bahnminuten von Hamburgs Innenstadt entfernt und werfe alle Sachen von mir. Bewaffnet mit einer großen Tasse heißen Tees gehe ich wenige Minuten später ins Wohnzimmer an mein geheimes Süßigkeitenversteck und gönne mir eine extra große Tafel Schokolade mit Knisterfüllung. (Dieses entsetzlich leckere Knisterzeugs gab es schon zu meinen Kindertagen, nur mit dem Unterschied, dass man nach dem Knistern [wozu man den Mund möglichst weit aufriss] noch auf einen Kaugummi stieß. Und natürlich sprang auf der Verpackung ein leuchtend grüner, grinsender Alien herum! Ich war also nicht die einzige, die damals schon an Außerirdische glaubte.) Zusammen mit meiner Schokolade falle ich aufs Sofa. Ein Blick auf die Fernsehzeitung genügt und ich weiß, es gibt nichts Aufregendes im Fernsehen. Dennoch schalte ich die Kiste ein und lege mein Nagelset zurecht. Obwohl auf dem Sender Nachrichten kommen, schalte ich nicht um. (Nachrichten gucke ich schon seit Jahrhunderten nicht mehr. Echt! [Außer Wetternachrichten, damit ich weiß, was ich am nächsten Tag anziehen kann. {Und ja, ich WEISS, dass es KEINE WetterNACHRICHTEN gibt, aber ich finde, das Wort hätte längst erfunden werden müssen.}] In den Nachrichtensendungen bringen sie auch heute mal wieder Täglich grüßt das Murmeltier. [Irgendwelche Volksvertreter, die sich mit saudummen Äußerungen profilieren müssen, um nicht übersehen zu werden. {Welches Volk vertreten die eigentlich?} Bundestagsabgeordnete, die sich irgendwelche Vorteile verschafft haben. Mord und Totschlag irgendwelcher Durchgeknallten. Preisverleihungen. Ach, und Kriege hormonbelasteter Männer in beneidenswert sonnigen Gebieten nicht zu vergessen.]) Ich quetsche mir also gelangweilt das dicke Moosgummi zwischen die Zehen, damit der Nagellack nicht ungewollt auf Wanderschaft geht. (Das Sofa ist zwar ein Geschenk meines Nachbarn, aber auch Präsente soll man in Ehren halten und es ist weiß und äußerst schmutzempfindlich.) Eine hübsche Nachrichtensprecherin um die Vierzig spricht lächelnd in die Kamera. »…Die Massenpanik vor dem Einundzwanzigsten Dezember 2012 ist Vergangenheit, der Weltuntergang ist ausgeblieben. Einige behaupten, es läge ein Rechenfehler vor, andere wiederum haben das magische Zeitalter eingeläutet.« Ich erinnere mich, dass so ein paar Esoterikfreaks im Reformhaus um die Ecke davon gesprochen haben, dass nun IHR Zeitalter anbrechen würde. Wie man sich das genau vorstellen soll, haben sie nicht gesagt. (Dazu hätte ich länger stehenbleiben und lauschen müssen, aber ich hatte Angst, dass sie mich zu ihrer nächsten Séance einladen und ich dann auf die geistigen Überreste meiner biestigen Ur-Oma stoßen würde.) Zugegeben, mit Magie habe ich nie viel am Hut gehabt. Dabei ist es nicht so, dass ich mich nicht dafür interessiere. Magie ist toll, geheimnisvoll und äußerst praktisch. (Wenn man sie beherrscht.) Außer Nick kenne ich allerdings niemanden, der sich mit Magie auskennt. (Und Harry Potter natürlich.) Natürlich reizt mich die Mystik, die sich dahinter verbirgt. (Und wie gerne hätte ich schon den einen oder anderen mit dem Zauberstab verhext oder wäre ganz galant mit Flohpulver per Kamin in den Urlaub gerauscht. Doch leider bin ich weder auf einer Schule für Zauberei gewesen, noch habe ich magisches Blut in meinen Adern. [Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich mir nicht einmal sicher, WAS überhaupt durch meine Adern fließt. Blaues Blut ist es auf jeden Fall nicht! Ich schätze, mein Blut ist eher zuckrig klebrig und schokoladenbraun, darum muss ich auch immer zur Schokolade greifen. Um meine BRAUNEN Blutkörperchen bei Laune zu halten.]) Seufzend greife ich zur Schokolade und reiße meinen Mund möglichst weit auf, auch wenn nur meine Staubmäuse Zuhörer dieses einmaligen Knisterkonzerts...




