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E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Fröhlich Entmobbt

Mia und die Pflegefamilie
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7407-5845-5
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mia und die Pflegefamilie

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-7407-5845-5
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mobbingopfer können sich nicht alleine aus der Mobbingfalle befreien und Mobber hören mit dem Schikanieren von sich aus auch nicht mehr auf. Das müssen Mia Maibaum und ihre Freunde schnell feststellen, als Michael über einen längeren Zeitraum immer heftiger von Lennard, Boris und Hannes geärgert und verletzt wird. Sie wenden sich an ihren Klassenlehrer Herrn Knabe, der nicht lange fackelt und Anti-Mobbing-Experten in die Schule holt, um das Mobbing zu stoppen. Nach einem Selbstmord an der Schule organisiert der Schülerrat das Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Zeitgleich erfährt Mia nicht nur, dass ihre Tante eine "Bereitschafts"-Pflegemutter ist, sondern ihr langjähriger Kumpel Lucas ein Pflegekind. Warum lebt er in einer Pflegefamilie und was bedeutet das überhaupt? Es stürmt wieder viel auf Mia ein, aber kann sie das Mobbingproblem gemeinsam mit ihren Freunden in den Griff bekommen? Dies ist die überarbeitete, neue Auflage 2020 vom fünften Band der beliebten Mia-Buchreihe - Aufklärung mit Herz! "Schwere Themen leicht gemacht. Lilly Fröhlich scheut sich nicht davor, in ihren Mia-Büchern vermeintliche Tabu-Themen anzusprechen." (Morgenpost)

Als Herzbuch-Autorin steht Lilly Fröhlich für kind- und jugendgerechte Aufklärung mit Herz. Mit der Aufklärungsreihe "Mia - Aufklärung mit Herz" hat sie brisante Sachthemen mit harten Fakten über Trennung, Homosexualität, Trauerbearbeitung, Flüchtlinge, Mobbing, Sexualität und Sexualaufklärung, Transgender und Drogen geschrieben. Lilly Fröhlich schreibt aber auch Märchen und Komödien, die jedes Herz zum Lächeln bringen. Willst du mehr wissen, dann besuche die offizielle Website von Lilly Fröhlich unter www.lilly-froehlich.de
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Karatekämpferin


»Und sieh nur, wie fett er geworden ist«, stößt Lennard Bayer gehässig hervor.

»Seine Klamotten kauft er bestimmt im Supermarkt«, fügt Boris Brotmayer hinzu.

»Gleich fängt er an zu heulen«, lacht Hannes Steinmeier.

Mia Maibaum erblickt ihren langjährigen Klassenkameraden Michael Müller in der Mitte der drei fiesesten Jungs der Klasse 6b: Lennard, Boris und Hannes.

Fast schon konnte man meinen, die drei hätten sich gegen alles und jeden verschworen. Es verging kaum ein Tag, an dem nicht irgendjemand von ihnen attackiert wurde.

Natürlich so, dass die Lehrer nichts mitkriegten.

»Was passiert da vorne?« wendet sich Emma Rosenstein an ihre Freundin.

Mia zuckt mit den Schultern. »Keine Ahnung. Aber es sieht nicht nach Spaß aus.«

»Wetten, dass Michael mal wieder ihr Opfer ist?«, zischt Emma erbost. Wütend stemmt sie die Hände in die Hüften. »Die drei Jungs sind mittlerweile eine echte Gefahr für unseren Seelenfrieden.«

»Wie meinst du das?«, mischt sich Amelie Sanders ein.

Atemlos kommt der Zwilling neben ihnen zum Stehen.

»Bin ich schon zu spät?« Sie blickt eilig auf ihre Armbanduhr und atmet erleichtert aus. »Nein. Noch zehn Minuten. Glück gehabt.«

»Nun«, antwortet Emma, »jede Nase, die den Dreien nicht gefällt, wird so lange gebrochen, bis man sie nicht mehr reparieren kann.«

»Verstehe ich immer noch nicht«, sagt Amelie und wirft ihre langen dunkelroten Locken über die Schultern. »Wieso brechen sie die Nasen von anderen Schülern?«

Mia schneidet eine Grimasse. »Das hat Emma nicht wörtlich gemeint. Bisher sind die drei Chaoten zumindest nicht beim Prügeln erwischt worden. Aber wir sehen sie immer öfters beim Ärgern von Mitschülern.«

»›‹ nennt man das übrigens«, mischt sich Nils Sanders ein. Amelies Zwillingsbruder grinst und zieht Emma am Pippi-Langstrumpf-Zopf, den sie auch jetzt in der sechsten Klasse noch nicht abgelegt hat. »Guten Morgen, Pippi.«

»Guten Morgen, Rotbart«, kontert Emma schnippisch.

»Und wir wissen sehr wohl, dass das ›‹ heißt.«

»Was? Was hast du gesagt?«, fragt Mia zerstreut.

»Ich glaube, Mia schläft noch«, sagt Amelie schmunzelnd.

Mia dreht ihr verwirrt den Kopf zu. »Schlafen? Ich?

Nein.« Sie winkt ab. »Ich habe versucht, zu hören, was die Mobbing-Bande zu Michael sagt.«

Michaels Gesicht ist mittlerweile hochrot. Verstohlen wischt er sich eine Träne aus den Augenwinkeln.

Boris schubst Michael von sich.

Michael stößt gegen Hannes. Der schreit angewidert auf und schubst Michael zu Lennard.

»Bist du bescheuert?«, ruft dieser. »Das Fettschwein ist bestimmt vergiftet. Jetzt kriege ich Pestbeulen. Oder schwarze Pocken.«

»Ich glaube, Michael kann sich nicht mehr alleine wehren«, bemerkt Amelie.

»Das reicht!« Entschlossen stapft Mia auf die Jungs zu.

Michael landet derweil auf dem Boden.

»Lasst ihn in Ruhe!«, ruft Mia.

Überrascht blickt Lennard auf. »Oh, Mia, sag bloß, du hast ein Herz für hässliche Fettsäcke?«

»Vielleicht steht sie auf Speckbrüste?«, sagt Hannes hämisch lachend.

Wütend funkelt Mia ihn an. »Spinnst du? Lasst ihn endlich in Ruhe! Er hat euch doch gar nichts getan.«

»Verschwinde! Das ist nix für Mädchen. Das ist Jungssache«, blubbert Lennard sie an. Er will sie gerade wegschubsen, als Emma angesprungen kommt und Lennard am Handgelenk packt. Mit einer gekonnten Bewegung verdreht sie ihm den Arm. Den Bruchteil einer Sekunde später liegt Lennard auf dem Boden.

»Was…?« Weiter kommt Lennard nicht, denn Emma stellt ihm selbstbewusst einen Fuß auf die Brust. Verärgert beugt sie sich vor. »Lass deine Finger von Mia! Krümmst du meiner Freundin auch nur ein Haar, mach ich dich fertig. Und ich habe den schwarz-gelben Gürtel.«

»Du hast einen schwarz-gelben Gürtel? Für Pappnasen, oder was?«, witzelt Hannes, doch Emma springt so blitzschnell auf ihn zu, dass er schreiend Reißaus nimmt.

»Du kannst Karate?«, fragt Nils erstaunt.

Emma nickt. »In zwei Monaten lege ich die Prüfung für den schwarz-blauen Gürtel ab. Mein Sensai sagt, ich bin eine seiner besten Schülerinnen.«

»Was ist ein ›‹?«, fragt Nils.

» Ein Karate-Lehrer«, antwortet Emma.

»Seit wann machst du Karate?«, will Mia wissen.

Emma lächelt. »Ich trainiere seit sechs Jahren zweimal die Woche.«

»Warum hast du das noch nie erzählt?«, fragt Mia, die noch immer überrascht ist.

Emma zuckt mit den Schultern. Dabei wippen ihre zwei rotbraunen Pippi-Langstrumpf-Zöpfe keck auf und ab.

»Ich wollte nicht prahlen.«

»Aber das war eben richtig cool«, lobt Nils sie.

Emma errötet. »Halb so wild. Ich kann noch ganz andere Griffe.«

»Zeigst du sie uns?«, fragt Nils und zwinkert Emma hoffnungsvoll an.

Bevor Emma antworten kann, zischt Lennard: »Bloß nicht! Eine Irre reicht jawohl in der Klasse.«

»Du hast Glück, dass man beim Karate auch lernt, sich zu beherrschen. Sonst würde ich dir gleich noch eine verpassen«, kontert Emma wütend. »Und jetzt verschwindet und lasst Michael in Ruhe!«

Michael rappelt sich vom Fußboden hoch. Viel zu akribisch klopft er sich die Hose ab, dabei ist sie gar nicht so dreckig geworden. »Du musst mir nicht helfen«, stammelt er leise.

Emma rümpft die Nase. »Ist das deine Art, ›‹ zu sagen?«

Michael schnauft.

»Siehst du, Emma, es lohnt sich nicht, die Schwabbelbacke zu verteidigen«, pfeffert Lennard in den Raum. Mit einem galanten Sprung steht er wieder auf zwei Beinen.

»Halt den Mund, Lennard«, sagt Thomas, der soeben den Klassenraum betreten hat.

»Du hast mir gar nichts zu sagen, kleiner Tommy!« Zornig starrt Lennard zu seinem ehemaligen besten Freund.

»Du bist eine blöde Zirkusschwuchtel geworden. Hüpfst neuerdings im ›‹ durch die Gegend, was? Ich pinsele dir gleich mal dein Popöchen.«

Thomas hebt drohend die Faust. »Halt bloß die Klappe!«

»Was ist ein ›‹?«, fragt Nils leise.

Emma wirft ihm einen schiefen Blick zu. »Ein Ballettröckchen. Weißt du das nicht?«

Nils zuckt mit den Schultern. »Ich interessiere mich mehr für Fußball als für Ballett.« Er mustert Emma. »Aber Karate könnte mir in Zukunft auch gut gefallen.«

Emma lächelt zurück. »Vielleicht verrate ich dir, wann und wo ich den nächsten Wettkampf habe.«

»Was für ein Wettkampf? Sport? Ich bin dabei«, ruft Herr Knabe voller Elan. Schwungvoll landet seine alte, abgewetzte Ledertasche auf dem Pult. »Guten Morgen! Setzt euch! Ihr seid doch nun schon in der sechsten Klasse. Da kann man sich ruhig schon auf seinen Platz begeben, wenn der heilige Lehrer den Raum betritt.«

»Seit wann sind Sie heilig, Herr Knabe?«, feixt Emma.

»Das verrate ich dir erst, wenn du mir verrätst, um welche Sportart es eben ging«, kontert Herr Knabe.

Emma macht einen Ausfallschritt und boxt mit ihren Händen gekonnt durch die Luft. Dann springt sie über einen Tisch und landet geschickt neben ihrem Stuhl.

»Wow!«, sagt Nils voller Bewunderung.

»Angeberin«, frotzelt Lennard. Doch Emma wirft ihm einen bitterbösen Blick zu und bringt ihn damit zum Schweigen.

»Emma! Du kannst Karate? Wahnsinn!«, ruft Herr Knabe begeistert. »Dann kannst du doch bestimmt ein gutes Wort bei deinem Sensai für uns einwerfen und ihn mal zu uns in den Sportunterricht einladen, oder?«

»Ich frage nach, Herr Knabe«, antwortet Emma, bevor sie sich auf ihren Stuhl setzt.

Auch die übrigen Schüler setzen sich auf ihre Plätze, damit der Unterricht beginnen kann.

***

»Tante Anna!« Mia Maibaum fliegt ihrer Tante um den Hals. Sie ist die Schwester ihres Papas und lebt mit ihrem Mann in Berlin. Sie kommen nur selten zu Besuch, weil sie immer so viel zu tun haben.

»Mia, meine Süße!« Tante Anna stellt einen Kinderautositz mit einem Baby auf den Boden und umarmt ihre Nichte. »Bist du groß geworden!«

Als Mia das Baby bemerkt, stutzt sie. »Seit wann hast du ein Baby?«

Bevor Tante Anna antworten kann, kommt Onkel Toni mit einem kleinen Mädchen, welches ihm am Hosenbein hängt. »Elsa, lass doch bitte mein Bein los!« Mias Onkel bückt sich und hebt das kleine...



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