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E-Book, Deutsch, 204 Seiten

Fröhlich Neuanfang

Mia und die Flüchtlingsfamilie
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7407-5847-9
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mia und die Flüchtlingsfamilie

E-Book, Deutsch, 204 Seiten

ISBN: 978-3-7407-5847-9
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Bürger von Bärenklau sind nervös und haben Angst. Menschen aus fremden Ländern, in denen Krieg herrscht, sollen in ihrem kleinen Ort untergebracht werden. Dabei ist das Dorf doch viel zu klein, niemand spricht Arabisch und die Fremden verstehen kein Wort Deutsch. Als das Flüchtlingskind Samira in Mia Maibaums Klasse kommt, spaltet sich die Klassengemeinschaft genauso wie das Dorf in zwei Lager: diejenigen, die die Fremden ablehnen und diejenigen, die sich über den Neuzuwachs freuen. Mias Klassenlehrer, Herr Knabe, ist bemüht, Vorurteile abzubauen und auch andere helfen. Integration müssen jedoch beide Parteien wollen. Finden die Menschen zusammen oder sind die Kulturen einfach zu unterschiedlich? Dies ist die überarbeitete neue Auflage 2020 vom dritten Band der beliebten Mia-Buchreihe - Aufklärung mit Herz! "Ein tolles Buch für alle, nicht nur für Kinder. Es wird nichts schön geredet. Man sollte es gelesen haben." (Märchenschneiderin®)

Als Herzbuch-Autorin steht Lilly Fröhlich für kind- und jugendgerechte Aufklärung mit Herz. Mit der Aufklärungsreihe "Mia - Aufklärung mit Herz" hat sie brisante Sachthemen mit harten Fakten über Trennung, Homosexualität, Trauerbearbeitung, Flüchtlinge, Mobbing, Sexualität und Sexualaufklärung, Transgender und Drogen geschrieben. Lilly Fröhlich schreibt aber auch Märchen und Komödien, die jedes Herz zum Lächeln bringen. Willst du mehr wissen, dann besuche die offizielle Website von Lilly Fröhlich unter www.lilly-froehlich.de
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Die Einwohnerversammlung


Vollkommen erschöpft plumpst Tom Maibaum auf den Küchenstuhl. »Hallo!«

»Hallo Papa«, antwortet Mia und mustert ihren Vater argwöhnisch.

»Wie war es auf der Einwohnerversammlung?«, fragt Sophie, Mias nun nicht mehr ganz so neue ›‹. Sie und Mias Papa haben im letzten Jahr geheiratet. Zuvor haben sie eine gemeinsame Tochter bekommen. Stella ist Mias Halbschwester, wobei Mia den Begriff gar nicht mag. Denn wie eine ›‹ Schwester fühlt sich das nicht an.

Die Maibaums sind eine richtige Patchworkfamilie.

Mias leibliche Mama ist vor mehr als drei Jahren nach Afrika ausgewandert. Das war anfänglich ein sehr blödes Gefühl für Mia, aber die Zeit heilt alle Wunden, sagt Oma immer. Und Mia findet, das stimmt.

»Habt ihr noch etwas Abendbrot übrig für einen armen, alten Mann?«, stöhnt Mias Papa.

Mia rümpft die Nase. »Aber Papa! Du bist doch nicht alt.«

»Und nicht arm«, fügt Sophie lachend hinzu und reicht ihrem Mann einen Teller mit Salat und Putensteak.

»Danke, du bist ein Engel«, sagt Tom und fällt mit dem Gesicht fast in die Salatsoße.

»Ist alles ok mit dir?«, fragt Sophie nun doch etwas besorgt.

Tom Maibaum grunzt. Dann hebt er ein Augenlid und blinzelt durch die Küche.

Stella gluckst vergnügt und äfft ihren Papa nach. Sie kippt mit dem Kopf nach vorne in ihren Babybrei, schließt die Augen und patscht mit ihren Händen unbeholfen auf ihrem Teller herum. Ein paar Nudeln und die restlichen Gurkenscheiben hüpfen auf den Tisch und landen schließlich auf dem Fußboden. Stella ist begeistert. Mit einer schnellen Handbewegung fegt sie den ganzen Teller leer und stülpt ihn sich auf den Kopf. Dabei läuft die restliche Tomatensoße herunter und verklebt ihr die Haare.

Während Sophie leise stöhnt, weil sie die Nudeln vom Fußboden kratzen muss, lacht Papa auf. Er umrundet den Tisch und kitzelt Stella durch.

Quiekend zeigt sie ihre acht winzigen Schneidezähne, dann reißt sie die Arme hoch und lässt sich aus dem Hochstuhl befreien.

Eilig wischt Sophie ihr notdürftig ein paar Nudeln aus dem Haar.

»Mia, gehst du mit deiner Schwester ein wenig spielen?«, fragt Papa.

Mia nickt widerwillig. Sie weiß genau, dass Papa Sophie jetzt erzählen wird, was er heute erlebt hat. Darum will sie eigentlich gar nicht spielen gehen, denn sie ist furchtbar neugierig.

Um nicht alles von dem Gespräch zu verpassen, lockt sie ihre Schwester in den Flur und setzt sie auf das Schaukelpferd.

»Du hättest das miterleben sollen, Sophie«, hört sie ihren Papa aufgebracht sagen. »Die Leute in Bärenklau sind total verrückt geworden.«

»Was ist denn passiert?«, will Sophie wissen und klappert viel zu laut mit dem Geschirr.

»Setz dich und lass bitte das Geschirr stehen! Ich räume das gleich weg«, hört Mia ihren Papa schimpfen.

Es entsteht eine kurze Pause.

Mia linst um die Ecke und sieht ihren Papa kauen. Als er seinen Bissen Salat hinuntergeschluckt hat, antwortet er:

»Die Flüchtlinge, die aus Syrien nach Deutschland gekommen sind, werden nun überall im Land verteilt. Ein paar Familien sollen auch hier in Bärenklau untergebracht werden.«

Sophie schnauft. »In unserer kleinen Ortschaft? Das ist erstaunlich.«

»Ja. Die Bewohner bei der Sitzung waren auch ziemlich überrumpelt. Sie haben sich furchtbar aufgeregt«, antwortet Mias Papa.

»Warum?«, fragt Sophie.

Mias Papa lacht höhnisch auf. »Ich verstehe das auch nicht. Die Menschen brauchen Hilfe. In ihrem Land herrscht Krieg. Viele haben Angehörige verloren und wollen nun ihre eigene Haut retten.«

Mia schaut durch den Türspalt, während Stella immer wilder auf dem Schaukelpferd schaukelt.

»Verständlicherweise«, sagt Sophie stirnrunzelnd. »Wir würden dasselbe versuchen.«

Mias Papa legt die Gabel beiseite und schaut seiner Frau tief in die Augen. »Fünfzehn von zwanzig Männern haben heute einen riesigen Aufstand gemacht, weil sie sich gegen die Aufnahme der Flüchtlinge wehren.«

»Irgendwo müssen die Menschen doch hin«, sagt Sophie fast ein wenig traurig. »Die meisten von ihnen haben doch schon genug durchgemacht. Immerhin herrscht seit gut fünf Jahren Bürgerkrieg in Syrien.«

»Das habe ich auch gesagt und Klaus Meier hat mir fast sein Bier über den Kopf geschüttet«, sagt Tom Maibaum kopfschüttelnd.

»Dieser alte Griesgram. Der spricht zu viel mit seinen Milchkühen«, regt sich Sophie auf. »Wann sollen die Familien denn hier ankommen?«

»Bereits nächste Woche, wenn die Schule wieder anfängt«, entgegnet Mias Papa.

»Und wo sollen sie wohnen?«

Mia hält den Atem an.

Wird sie vielleicht ihr Zimmer mit den fremden Menschen teilen müssen? Die sprechen doch gar kein Deutsch!

Fast ein wenig ängstlich linst sie durch den Türspalt.

Ihr Papa steckt sich ein Stück Fleisch in den Mund. So muss Mia noch ein paar Sekunden warten, bis er mit der Antwort herausplatzt. »Im Nachbarhaus. Die Stadt hat es vor ein paar Monaten gekauft und für vier Familien herrichten lassen.«

»Dann wusste der Bürgermeister also schon, dass wir syrische Familien hier aufnehmen werden und hat nichts gesagt?«, fragt Sophie und erhebt sich, um ihrem Mann etwas Limonade zu holen.

Mias Papa nickt. »Offenbar.«

»Ich gehe gleich morgen zum Rathaus und frage, was wir helfen können«, schlägt Sophie vor.

Mias Papa ergreift ihre Hand. »Das ist der Grund, weshalb ich dich liebe! Du bist ein Mensch, der nicht lange redet, sondern die Dinge anpackt.«

Bevor er seiner Frau einen Kuss geben kann, dreht sich Mia um. Gerade noch rechtzeitig, um Stella davon abzuhalten, vom Schaukelpferd zu plumpsen.

***

»Salem aleikum«, ertönt eine Stimme hinter dem Gartenzaun.

Erschrocken blickt Mia auf und schaut sich um. Fridolin, ihr sechs Jahre alter Humboldpinguin, springt mit einem lauten Platschen ins Wasser. Seine beiden Pinguinkinder, Max und Sammy, hüpfen hinterher. Es ist Wochenende und am Wochenende sind die drei Zootiere bei Mia und ihrer Familie. Ganze drei Jahre ist es schon her, dass sich Fridolin bei einem Zoobesuch in Mia verliebt hat. Da er sogar aus dem Zoo ausgebückst ist, um Mia zu suchen, hat sich der Zoodirektor Herr Adler mit Mias Papa geeinigt, dass die Tiere an den Wochenenden bei den Maibaums sind.

Mia steht langsam auf und nähert sich dem Zaun.

Dort steht ein schwarzhaariges Mädchen.

»Hallo«, sagt Mia. »Ich heiße Mia und wer bist du?«

Das Mädchen hebt die Schultern und schweigt.

Dann kommt ein älteres Mädchen angelaufen. Zumindest glaubt Mia, dass es ein Mädchen ist. Sie trägt nämlich ein Kopftuch und ganz weite Kleidung. Sie redet schnell auf das kleine, schwarzhaarige Mädchen ein. Aber was sie sagt, kann Mia nicht verstehen. Es ist eine fremde Sprache. Eine Sprache, die sich anhört, als wenn jemand Halskratzen hat.

In der Terrassentür des Nachbarhauses taucht nun noch eine Frau auf. Auch sie trägt ein Kopftuch. Aber an der großen Brust erkennt Mia, dass es sich um eine Frau handeln muss. Mit wilden Gesten winkt sie ihre Kinder zu sich.

Das kleine Mädchen ist fast so groß wie Mia. Traurig hebt sie eine Hand und läuft mit dem großen Mädchen zurück ins Haus.

Verwirrt bleibt Mia noch ein Weilchen am Gartenzaun stehen. Dann dreht sie sich um und geht zurück zu ihren Pinguinen.

Bereits nach wenigen Minuten taucht Lucy auf.

Lucy ist Mias beste Freundin und Klassenkameradin. Am übernächsten Montag kommen beide in die vierte Klasse.

»Hallo Mia!« Vergnügt winkt Lucy ihr zu und lässt sich neben dem Schwimmbecken im Gras nieder.

»Hallo Lucy! Schön, dass du vorbeikommst.«

»Hast du schon gehört…?«, druckst Lucy hinter vorgehaltener Hand herum.

»Was denn?« Verschwörerisch beugt sich Mia zu ihr hinüber.

Lucy dreht sich nach allen Seiten um und sagt schließlich:

»In Bärenklau sind jetzt Moslems.«

Mit großen Augen schaut Mia ihre Freundin an. Sie hat überhaupt keine Ahnung, was ›‹ sind. Aber so, wie Lucy es betont, muss das etwas ganz Schreckliches sein.

»Oh Gott!«, sagt Mia deshalb nur und Lucy nickt. »Mein Papa sagt, das ist furchtbar.«

»Warum? Ist das ansteckend?«, fragt Mia ängstlich.

Lucy zuckt mit den Schultern. »Das weiß ich nicht. Aber mein Papa sagt, dass wir bald Krieg haben werden.«

Vor Schreck bleibt Mia fast das Herz stehen. Sie weiß von Opa, dass Krieg schrecklich ist. Ein heftiger Streit, bei dem sich die Erwachsenen mit Waffen...



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