E-Book, Deutsch, Band 3338, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Fröhlich Perry Rhodan 3338: Der Usurpator
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8453-6338-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Phoenix"
E-Book, Deutsch, Band 3338, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6338-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Gut 4000 Jahre in der Zukunft: Auf der Erde und auf Tausenden von Welten leben die Menschen in Frieden und Freiheit. Zu den anderen Sternenreichen der Milchstraße besteht ein freundschaftlicher Austausch. Mit dem Projekt von San will Perry Rhodan die Verbindungen zu anderen Galaxien verstärken. Mit dem PHOENIX steht ein neuartiges Raumschiff zur Verfügung, das als Kurierschiff dienen soll. Doch da taucht eine Fremde namens Shrell auf. Sie fordert von Rhodan, in die Agolei zu reisen. In diesem weit entfernten Sternenband soll er Reginald Bull töten, seinen ältesten Freund. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, erschafft sie das Brennende Nichts - diese Anomalie wird die Erde und den Mond vernichten, falls Rhodan ihr nicht gehorcht. Perry Rhodan fliegt mit dem PHOENIX in die Agolei. Dort findet er Verbündete und neue Freunde, aber auch wankelmütige Helfer und solche mit weitgehend unbekannten Motiven. Er bekommt eine sogenannte Schattenhand, mit deren Hilfe er die Barriere durchdringt, die ihn von Bull trennt. Rhodan erkennt: Sein alter Freund ist für seine Gegner DER USURPATOR ...
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Vorspiel
Drei Stunden.
Drei lange, unergiebige Stunden, in denen Perry Rhodan und Anzu Gotjian bereits durch die Station im Zentrum von System 5-5-5 des Sternwürfels zogen und nach Reginald Bull suchten. Doch das Einzige, was sie fanden, waren Chaos und Zerstörung. Eingestürzte Decken, in sich verdrillte Antigravschächte, klaffende Risse in Böden.
An vielen Stellen wiesen die eigentlich milchig weißen Wände Kampfspuren auf: rußige Wulste aus dem geschmolzenen und wieder erstarrten Kunststoff der Verkleidung, scharfkantige Löcher in Metall, Dellen.
Ein allgegenwärtiger kalter, brandiger Geruch legte Zeugnis von Scharmützeln ab, von deren Teilnehmern allerdings bislang jede Spur fehlte.
Die Station trug schwere Wunden, die ihr jedoch nicht nur die unbekannten Kontrahenten zugefügt haben konnten. Denn was immer an diesem Ort vor sich gegangen war, hielt noch an. In Wellen zitterten Wände und bebten Böden. Überall knarrte und ächzte es, als würde sich der Stützpunkt unter Schmerzen winden. Das Licht flackerte, in manchen Korridoren war es ganz erloschen. Leitungen baumelten aus Decken, die meisten energetisch tot, doch aus vereinzelten regneten knisternde Funken und verwandelten den Boden darunter in eine Kraterlandschaft.
Nein, die Station trug nicht nur Wunden, sie lag im Sterben. Und weder Rhodan noch Anzu wusste, woran das lag.
Gerade hatten sie die Mannschaftsquartiere im zwanzigsten von 78 Decks durchsucht, doch nur das inzwischen altvertraute Bild vorgefunden. Kabinen mit verwüsteter Einrichtung, teils zerstörte Schlafgelegenheiten für unterschiedlichste Völker, Chaos. Kein Anzeichen von Leben, insbesondere nicht das von Reginald Bull.
Welchen Anteil trug Bull selbst an den Schäden? War er einer der Kontrahenten gewesen? Wie Rhodan von Anzu wusste, trug sein ältester Freund eine Schattenhand – und zwischen die vermutlich von Strahlenwaffen stammenden Spuren der Zerstörung mischten sich immer wieder welche, die eindeutig von Dunkelfunken stammten. Gegen wen also hatte Bully gekämpft? Und wie waren diese Jemande in die Station gekommen? Vor allem aber: Wo steckte er?
»Unsere Suche erscheint mir ein wenig planlos«, gab Rhodan zu, während sie einen Korridor entlanggingen und in jeden Multimedienraum, jede Freizeitanlage, jedes Labor spähten, an denen sie vorbeikamen.
»Was erwartest du von mir? Ich habe beinahe zweihundert Jahre in einem Chaoporter verbracht.«
»Einem neutralisierten Chaoporter«, erinnerte Rhodan.
»Von mir aus. Das ändert nichts an FENERIKS Serendipitätsprinzip. Umherkreuzen, ohne zu suchen, und dennoch – oder gerade deshalb – Erstaunliches finden. Das färbt ab, weißt du?«
Abfärben. Rhodan dachte daran, was Anzu über ihr Leben im Chaoporter erzählt hatte – wie sie im Zuge ihrer Ausbildung zur Sextadim-Kanonierin am gesamten Körper einen azurblauen Überzug erhalten hatte und dieser schließlich abgefärbt hatte, ehe er verschwunden war. Eines von ungefähr einer Million absonderlicher Ereignisse in FENERIK. »Und du glaubst, das funktioniert in dieser Geisterstation genauso?«
»Welche Wahl bleibt uns? Ich habe die Station nie vollständig kennengelernt und war seit fast sechzig Jahren nicht mehr hier. An manche Dinge erinnere ich mich, an viele nicht. Hoffe also nicht darauf, dass ich plötzlich sage: Oh, lass uns auf Deck 75 in Raum 34b nachsehen. Dort lag früher Reginalds Lieblingsversteck. Tut mir leid.«
»Schade.«
Trotz der angespannten Situation konnte sich Rhodan ein Schmunzeln nicht verkneifen. Anzu hatte viel erlebt, seit sie sich zuletzt begegnet waren. Die forsche Art, die er stets an ihr geschätzt hatte, war ihr dennoch erhalten geblieben.
Zugleich wusste er, dass sie in diesem Augenblick mit dem losen Mundwerk überspielen wollte, wie es ihr tief in ihrem Inneren ging. Etwas beschäftigte sie, bedrückte sie. Etwas, das über das Offensichtliche hinausreichte. Sie machte sich Sorgen, nicht nur um ihren langjährigen Begleiter und Freund Reginald Bull. Rhodan ahnte, was sie angesichts der sie umgebenden Zerstörung beschäftigte, hatte sie aber bisher nicht damit konfrontiert. Er hoffte, dass sie von selbst darauf zu sprechen käme, sobald sie so weit war.
Allerdings war ihr Erzählfluss in den vergangenen Minuten ins Stocken geraten, obwohl längst nicht alle von Rhodans Fragen beantwortet waren. Andererseits war er dankbar dafür, gab ihm das doch die Zeit, die Flut an Informationen zumindest einigermaßen zu sortieren.
Beispielsweise, dass LEUN eine negative Superintelligenz gewesen war, die über einen Zeitraum von etwas mehr als 520 Jahren zerfallen und vor 110 Jahren endgültig erloschen war. Schuld daran trug die Korrumpierung, was auch immer das gewesen sein mochte.
Besonders zu knabbern hatte Rhodan jedoch an der Tatsache, dass es Bullys Ziel gewesen war, LEUN aus Gründen des kosmischen Gleichgewichts wiedererstehen zu lassen. Dass er und Shrell also auf derselben Seite gestanden hatten. Vereint durch das gemeinsame Vorhaben, den Gleichklang wiederherzustellen, ihn zu restaurieren. Wären da nicht die Hiesigen gewesen, die genau das verhindern wollten.
Offenbar war es im Lauf der Zeit zwischen Bull und Shrell zu einem Zerwürfnis gekommen, doch so weit war Anzus Erzählung noch nicht vorgedrungen.
Sie näherten sich einer Abzweigung. Erneut würden sie sich nach dem Zufallsprinzip entscheiden müssen, ob sie dem Korridorverlauf folgen oder nach rechts abbiegen sollten. Ohne Kenntnis über den genauen Aufbau der Station gab es hierbei kein Richtig oder Falsch.
Gerade, geometrische Strukturen mit Neunzig-Grad-Winkeln wechselten sich ab mit gebogenen Gängen, Spitzkehren, Hallen mit zahlreichen Ausgängen oder unmerklichen Steigungen oder Gefällen. Außerdem stießen Anzu und Rhodan immer wieder auf von Deckentrümmern blockierte Korridore oder unüberwindliche breite Bodenstürze, die sie zum Umkehren zwangen. Dadurch war es nahezu unmöglich, die Station systematisch von unten nach oben Raum für Raum zu durchsuchen. Bei jeder Richtungsentscheidung liefen sie Gefahr, an weiten Arealen einfach vorbeizuspazieren, ohne es auch nur zu bemerken.
Aber es nützte nichts, darüber zu jammern. Ändern konnten sie es schließlich nicht.
»Wir gehen nach rechts«, beschloss Anzu spontan.
Eine Entscheidung, die ihnen immerhin die Frage nach dem Verursacher der Schäden zum Teil beantwortete. Denn kaum hatten sie einen Schritt in den abzweigenden Gang getan, fauchte ein dünner Thermostrahl zwei Meter neben Rhodans Kopf in die Wand.
*
Die Kunststoffverkleidung schmolz und tropfte in schwarz verschmorten, stinkenden Klumpen zu Boden.
Instinktiv packte Rhodan seine Begleiterin am Arm und zog sie um die Ecke zurück in den Korridor, aus dem sie gekommen waren.
»Bist du in Ordnung?«, fragte er.
»Ich bin nur erschrocken, und meine Frisur ist etwas durcheinandergeraten. Ansonsten ist alles fein.«
Für Rhodan sah Anzus Pferdeschwanz aus wie in den vergangenen drei Stunden. Er widersprach ihr trotzdem nicht.
Alles war so schnell gegangen, dass er nur einen kurzen Blick auf das hatte werfen können, was jenseits der Ecke lauerte: ein spinnenbeiniger Roboter mit echsenhaft erhobenem Oberkörper, im Design offenbar dem Körperbau eines Zha-Leun nachempfunden, den eine aus der Decke gestürzte Metallstrebe am Boden festgenagelt hatte.
Die missliche Lage hatte das Kunstwesen offenbar dazu veranlasst, sich vorläufig abzuschalten. Das Auftauchen der beiden Menschen hatte es jedoch aus seinem Verharrungszustand geweckt und sofort das Feuer eröffnen lassen.
Immer noch schoss es wild um sich. Thermostrahlen trafen in die Decke, die Wand an der Stirnseite und in den Boden der Abzweigung, verwandelten die Verkleidung in einen kochenden See aus Plastik. Die Temperatur stieg rapide an. Der beißende Gestank wurde nahezu unerträglich.
»Lass uns umkehren«, schlug Anzu vor. »Ehe sich der Kamerad befreien kann.«
Gerade das war es, was Rhodan Sorgen bereitete. Aktuell feuerte der Roboter unkontrolliert um sich und stellte keine direkte Gefahr dar, sofern sie nicht um die Ecke traten. Vielleicht beruhigte er sich und fiel in seinen Dämmerzustand zurück. Oder er riss sich los und nahm die Verfolgung auf.
Aus dem abzweigenden Gang erklangen wütendes Sirren und Schaben und Klackern, als kratzten die Spinnenbeine über den Boden, aber immerhin verloren die Schüsse allmählich etwas von ihrer Wildheit.
»Es wäre mir lieber«, sagte Rhodan, »wir könnten ihn irgendwie ausschalten.«
Anzu sah an sich hinab und musterte dann Rhodan. Er wusste, was dieser Blick bedeuten sollte. Da er nach dem Durchqueren des Zyklonwalls nackt in der Station angekommen war und auch Anzu nach einem Sturz in das Brennende Nichts sämtliche Ausrüstung und Kleidung verloren hatte, trugen sie aktuell Bordanzüge aus dem Fundus der zerstörten Kontaktkammer. Die hatten sich zwar aus unförmigen Textilien passgenau an ihre Körper geschmiegt, diese Formvariabilität war aber auch das Einzige, was sie zu bieten hatten. Sie verfügten weder über integrierte Schutzschirmgeneratoren, Antigravmodule noch sonstigen technischen Schnickschnack, der ihnen das Vorankommen erleichtern oder ihre Chancen in einer Begegnung mit einem durchgedrehten Kampfroboter erhöhen würde. Fehlanzeige.
»Jetzt wäre der geeignete Moment, mir zu sagen, dass du weißt, wo die nächste Waffenkammer liegt.«
Anzu verzog das Gesicht. »Ich war nie so der Geeigneter-Moment-Typ. Wenn ich mich nicht irre, existiert eine in der Nähe der Fabriken. Aber darauf verlassen...




