E-Book, Deutsch, 200 Seiten
Fröhlich Seelenchaos
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7407-5843-1
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Mia und die Adoptivfamilie
E-Book, Deutsch, 200 Seiten
ISBN: 978-3-7407-5843-1
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als Herzbuch-Autorin steht Lilly Fröhlich für kind- und jugendgerechte Aufklärung mit Herz. Mit der Aufklärungsreihe "Mia - Aufklärung mit Herz" hat sie brisante Sachthemen mit harten Fakten über Trennung, Homosexualität, Trauerbearbeitung, Flüchtlinge, Mobbing, Sexualität und Sexualaufklärung, Transgender und Drogen geschrieben. Lilly Fröhlich schreibt aber auch Märchen und Komödien, die jedes Herz zum Lächeln bringen. Willst du mehr wissen, dann besuche die offizielle Website von Lilly Fröhlich unter www.lilly-froehlich.de
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Die Neue
»Mia, du räumst bitte noch den Geschirrspüler aus«, sagt Tom Maibaum zu seiner Tochter.
Mia verdreht die Augen. »Papa, ich habe Ferien und es sind dreißig Grad. Ich schwitze. Mir ist warm. Muss ich das machen?«
Mias Papa bleibt entrüstet stehen. »Glaubst du, ich lebe in einer Kühlblase und halte mich in einer kälteren Atmosphäre auf als du? Ich muss jeden Tag arbeiten. Ich habe keine Ferien. Du kannst ruhig auch mal was im Haushalt machen.«
Mia stöhnt. »Dann mache ich das heute Abend. Jetzt ist es mir zu warm.«
»Heute Abend bist du doch bestimmt wieder mit Thomas verabredet. Dann hast du auch keine Zeit. Außerdem stört mich das dreckige Geschirr in der Küche«, entgegnet Mias Papa genervt. »Mach es bitte jetzt!«
»Ich bin noch ein Kind«, versucht sich Mia weiter herauszureden.
Sophie Maibaum, Mias Stiefmutter, betritt die Küche und lacht leise los. »Ach! Auf einmal bist du mit vierzehn Jahren ein Kind? Na, dann kannst du dich natürlich abends auch nicht mehr bis 21 Uhr verabreden.«
Tom Maibaum zeigt auf seine Frau. »Touché! Warum bin ich nicht auf die Idee gekommen?« Er wendet sich an Mia. »Bleib ruhig auf dem Sofa liegen und zocke weiter auf deinem Smartphone herum! Du kannst dann heute um halb acht mit Stella ins Bett gehen und wir haben unsere Ruhe.«
»Ich wollte aber ›‹ mit angucken«, protestiert Mia.
Tom Maibaum lächelt hinterhältig. »Sorry, Kleines! Aber du kannst nicht auf der einen Seite zu jung sein, um im Haushalt mitzuhelfen und auf der anderen Seite die Vorzüge einer Jugendlichen genießen. DC Comic-Verfilmungen sind nichts für kleine Kinder.«
Mia rollt mit den Augen und erhebt sich schwerfällig vom Sofa. Sie wirft ihr Smartphone in die Kissen und stapft wütend in die Küche. Auf dem Weg dorthin blickt sie sehnsüchtig in den Garten, wo ihre Pinguine mit ihrem Uhu Fritz beim Eulenhaus etwas Schatten suchen. Leise vor sich hinschimpfend räumt sie den Geschirrspüler aus, als plötzlich das Telefon klingelt.
»Ich gehe schon«, ruft Mias Papa. »Linda?«
Mia hält inne und spitzt die Ohren.
Ihre Mutter ruft selten an, wobei sie sich seit ihrem kurzzeitigen Aufenthalt in Bärenklau im letzten Schuljahr schon gebessert hat. Früher, als Mias Eltern sich getrennt hatten und ihre Mutter nach Südafrika abgehauen war, hatte sie sich - abgesehen von zwei Postkarten in sechs Jahren - nicht ein einziges Mal gemeldet.
Mias Papa legt den Telefonhörer auf und fängt an zu schimpfen.
Neugierig geht Mia ins Wohnzimmer.
Dort springt ihr Vater herum wie Rumpelstilzchen.
»Papa! Was ist passiert?«, fragt Mia verwundert.
»Tom! Was ist los?«, will auch Sophie wissen.
»Aaaaaaaaah!«, schreit Tom Maibaum und springt weiter auf und nieder. Schließlich hält er inne. »Ich gehe joggen.«
Mia und Sophie verdrehen die Augen.
Mias Papa geht immer Joggen, wenn es Probleme gibt.
Sophie hält ihren Mann am Arm fest. »Nun erzähl doch bitte erst einmal, was Linda wollte! Danach kannst du immer noch loslaufen.«
Tom Maibaum knurrt wie ein wütender Wolf. »Habe ich erwähnt, dass ich sie hasse?« Er reißt sich von Sophie los und rennt aus dem Wohnzimmer. »Gebt mir eine halbe Stunde. Ich laufe nur eben durch den Wald und komme dann wieder. Dann teile ich euch mit, was Mias Mutter für Hiobsbotschaften übermittelt hat. Unfassbar!«
Mia zuckt mit den Schultern und geht zurück in die Küche, um ihren Küchendienst zu beenden.
Nach einer halben Stunde kommt ihr Vater abgekämpft vom Joggen zurück.
»So«, sagt Sophie mit strenger Miene, »die Dusche muss warten. Du hast uns lange genug auf die Folter gespannt.
Was wollte Linda von dir?«
Mias Papa wischt sich den Schweiß mit einem Handtuch ab. Dann lässt er sich auf einen Stuhl fallen. »Sie hat geheiratet.«
Mia rümpft die Nase. »Und das regt dich so auf, dass du joggen gehen musst? Liebst du sie etwa noch?«
Sophie zieht die Augenbrauen hoch. »Das interessiert mich jetzt aber auch.«
Mias Papa seufzt kopfschüttelnd. »Nein. Ich liebe sie schon lange nicht mehr. Ein Teil von mir vielleicht noch, aber auch nur, weil sie mir so eine großartige Tochter geschenkt hat…«
Mia lächelt.
»Was ist es dann?«, hakt Sophie ungeduldig nach.
»Ihr neuer Mann ist zeugungsunfähig und er möchte, dass Linda Mia nach Südafrika holt. Sie wollen auf heile Familie machen. Darum hat dieser Mike«, Mias Papa spuckt den Namen förmlich aus, »über einen Anwalt das Sorgerecht für Mia eingefordert. Er will sie ›‹.«
Es ist mucksmäuschenstill im Wohnzimmer.
Lediglich das Ticken der Wanduhr unterbricht die Stille.
In Mias Kopf wirbeln eine Million Gedanken herum und nicht alle sind gut. »Was? Spinnt der?«
Tom Maibaum schneidet eine Grimasse und hebt die Hände. »Jetzt wisst ihr, warum ich joggen war.«
»Das hättest du uns lieber vorher sagen sollen, dann wären wir mitgelaufen«, schimpft Mia.
»So etwas kommt überhaupt nicht infrage«, schimpft Sophie los. »Was soll Mia in Afrika?«
»Hallo! Fragt mich auch mal jemand?«, platzt Mia heraus.
Ihre Eltern blicken sie fragend an.
»Sag was!«, fordert Mias Papa seine Tochter auf.
»Schnell!«
Mia räuspert sich. »Es ist mir total egal, ob meine Mutter noch einmal geheiratet hat. Und dieser Mike kann mich mal! Nur weil er eine Familie will, werde ich ganz bestimmt nicht nach Südafrika ziehen. Und adoptieren wird er mich schon gar nicht. Niemals! Daraus wird nichts.«
»Das sehe ich genauso«, sagt Mias Papa mit einer schiefen Grimasse. »Höchstens für einen Urlaub.«
Mia wirft ihm einen finsteren Blick zu. »Ich gehe nicht nach Südafrika!« Sie macht auf dem Absatz kehrt und stürmt aus dem Haus.
Sie weiß zwar, dass ihr Freund Thomas heute gar keine Zeit hat, aber sie muss trotzdem kurz mit ihm reden.
***
»Mia! Was machst du denn hier?«, ruft Hans Wietmüller, Thomas’ Vater, erstaunt. »Ist was passiert? Du siehst aus, als wenn dir ein Gespenst begegnet ist.«
»Hallo Hans, ja, mir ist der Geist der Adoption begegnet. Ist Thomas da?«, fragt Mia schüchtern.
Thomas’ Vater zeigt auf eine Tür. »Thomas sortiert gerade für mich ein paar Akten ein. Dann habe ich endlich wieder Ordnung in meinem Archiv.«
Mia zögert. »Darf ich ihn trotzdem kurz sprechen?«
»Geh ruhig hinein! Er wird sich über die kurze Ablenkung freuen«, sagt Thomas’ Vater freundlich. »Und wenn du einen Rat brauchst, sprich mich an! Wozu hat man einen Anwalt in der Familie!«
Mia dankt ihm und betritt das Archiv der Anwaltskanzlei.
»Hi!«, ruft Thomas überrascht, als er seine Freundin sieht. Mia lächelt gequält, dann fliegt sie ihm in die Arme und bricht in Tränen aus.
Bestürzt streichelt Thomas über ihren Rücken. »Du meine Güte, was ist passiert? Bist du etwa schwanger?«
Nach wenigen Minuten hat sich Mia beruhigt. Schniefend löst sie sich aus der Umarmung. »Nein. Ich bin nicht schwanger. Es ist viel schlimmer.«
»Oh Gott, schlimmer? Bist du krank?« Thomas wird leichenblass.
Mia schüttelt den Kopf. »Meine Mutter hat geheiratet.«
»Okay! Und das ist ein Problem? Dein Vater hat doch auch Sophie geheiratet«, sagt Thomas verwirrt.
Mia nickt. »Mike, so heißt ihr neuer Mann, will eine Familie haben. Weil er aber selbst keine Kinder zeugen kann, hat er einen Anwalt beauftragt, das Sorgerecht für mich zu bekommen. Er will mich adoptieren!«
Thomas runzelt die Stirn. Dann zieht er Mia wieder in seine Arme. »Ich lasse es nicht zu, dass du nach Afrika gehst. Niemals!«
Mia lacht leise. »Das habe ich auch schon gesagt.«
Thomas drückt Mia fest an sich. »Ich will nicht, dass du so weit weg gehst. Es würde mir das Herz brechen.«
Mia wischt sich die Tränen ab. »Mir auch. Ich liebe dich bis zum Mond und wieder zurück.«
»Und ich liebe dich bis zum Planeten Daxam und wieder zurück«, feixt Thomas, den Mia mit ihrer Vorliebe für die Actionserie ›‹ angesteckt hat.
»Wir werden dafür kämpfen, dass du hier bei mir in Bärenklau bleiben kannst. Das verspreche ich dir hoch und heilig«, sagt Thomas entschlossen.
Mia drückt ihren Freund noch ein letztes Mal, dann verabschiedet sie sich.
***
»Niemals«, ruft Emma Rosenstein einmal durch das ganze Gewächshaus. Sie wirft ihre rotbraunen...




