Fröhlich | Zabzaraks Spiegel | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 520 Seiten

Fröhlich Zabzaraks Spiegel


1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7407-9438-5
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 520 Seiten

ISBN: 978-3-7407-9438-5
Verlag: TWENTYSIX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Erde war einst ein Ort, an dem Menschen und Lichtwesen friedlich miteinander lebten. Doch eines Tages erklärte der machthungrige Zauberer Tarek Su Zabzarak den Krieg und tötete das gütige Herrscherpaar Lady Tizia und Lord Kodron. Dann stahl er den Elben das Lachen und die Musikinstrumente, so dass sie keine Menschen mehr heilen konnten. Zabzarak benötigte die menschlichen Seelen für sein Seelengewand, welches ihn als Halbmensch am Leben erhielt. Der Heilige Rat hatte dies kommen sehen und trennte die Menschen von den Lichtwesen durch den Schleier des Vergessens. Zabzarak krönte sich selbst und wurde zum Herrscher über Zaranien. Etwa tausend Jahre später half ein Junge namens Merlin seinen Freunden bei der Suche nach einem Kater. Dabei durchbrach er den Schleier des Vergessens. Jeremy und Lissy versuchten ihn aufzuhalten und landeten mit ihm in Zaranien, dem Land der Elben und Feen. Bevor ein Gnom sie an Zabzarak ausliefern konnte, wurden sie von Elben befreit. Sie waren voller Hoffnung, dass die drei Menschenkinder die Prophezeiung erfüllen würden. Aber sind die drei Freunde tatsächlich die Auserwählten? Können sie es mit dem schwarzmagischen Zauberer und seiner Armee aufnehmen?

Sobald Lilly Fröhlich das Schreiben und Lesen gelernt hatte, gab es kein Halten mehr. Nahezu jedes Buch wurde verschlungen und bereits in der dritten Klasse schrieb sie ihr erstes Kinderbuch. Jahrzehntelang schrieb sie für die Schublade, bis sie sich mit ihrem ersten Kinderbuch an die Öffentlichkeit wagte. Viele, viele literarische Schätze schlummern noch im Verborgenen. Die nächsten Bücher dürfen also mit Spannung erwartet werden. Mehr erfahrt ihr auf www.lilly-froehlich.de
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O IST KATER MAUNZ?


Am nächsten Morgen stand Lissy nervös auf der Veranda ihrer Nachbarin und schaute immer wieder auf die Uhr.

Um halb acht kam Jeremy endlich angerannt.

»Mensch, wo bleibst du denn? Ich warte bereits seit zehn Minuten auf dich«, beschwerte sich Lissy.

»Tut mir leid, ich habe verschlafen. Mein Bruder muss am Wecker herumgespielt haben.«

»Der kleine Racker kann mit seinen drei Jahren schon auf dein Hochbett klettern?«

»Wie ein Weltmeister«, sagte Jeremy, hechtete die Verandastufen hoch und öffnete die Tür. »Lass uns schnell den Kater füttern, sonst kommen wir zu spät zur Schule!«

Fünf Minuten später liefen sie die Straße hinunter. »Wir sollten heute Nachmittag gucken, wo Maunz steckt. Wenn er sein Essen nicht angerührt hat, müssen wir noch einmal das Haus absuchen«, sagte Jeremy japsend. »Vielleicht haben wir ihn aus Versehen irgendwo eingesperrt.«

Lissy nickte und flitzte hinter ihm her ins Schulgebäude.

***

Kaum läutete die Schulglocke gegen Mittag die Ferien ein, da eilten Jeremy und Lissy auch schon nach Hause.

Freitags aß Lissy immer in der Pizzeria mit zu Mittag und obwohl sie das Essen liebte, schlang sie heute ihre Spaghetti hinunter, als hinge ihr Leben davon ab.

Auch Jeremy holte keinen Nachschlag.

Ohne Nachtisch rannten die beiden schließlich aus dem Restaurant und ließen Jeremys Vater kopfschüttelnd zurück. »Santa Maria! Was ist nur mit den Kindern los, eh? Sie haben nicht mal nach ihrem Eis gefragt!«

***

Jeremy schlüpfte als erster in Mrs O’Meyers altes Haus.

Lissy folgte ihm zögernd.

Es war gespenstisch ruhig.

»Wir sollten dringend mal lüften«, sagte sie naserümpfend.

Jeremy lief zu einem der Wohnzimmerfenster und öffnete es.

»Maunz hat sein Fressen nicht angerührt«, rief Lissy aus der Küche.

»Wo steckt dieser Kater nur?«, überlegte Jeremy und suchte das Erdgeschoss ab.

»Hier unten ist er nicht«, sagte Lissy nach einer ganzen Weile, »lass uns oben nach ihm sehen.«

Keiner von ihnen war scharf darauf, im dunklen Keller nach Maunz zu suchen. Also schritten sie die schwach beleuchtete Treppe ins Obergeschoss hinauf.

Sie spähten als erstes ins Badezimmer.

Hier war der Kater nicht.

Auch im Schlafzimmer und im Nähzimmer der alten Dame war er nicht zu finden.

»Haben wir nicht schon genug zu tun? Jetzt müssen wir auch noch den Kater von Mrs O’Meyer suchen«, stöhnte Lissy genervt. »Meine Eltern stressen nur noch rum.

Mach dies, mach das. Ich weiß gar nicht, wann sie das letzte Mal gelacht haben.«

»Meine Eltern sind auch nur am Arbeiten. Und wenn ich keine Hausaufgaben machen muss, muss ich in der Pizzeria aushelfen«, pflichtete Jeremy ihr bei.

Ratlos standen sie im Flur und überlegten, wo sie ihn noch suchen konnten, als es plötzlich über ihren Köpfen laut rumpelte.

Erschrocken blickten sie nach oben.

»Was war das?«, flüsterte Lissy.

Jeremy zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Sollen wir nachsehen?« In der Zimmerdecke war eine verschlossene Dachbodenluke eingelassen. »Wir brauchen einen langen Eisenstab, damit wir die Dachluke öffnen können«, überlegte er und schaute sich suchend um.

Auf einem Wandregal stand eine hässliche, trollähnliche Skulptur mit zerzausten Haaren und riesigen Augen.

»Was ist das denn?«, fragte Lissy. Neugierig berührte sie das Ding am Kopf.

Plötzlich leuchteten die Augen gefährlich rot auf und wie durch Zauberhand öffnete sich die Dachbodenluke. Eine Treppe kam heruntergefahren, während gleichzeitig helles Licht abwärts tanzte.

Wie gebannt verfolgten die beiden das Schauspiel.

Zögerlich gingen sie schließlich nach oben.

Der Geruch von Staub und alten Büchern schlug ihnen entgegen, als sie den Dachboden erreichten.

Das Licht kam aus der gegenüberliegenden Ecke. Dort stand ein riesiges Ungetüm, auf dem ein schwerer, vergilbter Stoff hing.

Jeremy zog daran und legte einen übergroßen, antiken Spiegel frei. Der Rahmen war aus dunklem, edlem Holz geschnitzt und zeigte allerlei fremdartige Figuren, die sie noch nie zuvor gesehen hatten.

Ehrfürchtig berührte er eine der spitzen, hölzernen Nasen.

»Lass das! Wir sind doch keine Tiere aus dem Streichelzoo«, krächzte eine Stimme, die aus dem Spiegel zu kommen schien.

Erschrocken wichen die beiden Kinder zurück. Sie drehten sich um und rannten die Treppe hinunter, als sei der Teufel persönlich hinter ihnen her.

Im Vorbeilaufen rissen sie die goldene Kreatur vom Regal, beachteten sie aber nicht weiter und verließen das Haus von Mrs O’Meyer.

So bekamen sie nicht mit, dass sich die Dachbodenluke wieder wie von Geisterhand schloss.

Sie liefen und liefen, bis sie schließlich am Spielplatz der alten Dorfkirche ankamen.

Völlig außer Atem hielten sie an und ließen sich in den Sand plumpsen.

Trotz des schönen Wetters war der Spielplatz wie ausgestorben. Eine düstere Zeit war angebrochen. Niemand ging mehr dem Vergnügen nach. Die Erwachsenen empfanden keine Freude mehr und die Kinder bekamen das zu spüren.

Als Lissy und Jeremy wieder einigermaßen Luft bekamen, sahen sie sich an.

»Was war das denn eben?«, fragte Jeremy keuchend.

Lissy zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Aber ich habe mich zu Tode erschreckt, als ich das Krächzen hörte.«

»Ging mir genauso. Wo ist der Kater nur? Meinst du, er hat sich im Keller versteckt?«

»Vielleicht ist er draußen«, erwiderte Lissy.

Grübelnd fuhr sich Jeremy mit der Hand durch seine dunkle Igelfrisur. »Wenn ich es recht überlege, ist der Kater von Mrs O’Meyer nie draußen. Höchstens auf ihrem Schoß, wenn sie in ihrem Schaukelstuhl auf der Veranda sitzt und die Straße beobachtet. Wir müssen im Keller nachsehen.«

»Im Keller?« Trotz der Wärme bekam Lissy eine Gänsehaut. Sie mochte nicht einmal ihren eigenen Keller. »Mich bringen keine zehn Pferde mehr in das Haus.« Abwehrend hob sie die Arme. Beim Laufen hatte sich das Haargummi gelöst. Jetzt glänzte ihr langes, blondes Haar wie Honig in der Sonne.

Bewundernd betrachtete Jeremy sie.

»Wir brauchen Verstärkung. Merlin sitzt bestimmt zuhause an seinem Computer und jongliert mit irgendwelchen Zahlen herum. Den bitten wir um Hilfe«, schlug Lissy vor.

»Ja«, Jeremy sprang begeistert auf, »Merlin hat vor nichts und niemandem Angst. Er kommt sicher mit.«

Merlin Miller war ihr Freund und Klassenkamerad. Sie hatten schon viel zusammen unternommen, obwohl für ihn fast alles, was nicht mit Computern zu tun hatte, Zeitverschwendung war. Er las lieber ein gutes Buch, spielte am Computer oder schrieb Computerprogramme. Er war ein Genie und mit Abstand der schlaueste Junge der ganzen Schule, obwohl er wie sie erst in die siebte Klasse ging.

Fünf Minuten später öffnete ihnen Mrs Miller die Tür.

»Guten Tag, Lissy! Hallo Jeremy! Wie schön, euch zu sehen. Kommt doch bitte herein! Merlin ist oben in seinem Zimmer.«

Beide reichten Merlins Mutter die Hand und huschten an ihr vorbei ins Haus.

Sachte klopften sie an die Zimmertür, traten jedoch ein, ohne eine Antwort abzuwarten. Wenn Merlin am Computer saß, war er ohnehin kaum ansprechbar.

»Hallo Merlin!«

Überrascht drehte sich ein pummeliger Blondschopf um.

Dabei fing er seine viel zu große, schwarze Hornbrille auf, die ihm mal wieder von der Nase rutschte. »Hallo, ihr zwei! Was treibt euch in mein Reich? Probleme bei den Matheaufgaben?«

»Nee, wir brauchen deinen unerschrockenen Mut«, erwiderte Lissy grinsend. »Wir haben Mrs O’Meyer versprochen, ihren Kater zu füttern, solange sie im Krankenhaus ist. Die Ärmste hat sich doch gestern das Bein gebrochen.

Aber wir können Maunz nirgendwo finden. Da dachten wir, wir fragen dich, ob du uns bei der Suche im Keller helfen kannst.«

Nachdenklich zupfte Merlin an seinem Ohrläppchen herum. »Ich schätze, der Keller erfordert unerschrockenen Mut, richtig?«

Lissy verzog das Gesicht und nickte schweigend. Niemand konnte behaupten, dass Lissy nicht tapfer war, aber was Keller und dort hausende Geister anbelangte, war sie eher ein Hasenfuß.

»Na, dann lasst uns keine Zeit verschwenden!« Beschwingt sprang Merlin auf und lief aus dem Zimmer.

»Mom, hast du noch Katzenbonbons?«, rief er die Treppe hinunter.

»Ja, im Flurschrank, ganz unten, letzte Schublade«, antwortete Mrs Miller.

Mit Katzenleckerlies bewaffnet, verließen sie nur wenige Minuten später das Haus.

Kurz darauf standen sie in Mrs O’Meyers dunklem...



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