E-Book, Deutsch, 200 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 210 mm
Frost Coin Stress
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8312-7121-4
Verlag: scholo Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ein Plädoyer für den entspannten Umgang mit Geld
E-Book, Deutsch, 200 Seiten, Format (B × H): 148 mm x 210 mm
ISBN: 978-3-8312-7121-4
Verlag: scholo Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Vreni Frost, erfolgreiche Podcasterin, Autorin und Moderatorin aus Berlin, hat in ihren Podcasts, z. B. »Summa Summarum«, Wissenswertes rund um die Finanzwelt aufgearbeitet. Sie setzt sich mit Themen wie Sparen, Altersvorsorge, die eigene Immobilie oder Aktien auseinander. Mit ihrer offenen und authentischen Art hilft sie, ein besseres Verständnis für die eigenen Finanzen zu entwickeln und zu lernen, wie man von einem Laien zum kleinen Finanzprofi wird.
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BLOSS COIN STRESS BITTE
Was soll das überhaupt bedeuten, stressfrei zu investieren?
Viele von uns fühlen sich noch überfordert beim Gedanken, in die Finanzwelt einzutauchen. »Ich kann das nicht« oder »Ich will das nicht« sind Sätze, die unmittelbar Stress auslösen. Wenn wir glauben, einer Aufgabe nicht gewachsen zu sein, dann meldet sich unser Körper direkt. Der Blutdruck steigt, Muskeln spannen sich an, und so einiges mehr passiert. Alles unnötig. In diesem Buch setzt dich niemand unter Druck. Du kannst ganz entspannt in deinem eigenen Tempo lesen, lernen und umsetzen.
Ganz im Gegensatz zu unserem Alltag. Hier werden wir häufig damit konfrontiert, dass wir in puncto Finanzen alles andere als am Ball sind. Unsere Mitmenschen lassen gern raushängen, dass sie ja wesentlich besser aufgestellt seien – wirklich ehrlich über Geld spricht aber fast niemand. Deutschland ist Spitzenreiter, wenn es um das Schweigen über Geldthemen geht. Laut einer repräsentativen Umfrage der Postbank aus dem Jahr 2015 ist für rund 64 Prozent der Deutschen Geld ein absolutes Tabuthema. Das hat sich bis heute scheinbar verbessert, zumindest sagt das eine Umfrage der Consorsbank (2018): Hier gaben trotzdem 29 Prozent der Teilnehmenden an, auch mit engen Freunden nicht über Geld sprechen zu wollen.
Spannend ist auch, dass etwa 20 Prozent der Deutschen nicht einmal wissen, was ihr Partner verdient.1 Es gibt Frauen, die haben noch nie einen Geldautomaten bedient – das ist kein Witz. Als der Vater einer Bekannten verstarb, war Geldabheben absolutes Neuland für die Ehefrau. Das ist kein Einzelfall. Wenn über Geld gesprochen wird, dann oft in hingeklatschten Sätzen aka Vorwürfen wie den Folgenden:
»Was? Du hast noch keine private Altersvorsorge? Na dann, gute Nacht …«
»Wenn ich so viel für Beautykram ausgeben würde wie du, würde ich auch auf keinen grünen Zweig kommen.«
»Du willst ja wohl nicht dein ganzes Leben zur Miete wohnen?!«
»Puh, also jetzt noch was zu kaufen ist vielleicht nicht so vernünftig bei deinem Kontostand …«
»Ach scheiß drauf, dein Dispo geht doch bis 2.000 Euro.«
Wow, alles super motivierend … nicht? Gerade die Sache mit der Altersvorsorge ist so ein Ding. Altersvorsorge klingt so unsexy und eben wie etwas, um das man sich später auch noch kümmern kann.
Wenn ich jung bin, habe ich überhaupt keinen Bock und in meinem Fall auch noch gar nicht das Verständnis dafür, dass ich irgendwann mal Geld fürs Alter brauchen könnte – ich habe ja kaum genug Geld, um jetzt irgendwie zu überleben … Da fange ich gerade erst an, eigenes Geld zu verdienen, und dann soll ich direkt was für in vielleicht 40 Jahren zurücklegen?! Ungern bis unmöglich.
Und jetzt kommt der erste Punkt, bei dem ihr euch keinen Stress machen sollt: Ihr habt bisher keine Altersvorsorge? So what, dann ist es eben so. Können wir rückwirkend nicht ändern. Abhaken, sich nicht unter Druck setzen, weitermachen. Ich habe mit knapp 30 angefangen und werde es überleben. Ich glaube, wenn wir Altersvorsorge anders bezeichnen, dann wird es einfacher, Geld zur Seite zu legen, zumal die klassischen Altersvorsorgen, wie wir sie kennen, gar nicht immer so sinnvoll sind. Diesem Thema widmen wir uns ausführlich im Teil »Vorausschauend investieren« ( ab Seite 104).
Die gute Nachricht: Finanzen sind keine Raketenwissenschaft (genauso wenig wie PR). Aber es erfordert etwas Fleißarbeit, um sich im Finanzdschungel zurechtzufinden. Damit es für euch nicht so unübersichtlich wird wie für mich (ja, ich habe mich für uns von Liane zu Liane geschwungen), habe ich einen Trampelpfad in Form dieses Buchs geschaffen. Damit kommt ihr gut durch und könnt euch danach auf die ein oder andere Expedition wagen, die euch interessiert. Und ihr werdet vielleicht wie ich herausfinden, dass Finanzthemen sogar Spaß machen.
WAS BEDEUTET REICHTUM FÜR DICH?
Nach dem Abitur gab es für mich erst mal nur drei Möglichkeiten: Medizin, Jura oder BWL. Mein Horizont reichte nicht, um mir abseits dieser Studiengänge eine stabile Zukunft vorstellen zu können. Viel Geld wollte ich verdienen, ein BMW Cabrio fahren, Kostüme von Armani und Designertaschen tragen, in einem großen Haus wohnen und reich heiraten. Oh Gott, was bin ich froh, dass ich nicht dieses »Ich« geworden bin. Das Jurastudium habe ich erfolgreich im zweiten Semester abgebrochen, ich war echt gut, aber es war furchtbar langweilig. Außerdem gingen mir die Perlen-Paulas und Stehkragen-Poloshirt-Pauls gehörig auf die Nerven.
Ich traute mich also doch, einen anderen Weg einzuschlagen, widmete mich den Medienwissenschaften – und fand dort meine Berufung. Und jetzt, mit fast 40 Jahren, bin ich weder reich verheiratet noch fahre ich überhaupt irgendein Auto, ich besitze kein großes Haus, und ein Armanikostüm ist mir viel zu langweilig. Gut, die Designertaschen baumeln an meinem Arm, das war aber auch schon alles aus meinen Vorstellungen als 19-Jährige. Wie kam es also dazu?
Sagen wir es so: Das Leben hat mir ein paar dringend notwendige Ohrfeigen verpasst, die mich wachgerüttelt haben. Früher wusste ich einfach noch überhaupt nicht, wer ich bin und was ich wirklich will. Ich war getrieben von tollen Vorstellungen über mein Leben, ohne mich wirklich mit mir selbst auseinanderzusetzen. Ich habe mich nur durch äußere Einflüsse definiert, ohne zu erkunden, was in mir eigentlich abgeht. Und dieses Problem haben, glaube ich, viele von uns. Ständig sollen wir irgendwem oder irgendetwas entsprechen, wir passen uns an und rennen im Leben der anderen mit, um ja nicht den Anschluss zu verpassen. Und weil das alles ganz schön anstrengend ist, bleibt kaum Zeit, um sich selbst kennen- und dann auch irgendwann lieben zu lernen. Klingt megakitschig, ich weiß, aber das ist tatsächlich der Schlüssel: dich selbst lieben und die besten Entscheidungen für dich treffen.
Bei mir hat das einige Therapien und mindestens zehn Jahre gedauert. Ich habe einfach 25 Jahre meines Lebens für andere gelebt. Und dann kam der Umzug nach Berlin, der auch einen Umzug meiner Gedankenwelt mit sich brachte. Ich wagte Dinge, einfach weil ich zufrieden sein wollte. Ich gründete einen der ersten deutschen Modeblogs, machte mich damit selbstständig und stieß dabei auf viel Unverständnis. Heute sind Influencer in aller Munde, ich gehöre zu den Urgesteinen der deutschen Blogosphäre – niemand hat damals kapiert, wie ich Geld verdiene und was ich überhaupt alles dafür tue. Aber ich fand meine Berufswahl super. Und so entwickelte ich mich hin zu einer Geschäftsfrau, die sich immer wieder neu erfindet und Wege mitgestaltet, damit andere sie leichter gehen können. Einfach weil mich das glücklich macht, weil ich das brauche, um neue Kreativität zu schöpfen.
Kommen wir aber zurück zum Reichtum: Ja, ich bin reich. Ich bin reich, weil ich mich selbst verwirkliche und neugierig auf die Zukunft zugehe. Ich bin reich, weil ich weitestgehend gesund bin und in einem Land lebe, in dem ich mich frei entfalten kann. Und ja, ich verdiene echt gut. Geld ist ein Sicherheitsnetz, aber es macht nicht glücklich, wie ich früher dachte.
Ich habe nicht reich geheiratet, aber ich lebe seit 12 Jahren in einer gesunden und spannenden Beziehung. Ich habe kein großes Haus, aber ich liebe meine gemütliche Berliner Altbauwohnung – mein allerliebster Ort ever. Ein BMW Cabrio besitze ich nicht, will ich nicht und brauche ich nicht. Mal abgesehen davon, dass ich in meinem Kiez sowieso keinen Parkplatz finden würde, ohne in enormen Stress zu geraten, tut es auch die Umweltkarte der Berliner Verkehrsbetriebe. Und nein, ich trage nicht die neuesten Designerstücke, ich trage Designer Vintage und Secondhand, weil ich das viel nachhaltiger und auch individueller finde. Bei den Taschen werde ich ab und an bei Neuheiten schwach, finde das aber völlig in Ordnung. Zu guter Letzt hänge ich nicht an meinem Geld. Ich habe mir einen Notgroschen angespart (dazu kommen wir gleich), und solange der da ist, mache ich mit meinem Geld sowohl sinnvolle Dinge als auch absoluten Quatsch.
Zum Thema Reichtum hat mir der Vater einer Freundin eine tolle Geschichte erzählt. Damals war ich 14 Jahre alt und mit meiner Freundin Sarah und ihren Eltern im Urlaub in Griechenland. Sarahs Papa war Künstler und genial verrückt – mit ihm haben wir die lustigsten Sachen erlebt. Er hat uns kleine Gesichter aus Babybel-Käse geschnitzt, uns ein Fliegennetz-Zelt auf der Terrasse gebaut, damit wir draußen übernachten und den atemberaubenden Sternenhimmel beobachten konnten, und er hat uns Geschichten erzählt.
Auf dem Gelände unseres Ferienhauses stand eine riesige Tonne, und so kam die Sprache auf Diogenes. Der Philosoph und Asket...




