Fuchs | Grundlagen der Medienökonomie | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 589 Seiten

Fuchs Grundlagen der Medienökonomie

Medien, Wirtschaft und Gesellschaft
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-8463-6077-4
Verlag: UTB GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Medien, Wirtschaft und Gesellschaft

E-Book, Deutsch, 589 Seiten

ISBN: 978-3-8463-6077-4
Verlag: UTB GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Buch führt in eine Vielzahl von Methoden und Themen ein, darunter die politische Ökonomie der Kommunikation im Kapitalismus, Medienkonzentration, Werbung, globale Medien und transnationale Medienkonzerne, Klassenverhältnisse und Arbeitsbedingungen in der Medien- und Kommunikationsindustrie, das Internet und digitale Medien, die Informationsgesellschaft und der digitale Kapitalismus, die Medien in der Öffentlichkeit, öffentlich-rechtliche Medien, das öffentlich-rechtliche Internet und das Medienmanagement. Das Buch kann in Studiengängen mit den Schwerpunkten Medien- und Kommunikationswissenschaft, Digitale Medien, Medienökonomie, Soziologie, Politikwissenschaft, Management- und Organisationswissenschaft, Wirtschaftswissenschaften, Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre eingesetzt werden.

Prof. Dr. Christian Fuchs lehrt am Institut für Medienwissenschaft der Universität Paderborn und ist Inhaber der Professur für Mediensysteme und Medienorganisation.
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2.3 Ansätze der Politischen Ökonomie


Ibn Khaldûn


Im vorangegangenen Abschnitt haben wir bereits erwähnt, dass Ibn Khaldûn einer der Begründer der Politischen Ökonomie ist. Seine (, ) ist ein Frühwerk der Politischen Ökonomie.

Khaldûn formulierte die Annahme, dass Arbeit die Quelle von Reichtum und Gewinn ist:

„Alsdann musst du wissen, dass der Erwerb nur durch die Bemühung, ihn anzuschaffen, und die Absicht, ihn zu erlangen, zustande kommt. Es ist auch bei der Versorgung unerlässlich, dass man sich anstrengt und arbeitet […] Jedoch ist bei allem, was zu erwerben und an Kapital anzusammeln ist, die menschliche Arbeit unerlässlich. Wenn dies eine eigene Arbeit ist, wie irgendein Handwerk, dann ist das offenkundig. Wenn die Quellen des Erwerbs jedoch Tiere, Pflanzen oder Mineralien sind, so ist dabei die menschliche Arbeit (ebenfalls) unumgänglich, wie du siehst. Wenn nicht, dann kommt nichts zustande, und es fällt kein Nutzen an. […] Wenn nun dies alles feststeht, dann musst du wissen, dass das Kapital, das der Mensch gewinnt und erwirbt, wenn es aus dem Handwerk kommt, der Wert der Arbeit ist, (die) dafür (geleistet) wurde“ (Khaldûn 2011, 340-341).

Die Analyse der Arbeit als Quelle des Reichtums und der Arbeitszeit als Maß für den Reichtum wird auch als Arbeitswerttheorie bezeichnet. Sie besagt, dass der Wert einer Ware dem durchschnittlichen Arbeitsaufwand entspricht, der für ihre Herstellung erforderlich ist. Ein Gut wird als wertvoller angesehen, wenn es schwieriger zu produzieren ist und mehr Arbeitszeit für seine Herstellung benötigt wird. In Tauschgesellschaften führt dies dazu, dass die Preise für wertvollere Güter, deren Produktionszeit länger ist, tendenziell höher sind.

Die Arbeitswerttheorie findet sich in der Klassischen und Kritischen Politischen Ökonomie, insbesondere in den Werken von Adam Smith, David Ricardo und Karl Marx.

Adam Smith formulierte die Arbeitswerttheeorie mit den folgenden Worten: „Der wirkliche oder reale Preis aller Dinge, also das, was sie einem Menschen, der sie haben möchte, in Wahrheit kosten, sind die Anstrengung und Mühe, die er zu ihrem Erwerb aufwenden muss. Was Dinge wrklich für jemanden wert sind, der sie erworben hat und der über sie verfügen oder sie gegen ewas anderes tauschen möchte, sind die Anstrengung und Mühe, die er sich damit ersparen und dier er anderen aufbürden kann“ (Smith 1776/2001, 28).

„Anstrengung und Mühe“ ist die Formulierung, mit der Smith zum Ausdruck bringt, dass der Wert eines Gutes von der aufgewendeten Arbeitszeit abhängt, die zu seiner Produktion erforderlich ist. Auch David Ricardo formulierte eine Arbeitswertlehre. Er betont, dass die Arbeitszeit das Maß für den Wert einer Ware ist:

„Sobald sie Nützlichkeit besitzen, beziehen Waren ihren Tauschwert aus zwei Quellen: aus ihrer Seltenheit und der zu ihrer Gewinnung nötigen Arbeitsmenge. […] Wenn die in den Waren enthaltene Arbeitsmenge ihren Tauschwert bestimmt, dann muss jede Vergrößerung des Arbeitsquantums den Wert der Ware, für die es aufgewendet wurde, erhöhen, ebenso wie jede Verminderung ihn senken muss“ (Ricardo 1824/2006, 5, 7).

Karl Marx hat ähnlich argumentiert: „Die Grundlage, der Ausgangspunkt der Physiologie des bu¨rgerlichen Systems – des Begreifens seines innren organischen Zusammenhangs und Lebensprozesses – ist die Bestimmung des ” (Marx 1862/1863, Teil 2, 163).

Marx argumentiert, dass die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit, d. h. die durchschnittliche Arbeitszeit, die zur Produktion einer Ware erforderlich ist, den Wert der Ware bestimmt:

„Ein Gebrauchswert oder Gut hat also nur einen Wert, weil abstrakt menschliche Arbeit in ihm vergegenständlicht oder materialisiert ist. Wie nun die Größe seines Werts messen? Durch das Quantum der in ihm enthaltenen ‚wertbildenden Substanz‘, der Arbeit. Die Quantität der Arbeit selbst misst sich an ihrer Zeitdauer, und die Arbeitszeit besitzt wieder ihren Maßstab an bestimmten Zeitteilen, wie Stunde, Tag usw. […] Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen“ (Marx 1867, 53).

Marx unterscheidet sich von Smith und Ricardo dadurch, dass sein Ansatz eine Kritik der Politischen Ökonomie ist, die eine Wertkritik beinhaltet. Er betont, dass das Kapital die Arbeit in einem Klassenverhältnis ausbeutet, in dem die Arbeitenden dazu gebracht werden, einen Teil der Ware und des Arbeitstages ohne Bezahlung zu produzieren. In diesem Zusammenhang führt er die Begriffe der Mehrarbeit und des Mehrwerts ein. Seine Theorie will verstehen, wie der Mehrwert produziert wird, und formuliert den Kategorischen Imperativ, den Mehrwert zu vergesellschaften, damit der gesellschaftliche Überschuss nicht von einzelnen Kapitalist:innen, sondern von der Gesellschaft kontrolliert wird.

„Wir haben gesehn, dass der Arbeiter während eines Abschnitts des Arbeitsprozesses nur den Wert seiner Arbeitskraft produziert, d. h. den Wert seiner notwendigen Lebensmittel. […] Den Teil des Arbeitstags also, worin diese Reproduktion vorgeht, nenne ich notwendige Arbeitszeit, die während derselben verausgabte Arbeit notwendige Arbeit. Notwendig für den Arbeiter, weil unabhängig von der gesellschaftlichen Form seiner Arbeit. Notwendig für das Kapital und seine Welt, weil das beständige Dasein des Arbeiters ihre Basis.

Die zweite Periode des Arbeitsprozesses, die der Arbeiter über die Grenzen der notwendigen Arbeit hinaus schanzt, kostet ihm zwar Arbeit, Verausgabung von Arbeitskraft, bildet aber keinen Wert für ihn. Sie bildet Mehrwert, der den Kapitalisten mit allem Reiz einer Schöpfung aus Nichts anlacht. Diesen Teil des Arbeitstags nenne ich Surplusarbeitszeit, und die in ihr verausgabte Arbeit: Mehrarbeit (suplus labour). So entscheidend es für die Erkenntnis des Werts überhaupt, ihn als bloße Gerinnung von Arbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Arbeit, so entscheidend ist es für die Erkenntnis des Mehrwerts, ihn als bloße Gerinnung von Surplusarbeitszeit, als bloß vergegenständlichte Mehrarbeit zu begreifen. Nur die Form, worin diese Mehrarbeit dem unmittelbaren Produzenten, dem Arbeiter, abgepreßt wird, unterscheidet die ökonomischen Gesellschaftsformationen, z. B. die Gesellschaft der Sklaverei von der der Lohnarbeit“ (Marx 1867, 231, 230-231).

Für Marx ist die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit jene Zeit, die benötigt wird, um die für die Gesellschaft nowendigen Güter zu prodzieren. Die darüber hinaus geleistete Arbeitszeit bezeichnet er als Mehrarbeitszeit. Sie ist im Kapitalismus die materielle Grundlages des Profits, der den Kapitalist:innen gehört, von den Arbeiter:innen produziert wird und durch den Verkauf von Waren erzielt wird.

Mainstream-Ökonomie und „Heterodoxe“ Ökonomie


Die Mainstream-Ökonomie tendiert dazu, die Arbeitswerttheorie weitgehend zu ignorieren. So diskutieren weit verbreitete Lehrbücher der Wirtschaftswissenschaft wie Blanchards (2017) oder Williamsons (2018) nicht die Arbeit, definieren Geld als Maß für den wirtschaftlichen Wert (z. B. Mankiw 2018, 321) und lassen die Rolle der Arbeiterklasse und ihrer Arbeit im Kapitalismus außer Acht. Obwohl die Arbeitswerttheorie in der heutigen Mainstream-Ökonomie keine wichtige Rolle spielt, ist sie im Zeitalter des digitalen Kapitalismus weiterhin von Bedeutung. Zum Beispiel sind die Kämpfe um die Automatisierung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft Kämpfe um Wert und Arbeitszeit (siehe Fuchs 2021, Kapitel 5). Das Kapital versucht, durch digitale und heutzutage KI-basierte Automatisierung die Produktivität der Arbeit zu steigern, so dass mehr Wert in weniger Zeit produziert werden kann, was die Einstellung und Bezahlung von weniger Arbeitskräften erfordert und mehr Profit verspricht. Vertreter:innen von Arbeiterklasseinteressen hingegen befürchten und betonen, dass die Automatisierung im Kapitalismus Arbeitslosigkeit, Armut und Ungleichheit erhöhen kann.

Seit der Weltwirtschaftskrise 2008 gibt es neue Forderungen nach einer Überarbeitung der wirtschaftswissenschaftlichen Lehrpläne und Versuche, alternative, heterodoxe Lehrbücher für Makroökonomie/Politische Ökonomie zu etablieren (siehe z. B. De und Thomas 2018, Thomas 2021).

Die Krise und die zunehmende Kritik am Neoliberalismus und damit auch an der neoklassischen Wirtschaftslehre hat zu einigen Veränderungen in der Wirtschaftstheorie geführt. N. Gregory Mankiw ist der Autor von sehr weit verbreiteten Lehrbüchern der Wirtschaftswissenschaften wie (Mankiw 2021, neunte Auflage) und (Mankiw & Taylor 2020, fünfte Auflage). In der dritten Auflage von gibt es keine wirkliche Diskussion über kritische Ansätze wie die marxistische und feministische Wirtschaftstheorie (Mankiw & Taylor 2014). Die Autoren fügten der vierten Auflage eine Diskussion derartiger Ansätze, einschließlich Marxismus und Feminismus, hinzu und erkannten an, dass diese Ansätze den „ Ansatz“, der auch als „Mainstream-Ökonomie“ bezeichnet wird, und die neoklassische Ansicht, dass „der Markt ein zentrales Merkmal bei der Schaffung von Wohlstand ist“, in Frage stellen (Mankiw & Taylor 2014, 16).

In der fünften Auflage von ...



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