E-Book, Deutsch, 496 Seiten
Fulda Dramen
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-1506-2
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 496 Seiten
ISBN: 978-3-8496-1506-2
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ludwig Fulda war ein erfolgreicher deutscher Bühnenautor und Übersetzer. Dieser Band beinhaltet die folgenden Dramen: Inhalt: Maskerade Der Sohn des Kalifen Herr und Diener Die Sklavin.
Autoren/Hrsg.
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Johanna. Edmund
Johanna (aufseufzend) Ich kann mich kaum mehr aufrecht erhalten.
Edmund Was hast du, Mutter?
Johanna Vorhin die Aufregung . . . Und jetzt wieder der Respektsbesuch . . .
Edmund War doch aber ganz charmant mit uns, das große Tier.
Johanna Ja, davon zehrt dein Vater einen Monat lang. (Ab links)
Zwölfter Auftritt
Edmund. (Gleich darauf) Geheimrat
Edmund (nachsinnend) Die Baronesse Wittinghofs . . .? Nee! Keine Ahnung! –
Geheimrat (kommt zurück, eilt in enthusiastischer Stimmung auf Edmund zu) Junge! Junge! Du Sonntagskind! Du Glückspilz! Das hast du gut gemacht! Großartig hast du das gemacht! Dafür muß ich dich einfach umarmen!
Edmund Was hab' ich gemacht, Papa?
Geheimrat Du kapierst wohl noch gar nicht?
Edmund Nee.
Geheimrat Du witterst nicht, daß hinter diesem Besuch mehr steckt als eine zeremonielle Höflichkeit?
Edmund Was sonst?
Geheimrat Haha, mich macht man nicht dumm; da müßte man früher aufstehen! Er hat es ja sehr sein eingefädelt, der alte Diplomat; sehr geschickt! Aber, Gott sei Dank, wir sind auch nicht auf den Kopf gefallen!
Edmund Ja, was kann er denn . . .
Geheimrat Paß auf, mein Junge! Der Freiherr von Wittinghof, ein Mann aus den allerersten Gesellschaftskreisen, fühlt wenige Tage nach seiner Rückkehr auf einmal das dringende Bedürfnis, seinen alten Kommilitonen Schellhorn aufzusuchen, den er zwanzig Jahre lang geschnitten hat! Er ist von bestrickender Kordialität; er spricht beiläufig von seiner Tochter; er läßt durchblicken, daß es ihm sehr erwünscht ist, wenn wir seine Visite bald erwidern; er hat es geradezu eilig damit. Ganz zuletzt – rein zufällig – fragt er nach dir. Er erwähnt so nebenher, daß seine Tochter dich kennt; er betont, daß sie ihm von dir erzählt hat. In diesem Zusammenhang wünscht er schließlich, deine Bekanntschaft zu machen. Das alles aus purer Courtoisie, aus überquellender Menschenfreundlichkeit! Nun? Geht dir noch keine Laterne auf?
Edmund Du glaubst . . .
Geheimrat Eine Eroberung hast du gemacht, mein Junge! Die Baronesse ist in dich verschossen!
Edmund Aber Papa, ich erinnere mich effektiv nicht . . .
Geheimrat Du erinnerst dich nicht! Und du hast auch noch die unglaubliche Ungeschicklichkeit, ihm das ins Gesicht zu sagen! In solchen Fällen erinnert man sich immer!
Edmund Na ja, kleine Entgleisung. Aber dir kann ich's doch sagen: kenne das Mädchen nicht.
Geheimrat Ach was, du wirst dir nicht die sämtlichen Namen deiner Tänzerinnen gemerkt haben! Die versteht man ja so wie so meistens nicht, wenn man vorgestellt wird.
Edmund Möglich, daß ich mal mit ihr 'rumgehopst bin . . .
Geheimrat Nun also! Ein flotter Tänzer bist du; ein gradgewachsener hübscher Bengel dazu – das reicht doch aus, um so einem jungen Ding den Kopf zu verdrehen! Und jetzt, wie ihr Vater sie wiedersah und sie vertraulich inquirierte, ob das kleine Herzchen noch nicht gesprochen hat, da hat sie ihm nach einigem Sträuben und Zieren das süße Geheimnis eingestanden. Ich will mich hängen lassen, wenn sich die Sache nicht aufs Haar so zugetragen hat!
Edmund Und was weiter?
Geheimrat Das fragst du noch? Morgen wirst du dort antreten.
Edmund Er hat mich ja gar nicht aufgefordert.
Geheimrat Lächerlich! Uns hat er aufgefordert; und wenn er es bei dir nicht ausdrücklich wiederholte – ich garantiere dir, daß dein Besuch ihm genehm sein wird, und seiner Tochter noch mehr.
Edmund Das mag ein nettes Scheusal sein.
Geheimrat Warum denn ein Scheusal? Ich wette vielmehr, daß es eine hochgebildete, wohlerzogene, liebenswürdige junge Dame sein wird. Und ich rate dir: schmiede das Eisen, solang es warm ist.
Edmund Papa – selbst angenommen, daß all das stimmt . . .
Geheimrat Du wirst dich doch nicht noch lang besinnen! Du wirst dich doch nicht noch bitten lassen! Junge, das ist ja dein Glück, dein angelegtes Glück! Die einzige Erbin eines der reichsten Aristokraten; die Nichte des Ministers! Du der Neffe des Ministers – und zwar eines Ministers, der allem Anschein nach ein zähes Leben hat! Vermögen, soziale Stellung, Einfluß, Verkehr, Konnexionen, Avancement – man kann ja in einem Atem gar nicht aufzählen, was alles mit einem Schlag dir in den Schoß fallen würde. Darum nochmals, fackele nicht lange; sondern mach dich 'ran und greif zu!
Edmund Nimm mir's nicht übel, Papa . . .
Geheimrat Was?
Edmund Bedaure lebhaft; aber kann mich auf den Handel nicht einlassen.
Geheimrat Du kannst nicht? Noch bevor du das Mädchen überhaupt gesehen hast! Und warum denn nicht?
Edmund Habe vorläufig noch absolut keine Lust, ins Ehejoch zu kriechen.
Geheimrat Keine Lust? Und deshalb willst du eine Chance von der Hand weisen, wie sie dir vielleicht im ganzen Leben sich nicht zum zweitenmal bieten wird! Deshalb willst du für nichts achten, was du nicht allein dir selbst, sondern auch mir schuldig bist? Hab' ich mich denn vorhin nicht deutlich genug ausgedrückt?
Edmund Wenn du dich so darauf kaprizierst . . .
Geheimrat Allerdings, das tu' ich.
Edmund (zögernd) Dann . . . äh . . . dann bleibt mir nichts übrig, als dir reinen Wein einzuschenken.
Geheimrat Wie?
Edmund Ich . . . äh . . . ich bin . . . nicht frei.
Geheimrat Nicht frei?! Was heißt denn das?
Edmund Na, das heißt, ich . . . äh . . . ich hab 'n Verhältnis.
Geheimrat Und das nennst du »nicht frei«?!
Edmund Nicht so 'n gewöhnliches Techtelmechtel; ein . . . ein seriöses Verhältnis . . . mit einem Wort . . . äh . . . 'ne Herzensangelegenheit.
Geheimrat Nun, da haben wir die Pastete!
Edmund 'ne Sache, wo man nicht so einszweidrei loskommen kann.
Geheimrat Hab' ich's doch geahnt! Eine verheiratete Frau natürlich!
Edmund Nee; ein Mädchen.
Geheimrat Was ist das für ein Mädchen?
Edmund Ein sehr anständiges Mädchen.
Geheimrat (höhnend) Ein anständiges Mädchen, das mit dir ein Verhältnis hat! Guter Witz das! Mußt du dem Simplicissimus einschicken!
Edmund Ich bin bei ihr der erste.
Geheimrat Das behauptet sie.
Edmund Das behaupte ich. Darauf leist' ich 'nen Eid, wenn's verlangt wird.
Geheimrat Schon gut! Schon gut! Eine Heilige! Eine Vestalin!
Edmund Es ist nicht so eine, wie du denkst.
Geheimrat Wer von uns beiden hat die reichere Erfahrung? Du oder ich?
Edmund Es ist ein gebildetes Mädchen.
Geheimrat Gebildet! Was das schon für 'ne Bildung sein mag! Bißchen Firnis. Oder . . . (mit plötzlicher Angst) Mensch, du wirst doch nicht gar ein Mädchen aus guter Familie verführt haben!
Edmund Sie steht allein.
Geheimrat (erleichtert auflachend) Haha, das hättest du gleich sagen müssen: ein alleinstehendes Mädchen; haha!
Edmund Ein illegitimes Kind.
Geheimrat Wird ja immer besser. Also aus dem Sumpf! Schon geboren in der Schande, in der Unsittlichkeit.
Edmund Von Unsittlichkeit kann hier keine Rede sein.
Geheimrat Du Kiek-in-die-Welt willst mich wohl darüber belehren, was sittlich ist und was nicht! Ein solches Geschöpf . . . ein solches Frauenzimmer . . .
Edmund Papa – muß dich ebenso höflich wie formell ersuchen, nicht in diesem Ton von ihr zu sprechen!
Geheimrat Sonst forderst du mich; was?
Edmund Das Mädchen verdient Achtung, trotzdem sie mich gern hat.
Geheimrat Hut ab!
Edmund Und würdest du sie kennen . . .
Geheimrat Ich bedanke mich dafür!
Edmund Kurzum, sie ist mir nicht gleichgiltig. Sie hat außerdem gewissermaßen ein Recht auf mich, wenn auch nur 'n moralisches.
Geheimrat Ein unmoralisches!
Edmund Egal, ich fühle mich gebunden . . .
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