E-Book, Deutsch, Band 309, 256 Seiten
Reihe: Historical
Fulford Die sinnliche Rache des Wikingers
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7337-6390-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 309, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-7337-6390-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
'Niemals werde ich die Hure eines Mannes sein!' Astrid ist außer sich, als Leif Egilsson ihr anbietet, ihm übers Meer zu folgen. Aber hat sie eine Wahl? Schließlich ist der wilde Krieger ihre letzte Chance, einer Zwangsehe zu entgehen. Sie entscheidet sich für die Flucht - doch ihr grausamer Onkel durchkreuzt ihren Plan, legt Leif in Ketten und lässt ihn glauben, dass sie es war, die ihn verriet. Seine blaugrauen Augen, die ihr eben noch höchste Wonnen versprachen, starren sie nun hasserfüllt an. Und Astrid hat keine Zweifel: Sollten seine Männer ihn befreien, muss sie mit dem Schlimmsten rechnen - mit seiner gnadenlosen Rache ...
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1. KAPITEL
Leif Egilsson löste seinen Dolch mit einem kräftigen Ruck. Lautlos glitt der Körper des toten Wachmanns zu Boden. Jenseits der weiten Lichtung, die vor ihm lag, erblickte er ein großes Lagerfeuer, um das sich ein gutes Dutzend Männer versammelt hatten. Ausgelassen lachten und scherzten sie miteinander, ihre Waffen hatten sie arglos ein paar Meter entfernt von sich abgelegt. Hinter den Männern war ein imposantes Zelt aufgeschlagen, das zweifellos dem Prinzen und seinem engeren Gefolge als Schlafstätte diente. Direkt daneben entdeckte Leif ein kleineres Beizelt, an dessen Eingang zwei weitere Wachen postiert waren.
„Hier hält Hakke sie gefangen“, raunte er.
Halfdan Svarti nickte. „Wir schlagen zu, noch bevor sie überhaupt ahnen, wie ihnen geschieht. Und in der Zwischenzeit findet ihr Lady Ragnhild und bringt sie in Sicherheit.“
„Du kannst dich darauf verlassen.“
Die zwei Männer gingen den Weg zurück in den Wald, wo fünfzig schwer bewaffnete Krieger bereits auf sie warteten. Halfdan blickte düster in die Runde.
„Heute werden keine Gefangenen gemacht. Wir bereiten der Sache hier ein für alle Mal ein Ende.“ Seine Männer lauschten ihm in wilder Vorfreude auf den kommenden Angriff.
Leif suchte den Blick seines Bruders. „Bereit?“
Finn grinste. „Bereit? Schwingt Thor den Hammer?“
„Heute ganz bestimmt.“
„Freut mich, das zu hören, Vetter“, sagte Erik, „das Leben ist ein bisschen eintönig geworden in letzter Zeit.“
Neben ihnen strich ein ergrauter Krieger sanft über den Griff seiner Axt. „Du sprichst die Wahrheit. Seit Wochen hat es schon so gut wie kein Gefecht gegeben. Mein Henkersbeil ist durstig.“
„Sein Durst soll schon bald gestillt werden, Thorvald“, versicherte ihm Leif.
Der ältere Mann lachte leise und erntete ein vielsagendes Grinsen von den umstehenden Kriegern. Gleich darauf ertönten das Klirren von Kettenhemden und das unheilvolle Wispern blankgezogener Klingen. Leif lächelte, als er seine Hand noch fester um den Griff seines mächtigen Schwertes legte. Nur kurz berührte er das Amulett an seinem Hals.
„Es geht los, Männer.“
Sie setzten sich in Bewegung und marschierten bis zum äußersten Ende des Dickichts. Halfdan reckte jetzt sein Schwert empor, und mit ohrenbetäubendem Geschrei schoss seine Meute aus ihrer Deckung hervor und dem Feind entgegen.Astrid setzte sich kerzengerade auf, erschrocken blickte sie zu Ragnhild hinüber. „Was war das?“
„Ich weiß nicht. Es klang wie …“
Im nächsten Moment wurden ihre Worte von schrillem Kriegsgebrüll und wildem Chaos übertönt: Schreie, trampelnde Füße und das unverkennbare Geräusch von gekreuztem Stahl. Astrid sprang auf die Beine und rannte zum Eingang des Zeltes. Sie riss die Vorhänge beiseite, um einen Blick auf das Geschehen zu erhaschen. Panik erfüllte ihre Augen.
„Allmächtige Götter! Wo um alles in der Welt kommen die denn her?“
Ragnhild eilte sofort zu ihr, als auch sie voller Schrecken der Meute kämpfender Krieger gewahr wurde. „Wessen Männer sind das? Weißt du das?“
„Nein, aber es sind ganz bestimmt Feinde von Prinz Hakke, was bedeutet …“
„Sie könnten uns freundlich gesinnt sein?“
„Das hoffe ich.“
Astrid betete inständig, sie möge recht behalten, auf dass sich ihre Lage am Ende nicht noch verschlimmern würde. Ihr Schicksal konnte sowohl Befreiung als auch Verdammnis bedeuten. Prinz Hakke würde seine Gefangenen nicht leichtfertig aufgeben. Eher würde er sie erschlagen, als sie an den Feind zu verlieren. Astrid schluckte schwer. Sie hatten keine Waffen, um sich zu verteidigen, sogar die schmalen Ziermesser hatte man ihnen abgenommen. Wahrscheinlich wollte der Prinz jegliche Gegenwehr von vornherein ausschließen. Und er tat gut daran: Sicher hätte auch Ragnhild von ihrer Waffe Gebrauch gemacht, bevor sie sich seinen Befehlen beugte – und Astrid hätte ihr das nicht zum Vorwurf gemacht. Allein die Vorstellung, nach dem Tod ihrer Herrin unter diesen Leuten zu weilen, musste ihr unerträglich sein. Es gab Dinge, die schlimmer waren als der Tod. Leif parierte den Schlag, der sich gegen seinen Kopf richtete, und kämpfte mit wilder Entschlossenheit. Es gelang ihm, seinen Widersacher einige Schritte zurückzudrängen, doch sein Gegner kämpfte verbissen weiter, kam wieder zu Kräften und griff Leif mit animalischem Schnauben an. Ein zweiter mörderischer Hieb wurde geschickt abgelenkt. Die Klingen kreuzten sich, glitten ab und verhakten sich ineinander. Leif riss sein Knie hoch und hörte noch ein schmerzerfülltes Stöhnen, als der Mann taumelte. Kurz darauf versenkte er Foe Bane tief in die Eingeweide seines Widersachers. Leif zog sein mächtiges Schwert aus dem Körper des Toten und schaute sich um.
Sein Blick fiel auf eine vertraute Gestalt, wenige Meter von ihm entfernt. Seinen Helm schmückte das Wappen des Jagdfalken. Wütend brüllte er seinen Truppen Befehle zu. Ehe sich der Krieger in das Schlachtgemenge warf, entdeckte er Leif in der Menge. Sein Blick funkelte vor Wut.
„Du!“
„Wie du siehst, Hakke.“
„Das hier wirst du mir büßen, Leif Egilsson. So wie die Schlacht bei Eid.“
Bevor sie weiterreden konnten, trat einer von Halfdans Männern in Hakkes Weg und lenkte ihn ab. Weitere Krieger kamen hinzu. Noch einmal sah der Prinz ihm in die Augen, bevor er sich zurückzog und im Kampfgetümmel verschwand. Leif verspürte den unbändigen Drang, Prinz Hakke nachzusetzen, doch er durfte sein Versprechen an den König nicht vergessen. Sollten sich die anderen um ihn kümmern. Sein Auftrag duldete keinen Aufschub. Der Lärm vor dem Zelt wurde lauter. Eine Horde Krieger versperrte den Frauen jetzt den Blick auf das Geschehen. Ein gellender Todesschrei ertönte, Blut spritzte gegen die Vorhänge. Die Frauen rangen nach Luft und sprangen zur Seite, als der leblose Körper eines Wachmanns durch den Zelteingang fiel. Kurz darauf wurden die schweren Vorhänge beiseitegeschoben. Eine große Gestalt trat ein. Der Mann trug einen Kettenpanzer, in seiner Faust ruhte ein blutbeflecktes Schwert. Weitere Krieger umgaben ihn. Die beiden Frauen erbleichten und wichen bis in die hinterste Ecke des Zeltes zurück.
Astrid wollte schreien, doch verstummte jäh, als der Eindringling auf sie zukam. Ihr Blick wanderte von der nackten bluttriefenden Klinge zu dem geronnenen Blut an seinem Kettenhemd und verharrte schließlich auf dem stählernen Helm, der das Gesicht seines Trägers nur teilweise verdeckte. Der Krieger blieb jetzt wenige Schritte vor ihnen stehen, und für die Dauer von ein paar Herzschlägen fiel sein kühler und prüfender Blick auf die beiden Frauen. Er senkte das Schwert.
„Habt keine Angst. Es wird Euch nichts geschehen.“
Das Gefühl der Erleichterung war so überwältigend, dass Astrid beinahe schwindelig wurde.
„Wer seid Ihr?“, verlangte sie zu erfahren. „Was habt Ihr mit uns vor?“
„Euch in Sicherheit zu bringen. Alles andere wird Euch mein Herr selbst erklären.“
„Und wer ist Euer Herr?“
„König Halfdan.“
Beide Frauen sahen ihn erstaunt an. Ragnhild griff beherzt nach Astrids Arm. „Halfdan?“
„Jawohl.“
„Oh, den Göttern sei Dank“, sprudelte es aus ihr heraus. Auch Astrid vermochte wieder zu atmen, nachdem ihr die Angst so lange die Kehle zugeschnürt hatte.
„Ist der König hier?“, fuhr Ragnhild fort.
„Nichts hätte ihn davon abhalten können. Eure Sicherheit und Euer Wohlergehen liegen ihm sehr am Herzen.“
„So wie auch sein Wohlergehen mir am Herzen liegt. Wem also schulde ich Dank für die Überbringung so erfreulicher Nachricht?“
„Leif Egilsson, zu Euren Diensten.“
„Ich werde mich an diesen Namen erinnern.“
„Das ehrt mich sehr.“
In diesem Moment hörten sie weitere Stimmen vor dem Zelt, eine von ihnen war wesentlich kräftiger als die anderen und verlangte, Ragnhilds Aufenthaltsort zu erfahren. Gleich darauf betrat ein Mann von großer Statur mit dunklem Haar und Bart das Zelt. Sein Gesicht schien wie aus Stein gemeißelt, doch als er Ragnhild erkannte, wich mit einem Mal alle Härte von seinem Gesicht. Dieser Blick sagte alles. Ragnhild stürmte ihm entgegen und fiel ihm in die Arme.
„Ich dachte, ich würde Euch nie wiedersehen.“
„Kein Mensch soll Euch mir je entreißen.“ Er betrachtete sie zärtlich. „Hat einer der Barbaren Euch ein Leid zugefügt?“
„Nein, es geht mir gut.“
„Odin sei Dank dafür.“
Astrid betrachtete beide mit einem Lächeln. Sie war beseelt, ihr Herz wollte schier überquellen vor Glück. Sie dankte den Göttern für ihrer beider Schicksal, das sich jetzt so anders zeigte, als sie es zuvor erwartet hatten. Das wiedervereinte Paar verließ jetzt zügig das Zelt, um endlich allein zu sein und in Ruhe miteinander reden zu können. Halfdans Männer grinsten, als sie die beiden fortgehen sahen, und machten sich sodann selbst in unterschiedliche Richtungen auf den Weg.
„Eine glückliche Wende des Schicksals“, sagte Astrid, als sie sich Leif zuwandte. „Ohne Euer rechtzeitiges Eingreifen wären wir verloren gewesen. Ich bin Euch sehr dankbar.“
Leif sagte nichts. Er griff nach den schweren Türvorhängen, wischte das Blut von seinem Schwert und ließ es in die Scheide zurückgleiten. „Ihr braucht mir nicht zu danken. Ich hatte noch eine Rechnung offen. Sie ist nun beglichen.“
...



