E-Book, Deutsch, Band 1, 315 Seiten
Reihe: Rebel Kiss
Full Rebel Kiss: Heimliche Liebe
21001. Auflage 2021
ISBN: 978-3-646-60727-7
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Prickelnde Bad Boy Romance am Strand über die verbotene Liebe zum Anführer einer Gang
E-Book, Deutsch, Band 1, 315 Seiten
Reihe: Rebel Kiss
ISBN: 978-3-646-60727-7
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lillemor Full, Jahrgang 1989, lebt im schönen Weserbergland und befindet sich ständig auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und dem perfekten Job. Nach dem Abitur absolvierte sie ein freiwilliges soziales Jahr im Sport, eine Ausbildung zur Kosmetikerin sowie ein Studium der Public Relations und arbeitete in zahlreichen Berufen. Lediglich dem Schreiben ist sie seit Kindheitstagen treu.
Autoren/Hrsg.
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Eins
. Wer das Ortsschild zum ersten Mal sieht, denkt vermutlich, dass es sich um die Stadt der Sünder handelt. Gezeichnet von Kriminalität und Drogenhandel. Hinter jeder Ecke lauert das Unheil. Oder der Teufel himself.
Doch bei mir lösen diese drei Wörter Glücksgefühle aus. Sie erinnern mich an unbeschwerte Sommer und schöne Augenblicke.
Ich kurble das Fenster meines Pick-ups herunter und atme die salzige Luft ein. Feucht und schwer wabert sie mir entgegen und erfüllt das Innere meines Autos. Der Geruch hat sich in den letzten drei Jahren nicht verändert. Unglaublich, dass ich so lange nicht in dieser Stadt war. Und noch viel unglaublicher finde ich, dass ich mich in diesem Moment hier befinde. Wenn mir jemand vor achtundvierzig Stunden gesagt hätte, dass ich dieses Jahr meine Semesterferien in Kill Devil Hills verbringe, hätte ich es nicht geglaubt. Aber genauso wenig hätte ich vor zwei Tagen geglaubt, dass ich als Single anreise.
Ich seufze und ärgere mich darüber, dass meine Gedanken schon wieder zu Logan wandern. Ich bin seit über zehn Stunden und fünfhundert Meilen unterwegs und wenn ich ehrlich bin, habe ich ununterbrochen an ihn gedacht. Kein Wunder. Die Trennung nach über zwei Jahren Beziehung kam so unvorhergesehen wie eine Sternschnuppe in einer bewölkten Nacht. Plötzlich und aus dem Nichts. Leider habe ich in diesem Fall keinen Wunsch frei. Im Gegenteil, ich muss Logans Wunsch nach Freiheit respektieren. Er fühle sich nicht bereit für eine richtige Beziehung und wolle sich ausprobieren. Wie schön, dass ihm das nach zwei Jahren einfällt und noch dazu, wenn sich ihm die Gelegenheit bietet, mit seinen zwei besten Kumpels die Semesterferien in einem Camper zu verbringen und von Festival zu Festival zu reisen.
Für mich wäre sein Urlaub vollkommen okay gewesen, aber nachdem er sich spontan von mir getrennt hat, weiß ich ja, worauf diese Buddy-Reise hinausläuft. Bestimmt hat er mit Sean und Chad sogar eine Wette am Laufen, wer die meisten Mädels flachlegt. Sollte ich ihm sogar dankbar sein, dass er mich verlassen hat, bevor er mich betrogen und verletzt hätte?
Ich schüttle den Kopf. Ich muss diese Gedanken loswerden und meinen eigenen Sommer genießen. Auch wenn die Zeit in einem Ort mit knapp siebentausend Einwohnern wahrscheinlich nicht allzu spannend wird.
Während ich durch die mir vertrauten Straßen fahre, überkommen mich Zweifel, ob mein überstürzter Aufbruch in Pittsburgh richtig war. Hätte ich in einer Großstadt nicht mehr Ablenkung? Zum wiederholten Male entfährt mir ein schweres Seufzen. Ich weiß jetzt schon, dass Tante Olive mir erst mal eine ausführliche Rede darüber halten wird, warum Männer niemals ein Must-have, sondern nur ein Nice-to-have sein sollten. Wenn überhaupt.
Während ich Tante Olive wild gestikulierend vor mir sehe, schießt von links ein Motorrad heran. Intuitiv mache ich eine Vollbremsung und drücke gleichzeitig auf die Hupe.
»Arschloch!«, rufe ich, doch den Fahrer scheint es nicht zu stören. Er hebt lässig die Hand, die in einen tätowierten Arm übergeht, und grinst überheblich. Für wen hält er sich? Mister Obercool trägt nicht einmal einen Helm, sodass seine schwarzen Haare im Wind wehen. Ob seine Knochen auch so lässig sind wie er, wenn ein Autofahrer mal nicht schnell genug abbremst? Und seit wann gibt es hier solche Vollidioten? Wahrscheinlich ist er ein Tourist. Denn diese Kleinstadt war für mich stets der Inbegriff von heiler Welt, in der alle nett zueinander sind und in der man sich sicher fühlen kann.
Mit zitternder Hand starte ich den Motor neu und setze meine Fahrt fort. Nach zwei weiteren Kreuzungen parke ich vor dem Diner meiner Tante, das einen neuen Anstrich bekommen hat und nun in einem angenehmen Sonnengelb erstrahlt.
Ich steige aus und strecke mich. Mein Shirt klebt unangenehm an meinem Rücken und ich klaube es von meiner verschwitzten Haut. Ein Auto mit funktionierender Klimaanlage wäre für die schwülen Sommer in North Carolina nicht schlecht.
Obwohl ich einige hundert Meter vom Meer entfernt bin, bilde ich mir ein, dass ich bereits die Wellen des Atlantiks höre. Am liebsten würde ich abends noch an den Strand fahren, den ich so lange nicht gesehen habe. Aber es ist spät und ich möchte morgen an meinem ersten Arbeitstag fit und ausgeschlafen sein. Und dann werde ich ohnehin jeden Tag am Meer verbringen.
Bei der Gewissheit breitet sich ein Grinsen auf meinem Gesicht aus und für einen kleinen Moment vergesse ich, warum ich spontan aufgebrochen bin, und freue mich auf die kommenden drei Monate.
Ich zerre meinen riesigen Rucksack vom Beifahrersitz, knalle die Autotür zu und betrete das Diner. Ehe ich mich richtig im Lokal befinde, stürmt auch schon Tante Olive mit ausgebreiteten Armen auf mich zu.
»Es gibt nur eine Person, die ihre Autotür so enthusiastisch zuknallt – meine Maddie!«
Mindestens genauso enthusiastisch umarmt sie mich jetzt.
»Hey, Tante Olive!«, sage ich und bekomme kaum Luft. Ich habe mich schon immer gefragt, wie so eine zierliche Person so viel Kraft aufbringen kann. Ich vermute, dass sie all ihre Liebe in ihre Umarmungen legt, sodass man sich einerseits unheimlich willkommen fühlt, aber andererseits ein paar blaue Flecken in Kauf nehmen muss.
Schließlich löst sie sich von mir, fasst mich an den Schultern und schiebt mich ein Stück von sich weg.
»Groß bist du in den letzten drei Jahren geworden«, sagt Tante Olive und mustert mich kritisch.
Ich rolle mit den Augen. »Also eigentlich bin ich seit ein paar Jahren ausgewachsen.«
Sie schüttelt den Kopf. »Ich spreche nicht von deiner Körpergröße. Du siehst erwachsener aus. Und deine Augen haben ihren typischen Maddie-Glanz verloren.«
Sie haben ihr Strahlen verloren? Sehe ich bereits mit einundzwanzig Jahren verbittert aus? Ich muss schlucken.
Ihre Worte treffen mich unvorbereitet. Zeitgleich weiß ich, dass sie recht hat. Bevor ich in Tränen ausbrechen kann, schiebt sie mich glücklicherweise zum Tresen und sagt: »Aber keine Sorge, wenn ein paar Wochen vergangen sind, bist du wieder die Alte. Die Stadt und ich werden schon dafür sorgen. Ich mache dir erst mal mein neues Spezialsandwich. Du hast doch Hunger, oder?«
Ich lasse mich auf einen Barhocker plumpsen und nicke. Das erste Mal, seitdem Logan mit mir Schluss gemacht hat, verspüre ich nicht nur Hunger, sondern auch Appetit. Vermutlich liegt es daran, dass mir jemand etwas zubereitet und ich mich nicht selbst darum kümmern muss.
Ein wohliges Gefühl durchströmt mich, als ich Olive dabei zusehe, wie sie im offenen Küchenbereich eins ihrer köstlichen Sandwiches für mich zaubert.
Als kleines Kind und als Jugendliche habe ich jeden Sommer bei ihr verbracht. Meine Eltern hatten nie etwas dagegen, sondern haben sich über unser gutes Verhältnis gefreut und waren froh, dass sie mal Zeit nur für sich hatten. Deswegen fühlt es sich jedes Mal, wenn ich nach Kill Devil Hills komme, nach Zuhause an. Mein zweites Zuhause bei meiner wundervollen Tante.
Die letzten zwei Jahre habe ich meinen Sommer allerdings in Pittsburgh verbracht. Wegen Logan. Er musste die kompletten Semesterferien arbeiten und ich wollte ihn nicht allein lassen. Während er in der Firma seines Vaters im Büro saß, war ich als Bademeisterin im Freibad tätig und verzichtete darauf, in Kill Devil Hills als Lifeguard zu arbeiten, wie ich es die Jahre zuvor getan hatte. Abends und am Wochenende haben wir dann gemeinsam etwas unternommen. Er hatte mir versprochen, dass wir dieses Jahr zu zweit verreisen. Tja und dann kam der spontane Trip mit seinen Kumpels.
Meine Tante stellt mir einen Teller und mein Lieblingsbier vor die Nase und reißt mich aus meinen Gedanken.
»So und jetzt erzähl mir, warum du vorgestern bei mir angerufen und gefragt hast, ob du kurzfristig anreisen kannst.«
Ich nehme einen Schluck vom Bier, um etwas Zeit zu schinden. Dann zucke ich mit den Schultern und antworte: »Ich habe mir überlegt, dass ich diesen Sommer gerne mal wieder als Lifeguard arbeiten möchte. Dann habe ich bei Steve angerufen und gefragt, ob er wen für seine Crew braucht. Er hat gesagt, dass er dringend Ersatz für Abby sucht, die einen Bänderriss hat. Also bin ich angereist.«
Gekonnt weiche ich ihrem Blick aus und fokussiere stattdessen mein Sandwich. Ich nehme einen großen Bissen und stöhne sogleich auf. »Verdammt, schmeckt das geil!«
In meinem Mund entsteht ein wilder Geschmacksmix und ich kann gar nicht sagen, mit was das Sandwich belegt ist. Ich beäuge es und mache unter anderem Bacon, Salat, Avocado und irgendeine Sauce aus.
»Und warum bist du wirklich hergekommen?«, fragt sie und unterbricht damit meine Sandwichinspektion. Ich kann ihr wie immer nichts vormachen. Langsam lege ich mein Essen auf den Teller und widme mich meinem Bier.
»Logan.« Die grünen Augen meiner Tante blitzen auf und ich weiß, dass ich nichts weiter sagen muss. Sie war nie ein Fan von Logan, obwohl sie ihn nur aus meinen Erzählungen kennt.
»Was hat er gemacht?« Ihre Stimme klingt scharf und sie erinnert mich an eine Löwin, die lauernd ihre Beute anvisiert. Ein Glück für...




