Funke | Back to Black | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 316 Seiten

Funke Back to Black

Kriminalroman
2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7557-4469-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, 316 Seiten

ISBN: 978-3-7557-4469-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Alles fängt wie immer harmlos an. Einem älteren Mann ist die Partnerin davongelaufen. Er beauftragt einen Privatdetektiv. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Es gibt Tote. Ermittlungen in der Szene von Transsexuellen. Die entlaufene Partnerin entstammt dieser Szene. Es gibt einen weiteren Toten und einen Anschlag auf den Privatdetektiv. Die Polizei ermittelt. Bald stellt sich heraus, es geht auch um Drogen und um verschwundenes Geld aus einem zurückliegenden Bankraub. Der Privatermittler gerät immer tiefer hinein und auch persönlich in größere Gefahr. Dennoch findet er die Verschwundene. Sie lebt bei einem schwerreichen Amerikaner, hat wieder einmal ihre Identität gewechselt. Doch, da geschehen neue Morde. Ist es ein Rachefeldzug wegen der verschwundenen Beute? Der Privatermittler ist der Polizei fast immer einen Schritt voraus. Aber damit auch der Gefahr näher. Der Schluss? Er wird nicht verraten, er ist wie im Leben eine Überraschung und auch wieder keine.

Klaus Funke, geboren in Dresden, ist ein bekannter Autor zahlreicher belletristischer Genres. Musikerromane, historische Romane, Romane zur politischen Gegenwart, Krimis, Kabarettistisches. Einige sind bei BoD erschienen, andere bei größeren Verlagen
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In diesem Frühjahr merkte ich das erste Mal, dass ich alt wurde.

Ich konnte beim Pinkeln nicht mehr den Strahl sehen und er war ab und zu unterbrochen wie bei einem abgeknickten Gartenschlauch. Auch vergaß ich immer häufiger Namen, wo ich mich früher fast als ein wandelndes Adressbuch hätte ausgeben können. Plötzlich war er weg, der Name, und später, manchmal gleich, manchmal viel später tauchte er zu den unpassendsten Gelegenheiten wieder auf. Komisch, nicht wahr? Gut. Nicht, dass mich das alles besonders gestört hätte und ich machte mir auch keine Gedanken weiter. Ich spürte nur, irgendetwas war anders als sonst, ich war nicht mehr der alte, mich schien das „Früher-war-alles-besser-Syndrom“ ergriffen zu haben.

Auch in meinem sonstigen Leben war in diesem Frühjahr vieles anders geworden. Ich hatte mein Jurastudium im 5. Semester abgebrochen. Irgendein alter Bekannter hatte mir vor einiger Zeit geraten: Studier doch noch was, egal was, auch wenn du schon über Vierzig bist, am besten Jura, das kannst´e immer brauchen. Und, da ich sowieso dabei war, alles umzukrempeln, nahm ich seinen Vorschlag an. Das war vor zwei Jahren gewesen: meine Frau war mir gerade davon gelaufen. Richtige Gründe hatte sie nicht angegeben. Kinder hatten wir nicht und wir waren ungefähr zehn Jahre zusammen gewesen, wenn man die Kennenlernphase mitrechnet. Eines Tages war sie weg, abgehauen mit einem zwanzig Jahre jüngeren Studenten. Seinen Namen weiß ich nicht. Vielleicht konnte er es besser als ich, auf alle Fälle länger. Scheiß drauf, ich würde ihr nicht nachtrauern oder gar hinterher rennen. Meine Schreiberei – richtige Schriftstellerei war es ja sowieso nie gewesen – hatte ich auch an den berühmten Nagel gehängt. Nicht viel war dabei herausgekommen und ich fand auch keinen richtigen Verlag. Gerademal 3 Bücher in 5 Jahren, mit Kleinauflagen von ein paar Hundert. Hatte alles nur viel Geld gekostet und noch mehr Nerven und Zeit. Nicht mal die Eitelkeit konnte ich richtig befriedigen. Nein, das war vorbei. Und so schien mir das Studieren gerade recht. Und es gefiel mir am Anfang auch ganz gut. Eine riesige Faulenzerei war das. Den ganzen Tag nur rumsitzen und zuhören, mal ein Seminar, eine Belegarbeit – na und? Dafür Studentenleben bis zum Abwinken - herrlich. Ich glaube, ich habe in den 5 Semestern alle Kneipen der Stadt kennengelernt. Und ein bisschen Geld aus einer Erbschaft hatte ich auch, bekam sogar Bafög…

Doch nun gefiel mir das Studieren nicht mehr, alles öde und zum Einschlafen langweilig, ringsum nur so farblose Bürschchen, dafür jede Menge schönbunte Girls, aber ich kriegte nichts ab. Nicht eine einzige. Nicht mal die hässlichste interessierte sich für mich. Ich war einfach zu alt. Ein alter Knochen eben! Manche sagten „Oldie“ zu mir, das waren noch die freundlichsten, andere riefen: „Na Opi? Schon die Rente beantragt?“

Wisst ihr wie das frustet, wenn dir einer die Rente zutraut und du bist gerademal 42?

Also hatte ich das Jurastudium aufgegeben. Doch irgendetwas muss man ja machen, irgendwie ein Pfund Kohle verdienen.

Da kam wieder der alte Bekannte, von dem ich schon erzählt habe, und er hatte wieder eine Bombenidee: Mensch, du hast jetzt ein paar Semester Jura studiert, früher hast du Bücher geschrieben, du kennst ein Haufen Leute bei der Polizei – das war natürlich Blödsinn und heillos übertrieben, denn genaugenommen kannte ich nur einen von der Polizei, nämlich Herrn Persicke, Paul Persicke, einen pensionierten Hauptkommissar von der Kripo, der wohnte bei uns im Erdgeschoss.

Also mach doch eine private Detektei auf, schlug mein Bekannter vor, ein paar Liebhaber aufspüren, irgendetwas Verlorenes wiederfinden, eine Perlenkette, einen entlaufenen Terrier oder sonst was, vielleicht als Krümelfresser bei einem oder mehreren Scheidungsanwälten. Irgend sowas, verstehst du? Los, melde ein Gewerbe an. Mach schon. Komm aus dem Arsch. Ich helfe dir auch am Anfang, mach für dich ein paar Botengänge oder knipse diesen oder jenen Ehebrecher mit der Polaroid oder mit ´nem Teleobjektiv, höre in der Kneipe die Gespräche der Verdächtigen mit dem Recorder ab.

So quatschte mein alter Bekannter – wahrscheinlich hatte er zu viel über Philip Marlowe gelesen - aber ihr glaubt es nicht, ich meldete tatsächlich ein Gewerbe an. Als Privatermittler, Privatdetektiv. Private Ermittlungen, Observationen, diskret, preiswert und schnell. Sogar staatliche Fördermittel würde ich kriegen, sagte die vom Arbeitsamt. Eine üppige Blondine mit einem Ausschnitt so groß wie eine Tunneleinfahrt. Die Jurastudien würden mir als Fachkenntnisse angerechnet. Sie servierte mir einen Kaffee, rückte mir auf den Pelz, sie roch nach Lavendelblüten und sie hatte verschiedenfarbig lackierte Fingernägel. Es hätte nicht viel gefehlt und sie hätte mich gleich in ihrem Dienstzimmer auf dem Schreibtisch vernascht, und ich stellte mir vor, mit dem nackten Hintern auf ihren Akten zu sitzen, während auf ihrem PC der Bildschirmschoner mit dem Logo vom Arbeitsamt vor sich hin trudelte. Ich verabschiedete mich schnell, hastig, überstürzt und raus war ich. Gottseidank.

Also, ihr glaubt es nicht, es ging wirklich los mit der Detektei. Ich hatte mir Visitenkarten und Flyer machen lassen und die dann überall, in einschlägigen Anwaltskanzleien und in den Fluren vom Amtsgericht ausgelegt, auch hatte ich annonciert, zweispaltig und exklusiv. Verdammt, das alles kostete mich einen Haufen Geld. Aber, ihr wisst ja: Ohne Speck – keine Mäuse.

Plötzlich eines Tages, ich glaube, es war mein dritter Tag als Privatdetektiv Franz Aufdegger, da klingelte mein Telefon. Aufdegger! Blöd, was? Ja, lacht nur, aber so heiß ich nun einmal, hat mir schon viel Spott eingebracht, der Scheißname. Wenigstens mit doppeltem „g“, sonst mit „ck“ wäre es noch blöder gewesen. Aber, sollte ich mir für viel Geld einen neuen Namen zulegen? Nein, natürlich nicht. Das Telefon war ein uraltes, mattschwarz, noch mit einer 5-Meter-Schnur und einer Wählerscheibe – so mit Löchern für die Finger, ich sag das nur für die, welche nie ein solches Telefon gesehen haben. Klar, es hatte weder Speicher noch Wahlwiederholung. Dafür echt Retro. Ich dachte, so was macht Eindruck, fast wie bei Columbo. Und es war auch tatsächlich das Eindrucksvollste in meinem Büro. Wenn ich mal von einem rotweißen Cadillac-Modell im Maßstab 1 : 18 absehe, der auf meinem wurmstichigen Schreibtisch absprungbereit wie ein Tiger stand. Ich hatte ihn aus einer Haushaltauflösung gerettet. War schon in der Sperrmüllpresse gelandet. Und natürlich, eindrucksvoll war auch die Mattglasscheibe in der Tür mit dem verschnörkelten Sütterlin-Logo „, will sagen so viel *“ muss sein.

(* bitte beim Lesen englisch aussprechen!)

Also mein Retro-Telefon klingelte - rring, rring - und es klingelte so den Nerv tötend schrill – rring, rring - richtig ins Unterbewusste dringend wie die alten Telefone früher geklungen haben – rring, rring - so ein Klingelton weckt Tote auf – rring, rring - erinnert ihr euch noch an die Eingangsszene von „Es war einmal in Amerika“? Genauso klingelte es. Rring, rring. So durchdringend, so vibrierend. Und ich genoss diesen Klingelton, ich ließ es rasseln, vielleicht eine ganze Minute lang. Wisst ihr wie lang eine Minute Telefongeklingel sein kann?

Also, ich nahm den alten Retro-Hörer in die Hand, er fühlte sich kalt an und er roch auch so herrlich antik. Der jahrzehntelange Tabakgeruch – es hatte vor 40 oder 50 Jahren mal einem entfernten Verwandten und veritablen Zigarrenraucher gehört - war bis ins Gehäuse gekrochen und hatte sich dort niedergelassen.

Ja, hier Aufdegger!

Erst hörte ich gar nichts, nur so ein Lispeln. Am anderen Ende war ein Flüsterer. Offenbar ein vollkommen schüchterner und ängstlicher Typ. Angst vor dem eigenen Entschluss – so einer. Er sprach hastig wie ein Schnellsprecher von der Arzneimittelwerbung im Fernsehen, wenn es um die Nebenwirkungen geht, und er sprach furchtbar leise und er lispelte nur so ins Telefon. Ich verstand bloß die Hälfte. Auf alle Fälle wollte er mich treffen, und zwar heute noch und in einem Gartenlokal an der Elbe. Das hieß Rosengarten. Ich kannte dieses Lokal, war aber schon länger nicht mehr dagewesen. Dort also wollte er mir alles erklären und mir einen Auftrag erteilen. Seinen Namen hatte ich nur halb verstanden: Irgendetwas mit Schollenau, Schlomau oder Schlottau oder so ähnlich. Er hatte auch seinen Beruf genannt. Er wäre Buchhändler, hatte er geflüstert und er redete so leise, dass ich ihn kaum verstehen konnte, zumal es just in diesem Moment unter meinem Fenster lärmte, weil ein 40-Tonner mit loser, scheppernder Ladung vorbeigepoltert war. Egal, die Uhrzeit verstand ich noch. Um sieben Uhr am frühen Abend sollte es sein. Klick! Das Gespräch war zu Ende.

Mensch, mein erster Auftrag!

Ich überlegte, ob ich so ganz normal zu dem Treff gehen sollte oder ob ich mich wie...



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