Funke | Gespensterjäger in großer Gefahr | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

Funke Gespensterjäger in großer Gefahr


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7320-0555-0
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 176 Seiten

ISBN: 978-3-7320-0555-0
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gruselexperte Tom Tomsky in Gefahr! Die Prüfung zum Dritten Gespensterjäger-Diplom scheint mit der Hilfe von Hedwig Kümmelsaft und Gespenst Hugo zunächst kein Problem zu sein. Doch die Spukerscheinungen in dem kleinen Dorf Moorweiher werden immer bedrohlicher. Häuser versinken langsam im Schlamm, Modergeruch verpestet die Luft, und ohrenzerfetzendes Kreischen dringt durch den Nebel. Bei der Begegnung mit dem Zwölften Boten kommt Tom ein schrecklicher Verdacht ... Der schaurig-schöne Gruselklassiker von Bestsellerautorin Cornelia Funke ist wunderbar zum Vorlesen und zum Selberlesen ab 8 Jahren geeignet.

Cornelia Funke wurde am 1958 in Dorsten, Nordrhein-Westfalen geboren. Sie studierte Diplompädagogik und Illustration in Hamburg und arbeitete lange als freischaffende Kinderbuchillustratorin. Da ihr die Geschichten, die sie illustrierte, nicht immer gefielen, fing sie selbst an zu schreiben. Zu ihren größten Erfolgen zählen Reihen wie die Gespensterjäger, Die Wilden Hühner sowie die Tintenwelt-Trilogie. Mittlerweile ist Cornelia Funke die erfolgreichste und bekannteste deutschsprachige Kinder- und Jugendbuchautorin. Sie hat mehr als 50 Bücher verfasst und ihre Werke sind in mehr als 40 Sprachen erschienen. Cornelia Funke lebt mit ihrer Familie in Los Angeles.
Funke Gespensterjäger in großer Gefahr jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Hugo wurde grün wie Brotschimmel, als Tom ihm erklärte, dass er mit Hedwig Kümmelsaft allein nach Moorweiher fahren würde.

„So, soooo. Nur oin Hölfer üst erlaubt!“, säuselte er und verschränkte beleidigt die Arme vor der bleichen Brust. „No, dann loss doch Frau Kümmelsoft hüüür.“

„Ach ja, willst du mich mit dem Auto zu diesem Dorf fahren?“, fragte Tom ärgerlich zurück.

Darauf rümpfte Hugo nur verächtlich seine große weiße Nase. „Auto, pah! Wör föhrt schon müt dem Auto? Wür flügen.“

„Nein!“, sagte Tom entschieden. „Nein, nicht schon wieder. Kommt gar nicht infrage.“

Hugo hatte ihn schon einige Male über Dächer und Baumwipfel getragen, und das Tempo, das das MUG dabei vorlegte, raubte Tom jedes Mal den Atem.

„Außerdem“, fügte er hinzu, „kann H.K. (Tom nannte Frau Kümmelsaft immer H. K.) mir bei meinem Bericht helfen. Du würdest mir höchstens die Tastatur meines Computers vollschleimen.“

Das hätte er besser nicht sagen sollen. Hugo blies ihm wütend seinen Moderatem ins Gesicht – und verschwand durch die Wand. Als Tom am Abend seinen Rucksack für die Reise packen wollte, griff er in grünlich gelben, ekelhaft klebenden MUG-Schleim. Manchmal konnte es wirklich anstrengend sein, ein Gespenst zum Freund zu haben.

Am nächsten Tag holte Hedwig Kümmelsaft Tom pünktlich um siebzehn Uhr dreißig ab. Sie wollten gegen Abend in Moorweiher ankommen, damit Tom nicht zu lange auf das Erscheinen des Geistes warten musste. Schließlich lassen sich sechsundneunzig Prozent aller Spukerscheinungen erst bei Dunkelheit sehen.

„Ich denke, du hast dein Diplom schon so gut wie in der Tasche“, sagte Hedwig Kümmelsaft irgendwann, als sie eine endlos lange, endlos gerade Landstraße hinunterfuhren. „Geister dritter Gefahrenkategorie neigen manchmal zu hässlichen Streichen, aber für einen Gespensterjäger mit deiner Erfahrung dürften sie kein Problem sein.“

„Das denk ich auch“, murmelte Tom und fischte ein Brötchen aus seinem Rucksack. Er hatte keinen Hunger, aber jeder erfahrene Gespensterjäger isst etwas, bevor er sich an die Arbeit macht. Mit gefülltem Magen übersteht man einiges wesentlich besser – das abscheuliche Kribbeln zum Beispiel, das ein Gespenst verursacht, wenn es durch einen hindurchschwebt. (Besonders kleinere Schluck-Gespenster tun das zu gern.)

„Was mir ein bisschen Kopfzerbrechen macht, ist der Bericht“, sagte Tom und biss lustlos in sein Brötchen. „Und Hugo … Er war wirklich ziemlich beleidigt, dass er nicht mitdurfte.“

„Nun ja. MUGs sind ständig beleidigt“, stellte Frau Kümmelsaft fest. „Das solltest du inzwischen wissen.“

„Stimmt“, sagte Tom und wischte sich ein paar Krümel von der Hose. Als er sich das letzte Mal mit dem MUG gestritten hatte, war Hugo dreizehn Tage lang beleidigt gewesen und hatte jede Nacht vor Toms Zimmerfenster geheult.

„Vielleicht könnte ich ihm ja was mitbringen“, murmelte Tom. „Aber was bringt man einem Gespenst mit?“

Nachdenklich blickte er aus dem Autofenster. Die Landschaft, die draußen vorbeizog, war grau und eintönig. Über kahlen Feldern hing ein wolkenschwerer Himmel, und weit und breit war kein Haus zu sehen. Blattlose Bäume spiegelten sich in fahlgrauen Tümpeln, und vom Frühling war nicht viel zu spüren, obwohl es schon Ende März war.

„Wenn ich mir die Gegend hier so ansehe, bekommst du es vermutlich mit einem MOSSP oder NEGEF zu tun“, sagte Hedwig Kümmelsaft.

„Sehr wahrscheinlich“, sagte Tom. „Die treiben sich oft in solchen feuchten, trostlosen Gegenden herum.“ (Für den geschätzten Leser: MOSSP = MOor- und SumpfSPuk, NEGEF = NEbelGEstaltenFormer.)

Hedwig Kümmelsaft umfuhr eine große Pfütze auf der Straße. „Wer hat dir die Prüfungsaufgabe eigentlich gestellt?“, fragte sie. „Professor Lauterfresser?“

Ein einsamer Kirchturm tauchte am Horizont auf.

Tom schüttelte den Kopf. „Nein. Der Kerl ist neu im Prüfungsausschuss. Eine unangenehme Nummer. Professor Schleimblatt.“

Hedwig Kümmelsaft drehte sich so abrupt zu Tom um, dass sie fast gegen ein Straßenschild gefahren wäre. Gerade noch rechtzeitig trat sie auf die Bremse. „Schleimblatt?“, fragte sie und lenkte ihren alten Kombi an den Straßenrand. „Lotan Schleimblatt?“

„Keine Ahnung, wie er mit Vornamen heißt“, antwortete Tom und sah sie überrascht an. „Was ist mit ihm?“

Hedwig Kümmelsaft knetete ihre Nasenspitze. Dann schüttelte sie den Kopf und ließ den Motor wieder an. „Ach was!“, sagte sie. „Das hat bestimmt nichts zu sagen. Die Geschichte liegt schließlich mehr als vier Jahre zurück.“

„Welche Geschichte?“, fragte Tom.

„Ach, Schleimblatt und ich hatten mal eine hässliche Auseinandersetzung über die Bekämpfung von Schlürf-Geistern. Er wollte mir damals unbedingt die Wirksamkeit seiner Methode beweisen. Aber der Geist, mit dem er sich anlegte, hätte ihn leergeschlürft wie eine Tasse Frühstückskaffee, wenn ich nicht dazwischengegangen wäre. Schleimblatt hat mir das damals ziemlich übel genommen.“

„Ganz schön undankbar“, sagte Tom – und musste grinsen. „Wie Kaffee sieht der Professor eigentlich nicht aus“, stellte er fest. „Eher wie ein Glas fettarme Milch.“

Frau Kümmelsaft lächelte spitz. „Nun ja, du weißt ja, welche Folgen die Begegnung mit einem Schlürfer haben kann. Manche Opfer sind für den Rest ihres Lebens weiß wie Papiertaschentücher. Gott, ich bekomme direkt Appetit, wenn ich dein Brötchen sehe. Hoffentlich hat Schleimblatt uns in einem Gasthof untergebracht, in dem man etwas Anständiges zu essen bekommt.“

Es dämmerte schon, als sie Moorweiher erreichten. Nebel hing über der Straße, und die ersten Häuser des Dorfes tauchten wie dunkle Schatten aus dem weißen Dunst auf. Moorweiher war ein altes Dorf, so alt, dass es Tom so vorkam, als hätte der Nebel ihn verschluckt und in einer längst vergangenen Zeit wieder ausgespuckt.

Eine enge, mit Kopfstein gepflasterte Straße führte direkt auf die große Kirche zu. Sie stand mitten im Dorf, auf einem kahlen Platz, um den sich die Häuser drängten, als suchten sie Schutz im Schatten des mächtigen Kirchturms. Nur wenige Lichter brannten.

„Sieht nicht sehr einladend aus, was?“, stellte Tom fest, als Hedwig Kümmelsaft ihr Auto gegenüber der Kirche parkte.

Fröstelnd stiegen sie aus dem Auto und blickten sich um. Kein Mensch war zu sehen.

„Ich kann mir genau vorstellen, was Hugo jetzt sagen würde“, meinte Tom. „Ohooo, wunderboores Plötzchön zum Spuuuken.“

Hedwig Kümmelsaft lächelte. „Sehr wahrscheinlich. Wie war nochmal die Adresse von dem Gasthof?“

Tom schlenderte zum Kofferraum. „Ich seh nach“, sagte er.

Der Himmel färbte sich immer dunkler, und über den Häusern mischte sich der Nebel mit dem Rauch, der aus den Schornsteinen stieg. „Na, wenn das kein Gespensterwetter ist!“, dachte Tom, fasste nach dem Kofferraumgriff – und blieb daran kleben. Er wusste sofort, was das bedeutete.

Wütend riss er die Klappe auf. „Komm raus!“, rief er. „Komm raus, du hinterhältiges, schleimverseuchtes Ekelpaket von einem MUG!“

Zögernd schob sich eine blasse Hand zwischen den Koffern hervor. „Schon gut, schon guuut!“, säuselte Hugo. „Bin gloich da.“

„Du kannst froh sein, dass ich keine Eier dabeihabe!“, brüllte Tom. „Aber ein bisschen Salz findet sich bestimmt, du …“

Hugos Hand verschwand mit einem Ruck wieder zwischen den Koffern. „Oier, Solz!“, muffelte er gedämpft. „Pfuiiii, begrüßt man so soine Froinde?“ (Zur Information für den geisterunerfahrenen Leser: Salz ist für MUGs fast so schmerzhaft wie Salzsäure für Menschenhaut.)

„Komm raus, du albernes MUG“, sagte Hedwig Kümmelsaft und trat neben Tom. „Er meint es nicht so.“

„Ach nein?“, rief Tom aufgebracht. „Wenn dieser Schleimblatt erfährt, dass ich zwei Helfer dabeihatte, kann ich mein Diplom vergessen!“

„Üst ja schon guuut! Üch wörde koinen oisigen Fünger rühren, um dür zu hölfen!“, zeterte Hugo und schwebte aus seinem Versteck. „Unhoiliges Göspönster-Öhrenwort!“

Tom drehte ihm voll Verachtung den Rücken zu. Fluchend öffnete er seinen verklebten Koffer und fischte den Umschlag heraus, den Professor Schleimblatt ihm gegeben hatte.

„Alte Dorfstraße 3“, las Hedwig Kümmelsaft und sah sich suchend um. „Das müsste gleich dahinten sein. Kommst du, Tom?“ Sie drehte sich um und zog Hugo mit sich.

„Gleich“, antwortete Tom. „Ich werf nur noch einen kurzen Blick auf die Kirche. Ich finde, das Ding sieht so aus, als könnte es einem Gespenst gefallen.“

„Ja, das habe ich auch schon gedacht“, sagte Frau Kümmelsaft und blickte zu dem klobigen Turm hinauf. Der große Zeiger der Uhr rückte gerade auf die Zwölf zu. Man hörte das Klacken bis zu ihnen herunter.

 „Dos Düng rücht nücht guuut!“, säuselte Hugo und schwebte an Toms Seite. „Oooh noin. Gor nücht guuut!“

„Verschwinde endlich im Rucksack!“, fuhr Tom ihn an. „Ich will nicht, dass dich irgendjemand sieht. Geht das denn immer noch nicht in deinen bleichen Schädel: Wenn Schleimblatt von dir erfährt, bin ich geliefert!“

„Jo, joooh!“, säuselte Hugo beleidigt und zwängte sich in den vollgestopften Rucksack. „Üch wollte nur behülflüch soin.“

„Du sollst aber nicht behilflich sein!“, zischte Tom über die Schulter. „Hast du schon den Anti-Sensor geschluckt?“

„Natüüürlüüüch!“, säuselte Hugo. „Obwohl...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.