E-Book, Deutsch, Band 3, 464 Seiten
Reihe: Die Kolt-Raynor-Serie
Fury Auf zum Angriff
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-86552-541-3
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Thriller
E-Book, Deutsch, Band 3, 464 Seiten
Reihe: Die Kolt-Raynor-Serie
ISBN: 978-3-86552-541-3
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Dalton Fury war ein ehemaliger Kommandant der Delta Force, der in über 90 geheimen Missionen eingesetzt wurde. Nach dem Terroranschlägen des 11. September 2001 erhielt er den Auftrag, mit seinem Team den meistgesuchten Mann der Welt zu finden und zu töten - die Einzelheiten schildert er in seinem ungewöhnlichen Tatsachen-Bestseller Kill Bin Laden. Seine Erfahrungen in der Delta Force nutzte Dalton, um die explosiven Thriller mit Kolt ?Racer? Raynor so realitätsnah wie möglich zu schreiben. Der Autor erlag Ende 2016 einer Krebserkrankung. Die Kolt-Raynor-Serie: BLACK SITE - Das Geheimlager TIER ONE WILD - Orden für die Toten FULL ASSAULT MODE - Auf zum Angriff ONE KILLER FORCE EXECUTE AUTHORITY
Autoren/Hrsg.
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Vorbemerkung
In einer mondlosen Sommernacht hatten wir gerade die hohe Lehmmauer der Madrasa erklommen. Gemeinsam mit meinem Teamkollegen – Codename Happ – und unserem Air Force Combat Controller checkte ich leise, aber zügig die drei Räume im oberen Stockwerk der islamischen Lehranstalt. Dann hörten wir das verräterische Geräusch von drei außerhalb des Grundstücks schnell nacheinander abgefeuerten Überschallpatronen im Kaliber 5,56 Millimeter.
Jetzt wissen sie, dass wir hier sind.
Ich überlegte, welche Optionen uns blieben. Sollten wir den anderen zur Hilfe eilen oder unsere Position beibehalten? Mit dem Daumen aktivierte ich mein Handmikro.
»Alles klar bei euch da draußen?«
»Roger, alles klar!«, funkte ein anderer Operator von draußen zurück.
Die gesetzlose Grenzstadt Shkin unweit der pakistanischen Grenze galt als vermuteter Aufenthaltsort von Feinden und lag direkt an einer bekannten Fluchtroute der Al-Qaida. Mein Boss, Colonel Gus Murdock, war nicht gerade erpicht darauf gewesen, uns in dieser Nacht grünes Licht für den Zugriff zu geben. Aber er verstand unsere Sorgen und vertraute seinen Leuten vor Ort, wie es alle guten Kommandanten tun. Vor einer halben Stunde hatte er nachgegeben und uns Einsatzerlaubnis erteilt – aber ich glaube, auch er wusste, dass wir eine Möglichkeit gefunden hätten, auch ohne seine Einwilligung zuzuschlagen.
Happ und ich sprangen vom Balkon im ersten Obergeschoss herunter und schlichen uns über den weichen Sand zur offenen Eingangstür. Zusammen durchsuchten wir mehrere Räume, bevor wir feststellten, dass sich im letzten Al-Qaida-Kämpfer aufgehalten haben mussten. Wir durchwühlten ihre Schlafsäcke, stellten die zurückgelassenen Funkgeräte sicher und entdeckten sofort die im Wind wehenden Vorhänge vor den Fenstern, durch die sie geflohen waren. Wir gingen durch die übrigen Räume zurück, jeder auf einer Seite, und traten wieder ins Freie.
Am abgeschlossenen Vordertor hievte Happ das schwere Schloss aus der hölzernen Halterung. Die massive Metalltür schwang auf.
»Eagle, Eagle«, befahl Happ im Hinausgehen. Wir drückten uns an die Außenwand und arbeiteten uns in nördlicher Richtung voran.
Kurz darauf kniete ich über der Leiche eines stämmigen Typen in weißem Gewand. Sanft legte ich zwei Finger seitlich an den Hals auf Höhe des Adamsapfels und prüfte den Puls. Ich musterte den weißen Turban und schaute in seine aufgerissenen Augen. Mit leerem Blick und reglosen Pupillen richteten sie sich auf das Paradies über ihm. Ich streckte die behandschuhte Hand aus und strich vom Turban hinab über seine Lider, um sie zu schließen. Das hatte ich bisher noch nie getan. Eine solche Aktion hinterlässt einen Abdruck auf deiner Seele und lässt dich nie mehr los.
Ich blickte auf. Sein Mörder stand mit der Pistole in der Hand ganz in der Nähe. Beim Eintreffen des Funkspruchs war mir nicht bewusst gewesen, dass es sich beim Operator am anderen Ende um den Schützen handelte. Hätte er nicht aufgepasst, läge er jetzt in einer Blutlache im Sand.
Der Leiter dieser Lehranstalt hat gleich zwei miese Entscheidungen getroffen.
Die erste bestand darin, Al-Qaida-Kämpfern Unterschlupf zu gewähren, die nach Afghanistan gekommen waren, um Soldaten der Koalition zu töten. Die Funksprüche, die wir vor zwei Stunden abgehört hatten, ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Uns hätte es allerdings genügt, dem Kerl Handschellen anzulegen und ihn zum Bagram Airfield auszufliegen.
Sein zweiter, ungleich dümmerer Fehler war, dass er nach dem Sprung aus dem Fenster eine halbautomatische 9-Millimeter-Makarov aus dem ledernen Schulterholster gezogen hatte. Unser später Besuch beruhte auf dem abgefangenen Funkspruch, aber erst die gezogene Pistole setzte die Einsatzregeln in Kraft und besiegelte seinen Tod. Das Letzte, was er mitbekommen hatte, bevor er zum Märtyrer wurde, musste das verschwommene Bild eines amerikanischen Delta-Force-Operators mit Kampfanzug und Nachtsichtgerät in etwa zehn Schritten Entfernung gewesen sein.
Ein Duell, das er nicht gewinnen konnte.
Happ kniete vor mir und leerte die linke Brusttasche des Al-Qaida-Helfershelfers aus. Dieser besaß einen Mitgliedsausweis der Partei Jamiat ul-Ulema-i-Pakistan. Im blutverschmierten Pass und den gefalteten Dokumenten prangten Löcher von der dreischüssigen Salve, die wir eben beim Übersteigen der Grundstücksmauer gehört hatten. Die Streuung des Trefferbilds war kaum größer als eine Halbdollarmünze.
Ich sah zum Schützen auf. »Guter Schuss!«
»Bist wohl ein bisschen eingerostet«, zog Happ ihn auf. »Normalerweise passen deine Treffer auf ein Zehncentstück.«
Wir hätten es in dieser Nacht dabei belassen, in unseren rattenverseuchten Quartieren bleiben und uns um unseren eigenen Kram kümmern können. Stattdessen schnappten wir uns die Ausrüstung, knackten mit den Knöcheln und nahmen unser nächstes Ziel ins Visier.
Das war mehr als nur die Wirkung des ›Kommando-Cocktails‹. Diesen Begriff hatte der überaus talentierte Ex-Delta-Kommandant Pete Blaber geprägt, um diese absolut euphorisierende Mischung aus Jagdfieber und dem Nervenkitzel des Tötens zu beschreiben. Nein, es steckte wesentlich mehr dahinter. Es hatte ebenso mit unserer Verantwortung füreinander und für unsere Landsleute zu tun. Und, ja, nach 9/11 machte auch der Drang nach Vergeltung einen gehörigen Teil unserer Motivation aus.
Und das, Leute, bleibt auch weiterhin die zentrale Antriebsfeder für einen gewissen Delta-Force-Major namens Kolt ›Racer‹ Raynor. Nach zwölf Jahren Krieg gegen den Terror, obwohl unsere Nation ihre Einsätze in Afghanistan reduziert und das Hauptaugenmerk stattdessen auf Krisenherde am Horn von Afrika oder in Syrien richtet.
Auch bei seiner dritten Rückkehr im Rahmen dieser Delta-Force-Reihe nach Tier One Wild – Orden für die Toten hat Kolt Raynor noch nichts dazugelernt, wenn es darum geht, sich Autoritäten unterzuordnen. Aber, hey – wenn man dem Präsidenten den Arsch gerettet hat, wird man plötzlich zu einem sehr gefragten Mann. Trotzdem hätte er es diesmal besser sein lassen und die Mission abgebrochen.
Aber Raynor ist schon immer stur seinen eigenen Regeln gefolgt. Und wenn ein Kamerad in der Scheiße steckt oder er ein hochrangiges Ziel im Visier hat, verbannt er den Abbrechen!-Befehl kurzerhand aus seinem Wortschatz.
In solchen Phasen kennt Kolt Raynor nur los, los, los.
Außerdem sind einige Tier One-Persönlichkeiten einfach wichtiger als andere, wie sich im Verlauf dieses Romans zeigen wird.
Viele geheime Spezialeinheiten wie die Delta Force, das SEAL Team 6 oder das britische SAS-Regiment 22 können sich während der gesamten Dauer ihres Bestehens vielleicht einen oder zwei unkonventionelle Operators leisten. Sind es mehr, müssen sie damit rechnen, dass ihre Mitglieder wieder in konventionelle Truppen eingegliedert werden und ihr Hauptquartier geschlossen wird, wie es Dick Marcinkos Red Cell oder dem Canadian Airborne Regiment widerfahren ist.
Aber Sie können sicher sein: Diejenigen, die lange genug durchhalten, um ein Ziel nach dem anderen auszuschalten, die genug Haken schlagen und konsequent ihre Gegner bezwingen, haben früher oder später einen Ruf als Actionhelden weg. Das sind die Jungs, die man sich an seiner Seite wünscht, wenn man in einem Versteck hockt oder sich durch ein Gebäude kämpft. Man kann dieses Image nicht erzwingen – es kommt von selbst.
Natürlich kann es auch verdammt Furcht einflößend sein, mit Männern wie Kolt Raynor um die Häuser zu ziehen. Allzu oft endet es damit, dass einem jemand Mullbinden bis zum Knochen in eine blutende Wunde stopft oder einem sogar die Hundemarke abnimmt und den Reißverschluss des Leichensacks zuzieht. Und, ja, manchmal wird einem auch eine weitere nutzlose Medaille an die Brust geheftet.
Warum tun Männer und Frauen so etwas? Warum streben einige amerikanische Männer und Frauen danach, in den Rängen der elitärsten Top-Secret-Organisationen zu dienen, in denen jede einzelne ihrer Handlungen analysiert und jeder Schuss gezählt wird und alle Einsätze einem Ritt auf dem Pulverfass gleichen?
Warum hat ein kleines Team aus Delta-Operators im Oktober 2013 einen hoch riskanten Einsatz am helllichten Tag mitten in der libyschen Hauptstadt Tripolis durchgeführt, um Abu Anas Al-Libi festzunehmen? Klar, dieser Drecksack war ein hochrangiges Al-Qaida-Mitglied und stand im Zusammenhang mit den Bombenanschlägen von 1998 auf US-Botschaften in Tansania und Kenia auf der Fahndungsliste der Vereinigten Staaten. Die auf seinen Kopf ausgesetzte Belohnung betrug mindestens fünf Millionen Dollar. Aber hatte es mit dem bereits erwähnten ›Cocktail‹ zu tun, oder ging es um etwas anderes?
Mehr als je zuvor ist dieses Buch, diese Mission angereichert mit Erfahrungen aus erster Hand, sowohl aus meinem Militärdienst als auch aus dem Beruf, dem ich seit meinem Ausscheiden aus der Unit nachgehe. Es geht um Aktionen, die ich eine kleine Gruppe ungenannter Helden immer wieder habe durchführen sehen – auf verschiedensten Schlachtfeldern und in den Sicherheitszonen dieser Welt, ohne dass sie dabei je an Ruhm und Ehre gedacht haben.
In Full Assault Mode bemühe ich mich, dieser Frage nach dem Warum nachzugehen, ohne das Wie zu vernachlässigen. Diesen Aspekt will ich auf keinen Fall vernachlässigen.
Die Sicherheit der kommerziellen Atomenergie ist ein großes Thema in...




