E-Book, Deutsch, Band 1, 464 Seiten
Reihe: Die Kolt-Raynor-Serie
Fury Black Site - Das Geheimlager
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-86552-360-0
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der US-Bestseller
E-Book, Deutsch, Band 1, 464 Seiten
Reihe: Die Kolt-Raynor-Serie
ISBN: 978-3-86552-360-0
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Dalton Fury ist ein ehemaliger Kommandant der Delta Force, der in über 90 geheimen Missionen eingesetzt wurde. Nach dem Terroranschlägen des 11. September 2001 erhielt er den Auftrag, mit seinem Team den meistgesuchten Mann der Welt zu finden und zu töten - die Einzelheiten schildert er in seinem ungewöhnlichen Tatsachen-Bestseller KILL BIN LADEN. Seine Erfahrungen in der Delta Force nutzt Dalton, um die explosiven Thriller mit Kolt ?Racer? Raynor so realitätsnah wie möglich zu schreiben.
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1
Drei kleine Boote tanzten über das Wasser. Sie fuhren auf Abfangkurs zu dem riesigen Frachtschiff, das sich im Nachmittagsnebel vor ihnen auftürmte. Kohlenschwarze sehnige Somali und kaffeebraune arabische Jemeniten, insgesamt 16 Männer, lehnten sich in den Wind, beobachteten das Schiff, das am Horizont schnell größer wurde, und hantierten an ihren Kalaschnikows.
Keiner der 16 tat das hier zum ersten Mal. Sie alle waren erfahrene Piraten.
Die ungleichmäßigen Wellen und das niedrige Profil ihrer langen, schmalen Skiffs unterdrückten ihre Radarsignatur, während sie sich mit dreister Geschwindigkeit dem Heck des Schiffs näherten.
Sie waren high, bis auf den letzten Mann. Aber sie hatten keine Beruhigungsmittel oder Ähnliches eingenommen, nichts, was ihre Sinne verwirren oder ihre Entschlossenheit vermindern konnte. Nein, sie waren auf Kath – einer Droge mit amphetaminähnlicher Wirkung, die entlang des Horns von Afrika wie Kautabak in Blattform gekaut wird. Sie kauten seit dem späten Vormittag und nun raste die stimulierende Wirkung der Droge mit voller Kraft durch ihre Blutbahnen. Das Kath verlieh ihnen extreme Energie und ein fast übermenschliches Selbstvertrauen, aber es ließ sie auch unruhig, reizbar und sprunghaft agieren.
Zusammen mit den geladenen Waffen in den Händen und der Verheißung des großen Reibachs, sobald sie das Schiff eingenommen hatten, steuerte das Kath eine verhängnisvolle Zutat zu einer Situation bei, die für sich genommen instabil genug war.
Und es gab noch ein weiteres gefährliches Element, das bereits gründlich in diesem überkochenden Kessel verrührt wurde und früher oder später dafür sorgte, dass die kommenden Ereignisse kein gutes Ende nahmen.
Ihr Anführer war auf Rache aus.
Sein Name lautete Abdiwali. Erst 22 und doch bereits ein altgedienter Pirat in diesen Gewässern. Er spuckte einen mit Kath durchsetzten Schleimklumpen ins schäumende Kielwasser, das der Bug des Holzbootes beim Pflügen durch das grüne Meerwasser hinterließ. Dann packte er seine AK47 mit verschwitzten Fingern und schrie dem alten Mann zu, der den Außenbordmotor bediente, dass seine Mutter eine Hure sei, wenn es ihm nicht gelang, das Boot schneller fahren zu lassen.
Abdiwali betrachtete den vor ihnen aufragenden Frachter und stellte sich die an Deck schuftenden Arbeiter vor. Wehrlose Trottel. Zweifellos Ungläubige. Sie dürften die näher kommenden Schnellboote bald sehen und begreifen, dass ihr Schiff gekapert wurde. Wenn diese Seeleute so reagierten wie all die anderen auf den Schiffen, die Abdiwali zuvor erobert hatte, würden sie eine Schreckschusswaffe abfeuern, die ein lautes Geräusch erzeugte, lästig und schmerzhaft, aber das Ziel der Abschreckung verfehlte.
Vielleicht bespritzten sie die Piraten auch mit Wasser, das ein langsameres oder größeres Boot leicht zum Kentern bringen konnte. Aber für Abdiwalis schlanke, wendige Skiffs stellten Wasserschläuche keine Bedrohung dar. Wenn diese Seemänner so reagierten wie all die anderen, sahen sie früher oder später ein, dass ihr Schicksal unabwendbar war, verlangsamten ihr Schiff und ließen sie an Bord kommen.
Falls ihnen Zeit dazu blieb, konnten sie sich in einen Schutzraum einschließen, eine Zitadelle, um sich vor den Gewehren der Piraten in Sicherheit zu bringen, während sie Kontakt zur Reederei des Frachters aufnahmen. Abdiwali und seine Männer würden Lösegeld fordern und sich über die Schnaps- und Fleischvorräte der Schiffsoffiziere hermachen. Auf die Beteuerung hin, niemanden von der Crew zu verletzen, würden schließlich die Türen der Zitadelle geöffnet und in demonstrativer Freundschaft Zigaretten herumgereicht. Anschließend kehrten die Deckarbeiter zu ihren Verpflichtungen oder in ihre Kojen zurück.
Nach ein paar Tagen – oder Wochen, falls die Reederei es für nötig hielt, sich unnachgiebig zu zeigen – bekam Abdiwali dann sein Geld und man konnte sich auf dem Schiff gegenseitig die Hände reichen. Danach stiegen die Piraten in ihre Skiffs und rasten wieder zum Mutterschiff. Der Frachter konnte anschließend mitsamt seiner Besatzung und Ladung die Fahrt fortsetzen, als hätte es den Vorfall nie gegeben.
Nein. Diesmal nicht.
Der Tod von Abdiwalis Bruder lag eine Woche zurück. Er hatte eine ähnliche Kaperfahrt angeführt und den Fehler gemacht, sich einen saudi-arabischen Tanker als Ziel auszusuchen. Dafür hatte er mit dem Leben bezahlt. Die Saudis verweigerten jegliche Verhandlung. Sie schickten bewaffnete Hubschrauber aus Dschidda, die das Deck des Tankers mit Maschinengewehren beharkten. Dabei töteten sie sowohl Entführer als auch Geiseln und schossen sogar den ersten Offizier des Schiffs nieder. Abdiwalis Bruder wurde in zwei Hälften gerissen und mit einem Fußtritt zu den Haien ins Meer befördert. Einen Piraten ließ man am Leben, brachte ihn an Bord des Helikopters und setzte ihn vor der Küste ab, damit er den anderen sagen konnte, dass sie nach Herzenslust Schiffe im Golf von Aden überfallen durften, solange am Heck keine saudische Flagge wehte.
Der Frachter, der vor ihnen das warme Wasser aufwühlte, gehörte nicht den Saudis, darüber hatte Abdiwali sich Gewissheit verschafft. Aber sein Zorn war echt und sein Rachedurst musste gestillt werden, ganz egal, an wem. Von nichts anderem als Instinkt und unbändiger Wut getrieben, beschloss der junge Abdiwali, sämtliches Leben an Bord zu vernichten.
Der 37-jährige Kolt Raynor öffnete langsam die Augen und starrte an die niedrige Decke. Die Hitze in seiner Kabine war erdrückend. Schweißperlen hingen ihm in den Wimpern. Der abgestandene Geschmack von Erbrochenem im Mund mischte sich mit dem Discounter-Bourbon, den er in den letzten sechs Tagen fast ohne Pause getrunken hatte, und sorgte dafür, dass ihm wieder schlecht wurde. Er rollte sich in seiner Koje auf die Seite und schaute durch den Raum, der etwa die Größe eines Wandschranks hatte, zur Tür, hinter der sich ein blauer Himmel abzeichnete.
Nachmittagssonne.
Scheiße. Kolt hatte seit dem Frühstück geschlafen. Er blickte auf seine Armbanduhr.
Schon kurz nach drei.
Als er sich aufsetzte, drehte sich alles um ihn. Er stützte sich mit den Händen auf die Knie, bis der Schwindelanfall verflog. Die Trainingshose aus Baumwolle war bis zu den Schienbeinen hochgerutscht, das Tanktop mit fettigen Essensresten beschmiert und die weißen Socken an der Sohle ganz schwarz. Seine Uniform hing frisch gebügelt im Schrank. Er hatte sie noch nicht mal aus der Plastikhülle genommen.
Kolt füllte die Kleidung mit seinem Körperumfang gut aus. Die Fettpölsterchen wirkten im Spiegel in letzter Zeit immer breiter. Kinn- und Schnurrbart waren ungepflegt weitergewachsen und sein Haar hing bis über die Kragenlinie.
Aber er hatte ohnehin schon seit geraumer Zeit kein Hemd mit Kragen mehr getragen.
Er bückte sich und hob die Flasche auf, die mit den Bewegungen des Schiffs hin und her rollte. Nachdem er den Plastikbecher gefunden hatte, goss er sich drei Fingerbreit Whiskey ein. Trotz der immensen Hitze in dem beengten Raum war er zu faul, die Treppe zur Kombüse auf Deck A hinunterzusteigen, um Crushed Ice aus der Maschine zu holen.
Als er den Drink an die Lippen setzte, piepste das zwischen den Laken seiner Koje vergrabene Satellitentelefon.
Beim dritten Klingeln fand er es.
»Raynor.«
»Kolt? Hier ist Pete.«
»Colonel? Wie spät ist es in Virginia?«
»Sechs Uhr morgens.«
Raynor wischte sich mit dem Unterarm salzigen Schweiß von der Stirn. »Dann rufen Sie wohl nicht nur zum Plaudern an, was?«
»Junge, haben Sie etwa getrunken?«
Raynor sah auf die Flasche herab, die er immer noch in der rechten Hand hielt. Halb leer. Er hatte eine Kiste davon an Bord geschmuggelt, doch dies war der letzte Rest. »Natürlich nicht. Ich bin im Einsatz.«
»Der Kapitän sagt, Sie hätten über die Reling gekotzt.«
»Es ist ein Schiff. Leute kotzen nun mal auf Schiffen, Pete.«
»Der Kapitän hat außerdem gesagt, Sie seien aufsässig geworden.«
»Der Kapitän ist ein Volltrottel. Wir hatten ’ne kleine Auseinandersetzung. Keine große Sache.«
»Er hat erzählt, Sie seien im Suff unhöflich geworden.«
»Es ist nicht mein Job, nett zum Kapitän zu sein. Mein Job ist … na ja, Sie wissen schon. Eigentlich ist es mein Job, hier rumzusitzen und gar nichts zu tun.«
»Sie sind der Sicherheitsbeauftragte. Sie haben eine Menge Aufgaben und wissen ganz genau, welche das sind.«
Kolt leerte den Plastikbecher mit Bourbon und warf ihn in dem Wissen weg, dass er bald genug zu ihm zurückrollte. »Ja, Sir. Ich habe die Erlaubnis, das LRAD einzusetzen, falls wir angegriffen werden.« Beim Long Range Acoustic Device handelte es sich um eine akustische Waffe, die extrem laute Signaltöne erzeugte und sich theoretisch einsetzen ließ, um Piraten in die Flucht zu schlagen.
Aber im tatsächlichen Gebrauch hatte sich herausgestellt, dass das LRAD kaum mehr als ein nervender Krachmacher war.
»Das ist aber nicht alles.«
»Nachts drehe ich die Schläuche auf, damit Enterversuche von den Seiten verlangsamt werden. Ich vergewissere mich, dass die Anti-Piraten-Zäune intakt sind. Das sind maximal 60 Minuten Arbeit, und zwar eine Arbeit, die ein gut dressierter Schimpanse genauso erledigen könnte. Kommen Sie schon, Pete, dieser Job ist ein Witz.«
»Sie sind derjenige, der einen Witz draus macht. Sie sollten dankbar für den Gehaltsscheck sein. Vor sechs Monaten haben Sie in einer Mall in North Carolina Campingausrüstung verkauft....




