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Gabrys | Gin ToNik und ein Mord aus Leidenschaft | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch

Reihe: vss-Verlag

Gabrys Gin ToNik und ein Mord aus Leidenschaft

Düstere Welten - Band 25
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-96127-476-5
Verlag: vss-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Düstere Welten - Band 25

E-Book, Deutsch

Reihe: vss-Verlag

ISBN: 978-3-96127-476-5
Verlag: vss-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Manchmal findet man erst nach seinem Tod seine wahre Bestimmung

Claire Filling macht sich für einen schönen Abend mit einen ihrer vielen Affären zurecht. Angst, dass ihr Ehemann etwas herausfinden könnte, hatte sie nicht, da sie ihn mit einem Zauber belegt hatte. Doch das Zusammentreffen mit ihrem Liebhaber endet für sie tödlich.
Beth Barlow sucht nach einer Möglichkeit mit Gin ToNik zu kommunizieren und suchte eine Wahrsagerin auf, die sich aber als Schwindlerin entpuppt. Gibt es eine Chance, dass sie mit Gin sprechen kann?

Der zweite Fall mit Gin ToNik, den er dieses Mal gemeinsam mit den Ermittlern Beth Barlow und Keith Newman lösen soll.

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Es war ein lauer Montagabend. Claire Fillding hatte ihre Haushälterin Jennifer Grant früher nach Hause geschickt. Sie war gerade erst 32 Jahre alt geworden, wirkte aber zehn Jahre jünger. Sie machte sich für einen schönen, romantischen Abend fertig. Langsam zog die Schublade ihrer Frisierkommode auf und berührte zärtlich das kleine Samtbeutelchen mit einem alten Amulett. Ein Artefakt.
Dylan, du hörst, siehst und sagst nichts über meinen Liebhabern, dachte sie und lachte. Mein süßes Geheimnis verließ dir die Ohren, die Augen und den Mund vor den Affären.
Sie schloss die Schublade genauso vorsichtig, wie sie sie geöffnet hatte.
Falten war noch keine zusehen, als sie ihr Gesicht genauer im Spiegel betrachtete.
Mädchen, du bleibst doch ewig jung, oder dachte sie amüsiert und trug Rouge auf.
Sie wählte einen dunklen Lidschatten, um ihren Augen einen geheimnisvollen Touch zu geben. Sorgfältig zog sie mit einer tiefroten Farbe ihre Lippen nach. Vergnügt machte sie ihrem Spiegelbild einen Kussmund. Sie stellte sich vor ihren bis zum Boden reichenden Spiegel. Sinnlich drehte sie sich hin und her. Mit den Händen glitt sie über den glatten Stoff des champagnerfarbenen Negligés. Dylan Fillding, ihr Ehemann arbeitete für ihren Geschmack viel zu oft in Indien oder China. Zu weit weg. Deshalb hatte sie sich einige Liebhaber angelacht. Die Männer wusste zwar das Claire „glücklich“ verheiratet war, aber nichts von einander. Sie brauchte Trost und fand ihn in den starken Armen. Wenn der einer nicht konnte, dann nahm sie sich halt einen anderen. Bei ihrem Aussehen konnte sie schließlich wählen.
Ob ihm das gefallen wird, fragte sie sich lächelnd und streifte sich einen dünnen, hellen Morgenmantel über.
Manchmal vergaß sie sogar, wen sie zu sich eingeladen hatte. Das kann jeden doch mal passieren. Oft traf sie ihre Lover in teuren Hotels. Doch heute wollte sie sich eine fantastische Nacht in ihrem Haus gönnen. Sie lebte in einer ruhigen Viertel mit einer Nachbarschaft, die lieber wegsah.
Leise vor sich hin summend ging Claire barfuß die Marmortreppe, die mit einem Teppich ausgelegt war, herunter. Sie schlenderte sie in die Küche. Die Fliesen unter ihren Füßen waren kühl. Sie öffnete den Kühlschrank und nahm eine Flasche Champagner heraus.
„Der ist perfekt“, sagte sie mit einem Blick auf das Etikett. „Es wird ein schöner Abend und eine heiße, sehr heiße Nacht.“
Sie seufzte sehnsüchtig und konnte es kaum noch erwarten.
Den Kühler füllte sie mit Eis und stellte die Flasche hinein. Das Eis klirrte leise im Behälter. Sie sah rasch auf die Uhr an der Wand.
Er kommt hoffentlich bald, dachte sie und ging zügig mit dem Kühler zurück ins Schlafzimmer. Der Schlüssel für ihren Lover lag schon unter der Fußmatte. Der Code für die Alarmanlage kannte er schon seit Monaten.
Vorsichtig stellte sie den Kühler auf den Nachtisch und rückte die Flasche zurecht. Das Etikett sollte gut zu sehen sein. Für ihre heißen Nächte war ihr nichts zu teuer.
Von ihrem Frisiertisch nahm sie einen Flakon mit einem exotischen Parfüm und träufelte ein paar Tropfen auf ihren Hals. Nun war sie bereit für ihn. Für ihr lustvolles Abenteuer. Sie zog ihren Morgenmantel aus und warf ihn lästig über eine Stuhllehne.
Lasziv legte sie sich auf ihr Bett und wartete. Hoffentlich nicht zu lange.

Nach einer Weile hörte sie schwere Schritte, die sich dem Schlafzimmer näherte. Die Tür wurde langsam geöffnet.
„Oh Darling endlich. Warum hast du …“ Claire richtete sich erstaunt auf. „Wieso trägst du diese seltsamen Sachen? Du siehst ja aus wie ein Verbrecher.“
Sie begann zu lachen. „Oh, ich verstehe, du willst also ein Rollenspiel. Hilfe! Hilfe! Ich werde überfallen.“
Er griff hart nach ihren Armen, zog sie an sich und stierte ihr wütend ins Gesicht.
„Das ist kein Spiel, du verdammte Schlampe!“, schrie er sie an und schüttelte sie heftig. „Du betrügst mich. Ich weiß, dass du neben mir noch andere Männer hast.“
„Es gibt keine anderen. Wie du doch weißt, ich bin mit Dylan verheiratet“, erwiderte Claire und winkte ab. „Aber das bedeutet nichts. Dylan ist zu oft im Ausland. Ich brauche dich.“
Er warf sie auf das Bett und beugte sich über sie. Seine Finger verkrallten sich in ihren Haaren.
„Ich rede nicht von deinen unwissenden Ehemann“, rief er aufgebracht und holte ein Messer hinter seinem Rücken hervor. Es hatte in seinem Gürtel gesteckt „Das habe ich aus deiner Küche geholt.“
„Was ist mit den anderen Männern? Wie viele sind es noch? Nur zwei, drei …“, schrie er. „Oder doch vier? Rede endlich, du Schlampe!“
Er schlug ihr ins Gesicht.
Claire sah ihn verwirrt und verletzt an. „Woher weißt du von den anderen?“
„Die Leute reden über dich, meine Liebe!“ Er knurrte die Worte mehr, als er sie sagte. „Du wirst oft in Begleitung verschiedener Männer gesehen. Sehr vertraut.“
„Beruhige dich, bitte! Du machst mir Angst.“ Sie hob abwehrend die Arme. „Bitte leg das Messer weg. Wir können doch über alles reden. Ich liebe dich doch.“
„Pah! Du und lieben“, erwiderte er verächtlich. „Ich war nur ein dummes Spielzeug für dich. Stimmst?“
Sein Gesicht kam näher und flüsterte: „Das lasse ich mir aber nicht gefallen!“
„Nein! Ich … du, … du bist ein wunderbarer Mann“, rief Claire verzweifelt. „Unglaublich gut im Bett. Schau, das habe ich mir extra für dich gekauft.“
„Du lügst, wenn du den Mund auf machst.“ Er hob das Messer und starrte sie hasserfüllt an.
„Bitte nicht! Ich werde mich von den anderen trennen“, log Claire flehend.
Sie wollte ihre Affären nicht beenden, aber dass er das Messer weglegte.
„Du widerliche Schlampe!“, stieß er zornig hervor. „Mit deinem blöden Ehemann hätte ich leben können, aber nicht mit den anderen.“
Claire hatte keine Chance. Er hielt ihr den Mund zu und stach wie ein Wahnsinniger immer wieder auf sie ein. Blut sprießte ihm ins Gesicht, auf seine Kleidung. Es landete an der Wand auf dem Boden. Spritzer verteilten sich auf der Decke und den Kissen.

Das Messer wurde glitschig und rutschte ihm aus der Hand. Die Klinge schnitt durch den dünnen Handschuh in seine Haut. Der beißende Schmerz ließ ihn wieder zu sich kommen. Sein Blut vermischte sich mit ihrem. Schnell wickelte er ein Taschentuch um die Wunde.
„Schlampe!“ Schwer atmend hielt er inne.
Claire starrte ihn aus toten Augen an.
Wie oft hatte er zugestochen? Er wusste es nicht. Sein brodelnder Hass war verraucht. Das Messer steckte tief in ihrer Brust. Es schien ihn für diese Tat zu verurteilen.
Er sah auf seine Hände, die voller Blut waren. Ihr Blut.
„Du, … du hast es nicht anders verdient“, stieß er hervor und hätte ihr gern ins Gesicht gespuckt, aber er wollte keine DNA hinterlassen. „Niemand betrügt mich …“
Verdammt, mein Blut ist nun an der Klinge, dachte er besorgt. Was jetzt?
Er zog das Messer aus dem toten Körper und wischte es sorgfältig mit einem Taschentuch ab, das er in der Nachttischschublade fand. Ein letztes Mal stach er mit der linken unverletzten Hand zu. Erleichtert atmete er auf.
Ich muss duschen, dachte er und holte den Rucksack, den er im Flur abgestellt hatte.
Überrascht sah er auf die blutigen Schuhabdrücke.
Die Schuhe müssen also auch weg, dachte er besorgt.
Die Handschuhe landeten in einen Müllbeutel, den er vorsorglich eingepackt hatte. Keine verräterischen Spuren. Nichts, was zu ihm führen könnte.
Feuchttücher und Kleidung zum Wechseln hatte er sich mit gebracht.
Im angrenzenden Bad legte er zuerst eine Folie auf den Boden aus. Schnell wusch er sich. Zufrieden sah er, wie das Blut, ihr Blut, in den Abfluss lief. Er trocknete sich sorgsam ab. Wasser tropfte noch aus seinen Haaren. Er zog sich die frischen Sachen an und säuberte sorgfältig die Duschkabine. Alles stopfte er in die Plastiktüte. Auch das benutzte Handtuch nahm er mit.
Ein innerer Frieden breitete sich in ihm aus. Er war sich sicher, dass er alle Spuren beseitig hatte. Nichts wird zu ihm führen. Mit einem Lächeln verließ er das Haus.
Jetzt muss ich nur noch diese verdammte Mülltüte loswerden, dachte er.

Es war früh am Morgen. Beth trank auf der Schnelle einen Kaffee und goss für den Abend schon einmal Wasser in ihren Wasserkocher.
„Hast du schon etwas heraus gesucht, das wir dieser Geisterseherin mitbringen können. Ein Bleistift schwebte auf sie zu.
„Ah, gut, danke.“ Beth griff nach dem Stift. „Bist du auch neugierig auf dieses Medium. Madame Esmeralda.“
Sie müsste kichern.
Gin klopfte zweimal.
Beth nahm den letzten Schluck aus ihrer Tasse und schnappte sich ihre Handtasche und Schlüssel. „Dann lass es uns hinter uns bringen.“

Gin setzte sich auf der Rückbank von Beths Wagen. Er blickte hinaus. Hin und wieder bemerkte er einige Geister-Zombies.
Ihm gefiel die Ermittlerin der Mordkommission mit der milchkaffeebraunen Haut und dem leichtkrausen, schwarzen Haar sehr. Nicht körperlich, denn einen Körper hatte er schließlich nicht mehr. Er mochte … ihren Charakter oder war es eher ihre Seele. Er wusste es nicht.
Seltsame Tageszeit für eine Geisterbeschwörung, überlegte er. Ruft man sie normalerweise nachts oder abends?
Hoffentlich kann dieses Medium wirklich mit Geistern sprechen, dachte er skeptisch. Ich habe aber das Gefühl, solche Leute sind Betrüger, die leichtgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche ziehen. Wer glaubt schon an Geister?
Beth könnte ihn weder hören noch sehen. In seltenen Fällen wurde er mal in einem Spiegel kurz sichtbar. Einmal sah sie ihn als orangenen Schemen, als er sich schützend vor einen Jungen gestellt hatte. Oder sie hörte sein leises Flüstern am Ohr, wenn er sich sehr anstrengte. Mehr auch nicht.
Er war nicht ganz in dieser Welt. Nicht wirklich ein Teil von ihr. Es war sehr frustrierend für ihn.

Bis vor Kurzen hatte die hübsche Polizistin noch mit beiden Beinen fest im Leben gestanden. Geister gab es schließlich nicht, Punkt! Doch dann wurde alles anders.
Nun hing Gin an ihr. Keiner von beiden wusste, warum. Waren es ihre Schuldgefühle? Oder war er einfach nut hungrig nach einem Leben, das er nie gehabt hatte.
Beth fuhr, ohne es zu wissen, durch einen Geister-Zombie hindurch.
Man diese Art von Geister nerven, dachte Gin, als er ihn berührte.
Kurz glaubte er, durch einen schrecklichen Autounfall ums Leben gekommen zu sein. Er schüttelte sich. Ein schneller Blick in den Rückspiegel zeigte ihm, dass er nicht sichtbar geworden war, nicht das Beth sich Sorgen um ihn machen musste. Erklären hätte er es ihr nicht können.
Er verstand Beth. Sie brauchte Antworten, wie er auch. Sie musste jemand finden, der ihr die Antworten liefern konnte. Warum Gin bei ihr war? Was verband sie mit einander?
Eines wusste Gin, er wollte noch nicht gehen.
Beth lenkte den Wagen in eine ruhige Gegend. Die Autos in den Auffahrten waren älter.
Als wäre hier die Zeit vor ein paar Jahren stehen geblieben, dachte Gin. Hier soll ein Medium leben?
Er war skeptisch. Wenn hier plötzlich ein Mädchen im Petticoat aus der Haustür treten würde, wäre das normal.
Beth hielt vor einem Haus wie aus einem Katalog. Sie blickte in den Rückspiegel.
„Bist du bereit?“, fragte sie.
Gin wurde sichtbar und nickte. Er trug immer noch den orangenen Overall, in dem er gestorben war. Sein blondes Haar war zerzaust.
„Gut, dann ziehen wir das jetzt durch. Hoffentlich mache ich mich nicht total lächerlich.“ Beth stieg entschlossen aus.
Ich verstehe das nicht, warum kann ich nur kurz im Spiegel sichtbar werden, fragte sich Gin, aber so kann sie mich nicht sehen.
Er drang durch der geschlossenen Autotür nach draußen und begleitete Beth zur Tür. Unter einem Vordach hingen Blumen in Hängekörbe.
Beth klopfte.
Eine ältere, zierliche Dame, die einen blauen Turban trug, öffnete. Sie lächelte Beth herzlich an. „Ja, bitte.“
Gin musste lachen.
„Ich bin Elisabeth Barlow“, stellte sich Beth vor. „Ich habe einen Termin bei Ihnen, Madame Esmeralda.“
„Oh ja natürlich, aber es heißt Sitzung“, sagte das Medium aufgeregt und erfreut. „Kommen Sie, kommen Sie doch herein, Liebes. Willkommen bei Madame Esmeralda, der großartigsten Wahrsagerin der Welt.“
„Und ich bin …“ Die Tür wurde vor Gins Nase geschlossen.
Na, das fängt ja gut an, dachte er verärgert und drang durch das Türblatt ins Haus. Ich habe mir das Ganze etwas anders vorgestellt.
Er sah sich neugierig um.
Als wäre ich in einem riesigen Puppenhaus, dachte er und berührte ein kleines Porzellanfigürchen.
Schnell folgte er den beiden Frauen.
Das Medium führte Beth in einen kleinen, abgedunkelten Raum. Es machte eifrige Handbewegungen. Überall auf den Möbeln brannten zahlreiche Kerzen. In der Mitte stand ein rundes Tischchen aus dunklem Holz mit einer Kristallkugel in der Mitte. Zwei Stühle mit schlanken Beinen rahmten das Bild ab.
„Setzen Sie sich bitte hierhin.“ Dame Esmeralda wies auf einen Stuhl. „Möchten Sie einen Tee?“
„Nein, danke! Nach was riecht es hier?“, wollte Beth wissen.
„Oh, das ist Salbei und Weihrauch“, erklärte das Medium. „Ich bereite diesen Raum vor jeder Séance vor. Auch muss dieses Zimmer nach jeder Sitzung immer sorgfältig gereinigt werden. Damit nichts Böses haften bleibt.“
Es lächelte wissend.
„Oh Mann! Klar doch! Böse Geister! Boah!“ Gin hob die Arme, als wollte er jemanden erschrecken. „Du ziehst nur eine riesige Show ab. Hier fühlt sich überhaupt nicht richtig an. Selbst dein blödes Lächeln ist falsch. Und dieser Turban.“
Er musste wieder lachen.
Madame Esmeralda setzte sich Beth gegenüber und blickte sie eindringlich an. „Geben Sie mir Ihre Hände.“
Beth reichte sie ihr gespannt.
„Oh? Ich spüre, Sie sind eine starke Frau“, begann das Medium mit einem gewinnenden Lächeln. „Sie sind sehr gesund!“
„Oh Mann, klar. Du spürst nur ihren festen Händedruck.“ Gin schüttelte den Kopf. „Beth, sie ist eine Betrügerin.“
„Ich bedauere Ihren schlimmen Verlust“, fuhr das Medium betrübt fort. „Aber es geht ihm gut. Er muss nicht mehr leiden.“
„Hä? Was sagst du da?“, fragte Gin und beugte sich vor.
Beth stutzte und zog sich zurück.
„Machen sie sich keine Sorgen um ihn.“ Madame Esmeralda tätschelte ihre Hand. „Haben Sie etwas von dem Verstorbenen mitgebracht?“
Beth holte den Stift aus ihrer Handtasche. „Bitte schön!“
Verwirrt nahm das Medium ihn zwischen beide Hände. „Normalerweise bringen Angehörigen Schmuck mit. Ein Lieblingsstück.“
„Er … er war kein Verwandter von mir“, erklärte Beth.
„Sorry, ich war halt ein armes Schwein.“ Gin zuckte entschuldigend mit den Schultern. „Du willst ein Medium sein, eine Geisterseherin. Du hörst mich noch nicht einmal.“
Er steckte die Hände in die Overalltaschen und beobachtete skeptisch die Sitzung.
„Ich habe ihn gefragt, was ich mitbringen soll“, erklärte Beth.
Madame Esmeralda hob erstaunt eine Augenbraue. „Sie reden mit ihm?“
„Ja, aber ich kann ihn leider nicht hören“, sagte Beth.
Auf Madame Esmeralda erschien ein eigenartiger Ausdruck.
„Beth, sie hält dich für verrückt“, rief Gin.
„Na ja, mit einem Stift geht es auch“, wich Madame Esmeralda aus. „Wie sieht es denn mit der Bezahlung aus. 200 Dollar.“
„Was? 200 Flocken!“, rief Gin überrascht und empört zu gleich. „Du hast sie ja nicht mehr alle, Alte.“
Beth zahlte schweigend.
„Beth! Das kann doch nicht wahr sein. Bist du wirklich so verzweifelt?“ Gin sah sie mit großen Augen an und schüttelte wieder den Kopf. „Andere leben von der Hand in den Mund und die kassiert 200 Tacken für diesen Mist hier. Unglaublich! Sie ist eine Betrügerin.“
Madame Esmeralda nahm den Stift, drückte ihn gegen ihre Stirn und schloss die Augen. Sie gab stöhnende Laute von sich und wippte mit ihren Oberkörper hin und her.
„Nach wem suchen wir?“, fragte sie qualvoll.
„Na, nach mir.“ Gin winkte vor ihrem Gesicht. „Hallo, ich bin hier. Geist an Medium. Huhu!“
„Sein Name war James Miller“, erklärte Beth.
„Nein! Gin … Gin ToNik“, rief Gin. „Sag ihr das, bitte.“
„James Miller, bist du hier?“, fragte das Medium mit einer verstellten Stimme.
„Ja, hallo, ich bin direkt neben dir … siehst du mich jetzt? Ich fasse es nicht!“ Gin wedelte wild mit den Armen. „Sie soll mich aber Gin ToNik nennen.“
„Oh, ich sehe ihn vor mich“, sagte Esmeralda. „Er liebt Sie sehr.“
„Was?“, rief Beth und Gin gleichzeitig.
„Er … er ist nicht mein Freund“, erwiderte Beth erstaunt. „Warum behauptet er das?“
„Beth, ich habe das nicht gesagt“, rief Gin aufgebracht.
„Oh, ich dachte, es wäre so. Ich verstehe ihn nicht besonders gut“, sagte das Medium langsam. „Er ist so weit weg und flüstert.“
„Ich könnte dir deinen blöden Turban von Kopf hauen, so nah bin ich dir“, sagte Gin. „-und ich rede klar und deutlich.“
„Verstehe ein guter Freund ist er also …“ Esmeralda machte weiter mit ihrem Ritual.
„Das auch nicht.“ Beth schüttelte den Kopf.
Gin beugte sich wieder vor, stützte beide Hände auf dem Tisch ab und blickte der Frau direkt ins Gesicht. Mit seiner Nase berührte er fast ihre. „Bin ich jetzt näher? … Beth, die macht dir nur was vor!“
„Betrügerin!“ Er richtete sich wieder auf und schlug von hinten gegen den blauen Turban. Die Kopfbedeckung rutschte der Frau ins Gesicht und gab den traurigen Rest einer einzigen Haarpracht preis.
„Ich glaube, er ist sauer“, meinte Beth verärgert. „Ich möchte mit ihm reden, damit er endlich ins Licht geht oder wo auch immer Geister hingehen.“
„Es ist wirklich ein Geist hier?“, rief Madame Esmeralda mit höherer Stimme.
„Ja!“, sagten Beth und Gin gleichzeitig.
Beth stand auf und wies sich als Polizistin aus. „Das reicht mir jetzt. Sie sind eine miese Betrügerin.“
„Na, das sagte ich schon“, sagte Gin genervt.
„Hier, hier haben Sie ihr Geld zurück.“ Das falsche Medium atmete schwerer und warf die Scheine auf den Tisch. „Bitte verhaften Sie mich nicht. Eine alte Frau wie ich muss auch von irgendwas leben.“
„Beth, sie schauspielert“, meinte Gin und stieß Madame Esmeralda gegen den Arm.
Die ältere Frau schrie erschrocken auf. „Mich hat was berührt.“
„Mister Miller, egal was diese Frau tun wollte, lassen Sie das bitte.“ Beths Blick wanderte ziellos durch den Raum.
„Ich bin hier, Beth“, rief Gin verzweifelt.
War es Zufall oder sah Beth plötzlich ihn doch an?
Ihr Diensthandy klingelte. „Ja? … Mh, … ich verstehe … Die genaue Adresse … ich bin unterwegs.“
Madame Esmeralda sah Beth ängstlich an. „Das hier bleib doch unter uns.“
Beth runzelte die Stirn. „Ich könnte sie melden, aber es gab einen Mord. Ich muss, wir müssen also gehen.“
„Sie ermitteln in Mordfällen?“, fragte Madame Esmeralda erstaunt.
„Ja, tut sie“, sagte Gin.
Beth ging wortlos.
Gin gab der Kristallkugel einen Stoß. Sie rollte vom Tisch und zersprang auf dem Boden in tausend Teile. Erst dann folgte er Beth aus dem Haus.
Er schlüpfte auf die Rückbank von Beths Wagen.
„Wollen Sie wirklich mitkommen, Mister Miller“, fragte Beth, da er im Spiegel sichtbar wurde.
Er nickte. „Nenn mich doch Gin.“

„Na gut, aber die Tote soll kein schöner Anblick sein“, erklärte Beth und fuhr los. „Multiple Stichverletzungen.“
Stichverletzung okay, dachte Gin, aber was bedeutet multiple?

Vor dem luxuriösen Haus standen einige Streifenwagen mit Blaulicht. Hinter gelben Absperrbändern, die den Vorgarten einrahmten, standen viele Schaulustige aus der Nachbarschaft. Manche reckten die Köpfe, um besser sehen zu können.
„Immer das gleich“, murmelte Beth, die auf das Gebäude zu eilige.
Gin sah in die gespannten Gesichter.
Tja, ihr müsst schon Geister sein, um alles mit zu bekommen, dachte er.
Beth wies bei einem Streifenbeamten als Mordermittlerin aus und wurde durchgelassen.
Gin folgte Beth wie ein Schatten. Er wunderte sich über die vielen Leute, die alles im Haus untersuchten. Noch nie hatte er eine so große Eingangshalle gesehen. Überall glänzte und blinkte es.
„Wow, was für ein Luxus.“ Er strich über einen glänzenden Tisch.
„Wo ist Detektiv Newman?“, wollte Beth von einem Forensiker wissen.
„Oben im rechten Schlafzimmer bei dem Mordopfer“, meinte der Mann in dem weißen Einwegoverall. „Da ist überall Blut. Passen Sie bitte auf, wo sie hintreten.“
„Geht klar!“, sagte Beth verärgert und flüsterte: „Als würde ich das erste Mal einen Tatort betreten.“
Gin grinste und wich schnell jemand von der Spurensicherung aus. Er wollte in Beths Nähe bleiben, aber die Lebenden nicht unnötig berühren.
Als Erstes bemerkte er die blutigen Schuhabdrücke in dem kurzen Flur, die immer stärker wurden.
Die stammen nicht von Turnschuhen, dachte er.
Obwohl Beth ihn gewarnt hatte, schockte ihn der Anblick der Leiche. Nun wusste er, was multiple Stichverletzungen bedeutete.
So viel Blut habe ich noch nie gesehen, dachte er entsetzt. Mir würde bestimmt schlecht werden, wenn ich noch leben würde.



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