Galen | Der Strandvogt von Jasmund | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 1191 Seiten

Galen Der Strandvogt von Jasmund


1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-8496-2997-7
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 1191 Seiten

ISBN: 978-3-8496-2997-7
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Der Strandvogt von Jasmund' ist ein historischer Roman aus der Zeit der Napoleonischen Kriege. Protagonist ist der Strandvogt Waldemar Granzow, also eine Person, der küstennah auf dem Land besondere Rechte und Pflichten übertragen sind, auf der Halbinsel Jasmund bei Rügen. Nach dem Sturm auf das von den Franzosen besetzte Stralsund rettet Waldemar seinen Jugendfreund Magnus aus dem Kerker und versteckt ihn auf Rügen vor den suchenden Besatzern ....

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Der Sohn des Strandvogts.

Der Strandvogt war mit seinen Gefährten von der mühsamen und doch vergeblichen Seereise erst nach zehn Uhr abends wieder in Sassnitz eingetroffen; der heftige Gegenwind und die aufgewühlten Wellen der empörten See hatten sie so lange auf dem Wasser festgehalten. Mutter Ilske hatte den alternden Mann diesmal mit ungewöhnlicher Besorgnis und Sehnsucht erwartet, da sie sich sein langes Ausbleiben, nicht gut erklären konnte, indem dergleichen Berufsfahrten die kühnen Strandbewohner selten so weit in die See hinausführten.

Als der Alte in sein Stübchen trat, das die blitzblank gescheuerte Messinglampe schon lange behaglich erleuchtete, fand er den Abendtisch fertig gedeckt und reichlich mit kalten Speisen beladen; Mutter Ilske stand mit gefalteten Händen daneben und blickte mit sichtbarer Befriedigung den glückliche Heimgekehrten an, der einsilbig wie nie sein »Guten Abend, Ilske« brummte und dann langsam mit ihrer Hilfe den nassen Sturmrock auszog, nachdem er sich zuvor aller übrigen mitgenommenen Gegenstände entledigt hatte. Dabei bemerkte er nicht, wie Ilske sich wunderte, ihn so schweigsam zu finden, was ganz gegen seine Gewohnheit war, wenn er ein kühnes Unternehmen glücklich vollbracht hatte.

Auf die alsbald an ihn gerichteten Fragen, die nun zahllos auf ihn einstürmten, erwiderte er ebensowenig etwas Befriedigendes, und die besorgte Hausfrau erhielt von der ganzen Fahrt nur sehr oberflächliche Andeutungen. So setzte sie sich endlich, da sie augenblicklich keinen weiteren Erfolg ihrer Bemühungen erwarten konnte, neben ihren Mann, der schon seinen Platz am Tische eingenommen und einen kalten Fisch zu verspeisen begonnen hatte. Allein der gute Appetit, den er nach ähnlichen Ausflügen mit heimzubringen pflegte, schien ihm heute gänzlich zu mangeln, er rührte sehr wenig an und legte bald zu Ilskes grenzenlosem Erstaunen Messer und Gabel beiseite, als er nach ihrer Meinung kaum erst zu speisen angefangen hatte, ja er vergaß sogar nach seiner Pfeife zu greifen, was doch sonst der unausbleibliche Schluß der Nachtmahlzeiten war.

Mutter Ilske, über alle diese seltsamen Abweichungen von der Regel höchst unbehaglich gestimmt, räumte schnell die kaum angerührten Speisen, die Teller und das Tischtuch fort, und als sie nun ihren Strickstrumpf hervorholte und ihrem Manne gegenüber vor der Lampe Platz nahm, hatte sie sich bereits fest in den Kopf gesetzt, solche Fragen an ihn zu stellen, auf die notwendig eine bestimmte Antwort erfolgen mußte.

»Was hast du nur, Daniel,« sagte sie, halb traurig, halb unzufrieden, »daß du heute ganz gegen deine Gewohnheit so schweigsam und mürrisch bist?«

»Nicht mürrisch, Ilske, aber schweigsam allerdings, da hast du recht, und das hat seine Gründe.«

»Ja freilich, das sehe und merke ich, aber welche Gründe sind das, Mama?«

»Ilske, du betrübst mich wirklich mit deiner weibischen Neugier. Wenn ein Mann in meinen Jahren und in diesen schweren Zeiten trübe und ernst gestimmt ist, so befindet er sich wohl innerhalb der Grenzen seines Rechtes. Was soll ich dir das Herz schwer machen mit meinen Befürchtungen? Das hilft ja zu nichts und es ist also besser, daß ich allein leide, als daß auch du daran teilnimmst und dir die Nachtruhe verdirbst.«

»Das ist ja eine ganz neue Ansicht von dir, Daniel,« erwiderte die gute Frau mit weit aufgerissenen Augen, indem sie ihr Strickzeug langsam in den Schoß sinken ließ, »und ich muß dir ganz offen sagen, du kommst mir höchst merkwürdig vor. Also das Herz willst du mir nicht schwer machen und hast Befürchtungen? Dann nur heraus damit, Mann, denn es ist gewiß etwas recht Düsteres, und ich will mein Teil so gut davon haben, als wäre es das Glücklichste, was uns widerfahren könnte.«

»Düsteres? Nein, nicht so ganz!« erwiderte er etwas rascher als vorher, »aber es kann düster genug werden. Sieh, ich habe dir schon gesagt, der abtrünnige Däne hat einen Mann in einem Boote gejagt; dieser Mann ist am Fuße der Stubbenkammer, nachdem er eine kühne Fahrt glücklich zurückgelegt, gelandet und nun bin ich bloß begierig zu erfahren, ob er den verteufelten Spürhunden, die da oben Wache halten und unsern schönen Wald lichten, entkommen ist. Beinahe zweifle ich daran.«

Die Alte schüttelte sorgenvoll ihren grauen Kopf. »Also das bedrängt dich!« sagte sie. »Gut. Hast du denn irgend eine Kenntnis oder nur einen Verdacht, daß der kühne Mann in dem gejagten Boote ein Bekannter ist, dessen Schicksal dir nahe geht?«

Der Alte, so stürmisch bedrängt, schwieg hartnäckig; als aber Ilske ihre Hand auf die seine legte und bittend sagte: »Daniel!« da konnte er nicht länger schweigen, sondern fuhr fort:

»Das ist es ja eben, was ich dir nicht sagen kann – Kenntnis habe ich gar nicht davon, aber einen Verdacht, eine Ahnung – hm! ja, die habe ich und habe ich nicht, wie du es nehmen willst.«

»Das ist freilich genug gesagt. Du ängstigst dich, und weißt nicht warum – willst du mir wenigstens vorreden – ich aber, Daniel, ich sage dir: jetzt weiß ich bestimmt, daß du mehr von der Sache und diesem Manne weißt, als du mich wissen lassen willst.«

Wiederum schwieg der Vogt, er konnte nichts entgegnen, und lügen wollte er nicht, was er der ehrlichen und treuen Ilske gegenüber niemals hatte zu stande bringen können. Es entstand daher eine lange Pause, die der guten Mutter Ilske endlich so lang wurde, daß sie sie zu verkürzen beschloß. Sie stand auf, holte ihre Bibel, schlug eins ihrer Lieblingskapitel auf und fing an zu lesen. Der Strandvogt, kaum bemerkend, was vorging – so tief war er in seine Träumereien versunken – saß unbeweglich ihr gegenüber: die Hände vor sich auf dem Tische gefaltet, blickte er nach der ihm gegenüberhängenden Uhr und rechnete wiederholt im Kopfe.

Nachdem die Alte etwa eine halbe Stunde gelesen, machte sie das trostreiche Buch zu und seufzte ein paarmal recht aus vollem Herzen. Es war unterdeß spät geworden, die Mitternacht war herangekommen und also die Stunde des Schlafengehens schon längst vorüber.

»Vater,« fing sie endlich wieder an, einen freundlichen Blick auf den geliebten Mann werfend, »ich weiß nicht, warum wir so lange wachen – willst du nicht zu Bette gehen?«

»Nein, ich fühle keine Lust zum Schlafen und bin heute nicht gestimmt dazu. Weit lieber ginge ich in den Wald und sähe die Sterne flimmern. Geh du aber zu Bette, wenn du müde bist.«

»Nein, dann will ich auch bei dir wach bleiben, denn ich wüßte mich nicht der Stunde zu erinnern, wo ich mich zur Ruhe begeben hätte, wenn du in Sorgen munter bliebst.«

Trotz ihres fest ausgesprochenen Willens nun, munter zu bleiben, überwältigte sie doch nach einiger Zeit der Schlaf; sie nickte ein, wachte dann wieder auf, seufzte und fiel endlich auf ihrem Stuhle in einen sanften Schlummer.

Als der Strandvogt die Überzeugung gewonnen, daß seine Frau fest eingeschlafen war, stand er leise auf, stellte sich ans Fenster und schaute begehrlich auf die See hinaus.

Der Mond war schon weit westlich gezogen und warf nur noch schräge Strahlen auf das unter dem klaren Sternenhimmel glitzernde Meer. Kein Wölkchen war am ganzen unermeßlichen Himmelsraume zu sehen. Leise strich der Nachtwind über die kleinen tanzenden Wellen, und die Brandung unten am Strande, die sich von der Berglehne wieder bis zu ihrer gewöhnlichen Grenze zurückgezogen hatte, schlug in langsam murmelnden Tönen bis zum Berge hinauf, wo das einsame Häuschen stand.

Nachdem der alte Seemann alle Erscheinungen eine Weile aufmerksam gemustert, wandte er sich wieder vom Fenster ab und schritt im Zimmer hin und her, aber so leise wie möglich, um den Schlummer seiner Frau nicht zu stören. Er konnte es sich selbst nicht länger verheimlichen, er wurde von Minute zu Minute unruhiger, denn was er in der geheimsten Herzensfalte erwartet hatte, schien sich noch immer nicht erfüllen zu wollen. Endlich aber gewann es den Anschein, als ob er sich auch damit begnügen wolle, und schon, dachte er im stillen daran, seine Sorge in die weichen Kissen seines Bettes zu begraben, als sein scharfes Ohr ein Geräusch vor dem Hause zu vernehmen glaubte, wie wenn ein Mensch die kleine Stackettür öffnete und in den Garten träte. Er horchte genauer hin, sein Herz schlug ihm hörbar in der Brust – da war es ihm, als ob ein Schatten draußen am Fenster sich zeige, und einen Augenblick darauf – ja, es war ein Mensch – wurde dreimal rasch hintereinander ans Fenster gepocht, und zwar so laut, daß auch Mutter Ilske augenblicklich aus ihrem Schlummer auffuhr.

Der Alte tat einen Schritt zum Fenster, der beinahe einem Sprunge...



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