Ganzert / Anderson | Tierische Filmstars | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 276 Seiten

Ganzert / Anderson Tierische Filmstars

Weltstars ohne Geld und Oscars
Auflage der EPUB Ausgabe
ISBN: 978-3-945574-72-0
Verlag: Reichel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Weltstars ohne Geld und Oscars

E-Book, Deutsch, 276 Seiten

ISBN: 978-3-945574-72-0
Verlag: Reichel Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Von Lassie, Benji und Fury bis zu Crackerjack, Finder und Hightower im 'Pferdeflüsterer' - für Millionen Filmfans sind die 'tierischen Stars' oft wahre Herzensbrecher; oft mehr geliebt als manches menschliche 'Sternchen'. Was aber geschieht hinter den Kulissen? Wo kommen diese Tiere her? Wie werden sie trainiert, motiviert, behandelt? Und vor allem: Wie arbeiten Weltstars wie Richard Gere, Julia Roberts und Steven Spielberg mit ihren knurrenden, wiehernden, miauenden Kolleg/inn/en zusammen? Was Regisseure, Tierschützer und Schauspieler mit den 'Sternen aus dem Tierreich' am Filmset erleben, davon berichtet dieses Buch. Und auch, wie die weltbesten Trainerinnen und Trainer ihre prominenten Schützlinge auf den Dreh vorbereiten - und welche Trainingtipps sie uns für unsere eigenen Tiere geben können.

Robin Ganzert ist Vorstandsvorsitzende und Präsidentin der American Humane Association (AHA), der ersten Tierschutzorganisation der USA (gegr. 1877). Vertreter der Vereinigung sind bei Dreharbeiten stets anwesend und stellen sicher, dass kein Tier überfordert oder anderweitig schlecht behandelt wird.
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Zielgruppe


Kinogänger, Fernsehliebhaber, Tierfreunde, Tiertrainer

Weitere Infos & Material


Finder als Joey in Gefährten


Der Traumschauspieler eines jeden Regisseurs


Von Bobby Lovgren 2


Stellen Sie sich vor, Sie würden in einer Filmschule, in der ein berühmter Regisseur als Gastprofessor unterrichtet, folgende fiktive Szene erleben. Ein Student hebt die Hand hoch. „Wie würden Sie den besten Schauspieler, mit dem Sie je gearbeitet haben, beschreiben? Was macht ihn so besonders?“

In der Klasse wird es still. Die Studenten und ihr Dozent warten gespannt. Der Regisseur überlegt kurz, bevor er antwortet.

„Wenn ich den idealen Schauspieler beschreiben sollte, dann würde ich sagen: ‚Er wirkt im Film so natürlich, dass man ihn nie für einen Profi-Schauspieler halten würde. Egal was um ihn herum auch geschieht - er bleibt ganz bei der Sache. Er beschwert sich nicht, wenn Szenen immer wieder aus verschiedenen Winkeln gedreht werden. Er ist eine einzigartige Persönlichkeit mit einer äußerst professionellen Einstellung und genießt es in gewisser Weise, im Mittelpunkt zu stehen. Kein kleiner Soldat, der Befehle ausführt, sondern ein Schauspieler, der zur Szene immer etwas Besonderes beisteuert. Meine Aufgabe ist es, seine Naturtalente hervorzuheben. Wenn die Kamera läuft, gibt er einhundert Prozent. Er ist bereit und voller Energie, und ihm macht die Arbeit Spaß.‘“

Die Studenten klatschen. Der Dozent steht mit verschränkten Armen hinten im Klassenzimmer. Er ruft nach vorne: „Haben Sie schon jemals mit einem solchen Schauspieler gearbeitet?“ Unser Regisseur lächelt feinsinnig. „Ja, habe ich“, sagt er. „Mein bester Hollywood-Schauspieler heißt Finder’s Key - auch einfach Finder genannt.“ Er macht eine dramatische Pause. „Und er ist ein Pferd.“

Mein idealer Pferdeschauspieler


Bei seiner Beschreibung des idealen Schauspielers hat der Regisseur die Eigenschaften von Finder, meinem vielseitig talentierten vierzehnjährigen Wallach, aufgezählt. Finder ist für seine herausragende Hauptrolle als Joey in dem Film Gefährten , der 2011 unter der Regie von Steven Spielberg gedreht wurde und für den Oscar nominiert wurde, berühmt. Der Film spielt im Ersten Weltkrieg und ist die Geschichte von Albert Narracott, der von Jeremy Irvine gespielt wird. Albert ist ein junger Mann, der seinem Pferd Joey in den Krieg folgt, fest entschlossen, es zurückzuholen. Ich war der „horse master“, wie diese Aufgabe in England genannt wird, und der leitende Trainer/Cowboy am Drehort. Dort war ich für 150 Pferde, Pferdepfleger und Trainer zuständig, die tolle Arbeit leisteten.

Zehn andalusische Pferde und Warmblüter aus Europa und Ungarn spielten Joey vom Fohlenalter bis zum erwachsenen Pferd. Finder spielte Joey in Schlüsselszenen: Wie Joey vor den Militäroffizieren Reißaus nahm, nachdem er verkauft worden war, wie er über einen Panzer sprang und wie er sich in der mitreißenden Szene im Niemandsland in (unechtem) Stacheldraht verfing. Finder übernahm auch die Rolle von Joeys Mutter, als Joey noch ein Fohlen war. Mein Finder blieb nach Abschluss der Dreharbeiten bei mir, und auch alle anderen Pferde bekamen ein gutes Zuhause.

Finder ist nicht die Art von Pferd, das Szenen mit einem menschlichen Schauspieler auf dem Rücken spielt. Seine Begabung liegt in speziellen Aufgaben. Er spielt bestimmte Handlungen „eigenständig“. Wegen seiner einzigartigen Talente flogen wir ihn von seinem Zuhause auf meiner Ranch in Südkalifornien zum Drehort von Gefährten in England. Finder weist eine Präsenz auf, die ich noch in keinem anderen Pferd beobachtet habe. Ich habe das Glück, seine unbändige Energie zügeln und in eine positive Richtung - seine Filmrollen - lenken zu können. Unser Erfolg beruht zu einem großen Teil darauf, dass Finder und ich eine Beziehung haben, die auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt aufbaut.

Wie ich Finder gefunden habe


Ich arbeitete als Trainer bei den Dreharbeiten zu Seabiscuit , als ich Finder’s Key, einem der beiden Pferde, die Spezialszenen durchführten, zum ersten Mal begegnete. Als typischer energiegeladener Vollblüter spielte er die Rolle eines Rennpferds. In Seabiscuit brauchte er zwar nicht bei Rennszenen mitzuspielen, doch er war in Abschnitten zu sehen, in denen ein Reitjockey ihn festhielt. Er war nie frei. Nach Ende der Dreharbeiten kaufte ich ihn, ohne zu ahnen, was für ein hervorragender Pferdeschauspieler aus ihm werden würde. Ich mochte einfach seine Persönlichkeit und seinen Stil.

Ich ging für ungefähr ein Jahr nach Afrika, um dort Pferde und Zebras für den Film Im Rennstall ist das Zebra los zu trainieren. Finder blieb auf meiner Ranch. Das bedeutete, dass ich nicht mit ihm arbeiten konnte. Dann bekamen wir den Auftrag, bei Die Legende des Zorro mitzuwirken, und so konnte ich herausfinden, wozu er fähig ist. Ich musste mit seiner starken Energie arbeiten und ihm beibringen, sie gezielt einzusetzen. Er bewies das eindeutige Potenzial, den anderen Mitspielern die Show zu stehlen.

Als wir schon zwei Jahre zusammen waren, zeigten sich allmählich Finders einzigartige Qualitäten. Während wir getrennt gewesen waren, war er reifer geworden. Er wurde für die Hauptrolle in Wildfire , einer Fernsehserie über Rennpferde, ausgewählt. Jede Woche musste er sich für die verschiedenen Episoden neue Fähigkeiten aneignen. Daran konnte ich erkennen, wie viel Spaß ihm diese Arbeit macht. Als ich herausfand, was er gut kann, ließ ich ihn diese Dinge tun.

Wie ich zum Trainer
von Pferdeschauspielern wurde


Viele der Techniken, die ich ursprünglich für die Trainingsarbeit mit Pferdeschauspielern gelernt hatte, stammen davon, dass ich schon als Kind und später auch als Erwachsener in Berührung mit professionellen Trainern kam. Meine Eltern besaßen einen der größten Spring- und Dressur-Reitställe in Südafrika, und daher wuchs ich mit Pferden auf. Fünf Jahre lang arbeitete ich als Stallmanager der Brentwood Park Stables, dem größten Show- und Springstall in Südafrika. Mehrere amerikanische Trainer besuchten den Stall, an dem wir Filme und Werbespots drehten, und so wuchs mein Interesse an ihrem Beruf.

Vor zweiundzwanzig Jahren ging ich in die Vereinigten Staaten. Dort lernte ich Glenn Randall Sr. kennen, der Pferde für Ben Hur und die Roy Rogers Show trainierte. Er und sein Sohn Corky Randall, der an allen Filmen der Reihe Der schwarze Hengst mitarbeitete, halfen mir, in der Branche einen Fuß in die Tür zu bekommen, und brachten mir die Grundlagen des Pferdetrainings für den Film bei. Glenn und Corky Randall führten die heutigen Methoden der Pferdetrainer und Cowboys für Dreharbeiten ein - und zwar alles von der Sicherheit der Tiere bis hin zu den Prozeduren und der Philosophie. Nach meiner anfänglichen Arbeit mit den Randalls bildete ich mich selbst weiter. Mein erster wichtiger Film war Die Maske des Zorro mit Antonio Banderas. Ich arbeitete als Pferdetrainer an diesem Film.

Das Allerwichtigste, was ich gelernt habe, ist, sehr, sehr geduldig zu sein. Als normaler Pferdetrainer zu Hause mit Tieren zu arbeiten ist etwas ganz anderes, als ein Pferd für einen Film zu trainieren. Am Drehort muss der Trainer wissen, wie die Kamera funktioniert und was für die Dreharbeiten notwendig ist. Manchmal wuseln bis zu zweihundert Leute herum, die alle ihren Job machen. Das Pferd muss in der Lage sein, das zu tun, was nötig ist, damit es inmitten all dieser Menschen und Ablenkungen frei arbeiten kann. In Gefährten mussten die Pferde außerdem den Rauch, Lärm und Staub verkraften, während die einzelnen Szenen mit Spezialeffekten versehen wurden.

Eine meiner bewährten Techniken, die ich von den Randalls gelernt habe, ist, das Tier nicht mit Veränderungen zu verwirren. Ein Pferd baut Vertrauen zu einem Trainer auf, wenn er konsistent bleibt. Manchmal fühlen sich Trainer jedoch genötigt, den Pferden innerhalb eines kurzen Zeitrahmens neue Verhaltensweisen beizubringen. Aber den Tieren ist unser Zeitplan egal. Erfolgreiches Training erfordert die Geduld, dafür zu sorgen, dass das Pferd genau versteht, was von ihm erwartet wird. Je einfacher ich das Pferdetraining gestalte, umso leichter kann das Tier seine Aufgabe lernen.

Manche Tiere arbeiten für Leckerchen, doch wie ich festgestellt habe, ist die größte Belohnung, die ich einem Pferdeschauspieler geben kann, ihn in Ruhe zu lassen, wenn er gute Arbeit geleistet hat. Ich habe bei Wildtieren beobachtet, dass eine Stute ihrem Fohlen Milch gibt und es wegschubst, wenn es ihrer Meinung nach genug getrunken hat. Wenn ein Pferd eine Leistung korrekt erbringt, streichle ich es daher und gehe dann weg.

Wenn ein Pferd für Essen arbeitet, hört es auf zu arbeiten, wenn es keinen Hunger hat. Wenn Leute am Drehort Äpfel mit sich herumtragen oder wenn ein Schauspieler mit einem Apfel oder einer Karotte zur Szene kommt, erschwert mir das die Arbeit. Ich arbeite lieber mit einfachen Methoden. Mache deinen Job, dann wirst du zur Belohnung in Ruhe gelassen, damit du dich ausruhen oder spielen kannst. Das funktioniert bei Pferden viel besser, als ihnen abends am Stalltor Leckerchen zu geben oder sie nach erfolgter Aufgabe von Hand zu füttern.

Finders einzigartige Talente


Sein Pferd zu verstehen ist extrem wichtig, denn der Trainer muss sich in das einfühlen, was das Tier denkt. Wie bewusst ist es sich der Aufgabe,...


Anderson, Linda
Allen und Linda Anderson widmen sich als Buchautoren vor allem den Themen „Beziehung von Mensch und Tier“. Ihre Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und u. a. vom „Authors Outstanding Book Award Program“ für ihre herausragende Qualität ausgezeichnet.

Anderson, Allen
Allen und Linda Anderson widmen sich als Buchautoren vor allem den Themen „Beziehung von Mensch und Tier“. Ihre Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und u. a. vom „Authors Outstanding Book Award Program“ für ihre herausragende Qualität ausgezeichnet.

Ganzert, Robin
Robin Ganzert ist Vorstandsvorsitzende und Präsidentin der American Humane Association (AHA), der ersten Tierschutzorganisation der USA (gegr. 1877). Vertreter der Vereinigung sind bei Dreharbeiten stets anwesend und stellen sicher, dass kein Tier überfordert oder anderweitig schlecht behandelt wird.



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